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Gelungener Nachfolger von 'Die Schluckaufprinzessin'

Bücherglitzer , am 15.06.2019

Inhalt:
Endlich ist es soweit! Der kleine Prinz Emil SuperstarkundBlitzeschnell hat Geburtstag. Und er kann natürlich an nichts anderes als die Geschenke denken – denn dieses Jahr hat er einen ganz besonderen Wunsch. Aber erst soll er sein – sehr reichhaltiges – Geburtstagsfrühstück zu sich nehmen. Danach ist sein Bauch so aufgebläht, dass ihm nicht nur ein Rülps entweicht, sondern auch einige stinkige Pupse. Als es dann an die Geschenke geht, geht das Gepupse weiter – mal aus Freude oder Überraschung, am Ende nur noch aus Ungeduld und dann platzt ihm endgültig der Kragen. Niemand hat seinen Wunsch erfüllt. Kann sein Geburtstag jetzt noch gerettet werden, oder wird er in einer grünen Stinkewolke untergehen?

Meine Meinung:
Bei Der Pupsprinz handelt es sich, nach Die Schluckaufprinzessin, um das zweite Bilderbuch von Nina Dulleck, das in dem etwas ungewöhnlichen Königsschloss spielt und sich mit einem körperlichen Phänomen befasst – wie der Titel schon sehr gut verrät. Und auch das Cover ist sehr aussagekräftig: Ganz in grün gehalten, mit etwas helleren grünen Stinkewölkchen und einem Prinzen, der sich die Nase zuhält.

In diesem Bilderbuch geht es um den Bruder von Prinzessin Rosa Klitzeklein, den Prinzen Emil SuperstarkundBlitzeschnell. Den Namen finde ich ja an sich ganz lustig, allerdings kann ich nicht so ganz verstehen, warum er komplett zusammen geschrieben ist und dann auch noch mitten im Wort Großbuchstaben verwendet werden. Auch beim Namen des Ritters FreivonRost wird diese ungewöhnliche Schreibweise verwendet. Aber eigentlich passt es dann auch wieder zum Gesamtbild: Das Buch, die Geschichte und die Protagonisten sind nämlich alles andere als gewöhnlich.

Natürlich kommen wieder einige bekannte Protagonisten in der Geschichte vor, etwa das Königspaar, die Köchin Brezelchen und die Kammerzofe Löckchen. Das finde ich richtig toll, denn für Kinder ist es oft noch einmal schöner, wenn sie bereits einige der Charaktere kennen. Auch die Protagonistin des vorherigen Bilderbuchs kommt in dieser Geschichte vor: Prinzessin Rosa Klitzeklein. Das wird vermutlich gerade das Herz der Mädchen höher schlagen lassen. Daneben gibt es aber auch einige neue Gesichter, die alle wieder sehr ausgefallene Namen und noch ausgefallenere Geburtstagsgeschenke haben.

Die Geschichte beginnt bereits auf dem Titelblatt. Hier ist eine Szene vom Vorabend zu sehen, als der Prinz die Eltern an seinen Geburtstag und seinen Wunsch erwähnt. Hier scheint das Königspaar sehr genervt, nachdem sie sich bereits ‚365 1/2‘ mal den Wunsch des Prinzen anhören mussten. Da könnte man meinen, sie hätten ihn sich auch gemerkt und erfüllt? Tja, leider Fehlanzeige.

Nachdem der Prinz aufgestanden ist, sich fertig gemacht hat und das für die restlichen Schlossbewohner verhängnisvolle Festmahl zu sich genommen hat, wird relativ bald deutlich, dass der Wunsch des Prinzen von keinem Schenkenden erfüllt wurde. Er bekommt im Laufe der Geschichte viele Geschenke, mal richtig ausgefallene und coole Sachen, mal Sachen, über die sich vermutlich die wenigsten gefreut hätten. Bei seinem nachfolgenden Wutanfall sind seine Eltern wieder einmal die ersten, die sich ratlos hinter dem Ohr kratzen und auch die anderen Erwachsenen sind ratlos. Die Einzige, die vernünftig reagiert, ist die Schwester des Prinzen. Sie öffnet die Fenster und lässt den Mief heraus – was wiederum einen wichtigen Beitrag zum Happy End leistet.

Thematisch handelt es sich wieder um ein Phänomen, das in der Lebenswelt von Kindern eine wichtige Rolle spielt: Pupsen. Gerade im Alter der Zielgruppe ist Pupsen noch etwas ganz Normales, es hört sich lustig an, riecht eigenartig und man kann die Erwachsenen damit entweder zum Lachen, zum Erröten oder zum Nach-Luft-Schnappen bringen. Herrlich! Daher ist es gut, dass in dem Buch nicht pädagogisiert wird. Keiner der Erwachsenen sagt zum Prinzen, dass er mit dem Pupsen aufhören soll oder es zumindest nicht vor anderen tun soll. Die Überspitzung der Situation kann dazu beitragen, dass Kinder anfangen, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

Die Illustrationen sind sehr humorvoll, kreativ und detailreich. Sie erinnern wieder vereinzelt an Comics, mit vielen kleinen Szenenfolgen auf einer Seite, Sprechblasen und Geräuschen, die in einer anderen Schriftart und farbig auf die Seiten integriert sind. Vereinzelt fand ich die Leserichtung allerdings nicht ganz eindeutig – da musste ich mich erst einmal zurechtfinden. Die eigentlich mit den Augen nicht sichtbaren Gerüche werden durch grüne Wölkchen dargestellt – die im Laufe der Geschichte so stark zunehmen, bis kaum noch etwas zu sehen ist. Farblich sind die Illustrationen ansonsten wieder in eher pastelligen Farben gehalten, wobei bei diesem Bilderbuch die Farbwahl so gewählt ist, dass Mädchen und Jungen gleichermaßen angesprochen werden. Viele Farben sind vertreten, nur auf Rosa und andere eher mädchentypische Farben wird weitestgehend verzichtet.

