Mit der Erforschung in der Vergangenheit liegender »Sachverhalte« hat es der Autor schon von Berufs wegen zu tun.
Martin Bauer (geb. 1962) ist Kriminalbeamter bei einem Polizeipräsidium im nördlichen Baden-Württemberg, wo er seit Anfang der 1980er Jahre die klassische Polizeikarriere vom einfachen Streifenbeamten zum langjährigen Ermittler für Betrugs- und Wirtschaftsdelikte durchlaufen hat.
Seit frühester Jugend widmet er sich der historischen Forschung. »Interessante Geschichten sind an jeder Ecke zu finden«, stellt er fest, »es muss sich nur einer bücken, sie aufsammeln, etwas aufpolieren und weitergeben. Diese Aufgabe übernehme ich gerne«.
Am 18. September 1900 wurde die „Firma Dittmar & Ostertag. Damenausputzartikel. Geschäft en gros und Agentur in diesen Artikeln“ im Handelsregister Stuttgart eingetragen. Frauen klöppelten in Heimarbeit filigrane Spitzen, die die Firma im Laufe ihrer wechselvollen Geschichte weltweit vertrieb. Der Künstler Herbert Stattler hat zahlreiche Archive durchforstet, um mit 38 Zeichnungen die Geschichte der Handarbeiterinnen und der 1954 aufgelösten Firma zu erzählen und die kunsthistorische Bedeutung der von ihnen gefertigten Spitzen zu würdigen. Spitzenwaren ist ein Kaleidoskop aus Zeitsplittern. Das Buch thematisiert die Produktionsbedingungen weiblicher Heimarbeit und ist zugleich Textil-, Technik-, Kultur- und Konsumgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Anhand der Spitzenmuster, die nach Entwürfen von Musterzeichnerinnen gefertigt wurden, lässt sich die Entwicklung von Ornament, Dekor, bis hin zur ästhetischen Praxis autonomer Formfindung beobachten.
Herbert Stattler lebt als Künstler in Berlin. Seine Zeichnungen erscheinen in Form von Serien und Künstlerbüchern. Martin Bauer arbeitet als Lektor und Redakteur, zuletzt u. a. bei Soziopolis und Mittelweg 36.