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Mario Pf. aus Oberösterreich

Gesamte Bewertungen 280 (ansehen)


Meine Bewertungen

Die Geschichte der CIA

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 18.12.2008

Tim Weiner ist als zweifachen Pulitzer-Preis-Träger mit seinem Werk "Legacy of the Ashes: The History of the CIA" ein mit dem National Book Award ausgezeichneter New York Times Bestseller gelungen. Dazu hat er sich intensiver Recherchen und zahllosen Interviews mit Insidern und 10 ehemaligen CIA-Direktoren bedient, um die Geschichte der Central Intelligence Agency von 1945 bis 2007 nachzuzeichnen. Es handelt sich hierbei um die erste frei erhältliche CIA-Chronik anhand von Primärquellen wie den oben erwähnten Interviews und teils erst kürzlich freigegebenen Dokumenten des US-Bundesarchivs NARA (National Archives and Records Administration).

"In diesem Buch geht es um die ersten 60 Jahre des amerikanischen Auslandsnachrichtendienstes Central Intelligence Agency (CIA). Geschildert wird, dass und wie das mächtigste Land in der Geschichte der westlichen Zivilisation an der Aufgabe gescheitert ist, einen erstklassigen Spionagedienst aufzubauen. Dieses Scheitern stellt eine Gefahr für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten dar.", schreibt der Autor auf Seite 19 selbst und nach der Lektüre wird man ihm wohl auch gegen anfängliche Ablehnung zustimmen. Gegründet um ein Zweites Pearl Harbour zu verhindern, war die Arbeitsweise der CIA seit jeher kurzsichtig und kontraproduktiv, wie der 11. September 2001 (nicht 1998 wie es im Vorwort der deutschen Ausgabe fälschlicherweise heißt) bewiesen hat. Einer der größten Erfolge der CIA, der mythisch verklärt zu einer Erfolgsgeschichte hochstilisiert wurde, hat die nationale Sicherheit erschüttert. Einst belieferte die CIA afghanische Mudschaheddin mit Waffen für den Dschihad gegen die Sowjetunion, Jahrzehnte später richteten diese ihre Waffen gegen den einstigen amoralischen Verbündeten. Das Zweite Pearl Harbour wurde Realität und im Zuge des ausgerufenen "War on terrorism" ermöglichten nebulöse CIA-Berichte über Massenvernichtungswaffen im Irak und grundlegende Intentionen von ehemaligen Regierungsmitgliedern Bush seniors einen Krieg der weit über sein ursprüngliches Ziel hinaus zur Besatzung führte und nicht von ungefähr als Zweites Vietnam angesehen wird.

An Gründen zu einer Reform der Agency hat es nie gemangelt, die Generalinspekteure lieferten immer wieder untrügliche Beweise für die Fehler des Systems, doch verschwanden diese Berichte nicht selten in den Schubladen der Direktoren. Tim Weiners "CIA: Die ganze Geschichte" ist ein Plädoyer für die längst überfällige Reform, damit Szenarien wie aus "Unser Mann in Havanna" nicht mehr länger der traurigen Realität entsprechen mögen. Es ist ein geniales Buch, das kaum ein gutes Haar an der Agency lässt und zugleich eine Geschichte von Amerikas schmutzigen Kriegen abgibt. Über den geschichtlichen Kontext ist es dem Leser dank dieses Werkes möglich so manche Entwicklungen im Zuge von 9/11 besser, wenn nicht überhaupt erst, zu verstehen.

Fazit:
Ein sehr fundiertes Werk bei dem es wert ist jede Seite gelesen zu haben. Informativ und spannend erzählt Tim Weiner die Geschichte des bekanntesten Geheimdienstes der Welt.

5 von 5 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
CIA - Tim Weiner
CIA
von Tim Weiner
(9)
Buch (Taschenbuch)
13,40

Medien in Österreich

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 22.09.2008

"Was wir über Politik wissen, haben wir fast ausschließlich aus den Massenmedien erfahren. Blättert man Zeitungen, stößt man von der ersten bis zur letzten Seite auf Aussagen von Politikern und Politikerinnen. Auch in den Zeitschriften und Illustrierten sind sie präsent. Im abendlichen Fernsehen verstärken sie unseren Eindruck, dass sie Tag und Nacht unterwegs sein müssen. Sie eröffnen Veranstaltungen, sie halten Festreden und machen Pressekonferenzen. Wir wissen, was sie gerne essen, welche Hobbys sie haben und vieles andere.
In der Regel kennen wir unsere Politiker und Politikerinnen nicht persönlich, wir sind deshalb auf Informationen in den Massenmedien angewiesen. Wir gehen davon aus, dass der Eindruck, den uns die Massenmedien über unsere Politiker und Politikerinnen vermitteln, der Realität entspricht. Ist das wirklich so?"
- Die Herausgeber Clemens Hüffel, Fritz Plasser und Dietmar Ecker im Vorwort (Seite 7)

Band 2 der vom Holzhausen Verlag herausgegeben Reihe "1x1 der Politik" versucht dieser Frage auf den Grund zu gehen und wird dabei zu einem durchaus vorzeigbaren Büchlein über österreichische Medien und ihr Verhältnis zur Innenpolitik. Mit Publikationen wie dieser kann der Ära Gusenbauer, welche vor allem mit der künftigen Verlängerung der Legislaturperioden auf 5 Jahren und Wählen mit 16 gerade im Bereich der Demokratie sehr viel bewegt hat, doch noch etwas gutes abgewonnen werden. "Entscheidend bist Du" nennt sich die initiierte Demokratie-Kampagne, welche vor allem Jungwähler wieder für die Demokratie begeistern soll und welche von den Publikationen der Reihe "1x1 der Politik" ideal ergänzt wird.