Wer denkt, das Bilderbuch Die Schluckaufprinzessin sei nur für Mädchen und der Nachfolgeband Der Pupsprinz sei nur für Jungen, der irrt. Beide Bücher sind für alle Geschlechter gleichermaßen zu empfehlen – auch wenn im ersten Buch die Farbe Rosa wesentlich öfter vorkommt als im zweiten Buch. Die beiden Geschichten beinhalten Themen aus dem Alltag von Kindern, verpackt in einem märchenhaften Setting mit sehr ungewöhnlichen Charakteren. Die Comicelemente und die lustigen Illustrationen werten das Vorleseerlebnis noch auf. Wieder ein sehr gelungenes Bilderbuch, dass sowohl meiner Tochter als auch mir beim Vorlesen immer wieder Freude bereitet. Daher: 5 Sterne.

Der Pupsprinz - Nina Dulleck
Der Pupsprinz
von Nina Dulleck
(2)
Buch (gebundene Ausgabe)
15,50

Konnte mich leider nicht überzeugen

Bücherglitzer , am 12.06.2019

Inhalt:
P.F.O.T.E., der fast perfekte Hund, lebt nun schon seit einiger Zeit bei den Kindern Janne und Flip und ihren Eltern – und hier fühlt er sich auch eigentlich pudelwohl. Nur manchmal fehlt ihm die Freiheit schon etwas. Seine Freunde, allen voran der Mops / Wolf Tapf Eins, können nicht verstehen, wie er bei Menschen leben kann. Als P.F.O.T.E. und seine beiden Kinder-Freunde der Nachbarshündin Pipette begegnen und bemerken, dass sie ein Problem mit ihrem Frauchen zu haben scheint, fassen sie einen Plan. Sie laden die Nachbarin zu Kaffee und Kuchen ein und unterhalten sich heimlich mit der Hündin – die ihnen mithilfe des Halsbandes verrät, was sie an ihrer Besitzerin stört. Und Pipette ist nicht die einzige Hündin, der sie helfen können.

Meine Meinung:
Bei P.F.O.T.E. – Ein Ohr für alle Fälle handelt es sich bereits um den zweiten Band der Reihe rund um den fast perfekten Hund aus dem Labor. Da ich das erste Buch nicht kenne, war ich skeptisch, ob ich in die Geschichte herein finden würde und ob man das Buch auch unabhängig vom ersten Teil lesen kann. An und für sich ist es schon möglich, es werden auch einige Dinge noch einmal erklärt. Vereinzelt haben mir aber dann doch einige Informationen gefehlt, um ganz den Überblick zu haben – da wäre es dann doch ratsamer, erst den ersten Band zu lesen.

Die Idee, einen Laborhund mit einem besonderen Halsband – ein Halsband, das ihn dazu befähigt, mit Menschen zu sprechen – als Protagonisten zu wählen, ist wirklich eine interessante und neue Idee. Wer wünscht es sich nicht, manchmal mit seinem Haustier zu sprechen und dabei auch wirklich eine Antwort zu bekommen, die über ein Wuff oder ein Miau hinausgeht? Und auch, wenn es eine schöne Wunschvorstellung ist, so kann es manchmal auch notwendig sein, um das eigene Haustier zu verstehen. So geht es auch den Kunden, denen P.F.O.T.E. und seine Familie mit ihrem Geschäft helfen wollen – denn alle haben ein Problem mit ihren Vierbeinern – oder vielmehr die Hunde mit ihnen.

Die Geschichte ist eher aus der Perspektive der Tiere – P.F.O.T.E. und seine Freunde – geschrieben. So kann der Leser nicht nur die Gespräche der Menschen, sondern auch der Tiere untereinander mitverfolgen. Hierdurch erhält man nicht nur einen besseren Einblick in die Sichtweisen und Gefühle der jeweiligen Parteien – es ist vereinzelt sogar ganz lustig, wenn Tier und Mensch sich missverstehen.

Insgesamt war die Geschichte eher unaufgeregt – so habe ich es zumindest empfunden. Spannung wurde zwar dadurch erzeugt, dass man wissen wollte, was den jeweiligen Hunden fehlt – insbesondere Vader, dem furchteinflößenden, mal fiesen und mal freundlichem Riesenrüden. Themen, die in diesem Buch aufgegriffen werden, sind Freundschaft zwischen Tieren und Menschen, Hilfsbereitschaft, Vertrauen und vereinzelt auch Umweltschutz. Letzterer Aspekt wird in einer Szene kurz dadurch veranschaulicht, dass die Mutter den Müll, den die Leute im Park liegengelassen haben, aufhebt – und ihre Kinder ihr dabei helfen. Sie fungieren hier als Vorbildfunktionen, denn, wie die Mutter richtig sagt: Irgendwer muss es ja tun.

