Annette Frei Berthoud studierte Geschichte und Ethnologie an der Universität
Zürich. Ihre Dissertation «Rote Patriarchen» war das erste von mehreren historischen
Büchern, darunter die Biografie der Sozialistin Anny Klawa-Morf, die
sie auch in einem Film porträtierte. In den 1970er Jahren begann sie, zusammen
mit anderen Studentinnen, die unbekannte Geschichte der Frauen aufzuarbeiten.
Neugierde und Interesse an Menschen, Geschichten und Kulturen führten die
Historikerin zum Dokumentarfilm. Rund hundert Filme zu kulturellen und gesellschaftlichen
Themen sind das Resultat einer Leidenschaft, die sie in viele Länder
führte und immer noch antreibt.
Sie war engagiert, charismatisch und liebenswert. Anny Klawa-Morf (1894–1993) kämpfte ein Leben lang mit grosser Selbstverständlichkeit und Beharrlichkeit für die Idee einer gerechteren Gesellschaft und für die Gleichstellung der Frauen. Dabei erlebte sie Erfolge, machte aber auch bittere Erfahrungen. Hautnah erlebte sie die Revolutionen nach dem Ersten Weltkrieg. Rückblickend auf ihr fast hundertjähriges Leben erklärte sie: «Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis einmal der Gedanke der Gleichberechtigung Wirklichkeit wird. Dazu braucht es viel Kleinarbeit, aber diese Kleinarbeit lohnt sich.» Zum 130. Geburtstag von Anny Klawa-Morf wird ihre Lebensgeschichte neu aufgelegt.