Wie wenig die im Buch formulierten Ideale tatsächlich erfüllt werden, sei dahingestellt. Es ist leider nicht unbedingt Aufgabe des Buchs Kritik an der Ist-Situation zu üben, sondern möglichst diplomatisch einen Überblick zu bieten. Wirkliche politische Bildung muss man sich schlussendlich selbst erwerben, das ehemals Staatsbürgerkunde bekannte Unterrichtsfach darf zumindest laut Lehrplan nur eine Art Gebrauchsanweisung oder Beipackzettel für die parlamentarische Demokratie liefern, in der wir leben.

Aber gerade "Medien und Politik" schafft es durch einige doch sehr interessante Einsichten und vor allem statistischen Material der Media-Analyse 2007 sich einen sehr repräsentativen Charakter zu verschaffen. Das Bändchen eignet sich durchaus auch als Nachschlagewerk und trotz der Teenager-Zielgruppe, welche durch einen sehr simplen Schreibstil erreicht werden soll, könnte das Werk für viele ältere Personen interessant sein, erlaubt es doch einen grundsätzlichen Einblick in die österreichische Medienlandschaft.

Fazit:
Eine empfehlenswerte, wenn auch leicht überteuerte und für eine jugendliche Zielgruppe gedachte Einführung in die österreichische Medienlandschaft und ihr Verhältnis zur Politik

10 von 14 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Medien und Politik - Patricia Käfer
Medien und Politik
von Patricia Käfer
(1)
Buch (Taschenbuch)
7,00

Demokratische Betätigungsmöglichkeiten in Österreich

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 22.09.2008

"Entscheidend bist du" nennt sich die noch von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer gestartete Initiative, welche gewissermaßen als Kontrastprogramm zur Verlängerung künftiger Nationalratslegislaturperioden auf 5 Jahre, das Wahlalter auf 16 Jahre senkte und die politische Bildung der österreichischen Jugend verbessern sollte. Ein entscheidender Schritt dahin, ist die Einführung des Fachs "Geschichte und politische Bildung" in der achten Schulstufe.

Andrea Heigl und Philipp Hackerklären auf, über Wahlarithmetik, die etablierten Parteien und wie Wahlen auf Gemeinde-, Landes-, Bundes- und EU-Ebene ablaufen, ebenso wie näher auf die Politik im kleinen, also Schüler- und Studentenvertretungen eingegangen wird. Mit zahlreichen Statistiken und Ländervergleichen lassen die Autoren den Blick auch über den österreichischen Tellerrand hinausschweifen und erklären etwa die markanten Unterschiede zwischen Bundespräsidenten in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien und den USA.

Dabei ist der sehr leicht verständlich und locker gehalten, um nicht durch hochtrabendes Dozieren potentiell politisch Interessierte von vornherein abzuschrecken, denn "Wer sich in der Schulpolitik engagiert, darf sich nicht erwarten, die Welt oder auch nur die eigne Schule von heute auf morgen zu verändern. Das heißt keineswegs, dass es keinen Sinn hat, sich zu engagieren: Viele Sachen lassen sich verändern – und wer sich nicht engagiert, versucht es nicht einmal. Jedes Engagement ist auch eine Erfahrung – selbst wenn es oft keine sichtbaren oder zählbaren Ergebnisse gibt." (S. 34-35)

Doch zuviel darf man sich vor allem als älteres Semester von diesem Bändchen nicht erwarten, auch wenn es unlängst in einer namhaften Gratiszeitung angepriesen wurde. Aber man erfährt auch sehr unmissverständlich und wenig professionell, dass die Autoren oder auch die Herausgeber in deren Auftrag das Werk entstanden ist, konkret ein Mehrheitswahlrecht präferieren würden bzw. dieses in sehr günstigen Licht erscheinen lassen. Auch ist so manche Aussage etwas missverständlich, wie zur Parteifarbe der ÖVP (S. 29) "Die Parteifarbe war ursprünglich schwarz, daher ist auch oft von den "Schwarzen" die Rede."

Vieles wird nicht sehr genau ausgearbeitet, wenn es beispielsweise heißt (S. 31): "Bis heute ist die FPÖ die Vertretung des "dritten Lagers", also jener die sich weder mit der ÖVP noch mit der SPÖ verbunden fühlen." Man erfährt nichts über Geschichte oder Bedeutung jenes dritten Lagers, dem der FPÖ überraschend das alleinige Vertretungsrecht zugesprochen wird und das heute neben der nicht mehr im Nationalrat vertretenen KPÖ auch die Grünen und das BZÖ umfasst.