Außerdem werden unterschiedliche Lebenssituationen von Kindern aufgezeigt. Während Janne und Flip mit ihren Eltern in einem ruhigen Wohngebiet in einem Einfamilienhaus mit Garten wohnen, lebt Anakin, der Besitzer von Vader, in einem heruntergekommenen Wohngebiet mit vielen Hochhäusern und gemeinen Gangs. Hier wird leider nicht so ganz an Clichés gespart, denn natürlich gibt es in dem Wohngebiet eine Gang von Kindern im Alter von Anakin, die andere Kinder abzocken.

Leider fehlt es der Geschichte neben der wirklichen Spannung und dem Witz auch an dem besonderen Etwas. Ich konnte nichts wirklich Besonderes an der Geschichte feststellen, bis auf das Halsband von P.F.O.T.E.. Der Text ist zwar flüssig geschrieben und lässt sich weitestgehend gut lesen. Die Schrift ist eher klein, aber die Zeilenabstände angemessen groß. Zum Selberlesen würde ich das Buch für Kinder ab der dritten Klasse empfehlen. Vereinzelt gibt es auch schwierigere oder unbekannte Begriffe, die kindgerecht erklärt werden.

Die Illustrationen sind farbig und sehen ganz ansprechend aus. Die Farben sind eher dezent und sanft, und können so nicht zu sehr vom Lesen ablenken. Durch die vereinzelt pinke Farbgebung (auch auf dem Cover) und das Thema ‚Tiere‘ werden von dem Buch vermutlich vorwiegend Mädchen angesprochen – auch wenn die Wahl der Protagonisten und die Geschichte an sich auch durchaus für Jungen geeignet wäre.

Leider sehe ich in dem Buch kein sehr hohes motivationales Potenzial. Die Geschichte und die Illustrationen heben sich nicht von anderen Kinderbüchern ab, es fehlt an Spannung und an etwas ‚Neuem‘. Ich denke, dieses Buch kann man lesen – muss man aber nicht! Ich habe mich leider beim Lesen eher gelangweilt, und ich lese wirklich gerne Kinderbücher. Ich würde aber sagen, dass das Buch Geschmackssacke ist und ich es eingeschränkt empfehlen kann. Daher gebe ich ihm noch 3 Sterne.

P.F.O.T.E. - Ein Ohr für alle Fälle - Bettina Obrecht
P.F.O.T.E. - Ein Ohr für alle Fälle
von Bettina Obrecht
(2)
Buch (gebundene Ausgabe)
13,40

Wunderschön illustriertes Sachbuch mit großer Themenvielfalt

Bücherglitzer , am 10.06.2019

Inhalt:
Welche unterschiedlichen Arten von Bäumen gibt es eigentlich und wodurch unterscheiden sie sich von anderen Gewächsen? Welche Blätter gehören zu welchem Baum und was passiert während der vier Jahreszeiten mit den unterschiedlichen Baumtypen? Wozu sind die Wurzeln gut und wie ernähren sich Bäume? Dies sind einige der typischen Fragen, die sich im Zusammenhang mit Bäumen zunächst einmal stellen und die vermutlichen in den meisten Sachbüchern zu diesem Thema aufgegriffen und beantwortet werden.. Auch Piotr Socha und Wojciech Grajkowski geben auf diese Fragen ausführliche Antworten. Aber: Das Buch geht weit über diese Themen hinaus. So erfahren wir in diesem Sachbilderbuch nicht nur, wo bestimmte Bäume verbreitet sind, sondern auch welche Rolle sie in Mythen, Legenden und Märchen spielen oder welches die höchsten, die dicksten oder die ältesten Bäume auf der Welt sind. Und wem das noch nicht reicht, den interessiert vielleicht, was es mit den mexikanischen ‚Lebensbäumen‘ auf sich hat und was Luftwurzeln sind.

Meine Meinung:
Was für eine wahre und wichtige Botschaft sich doch hinter diesem so passenden Zitat verstecken, das am Ende der Einleitung des neuen Sachbilderbuches von Piotr Socha steht. Nach dem erfolgreichen Sachbuch Bienen ist bereits im letzten Jahr (2018) ein neues Werk des Autors und Illustrators erschienen. Bei diesem hat allerdings jemand anderes den Text übernommen und Piotr Socha hat sich ganz den Illustrationen gewidmet.

Ich gebe zu, ich war bei dem Thema erst skeptisch. Ein ganzes Buch nur über Bäume? Was soll es da denn so viel drüber zu erzählen geben? Ich konnte es mir wirklich nicht so ganz vorstellen, habe mich dann aber (zum Glück!) doch für dieses Sachbilderbuch entschieden und ihm eine Chance gegeben, nicht allein weil ich so viel Gutes über das Buch gehört habe – sondern auch wegen des wieder einmal sehr ansprechenden Covers, auf dem meine Tochter übrigens ein ‚Baummonster‘ erkennt – womit sie vielleicht auch gar nicht so falsch liegt.

Schon seit einiger Zeit geht es bei Sachbilderbüchern nicht mehr nur allein um den Wissenserwerb. Während Sachbücher früher eher unbeliebt waren (zumindest bei mir), weil sie einem auf eine nicht sehr ästhetische Art und Weise Informationen vermittelt haben, sind sie heute in den unterschiedlichsten Formen und Arten verfügbar. Es gibt sie mit Klappen, mit Pop-Up-Elementen, mit ausklappbaren Seiten und mit sehr anspruchsvollen und ansprechenden Illustrationen. Sie sind neben der Informationsquelle auch zur Kunstform geworden – die den Ansprüchen von Kindern UND Erwachsenen genügen.

