Karol Sidon, 1942 in Prag geboren, hat
an der dortigen Film- und Fernsehakademie
studiert und anschliessend u. a. als
Hörspielautor und Dramaturg gearbeitet.
In den Sechzigerjahren trat er erstmals
als Schriftsteller in Erscheinung. Er ist
Unterzeichner der Charta 77 und war
während des Kommunismus im Widerstand
aktiv. 1978 konvertierte er zum Judentum.
1983 ging er nach Westdeutschland,
um in Heidelberg Judaistik zu studieren.
Anfang der Neunzigerjahre kehrte Sidon
schliesslich nach Tschechien zurück. Ab 1992
war er Oberrabbiner von Prag, jetzt ist er
tschechischer Landesoberrabbiner.
»Im Jahr fünfundvierzig bekam meine Mutter die Nachricht, dass es besser wäre, mit mir wegzugehen, da mir Deportation und Gaskammer drohten.« So beginnen Karol Sidons literarische Erinnerungen an seine Kindheit im Prag der Vierziger- und Fünfzigerjahre, an die Bewohner der Stadt und diejenigen, die nicht mehr zurückgekehrt sind – allen voran der Vater, der im KZ Theresienstadt umgebracht wurde. Der kleine Karol, zu diesem Zeitpunkt erst zwei Jahre alt, vermisst ihn trotzdem und deshalb ein Leben lang.