Manès Sperber Geboren am 12. 12. 1905 in Zablotow am Pruth (Ostgalizien), gest. am 5.2.1984 in Paris; die Familie Sperber floh vom Kriegsschauplatz 1916 nach Wien, 1927 Übersiedelung nach Berlin, 1933 Flucht ins Exil nach Frankreich und in der Folge weiter in die Schweiz, 1937 Bruch mit der Kommunistischen Partei; nach dem 2. Weltkrieg kulturpolitischer Berater der französischen Regierung und Lektor beim Verlag Calmann-Lévy; in seinen zumeist autobiographisch, essayistisch gehaltenen Schriften reflektierte Sperber die großen Katastrophen dieses Jahrhunderts, aber stets mit dem Hinweis auf die Verbesserbarkeit des Individuums. (Hauptwerke: Romantrilogie „Wie eine Träne im Ozean“, Autobiographie „All das Vergangene“) Mirjana Stancic (Hrsg.) Geboren 1953 in Zagreb, Studium der Germanistik, Anglistik und der Klassischen Philologie in Zagreb, bis 1993 Univ. Dozentin an der Universität Osijek/Kroatien, seither Lehrtätigkeit an der Ruhr-Universität in Bochum. Buchpublikationen zur Rezeption der Philosophie in der Literatur, zur österr. Literatur des 20. Jahrhunderts sowie zu deutsch-jüdischen Autoren; zuletzt erschien von ihr „Manès Sperber. Leben und Werk“ (2003).
Charlatan und seine Zeit – ein früher, bisher unbekannter Roman von Manès Sperber (1905–1984) erblickt in der „Bibliothek Gutenberg“ das Licht der Welt. Der in Galizien geborene, am Chassidismus, an Nietzsche, Dostojewski, den russischen Anarchisten und an Alfred Adlers Individualpsychologie geschulte Autor erzählt in diesem 1924 entstandenen Werk das Leben von Marcel Haran, eines Bohemiens in Wien im Spannungsgeflecht konkurrierender Ideen und Strömungen im dunklen Glanz der Zeit um den Ersten Weltkrieg. Von Unrast getrieben begibt sich Haran bald nach Russland, um im aufkommenden Kommunismus psychotherapeutisch tätig zu werden, bis er schließlich entmutigt ins vertraute Milieu seiner Heimatstadt zurückkehrt. Der Roman reflektiert autobiographisch Manès Sperbers eigene Jugend in Wien, eines Autors, der mit hohen und höchsten Auszeichnungen – dem Georg Büchner-Preis, dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur, der Buber-Rosenzweig-Medaille, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels – in der literarischen Welt geehrt wurde.