In diesem Bilderbuch machen die Kombination aus Bild und Text das Lesen, Betrachten und Lernen zu einem einzigartigen Erlebnis. Die großformatigen und dominanten Bilder sind teilweise sehr farbenfroh, wobei in diesem Buch die Farben Grün und Braun definitiv dominieren. Die Illustrationen befinden sich irgendwo zwischen Abstraktion und Fotorealismus. Einige Elemente wirken sehr detailgetreu, während andere Elemente stark abstrahiert und zum Teil auch verniedlicht wirken. Die Tiere und vor allem die Personen wirken oft eher lustig und haben nicht selten eine übergroße Nase im Gesicht. Teilweise wird durch die Bilder eine einzelne Szene dargestellt, oft handelt es sich aber um viele Einzelbilder zu einem Thema. Diese sind oft beschriftet oder nummeriert, sodass man sie beim Lesen des Textes (relativ) schnell wiederfinden kann.

Die Texte sind Fließtexte, die sich jeweils links oder rechts von den Illustrationen befinden. Sie sind relativ lang, weshalb sie in mehrere Sinnabschnitte geteilt sind. Die Schrift und die Zeilenabstände sind allerdings recht klein, weswegen sich die Texte zum Selberlesen frühestens ab der dritten Klasse eignen. Die Texte sind gut verständlich, beinhalten aber auch komplizierte und längere Begriffe, die gegebenenfalls bei Kindern Erklärungsbedarf erfordern. Die Themen im Sachbilderbuch sind sehr vielfältig. Neben allgemeinen Themen, die sich in den meisten Sachbilderbüchern zum Thema ‚Bäume‘ finden, gibt es viele Bereiche, mit denen vermutlich niemand gerechnet hätte. Es gibt ein Kapitel/eine Tafel zu Baumungeheuern, zu frisierten Bäumen, zu Bauwerken aus Holz, zu Naturgewalten und zu Holzschnitzereien. Die Themen sind so gewählt, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist und man mit dem Betrachten und Lesen gar nicht mehr aufhören möchte.

Ein kleines Manko gegenüber dem Bienen-Buch ist, dass es keine Baum-Zeitung gibt – im ersten Sachbilderbuch gab es zwei Tafeln mit dem Bienen-Blättchen, auf dem sich weitere interessanten Informationen befunden haben. Das war eine tolle Idee! Außerdem gibt es, wie bei Bienen, leider auch kein Inhaltsverzeichnis und kein Begriffsverzeichnis, was das finden von einzelnen Tafeln oder Themen doch etwas erschwert.

Meine anfängliche Skepsis zeigt, wie wenig ich und vermutlich ein Großteil der Menschheit eigentlich über Bäume wissen, obwohl wir doch tagtäglich von ihnen umgeben sind und sie einen wichtigen Teil in unserem Leben einnehmen – was uns leider oft nicht so ganz bewusst ist. Piotr Socha und Wojciech Grajkowski ist ein wunderbares Sachbilderbuch gelungen – eine wunderschöne Hommage an diese großen Lebewesen. Die Informationen gehen weit über unsere Erwartungen an ein derartiges Sachbilderbuch hinaus und werden durch wunderbare, farbenprächtige Illustrationen von Piotr Socha noch stark aufgewertet. Ganz klare Kaufempfehlung und 5 Sterne, trotz der kleinen Kritik.

Bäume - Piotr Socha, Wojciech Grajkowski
Bäume
von Piotr Socha
(9)
Buch (gebundene Ausgabe)
25,70

Ein schönes und informatives Sachbilderbuch für Kinder ab 4 Jahren

Bücherglitzer , am 04.06.2019

Inhalt:
Krabbeltiere – dieses Wort ruft vermutlich bei Vielen nicht nur positive Assoziationen hervor. Aber welche Tiere gehören eigentlich zu den Krabbeltieren? Unter dem Begriff würde man erst einmal an Insekten denken, die mit ihren vielen Beinchen durch die Gegend krabbeln – Spinnen, Ameisen, Käfer… Aber eben nicht nur! Auch Kriech- und Fliegtiere gehören zu den Krabbeltieren – so etwa Schnecken und Schmetterlinge. Aber welche Besonderheiten zeichnen diese vielen unterschiedlichen Arten aus? Haben sie Gemeinsamkeiten? Und worin unterscheiden sie sich? Krabbeltiere finden sich nicht nur in der Natur, sondern auch gerne mal bei uns Zuhause. Aber warum ist das so? Und sollte man sich deswegen Sorgen machen – oder sind sie vielleicht sogar ganz nützlich? Auf diese und viele weitere Fragen gibt Yuval Zommer in seinem neuen Sachbilderbuch Antworten.

Meine Meinung:
Ich bin kein großer Fan von Krabbeltieren – ganz vorne mit dabei sind Spinnen! Von einigen Insekten bin ich auch einfach nur genervt, wohingegen ich andere total schön und faszinierend finde. Aber obwohl – oder gerade weil? – ich so kontroverse Gefühle habe, wenn es um Krabbeltiere geht, hat mich das neue Sachbuch von Yuval Zommer sehr interessiert. Ein bisschen mitverantwortlich war aber auch das Cover, das einen einfach direkt anspricht. Denn hier wimmelt es nur so von den unterschiedlichsten und farbenfrohsten Insekten. Diese befinden sich auf den Buchstaben des Titels, daneben, dazwischen und drumherum. Das sieht einfach genial aus!

