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Nikos Kazantzakis

Konstantin Stavridis, Jg 1969, lebt Berlin und auf Kreta.Emotional tief berührend und leidenschaftlich mitreissend wie keine andere spirituelle Schrift, die mir in meinem Leben begegnet ist, hat die Askese entscheidenden Einfluss auf meine persönliche geistige Entwicklung genommen. Über zehn Jahre hatte ich dieses lyrisch-mystische Meisterwerk bei all meinen Reisen stets im Gepäck. In jungen Jahren als griechischer Reisender an den einsamen Küsten Kretas berührten mich die Zeilen der Askese tief im Herzen, sie schenkten mir einen Ausdruck, von dem ich gar nicht wusste, wie gross meine Sehnsucht danach war..Nikos Kazantzakis wurde am 18. Februar 1883 im heutigen Heraklion auf Kreta geboren, das damals noch unter osmanischer Herrschaft stand. Seine Mutter stammte aus einer Familie von Bauern, sein Vater, ein Kaufmann, kämpfte gegen die türkischen Besatzer. Nach dem Schulbesuch auf Kreta studierte Kazantzakis Rechtswissenschaften an der Universität Athen und schloss sein Studium 1906 ab. Bereits damals entstanden seine ersten Werke. Mit dem Roman Der Tag bricht an wurde er in ganz Griechenland bekannt. 1907 ging er nach Paris, wo er Staatswissenschaften bei Henri Bergson studierte, dessen Ideen zu Zeit, Freiheit und Kreativität Kazantzakis' Denken stark prägten und den er später als einen seiner wichtigsten Lehrer bezeichnete. In dieser Zeit entstanden weitere literarische und philosophische Texte, Kazantzakis begann sich intensiv mit Philosophie, Literatur und religiöser Mystik auseinanderzusetzen. Das Studium schloss er mit einer Dissertation über Friedrich Nietzsche ab. Neben diesem waren Buddha, Christus, Lenin und Dante zentrale Figuren in seinem geistigen Kosmos.Kazantzakis bereiste unter anderem Griechenland, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Russland, China, Japan, Italien, Ägypten, Palästina und Spanien. In einigen dieser Länder liess er sich für einige Zeit nieder (z. B. in Berlin von 1920 bis 1923). Er arbeitete als Journalist, Auslandskorrespondent, Übersetzer und Autor und engagierte sich zeitweise in der griechischen Politik. 1945 beauftragte ihn die griechische Regierung, Kriegsverbrechen der deutschen Besatzungsmacht auf Kreta zu untersuchen. Am 28. Juni 1956 verlieh ihm der Weltfriedensrat in Wien den Internationalen Friedenspreis für das Jahr 1955. Das literarische Werk Kazantzakis' ist umfangreich und ausgesprochen vielfältig. Weltweit bekannt wurde er durch seinen Roman Alexis Sorbas (1946), der 1964 verfilmt wurde und nach dessen Erscheinen er von seiner Arbeit als Schriftsteller leben konnte.

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Askese

Salvatores Dei ist eines der zentralen philosophischen Werke von Nikos Kazantzakis. Es wurde 1927 erstmals veröffentlicht und ist eine Art spirituelles Manifest. In poetischer, oft prophetisch klingender Sprache reflektiert Kazantzakis die tiefsten Fragen menschlicher Existenz: den Sinn des Lebens, das Verhältnis zu Gott, die Natur des Universums und den Weg zur inneren Freiheit.Das Buch ist kein klassischer philosophischer Traktat, sondern ein leidenschaftlicher Aufruf zur geistigen Selbstüberwindung. Kazantzakis sieht das Leben als ständigen Kampf - nicht nur gegen äußere Widerstände, sondern vor allem gegen die inneren Grenzen des Menschen, der im Spannungsfeld zwischen Materie und Geist, zwischen Vergänglichkeit und Unendlichkeit steht.Zentral ist die Idee, dass Gott nicht als fertiges Wesen existiert, sondern durch uns Menschen erlöst werden muss. Der Mensch ist damit nicht ein passiver Empfänger göttlicher Gnade, sondern ein aktiver Retter Gottes. Diese provokante Umkehrung traditioneller religiöser Vorstellungen betont Kazantzakis' existenzialistischen Zugang zur Spiritualität.Die Askese fordert eine radikale innere Disziplin (griechisch: askesis), die allerdings keine Flucht vor dem Leben bedeutet, sondern die bewusste, oft schmerzhafte Auseinandersetzung mit dem Dasein. Ziel ist es, durch den inneren Kampf und die bewusste Entscheidung zur Verantwortung über sich hinauszuwachsen - ohne Hoffnung, ohne Angst, mit absoluter Freiheit.Die Askese ist ein Beitrag zur Vision einer dogmenfreien, universellen Verbundenheit aller Menschen; sie bietet eine lyrisch-spirituelle Orientierung jenseits aller Religionen und Glaubensinstitutionen. Es geht dabei im Kern, fast schon persönlich, um die umfassende Entwicklung jedes einzelnen Menschen, basierend auf einem tief verwurzelten humanistischen Verständnis. Das Buch motiviert damit, unabhängig vom Zeitgeist, immer wieder neu zu einer lebendigen Auseinandersetzung mit den großen Fragen unseres Daseins.
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