Es sind Flapsigkeiten, die sich dennoch sehr ärgerlich auswirken können. Was dem Büchlein klar fehlt sind die entsprechenden Hintergrundinformationen, welche das Werk auf die Zusammenfassung von Wikipedia-Artikeln reduziert. Es ist zwar interessant die Sozialpartnerschaft auf Seite 23 als "Schattenregierung", besonders im Dienste großer Koalitionen, bezeichnet zu sehen, was auch etwas genauer erklärt wird, aber dennoch fehlen anderenorts wieder genau solche zumindest grundlegende Erklärungen.

Fazit:
Vom Preis-Leistungs-Verhältnis her ein leicht überteuerstes Werk, dessen großer Vorteil vor allem im lässig-lockeren Stil besteht, der sich direkt an die frischgebackenen Ab-16-Wähler und bis zu 2 Jahre jüngere Schüler wendet. Inhaltlich gibt es zwar wenig her, kann aber durchaus auch älteren Semestern empfohlen werden, da zumindest die Grundlagen gut zusammengefasst werden.

10 von 11 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Wahlen in Österreich - Andrea Heigl, Philipp Hacker
Wahlen in Österreich
von Andrea Heigl
(1)
Buch (Taschenbuch)
7,00

Der enttäuschte Hoffnungsträger

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 18.09.2008

Als Rudolph Franz Carl Joseph "des Kaiserthumes Österreich Kronprinz und Thronfolger, königlicher Prinz von Ungarn und Böhmen, der Lombardei und Venedigs, von Dalmatien, Croatien, Slawonien, Gailizien, Lodomerien und Illyrien. Erzherzog von Österreich. Ritter des Goldenen Vlieses" am 21. August 1958 geboren wurde, war die Revolution von 1848 noch lange nicht vergessen. Es war der Verdienst von Kaiser Franz Josephs "braven Armee" und der verbündeten Russen gewesen, dass der damals noch junge Monarch die Macht im Staate überhaupt behalten konnte. Die nach wie vor hohen Militärausgaben belasteten die Staatskasse sehr, doch der Kaiser fühlte sich der Armee und seinen Generälen zu Dank verpflichtet, was mitunter ein Grund für die Ernennung des neugeborenen Kronprinzen zum Offizier gewesen sein dürfte. Mit dem ersten Tag seines Lebens schien Rudolphs Leben durch seinen Vater damit vorbestimmt, er sollte Offizier werden...

"Kronprinz Rudolf - Ein Leben" ist Brigitte Hamanns Meisterwerk, jenes Buch, das in zahllosen Auflagen die gängigste Rudolf-Biografie darstellt und Eingang in viele andere Werke gefunden hat. Aber das Werk ist zugleich auch Ausgangspunkt für spätere Werke der freien Autorin, wie Hitlers Wien. Die politischen Strömungen, die Lebzeiten Kronprinz Rudolfs entwickelt haben, werden in Hitlers Wien etwa direkt aufgegriffen und genauer dargestellt. Doch in der Kronprinzen-Biografie findet man nur wenig handfeste politische Elemente, auch das Leben des Kronprinzen tritt von Zeit zu Zeit eher in den Hintergrund, wenn wichtige Persönlichkeiten in seinem Leben herausgearbeitet oder Beziehungen wie die zwischen Marie Valerie und ihren älteren beiden Geschwistern Rudolf und Gisela genauer beleuchtet werden. Es ist eine fast schon verklärende und romantisierende Darstellung, die "Kronprinz Rudolf - Ein Leben" geprägt hat. Das macht das Buch nicht unbedingt schlecht, denn als Einstiegslektüre ist es hervorragend, doch zugleich gibt es auch Aspekte, die von anderen AutorInnen in neueren Werken widerlegt wurden (wie Katrin Unterreiner in "Kronprinz Rudolf - Ich bin andere Wege gegangen….").

Doch was Brigitte Hamann gelingt ist dem Leser das Drama des Kronprinzen anschaulich zu vermitteln. Anhand der Geschichte Rudolfs werden auch die begleitenden Umstände seines Weges nach Mayerling geschildert. Die Diktion, welche Brigitte Hamann begründet hat, wurde seither vielfach aufgegriffen. Ganz klar verweist sie Mayerling-Mythen in das Reich der Fiktion und stellt die reale Version dar, wobei sie auch Erklärungsmöglichkeiten für den Entstehung zahlreicher Verschwörungstheorien aufzeigt, ohne dies allerdings bewusst anzusprechen. Ganz gewiss, ist "Kronprinz Rudolf – Ein Leben", ein Standardwerk, dass man zumindest gelesen haben sollte, wenn man auch in den Details nicht mit der Autorin übereinstimmt, selbst wenn diese von vielen anderen Autorinnen und Autoren mit Freude aufgegriffen worden sind. Anders als Katrin Unterreiner etwa, schafft es Brigitte Hamann, die Persönlichkeit Rudolfs, als in jeder Hinsicht gescheiterten und völlig enttäuschten Thronerben mit Ambitionen und einer gehörigen Portion Talent aufzuzeigen.

Fazit:
Eine beeindruckende und sehr gut erzählte Einführung in das Leben des gescheiterten Kronprinzen.