Wenn man das Buch aufklappt, gelangt man zunächst einmal zum Inhaltsverzeichnis. Da steht nicht etwa ‚Inhaltsverzeichnis‘, sondern ‚Wer krabbelt hier?‘ – und darunter finden sich alle Titel der folgenden Kapitel. Jedes Kapitel nimmt eine Doppelseite in Anspruch. Die ersten Kapitel beschäftigen sich mit Krabbeltieren im Allgemeinen. Hier erfahren wir, welche Tiere alle zu den Krabbeltieren gehören, was sie gemeinsam haben und worin sie sich unterscheiden und – für Kinder noch viel spannender – wo man sie findet und wie man sie beobachten kann. Auch am Ende befinden sich wieder einige allgemeinere Kapitel, die sich auf alle oder viele der Arten beziehen. Hier geht es etwa um die Nützlichkeit von Krabbeltieren oder wie man ihnen im Garten, auf dem Balkon oder auf dem Fensterbrett ein Zuhause bieten kann – sehr wichtig, um die Arten zu erhalten.

Im Mittelteil wird es etwas spezifischer, denn dort werden pro Doppelseite einige Arten (16) vorgestellt. Vereinzelt werden aber auch Krabbeltiere anhand von bestimmten gemeinsamen Merkmalen zusammengefasst, etwa ob sie nachtaktiv sind oder im Teich leben. Alle Informationen werden häppchenweise auf den beiden Doppelseiten verteilt. Zu jeder Information gibt es eine dickgedruckte Überschrift und dann wenige Sätze, in denen in einfacher Sprache die Informationen erklärt werden. Kurz, aber verständlich und effektiv. Teilweise werden auch einzelne Informationen stichpunktartig aufgezählt. Die Sätze sind groß genug, dass Kinder ab der zweiten Klasse sie auch selber lesen können.

Das Buch hat den Titel Das große Buch der Krabbeltiere. Dies suggeriert, dass es sich um ein großes und dickes Sachbuch handelt, in dem man nahezu alles über Krabbeltiere, die Arten und Unterarten erfährt. Dies ist allerdings falsch, denn man erfährt nur einzelne Bruchstücke – oft Dinge, die an den jeweiligen Arten besonders sind oder die sehr interessant sind und die man daher vielleicht noch nicht wusste. Allgemeine Dinge über die einzelnen Krabbeltiere wie einen Steckbrief findet man hier allerdings nicht. Daher kann das Buch vielmehr den Zweck erfüllen, das Interesse über die unterschiedlichen Insektenarten zu wecken – nicht aber, ein vertieftes Wissen über diese zu erlangen.

Die Illustrationen sind mal etwas anderes. Sie sind sehr farbenfroh, aber weitestgehend natürlich. Die Krabbeltiere sind nicht fotorealistisch, sondern sehr abstrakt dargestellt – oft mit großen Augen, einem Lächeln auf dem Mund und in unrealistischen Größenverhältnissen. Die Hintergründe tendieren von weiß und dezent farbig bis hin zu komplett farbig – aber immer auf eine natürliche Weise. Auf den Bildern finden sich auch oft Alltagsgegenstände, die den Kindern den Zugang besser ermöglichen oder ihnen eine bessere Vorstellung über Größenverhältnisse ermöglichen.
Insgesamt sind die Illustrationen sehr ansprechend, aber ich denke, sie könnten Geschmackssache sein. Wer nicht auf den abstrakten, fast karikaturistischen Stil von Yuval Zommer steht, der könnte vielleicht nicht so begeistert von ihnen sein.

Einen weiteren Pluspunkt gibt es für die Interaktivität, die sich durch das Sachbilderbuch hindurchzieht und Kinder dazu animiert, genau hinzuschauen und zu lesen bzw. zuzuhören. Viele der Bilder sind sehr wimmelbildartig, weshalb von den kindlichen Betrachtern einiges im Hinblick auf ihre visuellen Kompetenzen abverlangt wird. Um dies gezielt zu fördern gibt es auf vielen Doppelseiten Suchaufträge. Hier sollen die Kinder einige Krabbeltiere suchen. Dies ist gar nicht so einfach – ich habe es ausprobiert. Am Ende des Buches finden sich die Lösungen zum Überprüfen. Dort gibt es auch noch eine kleine Einführung in ‚Krabbeltierwörter‘, die Experten verwenden, und ein Register mit den wichtigsten Begriffen und Namen.

Insgesamt ein gelungenes Sachbilderbuch, das auf eine einfache und dennoch informative Weise einen kleinen Einblick in die Welt der Krabbeltiere ermöglicht. Die Illustrationen sind Geschmackssache, ich finde sie aber ansprechend und sehr gelungen. Für die Zielgruppe von Kindern ab etwa 4 Jahren bis zum frühen Grundschulalter sehr empfehlenswert und daher 5 Sterne.

Besondere Einsatzmöglichkeiten:
Als Sachbilderbuch eignet sich dieses Werk natürlich hervorragend für den Sachunterricht in der Grundschule. Bei einer Einheit zu Insekten, Krabbeltieren oder ähnlichem kann das Buch an einer Lerntheke ausgestellt werden. Da die Informationen in dem Buch aber bei weitem nicht abschließend sind, sollten auch andere – ausführlichere – Werke hinzugezogen werden. Damit die Kinder aber erst einmal einen Überblick über die unterschiedlichen Themen erhalten, eignet sich das Buch hervorragend. Ausgehend davon können sie sich dann mit anderen Werken oder dem Internet tiefer in das Thema einarbeiten. Für einige interessante Fakten eignet sich dieses Sachbilderbuch aber allemal.
Außerdem kann es auch für die Lehrkraft selbst eine gute Hilfestellung sein, etwa um einen Ausflug in die Natur mit den Kindern zu planen. Hier gibt es einige Tipps, was man dafür benötigt, worauf man achten sollte und wo man am Besten suchen kann. Außerdem gibt es Anleitungen, wie Insekten im (Schul-)Garten ein Zuhause bereitet werden kann – ebenfalls ein schönes Projekt mit Kindern.

