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Christhard Richter

Ich wurde 1938 in Niederlauken bei Usingen als erstes von vier Kindern geboren. Mein Vater war Pfarrer der Bekennenden Kirche, was im 3. Reich keine besondere Empfehlung war: Er wurde eingezogen und ich sah ihn nur sporadisch. Ich erlebte den Krieg in einem Dorf nahe Darmstadt in vollen Zügen, aber ohne einen Tropfen Blut gesehen zu haben. Ich konnte dem ganzen Geschehen eher lustige und interessante Aspekte abgewinnen.
Wir sind mehrmals in Südhessen umgezogen, deshalb verdanke ich meine gesamte Schulbildung bis zur Hochschulreife (TH Darmstadt) mehreren hessischen Schulen. Nach so viel Lokalkolorit hat es mir gereicht und ich wollte auswandern und nahm in die USA eine Position als Unternehmensberater an. Nach drei Jahren dort zog es mich doch wieder nach Deutschland und ich landete - wieder in Hessen als Manager in unterschiedlichen Konsumgüterfirmen, wo ich Außendienste reorganisierte. Wir haben zwei Kinder.
Nun wohne ich schon seit 50 Jahren in Schwalbach.

Isch hab den Krieg nit gemacht von Christhard Richter

Zuletzt erschienen

Isch hab den Krieg nit gemacht

Isch hab den Krieg nit gemacht

Buch (Taschenbuch)

ab 7,49€

Was macht man, wenn man im Nachlass seiner Eltern deren Ta-gebuch aus dem Krieg findet? Eben. Genau das habe ich auch getan. Und dabei die Lust bekommen, selbst etwas dazuzuschrei-ben.
Ich nahm ihre Aufzeichnungen als Gerüst, um sie mit meinen ei-genen Erlebnissen zu ergänzen, abzugleichen und sie auch in ei-nen zeitlichen Kontext zu bringen.
Meine Eltern hatten viel fotografiert und auch so den Aufzeich-nungen eine zusätzliche Dimension gegeben. Zusammen mit meinen Erinnerungen dürfte das Zeitgemälde vielleicht sogar eine dritte Dimension bekommen haben.
Das Tagebuch lässt die Auswirkungen des Kriegs in dem kleinen Dorf spüren und gibt selbstverständlich gerade das wieder, was so in und mit der Familie durch ihn passierte. Der Kindermund kommt dabei nicht zu kurz und in hessisch herüber und ist bei Bedarf mit hochdeutscher Übersetzung versehen.
Aus dem Blickwinkel des Kindes wird das Kriegsgeschehen zudem nicht immer so traurig gesehen wie aus der Sicht der Erwachsenen.
Nicht zu kurz kommen auch die familiären Auseinandersetzun-gen, die sich schon daraus ergaben, dass mich meine Eltern religiös erziehen wollten, ich mich aber lieber bei meiner Oma aufhielt, die den lieben Gott nur brauchte, wenn sie etwas verloren hatte und der dann seinen Hl. Christophorus ausschicken musste. Bei Erfolg war mit einem dankbaren Blick nach oben die Religion vorerst einmal wieder abgehakt.
In dem Spannungsfeld großmütterlicher Bodenständigkeit und mütterlicher Jenseitsbezogenheit eröffneten sich dem Kind da-zwischen mannigfache Gestaltungsmöglichkeiten seines kleinen Lebens.
Zufälligerweise war die meiste Zeit Krieg und der brachte so ganz eigene Einflüsse und eigenartige Geschehnisse mit ein, die hier glücklicherweise nie etwas mit Blut und Tod zu tun hatten.

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