5 von 6 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Kronprinz Rudolf - Brigitte Hamann
Kronprinz Rudolf
von Brigitte Hamann
(3)
Buch (Taschenbuch)
15,50

American Godzilla

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 18.09.2008

Es sollte Feier in fast überschaubaren Rahmen werden, die Jason und seine Freundin Lily als Überraschungsparty für Jasons Bruder Rob vorbereitet hatten, bevor dieser als stellvertretender Vorstandsvorsitzender nach Japan zieht. Robs bester Freund Hud sollte diesen Moment als langfristiges Andenken mit einer Handkamera aufnehmen, doch aus dem geplanten Erinnerungsvideo wird ein Bericht der folgenden Ereignisse, die damit beginnen, dass ein vermeintliches Erdbeben New York City erschüttert. Kurz darauf landet der Kopf der Freiheitsstatue auf der Straße und "etwas" greift die Stadt an...

Die Idee zu Cloverfield kam Produzent J.J. Abrams laut eigener Aussage bei einer Reise nach Japan, wo er von der nach wie vor großen Beliebtheit für Godzilla überrascht war. Abrams Intention war klar, er wollte eine Art amerikanisches Monster erschaffen und dieses sollte eben anstatt Tokyo nun New York angreifen. Dabei vereint Cloverfield einige typisch amerikanische Filmstile, wodurch das Experiment zu einem Post-College-Beziehungs-Apokalypse-Monster-Film mit Handcam wurde.

Inhaltlich ist Cloverfield genau das, ein Film in welchem die Protagonisten schon einige Jahre aus dem College sind, aber noch ein letztes Mal, die gute alte Zeit wiederaufleben zu lassen. Überschattet wird das von einem Beziehungsdrama zwischen Rob und Beth, sowie dem Angriff eines Monsters, das New York verwüstet. Wie in einem Teenie-Splatter wird die Gruppe der "Helden" dabei langsam aber sicher aufgerieben und findet erst gegen Ende so etwas wie Sicherheit.

Problematisch mag dabei die Handkamera-Perspektive sein, die zwar der grafischen Qualität nicht abträglich ist, aber viele Zuseher irritiert und verärgert. Die ursprüngliche Idee dahinter, einen Film auf diese Art und Weise direkt aus Sicht der Protagonisten zu erzählen ist jedoch durchaus interessant. Anderenseits dürften alle Pläne J.J. Abrams einen amerikanischen Godzilla zu schaffen, trotz der Fortsetzungs-Option, einigermaßen gescheitert sein, allein deshalb, weil das Monster im Gegensatz zur Riesenechse Godzilla eine weit komplexere Körperform aufzuweisen hat.

Interessant natürlich dass sich auf der gängigen DVD-Version das gleiche Bonusmaterial findet, wie auf der Steelcase-Version, deren "edlere" Verpackung zugleich auch den höheren Preis rechtfertigen muss. Die alternativen Enden sind dabei nur ein wenig anders, als das Original, aber gerade das zweite gibt, zumindest wenn man es sich sehr genau und im Zeitraffer ansieht, einen möglichen Hinweis auf die Herkunft des Cloverfield-Monsters. Daneben erhält man eine ebenfalls sehr aufschlussreiche Doku über die Schöpfung des American Godzilla und erhält einige Hintergrundinformationen zu seinem wirklichen Charakter.

Angesichts von Konkurrenz wie I am Legend und 28 Weeks Later, die ebenfalls 2008 auf DVD erschienen sind und das Horror-Genre bedienen hat es Cloverfield nicht leicht sich zu behaupten. Doch der Film hat auch jetzt, nach dem Ende der ungewöhnlichen Marketingkampagne für den Kinofilm nichts von seiner faszinierenden Aura verloren. Sicher, er ist weniger apokalyptisch oder sozialkritisch als manch anderes Werk, aber er nutzt eine besondere Perspektive und verbindet mit dieser verschiedene Genres, um etwas neues zu konstruierten. Man kann ihn mögen und man kann ihn hassen, je nachdem, wie man zu seinen einzelnen Bestandteilen steht, die in der ein oder anderen Form nicht unbedingt zur ersten Güte gehören.

Fazit:
Ein faszinierendes Experiment, szenisch mehr als gelungen.

2 von 3 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Cloverfield
Cloverfield
(6)
Film (DVD)
8,99

Auf den Spuren der Rattenlinien

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 13.09.2008

In der Diskussion um die Flucht prominenter Nazi-Kriegsverbrecher wie Josef Mengele oder Adolf Eichmann ist schon viel spekuliert worden, nicht zuletzt durch Frederick Forsysths im Zusammenarbeit mit Simon Wiesenthal entstandenen Thriller "Die Akte Odessa". Darin spielt der Bestsellerautor von "Der Schakal" mit der Theorie von einer Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen, welche nach Kriegsende vielen Nazi-Größen die Flucht aus Europa ermöglicht haben soll und sich der Errichtung eines Vierten Reiches verschrieben hat. Doch "Die Wirklichkeit war komplizierter, das Netz der Fluchtwege war weit verzweigt, es gab kein straff gesteuertes System von Fluchtorganisation" (S. 7) stellt Univ.-Doz. Dr. Gerald Steinacher klar und verweist den Odessa-Mythos dorthin, wohin er gehört, in das Reich der nicht ganz unspannenden Fiktion.