Das große Buch der Krabbeltiere - Yuval Zommer
Das große Buch der Krabbeltiere
von Yuval Zommer
(2)
Buch (gebundene Ausgabe)
17,50

Wunderschön poetisches Bilderbuch über die Bedeutung von Wünschen

Bücherglitzer , am 04.06.2019

Inhalt:
Im Tal der Windmühlen war das Wünschen früher ein großer Bestandteil des Lebens der Bewohner. Doch mit dem technischen Fortschritt kamen die Perfekten Maschinen, die den Menschen jeden Wunsch per Knopfdruck erfüllen. Fortan benötigt keiner mehr Sternschnuppen oder Pusteblumen, um sich die tiefsten Herzenswünsche zu erfüllen. Jeder ist nur noch mit sich und seiner Maschine beschäftigt. Nur zwei Personen halten nichts von den Maschinen und haben noch Wünsche, die sie sich auf dem herkömmlichen Weg erfüllen wollen. Die Schneiderin Anna möchte etwas ganz Besonderes nähen und der riesenhafte Vogelmann wünscht sich nichts mehr als fliegen zu können. Und so unwahrscheinlich diese Herzenswünsche auch sein mögen – Anna und der Vogelmann halten an ihren Wünschen fest und tun alles dafür, sie umzusetzen. Aber dafür muss der Wind ins Tal zurückkehren…

Meine Meinung:
Ich bin ja ein großer Fan der Illustrationen von Valeria Docampo. Normalerweise arbeitet sie vorwiegend mit Agnès de Lestrade an besonderen Bilderbüchern. Bei diesem Bilderbuch handelt es sich aber um einen Geschichte von Noelia Blanco, die mich ebenso verzaubern konnte, wie die Geschichten von Agnès de Lestrade.

Bereits das Cover, das eine Szene aus dem Bilderbuch abbildet, spricht einen einfach an. Während es aus überwiegend dezenten und zurückhaltenden Farben besteht, sticht die Schneiderin Anna mit ihrem grünen Kleid und den langen roten Haaren einfach hervor.
Das sieht so wunderbar verträumt und künstlerisch aus, dass man an diesem Buch einfach nicht vorbeigehen oder vorbeiscrollen kann.

Was passiert, wenn die Menschen keine Wünsche mehr haben, weil sie sich alles sofort erfüllen können? Mit dieser Frage beschäftigt sich dieses poetische Bilderbuch. Im Tal der Windmühlen waren Wünsche bis zum Auftauchen der „Perfekten Maschinen“ etwas Besonderes. Doch mit den Maschinen ist das Wünschen nicht mehr notwendig, denn man bekommt alles, was man haben möchte, auf Knopfdruck. Nur zwei Bewohner des Landes, die Schneiderin Anna und der Vogelmann, haben ihre Wünsche behalten und gemeinsam helfen sie sich, diese zu erfüllen.

Die Themen dieses Bilderbuches sind vielfältig. Zum Einen geht es um den technischen Fortschritt, der auch in unserer Gesellschaft eine große Rolle spielt. Fortschritt heißt zwar immer auch, dass sich den Leuten viele neue und vielleicht auch echt nützliche Möglichkeiten bieten. Gleichzeitig heißt es aber leider auch, dass die alten Traditionen in Vergessenheit geraten. Die heutige Kindheit ist auch mehr und mehr von den technischen und digitalen Möglichkeiten geprägt, was an sich nicht schlimm ist. Wenn dadurch aber die ganze Kindheit verändert ist, die Kinder nicht mehr draußen und mit Freunden spielen oder einfach mal träumen und in den Sternenhimmel schauen, um sich von einer Sternschnuppe etwas zu wünschen – dann ist das echt traurig und gleicht eher einer Dystopie als einer perfekten Welt.

Die Ausgangssituation im Tal der Pusteblumen wird – wie es bei Docampo üblich ist – daher durch die Farbgebung unterstrichen. Diese ist zurückhaltend und dezent, es überwiegen Braun- und Beigetöne. Dadurch wirkt die Atmosphäre zu Beginn etwas trist und verlassen. Allerdings werden auch hier bereits Farbakzenten durch Anna und den Vogelmann gesetzt. Vor allem Anna sticht mit ihren roten Haaren und dem Kleid sehr gut hervor. Im Gegensatz zu ihr sind die anderen Personen entweder in den Maschinen versteckt oder haben eher die Farbe des Hintergrundes – sie sind weitestgehend ohne Individualität. Der Vogelmann hat auch einige farbige Akzente, etwa die rote Hose. Außerdem fällt er durch seine Größe auf, denn er ist ein Riese mit langem angebundenem Vogelschnabel.

