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Die Schlaf-Börse
Die Schlaf-Börse ist mehr als nur ein Handelsplatz – sie ist ein Spiegelbild unserer Leistungsgesellschaft, in der selbst das Grundbedürfnis nach Erholung zum Spekulationsobjekt wird. Über biometrische Armbänder werden Schlafqualitäten erfasst, klassifiziert und mit Coins bewertet. Wer gut schläft, wird reicher. Wer erschöpft ist, gerät in eine Abwärtsspirale aus Schlafmangel und Verschuldung. Die Protagonisten dieser sechs Geschichten navigieren durch dieses perfide System, jeder auf seine Weise: vom Hafenarbeiter Nils, der drei Jobs jongliert und von einer einzigen durchgeträumten Nacht träumt, bis zu jenen, die im Markt der erschöpften Träume nach Auswegen suchen.
Brammer entwirft seine düstere Vision mit beeindruckender Detailgenauigkeit. Die Atmosphäre von Hamburg-Altona mit seinem Dieselgeruch und nassem Beton wird ebenso greifbar wie die verzweifelte Müdigkeit der Figuren. Der Autor verbindet sozialkritische Science-Fiction mit psychologischer Tiefe und erschafft dabei Charaktere, die trotz – oder gerade wegen – ihrer Erschöpfung von berührender Menschlichkeit sind.
Was diese Geschichtensammlung besonders macht, ist ihre erschreckende Plausibilität. In Zeiten von Selbstoptimierung, permanenter Erreichbarkeit und der Ökonomisierung aller Lebensbereiche erscheint die Schlaf-Börse nicht als ferne Dystopie, sondern als logische Konsequenz aktueller Entwicklungen.
Buch (Taschenbuch)
23,50€