Die komplexe Realität der Dr. Steinacher in "Nazis auf der Flucht – Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen" nachspürt ist jene, dass in den Nachkriegsjahren viele Kriegsverbrecher und prominenter Nationalsozialisten über Südtirol nach Italien entkommen konnten und dort mit neuen Identitäten, in der Masse der Flüchtlinge durch passive und aktive Hilfe diverser Hilfsstellen und Behörden nach Übersee entkommen konnten. Diese Rattenlinien, wie sie die Geheimdienste bezeichneten, waren selbigen alles andere als unbekannt und auch US-Geheimdienste hatten bei der Evakuierung von potentiellen Informanten und Wissenschaftlern ihre Hände im Spiel, etwas das in US-Archiven auch gut nachverfolgen lässt. In den Vereinigten Staaten ist der wissenschaftliche Diskurs über Geheimdienstaktivitäten in der Nachkriegszeit jedoch weit ausgeprägter und auch in Sachen Nazi-Fluchthilfe gibt es dort größeres Interesse an einer Aufklärung. Somit überrascht es nicht, dass Dr. Steinachers Buch, eines der wenigen europäischen zum Thema ist und darunter das erste, welches die besondere Rolle Südtirols einer genaueren Untersuchung unterzieht, die sich wirklich lohnt.

"Die 'Odessa' und andere Verschwörungstheorien rund um geheime, zentral gesteuerte und allmächtige NS-Fluchtorganisationen haben als Erklärung ausgedient – auch wenn sie sich noch lange hartnäckig in den Köpfen vieler halten werden." (S. 16) Es bleibt zu hoffen, dass dieser Wunsch eines Tages Realität wird und man nicht mehr versucht ist diese komplexen Zusammenhänge und Verflechtungen im Sinne einer Verschwörungstheorie zu vereinfachen, die Akteure zu homogenisieren und dem ganzen mit der Erfindung einer Geheimgesellschaft, welche die Weltherrschaft und eine Widererrichtung des Deutschen Reichs anstrebt, die Krone aufzusetzen. Die wahren Motive der Justiz-Flüchtlinge und ihrer Helfer lagen zwischen reinem Selbstschutz, Kameradschaft und staatlichen Interessen, Informanten, Spione und Experten rekrutieren zu können.

Mit Nazis auf der Flucht hat Gerald Steinacher einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung dieses bedeutenden, doch gerne vergessenen Teils der Nachkriegsgeschichte geleistet. Sein Werk beleuchtet mit reichen Quellenzitaten und Fotokopien von Original-Reisedokumenten die Rollen des Vatikans, des Roten Kreuzes, der agierenden Geheimdienste und die Bedeutung Südtirols. Der Leser ist verblüfft und schockiert zugleich, wenn er immer tiefer in den Sumpf der braunen Fluchthelfer mit ihren teils weißen Westen eingeführt wird und unweigerlich stellt sich ihm die Frage der Moral, wie man solches Handeln überhaupt vor sich selbst rechtfertigen konnte.

Fazit:
Faszinierende und zugleich belehrende Lektüre, welche die ODESSA endgültig in das Reich der Mythen verweist und einen wichtigen Beitrag zur seriösen wissenschaftlichen Aufarbeitung der Fluchthilfe für Kriegsverbrecher darstellt.

13 von 15 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Nazis auf der Flucht - Gerald Steinacher
Nazis auf der Flucht
von Gerald Steinacher
(2)
Buch (Taschenbuch)
29,90

Von der Insel der Seligen zur Skandalrepublik?

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 12.09.2008

Das Bild das man als Österreich von seinem Heimatland hat, schwankt oft zwischen der Vorstellung einer Insel der Seligen mitten im tobenden Meer Europas und einer Skandalrepublik, in der Korruption, Amtsmissbrauch und Parteipolitik oft zu eng miteinander verbunden sind. In einer ergänzenden Stellungnahme zum Endbericht des "Lucona"-Untersuchungsausschusses sagte schon der grüne Nationalratsabgeordnete Peter Pilz: "In Österreich geht jeden Tag die 'Lucona' unter. Ob Noricum, Mitterndorfer Senke oder Transitverkehr: überall verbinden sich geschäftliche Interessen politische Dienstbarkeit und bürokratische Willkür zu immer demselben Filz."

Dieses oft sehr ambivalente Bild entsteht vor allem durch die Gewohnheit österreichischer Politik, in der Tradition von Österreichs 'Sonderweg' beinahe alles zum Thema der Innenpolitik zu machen. Seit 1995 wäre dieser allerdings vorbei und dennoch haben EU-Sanktionen, der Ortstafel-Streit und der Bawag-Skandal für großes Aufsehen gesorgt, was alles ebenfalls innenpolitisch von manchen Parteien zur Schärfung des eigenen Profils genutzt wurde. Das vorliegende Werk befasst sich allerdings mit einem historischen Rückblick auf die Skandalgeschichte Österreichs von Mayerling bis Waldheim, also vom Ende der Donaumonarchie bis zum Ausklang der Ära Kreisky und dem Fall des Eisernen Vorhangs. Dabei muss man sich vor Augen führen, dass "Politische Affären und Skandale in Österreich" eine Neuauflage des gleichnamigen Buchs aus dem Jahre 1996 ist und daher gewisse Entwicklungen, wie auch Skandale des frühen 21. Jahrhunderts nicht aufbieten kann.