Weitere Themen sind die Freundschaft zwischen Anna und dem Vogelmann, die dadurch geprägt ist, dass sie aneinander glauben und sich gegenseitig bei der Erfüllung ihrer Wünsche unterstützen. Dies erfüllt eine hervorragende Vorbildfunktion für Kinder.
Außerdem spielt das Thema Wünschen eine Rolle. Dies wird durch einige Symbole, die im Zusammenhang mit dem Wünschen stehen, veranschaulicht. Hier sind u.a. die Sternschnuppen und die Pusteblumen zu nennen.

Die Sprache ist sehr poetisch und bildhaft, aber dennoch gut verständlich. Die Wortwahl ist wertvoll und sehr ästhetisch. Da die Geschichte so bild- und symbolhaft ist, eignet sich das Bilderbuch eher für ältere Kinder ab etwa 4 oder 5 Jahren oder sogar erst in der Grundschule. Auch für Erwachsene ist dieses Bilderbuch noch sehr schön, da es ein wahres Kunstwerk ist – sowohl der Text als auch die Illustrationen.

Insgesamt wieder ein gelungenes poetisches Bilderbuch, das zum Nachdenken und Sprechen anregt und einem zeigt, wie wichtig Wünsche, Träume und die Phantasie sind. Die Bilder sind wunderschön und beinhalten viele Details. Ein wahrer Schatz, der von mir mit 5 Sternen bewertet wird. Absolut empfehlenswert!

Besondere Einsatzmöglichkeiten:
Wie auch die Bilderbücher vom Duo Agnès de Lestrade und Valeria Docampo, ist auch dieses Werk von Noelia Blanco und Valeria Docampo sehr gut geeignet, um in der Grundschule bearbeitet zu werden.
Aufgrund der Themenvielfalt bieten sich einige Anlässe zum Sprechen mit den Kindern an.
Hier können sie die Geschichte auf ihre eigene Lebenswelt beziehen – etwa die Maschinen, die ihr Leben scheinbar perfekt machen. Hierzu kann man dann den Alltag von Kindern vor 30 + Jahren vergleichen – ohne Smartphone, Internet und Co. Die Schüler sollten dann auch darüber nachdenken, welche Aktivitäten aus dem früheren Alltag heute vielleicht schon mehr und mehr in Vergessenheit geraten sind.

Auch über das Thema Wünsche bzw. Herzenswünsche können die Kinder sicherlich viel beitragen. Sei es, über ihre eigenen Wünsche oder über Wunschsymbole. Hier können die im Bilderbuch erwähnten Symbole fürs Wünschen als Ausgangspunkt dienen, um über den mit Wünschen verbundenen Aberglauben zu sprechen.

Außerdem bieten sich zu dem Bilderbuch vielfältige Schreibanlässe an. Die Kinder könnten über den Alltag eines der Kinder in dem Buch schreiben, das mithilfe der Perfekten Maschinen einen ‚perfekten‘ Tag erlebt. Außerdem könnten sie ausgehend von der Haupthandlung eine andere Person mit einem Herzenswunsch wählen und deren Weg zur Erfüllung dieses Wunsches.

Im Garten der Pusteblumen - Blanco Noelia
Im Garten der Pusteblumen
von Blanco Noelia
(18)
Buch (gebundene Ausgabe)
15,40

Spannender und romantischer Detektivroman ab 12

Bücherglitzer , am 27.05.2019

Inhalt:
Ashford-on-Sea ist ein idyllisches Dorf in England, in dem keine schwerwiegenderen Verbrechen als Fahrraddiebstähle passieren. Doch ausgerechnet auf der Fünfhundertjahrfeier passiert das Unfassbare: Amys Klavierlehrerin Rubinia Redcliff wird tot aufgefunden, nachdem sie ein Stück von Amys köstlicher Schokomousse-Erdbeer-Torte gegessen hat. Es wird schnell klar, dass Rubinia an ihrer Nussallergie gestorben sein muss. Aber während der Dorfpolizist es für einen Unfall hält, ist für Amys Tante Clarissa schnell klar, dass es Mord sein muss. Und Amy hat auch schon einen Verdächtigen… Den Jungen, in den sie seit längerer Zeit unsterblich verliebt ist: Finn. Also beschließt sie entgegen ihrer Einstellung zu Krimis und Detektivspielen, gemeinsam mit ihrer Tante den wahren Mörder zu finden. Doch das ist bei einer allseits verhassten Frau wie Rubinia gar nicht so einfach…

Meine Meinung:
Bereits vom Cover und vom Titel angesprochen, war ich sehr gespannt auf den neuen Krimi von Alexandra Fischer-Hunold. Seit Lord Gordon – Ein Mops in königlicher Mission bin ich ein großer Fan ihrer Bücher und konnte mir daher ihren neuesten Krimi für Jugendliche – der ebenfalls in meinem Lieblingsland England spielt – nicht entgehen lassen. Und ich wurde nicht enttäuscht!

Der Krimi fängt relativ typisch mit den Worten „Es war Mord!“ an. Dass es sich hier aber eben nicht um einen typischen Detektivroman handelt, wird dann relativ schnell durch die Hauptperson Amy klargestellt, die nämlich als ersten Satz für die Erzählung etwas ganz anderes gewählt hätte. Gemeinsam mit ihrer Tante Clarissa lebt die Vollwaise Amy im hübschen Dörfchen Ashford-on-Sea, benannt nach der Familie Ashford, die seit Generationen in Ashford House leben. Dort betreiben Clarissa und Amy einen Tearoom, in dem es die leckersten Kreationen der beiden gibt. Nebenbei ist Tanta Clarissa die Hobbydetektivin, die den Bewohnern bei kleinen Kriminalfällen mit Rat und Tat zur Seite steht. Klar, dass sie dann, als ein Mord passiert, ganz Miss-Marple-mäßig auch direkt einen solchen wittert.