Vom historischen Standpunkt aus, zeichnen die Beitragenden jedoch ein sehr akkurates Bild von Voraussetzungen, Entstehungsgeschichte und Folgen der zahllosen hier zusammen aufgeführten Skandale. Den außer durch sensationsgeilen Voyeurismus lassen sich Skandale auch wissenschaftlich aufarbeiten und als Indikatoren für den politischen Reifegrad einer Demokratie betrachten.

Schon bei Mayerling stößt man auf ein Beispiel, dessen Behandlung seitens Regierung und Kaiserhauses kaum folgenreicher behandelt hätte werden können. Die Konsequenzen existieren noch heute und haben einen Mythos geschaffen, den viele Interessierte auch mit Verschwörungstheorien in Einklang bringen. Fast möchte man sagen, Mayerling sei eines der besten Beispiele dafür, wie gezielte Desinformation der Öffentlichkeit, um das Gesicht zu wahren, zu einem Wuchern der Gerüchte, Behauptungen und Lügen führen können. Die Bevölkerung wurde nach Kronprinz Rudolfs Tod innerhalb weniger Tage mit gleich 3 möglichen Todesursachen konfrontiert. So sehr man auch versuchte den Suizid als Möglichkeit zu streichen, die Leiche Mary Vesetras bewies zumindest einen Mord und beides hätte den Ruf des Kronprinzen und die Reputation der katholischen Habsburger schwer geschädigt. Um ein christliches Begräbnis zu ermöglichen, wurde der Selbstmord schließlich mit einer vermeintlichen Geisteskrankheit und psychischen Problemen in Verbindung gebracht. Der Mythos Mayerling war damit geboren.

Mit zahlreichen Originalquellen, wie Zeitungsberichten und Korrespondenzen, sowie Gerichtsprotokollen wird dem Leser auch immer wieder Information aus erster Hand gewährt, um bestimmte Aspekte zu verdeutlichen. Den Wert dieses "Anschauungsmaterials" kann man einfach nicht hoch genug einschätzen. Dazu kommen ausführliche Analysen der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergründe, welche den Anspruch rechtfertigen, dass die Analyse von Skandalen hilft, an ihren Beispielen auch Strömungen und Tendenzen ihrer Zeit zu untersuchen.

Fazit:
Die mit Abstand hochwertigste Studie zur österreichischen Skandalgeschichte von Mayerling bis Waldheim. Ein hervorragendes und höchst fundiertes Nachschlagewerk, für Politologen, Historiker und interessierte Laien.

1 von 3 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Politische Affären und Skandale in Österreich - Michael Gehler
Politische Affären und Skandale in Österreich
von Michael Gehler
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
88,00

"Österreich bleibt, wie es ist" – eine gefährliche Drohung

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 11.09.2008

Manchmal da scheint es so, als sei Österreich die Nation der Suderer schlechtin, wo jeder Bürger der Alpenrepublik im Geiste eher Bewohner eines Jammertals ist. "Nix ändert si. Des san do olle de gleichen... Gangster, Verbrecher, Nazis, Parteisoldaten, Scheinheilige", beschwört der österreichische Wähler sein Politikverständnis und hat dabei leider nicht ganz unrecht, denn "Es sind zwei Vorwürfe, die man den österreichischen Politikern machen muss angesichts des desaströsen Bildes, das sie in der Öffentlichkeit von der Politik als solcher erzeugen: Erstens, dass sie die moralischen und handwerklichen Anforderungen, die von den Bürgern mit gutem Recht an sie herangetragen werden, nicht annähernd erfüllen. Und zweitens, dass sie nicht in der Lage oder nicht willens sind, an den rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen der Republik, die nachweislich nicht die Anforderungen an eine liberale Demokratie unserer Tage erfüllen, zu verändern." (Seite 163)

Wenn Michael Fleischhacker in der Presse behauptet "Über mich sagt freiwillig niemand etwas Gutes" kann man ihm durchaus Recht geben, denn sein Generalangriff auf das politische System und Establishment Österreichs entbehrt klar ersichtlicher parteipolitischer Präferenzen. In "Politikerbeschimpfung" fordert Fleischhacker nichts weniger als eine Abkehr von einer Politik die in den Hinterzimmern von Kammern und Ministerbüros gemacht wird, in der Demokratie fast synonym mit Parteienstaat ist und Postenvergabe nach Parteibuch, personelle Umfärbeaktionen und der gleichen keine Seltenheit sind. Man erinnert sich fast an die Wahlplakate Wolfgang Schüssels mit Christoph Leitl, dem Kanzler und dem Wirtschaftskammerpräsidenten, ein Bild das in seiner Aussagekraft sehr stark für das Problem der Sozialpartnerschaft steht, die Schüssel in anfänglichen Reformeifer noch 2000 zu bekämpfen gedachte. Eine Entmachtung der Parteien, die sich in den Gremien der "Nebenregierung" längst ihre Fixplätze gesichert haben, wird jedoch effektiv vom Parlament blockiert.

Dazu kommt das Dilemma der österreichischen Intellektuellen, welche als Mahner und kritische Stimmen aus einer Phobie vor dem Phänomen Jörg Haider und eventueller Kopien, aus instinktiver Trotzreaktion immer wieder beginnen, dass auch von ihnen abgelehnte System dennoch zu verteidigen. Aus Angst vor Haiders "Dritter Republik" versucht man die Zweite mit allen Mitteln am Leben zu halten und vor Kritik zu schützen, wider besseren Wissens.

Im Grunde ist "Politikerbeschimpfung" ein Buch das man aufgrund seiner Bezüge zur Nationalratswahl 2008 unbedingt vor dem Wahlkampf gelesen haben sollte, zugleich ist die Aussage aber auch zeitlos, da im schlimmsten Fall als historisches Dokument der Unzufriedenheit mit dem anno dazumal bestehenden System zu deuten. Cover und Titel bedeuten bereits um was es geht - weg damit! Weg mit dem verfilzten politischen System der Zweiten Republik. Michael Fleischhacker liefert überzeugende Argumente dafür, warum wir uns von Kreisky-Nostalgik, sowie großkoalitionären und sozialpartnerschaftlichen Illusionen trennen sollten. Wir verzichten sonst schlicht und einfach auf die Demokratie, in der wir das Recht hätten zu leben.

Fazit:
Starker Tobak und scharfsinnige Kritik - Michael Fleischhacker spricht aus, was viele kaum wagen, denn "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar", auch wenn es manchen vielleicht weh tut mit der Vergangenheit zu brechen.

7 von 8 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Fleischhacker, M: Politikerbeschimpfung - Michael Fleischhacker
Fleischhacker, M: Politikerbeschimpfung
von Michael Fleischhacker
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,00

Zwischenkriegs-Österreich und Anschluss aus Sicht österreichischer Emigranten

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 10.09.2008

Als 4. Reich bekannt wurde jene Gegend im Norden Manhattans, die eigentlich Washington Heights genannt wird und in den 30er-Jahren zu einem Ziel für zahlreiche Emigranten aus Österreich und Deutschland wurde, die damit dem Nationalsozialismus den entkommen konnten. Von 130.000 ausgereisten österreichischen Juden, nahm Nordamerika alleine 28.700 auf. Zusammen mit dem späteren News-Chefredakteur Andreas Weber, unternahm Gerhard Jelinkek 1988 anlässlich des 50. Jahrestages des Anschlusses Österreichs und der Waldheim-Affäre eine Reise nach New York, um dort ein besonderes Oral History-Projekt durchzuführen. Indem sie die Flüchtlinge von 1938 zu Wort kommen lassen, gelingt es ihnen "… ein Bild der Märztage 1938, aber auch der Zeit zwischen den Kriegen, der Emigration und der Zeit nach 1945" (Seite 18) aus Sicht der unmittelbar Betroffenen zu vermitteln.

Aus erster Hand erhält man einen Einblick in die Umstände sehr unterschiedlicher Lebens- und Fluchtgeschichten, sowie die heutige Einstellung der befragten Emigranten zur einstigen Heimat. Dabei erfährt man sehr vieles über die persönlichen Erlebnisse und Wahrnehmungen, besonders des autoritären Ständestaats und der Umwälzungen in den letzten Märztagen der Ersten Republik. So manches überrascht, vor allem den zeitgeschichtlichen Laien, wenn etwa der "Vaterländische" Hans Walter Hannau ein ungewöhnliches Bild vom Schuschnigg-Vertrauten Arthur Seyß-Inquart als eine Art falscher Nazi und Beschwichtigungspolitiker vermittelt, indem er darstellt, wie Seyß-Inquart erst 1938 NSDAP-Mitglied und Regierungsmitglied wurde, um im Sinne Schuschniggs die Nazis in die Regierung einzubinden und von Angriffen auf die Souveränität Österreichs abzuhalten. Der aus Ungarn stammende Arzt und Sozialdemokrat Richard Berczeller weiß weiter zu berichten (Seite 36): "Man hat ja in der Schuschnigg-Zeit auch gelesen, dass es ein KZ Dachau gibt."

"Es wird schon nicht so schlimm werden", dachten sich im Frühjahr 1938 noch viele Österreicher, war doch Antisemitismus seit den Zeiten Karl Luegers im Ständestaat wenig gegenwärtig und manche Juden unterstützen sogar die katholisch-konservative Vaterländische Front. Die Stimmen aus dem 4. Reich wissen davon zu berichten, wie verzweifelt man an eine Fortbestand Österreichs hoffte und dass Bundeskanzler Kurt Schuschnigg sein Versprechen von "rot-weiß-rot bis in den Tod" halten würde.

Wer noch nicht an Emigration gedacht hatte, wurde durch den Einmarsch des Deutschen Reichs und dem Anschluss vor vollendete Tatsachen gestellt. Seyß-Inquart war zunächst als Schuschniggs Vize-, Bundeskanzler geworden und nach der Abdankung Wilhelm Miklas auch als Bundespräsident in die einzigartige Lage geraten, das Ende Österreichs in kürzester Zeit sogar fast rechtsstaatlich zu besiegeln. Das Drama vieler Flüchtlinge nahm damit erst seinen Lauf, die einstige Heimat für die man patriotisch eingetreten war, wurde zum verlorenen Boden. "Wir sind happy, aber nicht glücklich", galt als zynischer Scherz und vielen der Emigranten, denn wie Richard Berczeller formulierte (Seite 39): Mensch kann die Heime wechseln, er kann aber die Heimat nicht wechseln."

Fazit:
Auf sehr einprägsame Weise ein Augenöffner, für die Gegenwart wie auch Aspekte der österreichischen Zeitgeschichte, die man so vielleicht noch nie betrachtet hat.

3 von 4 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Nachrichten aus dem 4. Reich - Gerhard Jelinek
Nachrichten aus dem 4. Reich
von Gerhard Jelinek
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,50

Vorschlag für eine Neue Weltordnung

Mario Pf. aus Oberösterreich , am 10.09.2008

Zusammen mit Nostradamus gesammelten Prophezeiungen war Samuel Philips Huntingtons "Kampf der Kulturen" eines jener Bücher, die im Zuge von 9/11 im unsicheren Klima des angebrochenen Jahrtausends Bestsellerstatus erlangten. Dabei wussten die wenigsten Leser dass Huntingtons Analyse der weltpolitischen Lage einem 1993 entstandenen Artikel für das hoch angesehene US-Magazin Foreign Affairs, dem konservativeren Gegenstück zur französischen Le Monde, entstammt. Als Reaktion auf das Feedback zu diesem Artikel begann Huntington seinen Artikel zum Buch auszubauen, die Theorien zu vertiefen und weil er ja als Berater des Außenministeriums galt, genoss das Buch sehr schnell große Anerkennung, wie es auch verteufelt wurde. Nun, Huntingtons Prophezeiungen haben sich bisher nicht erfüllt, die Stimmen welche US-Politikern und Thinktanks Kalten Krieg-Denkweisen vorwerfen sind lauter geworden.

Ursprünglich schrieb Huntington von einem "Clash of Civilisations?", ließ dann aber das Fragezeichen wegfallen und in deutscher Lizenzübersetzung wurde aus dem Zusammenprall der Zivilisationen ein Kampf der Kulturen. Doch so sehr sich Huntingtons Artikel seit 1993 durch Buch und Übersetzung verändert hat, so sehr hat sich auch die Welt verändert. Der Kampf der Kulturen ist lange vor der Jahrtausendwende entstanden, lange vor steigenden Ölpreisen und Rohstoffverknappungsängsten, Huntington konnte das nicht wissen, seine Theorien gehen daher von einer Weltordnung aus, die von der Euphorie des Friedens nach dem Kalten Krieg getragen wird, in der die Nationen keine größeren Probleme haben, als ihre kulturelle Homogenität und Zivilisation durch andere Religionen bedroht zu sehen, denn an der Religion verläuft laut Huntington die Hauptverwerfung im Kampf der Kulturen. Rückblickend wirken Theorien, wie die Kernstaatenthese zwar ideal, um sich Achsen des Bösen zusammenzuschustern und den Irak als Hort der Al Qaida anzugreifen, doch hoffnungslos veraltet und in Cold-War-Denkmustern verhaftet. Die Aufteilung der Welt in nun regionale Machtzentren und deren Einflusssphären, mit Konflikten an Überschneidungszonen, mag da als ideales Beispiel dienen.

Es ist nicht nur eine gewisse Naivität an Huntington, die von kulturellen und zivilisatorischen Standpunkten ein friedliches Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Regionen in Frage stellt, sondern auch die verschwiegene Implikation eines tiefgehenden WASP-Rassismus, der mitschwingt, aber erst in Huntingtons neuerem Werk "Who are we" zur Geltung kommt. Die USA sollen sich mehr an das kulturell und zivilisatorisch ähnliche Europa annähern, Europa jedoch die Führungskompetenzen der USA anerkennen und sich unterordnen. Im Falle der EU müsste das zu einem Ausschluss von Griechenland und Rumänien führen, da diese als mehrheitlich orthodoxe Staaten in einer Huntingtonschen Weltordnung keinen Platz in "Europa" hätten. Worte wie Überfremdung, ethnische Homogenisierung und Säuberung kennt Huntington anscheinend nicht, lässt Lesern aber die Möglichkeit offen, diese im Einklang mit seinen veralteten Theorien als legitim anzusehen. In den USA sieht Huntington die Ordnung durch die Zuwanderung der Latinos bedroht, dieser würden auf absehbare Zeit zur dominierenden ethnischen Gruppe im Lande werden und in seinem abschließenden fiktiven Szenario unterstellt er ihnen wenig diskret Unpatriotismus, liberale Denkweisen und Sezessionsabsichten, sollten sie Bundesstaaten durch Mehrheitsverhältnisse dominieren.

Fazit:
Veraltete Theorien, in irreführender Übersetzung, die schlicht und einfach zu sehr in Denkmustern des Kalten Krieges verhaftet sind. Dennoch ein Werk das man nicht nur gelesen, sondern auch darüber nachgedacht haben sollte.

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Kampf der Kulturen - Samuel P. Huntington
Kampf der Kulturen
von Samuel P. Huntington
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Buch (Taschenbuch)
13,40

 
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