Das Dorf, in dem die Geschichte spielt, ist erfunden, aber wirkt echten englischen Dörfern nachempfunden. Auf dem Vordruck gibt es eine Karte vom Dorf, sodass man bereits zu Beginn einen Einblick bekommt, wie es dort aussehen könnte und so die Wege, die zurückgelegt werden, besser nachvollziehen kann. Im Dorf gibt es die üblichen Gebäude und Geschäfte, wozu natürlich der Tearoom, ein Pub und das Herrenhaus zählen. Da die Geschichte in England spielt, werden viele Aspekte der Kultur aufgegriffen, etwa die Tea Time, English Breakfast, Fish & Chips und ähnliches. Da die Charaktere im Buch recht übersichtlich sind, wirkt das Dorf kleiner, als es vermutlich ist. Allerdings erfahren wir, dass Amy auch einige Freunde hat, die sie allerdings im Laufe der Geschichte nie sieht – das finde ich etwas unrealistisch, denn spätestens zum Dorffest hätten sie doch auch sein müssen?! Ein wichtiger Freund von Amy ist ihr Hund Percy, der ebenfalls eine große Rolle spielt und dem Leser direkt ans Herz wächst.

Der Schreibstil von Alexandra Fischer-Hunold ist flüssig und gut zu verfolgen. Außerdem hat sie einen recht lockeren Schreibstil, der gerade auch die Zielgruppe des Krimis ansprechen dürfte. Dabei wird aber nicht zwanghaft versucht, jugendlich zu klingen oder gerade üblichen Jugendslang einfließen zu lassen, wie es teilweise in Jugendbüchern der Fall ist. Amy erzählt die Geschehnisse aus der Ich-Perspektive und direkt zu Beginn wird klar, dass sie diese rückblickend erzählt. Zudem wird der Leser oft direkt in die Erzählung mit einbezogen oder angesprochen, etwa wenn ein komplizierter Begriff erläutert wird.

Amy erfüllt für die Leserinnen eine Identifikations- und Vorbildfunktion. Durch die Ich-Perspektive können die Leserinnen an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben. Dadurch, dass Amy zum ersten Mal richtig verliebt ist und sich wegen ihrer Schüchternheit nicht traut, ihren Schwarm anzusprechen, können sich vermutlich einige der Leserinnen mit ihr identifizieren. Gleichwohl dient sie auch als Vorbild. Zum Einen ist sie an der Lösung eines Kriminalfalls beteiligt, was vermutlich für viele Leserinnen ein großer Wunsch wäre. Aber Amy ist eigentlich viel interessierter an Liebesgeschichten als an Krimis und ist daher nicht so euphorisch über diese Aussicht. Sie löst den Fall aus reiner Selbstlosigkeit, nämlich um Finn zu helfen, was sehr vorbildhaft ist. Auch sonst benimmt Amy sich sehr gut, ist immer höflich und hilfsbereit.

Das Buch ist spannend geschrieben. Es laufen oft mehrere Spannungsbögen nebeneinander ab. Der Hauptspannungsbogen bezieht sich natürlich auf die Aufklärung des Falls. Zunächst gibt es nur wenige Verdächtige, nämlich diejenigen, die Rubinia kurz vor ihrem Mord mit einem ebensolchen gedroht haben, oder diejenigen, die ein starkes Motiv für einen Mord haben. Der Kreis der Verdächtigen weitet sich dann allerdings im Laufe der Handlung noch aus, sodass es für die Detektive und den Leser immer schwieriger wird, den Täter zu ermitteln. Und es bleibt wirklich spannend bis zum Schluss, mit einigen unerwarteten Wendungen.
Durch die Ich-Perspektive werden die Leserinnen hervorragend in die Lösung des Falles miteinbezogen. Hier heißt es aufmerksam zu lesen und jeden noch so kleinen Hinweis zu berücksichtigen. Das ist doch mit das Beste an Krimis, oder?

Der zweite Spannungsbogen bezieht sich auf die Liebesgeschichte zwischen Amy und Finn. Da bereits auf der ersten Seiten in Aussicht gestellt wird, dass Finn Amy im Laufe der Geschichte küsst, müsste eigentlich alles klar sein. Aber auch im Hinblick auf Finn stellen sich Amy im Laufe der Geschichte einige Steine in den Weg und nichts ist, wie es scheint. Amy schweift in ihren Gedanken oft zu Finn und ihren Gefühlen ab. Wer gerne Liebesgeschichten liest, dem wird das gefallen. Wer keine Liebesgeschichten mag, könnte hiervor auf Dauer etwas genervt sein. Ich mag sowohl Krimis als auch Liebesromane, für mich war es also perfekt.

Dann gibt es noch einen Spannungsbogen, der, zumindest für mich, von Bedeutung war: Das Tagebuch von Butterfly Redcliff, das Amy zu Beginn findet und anfängt zu lesen. Hier geht es um eine lange zurückliegende Liebesgeschichte zwischen Rubinias Mutter und einem jungen Mann, den sie auf einer Reise in Thailand kennenlernt. Leider wird Amy beim Lesen unterbrochen und dann ist das Tagebuch plötzlich verschwunden – hier ist Geduld gefragt!
Daneben gibt es noch kleinere Spannungsbögen, die mal früher, mal später aufgelöst werden, aber die Leselust konstant aufrechterhalten.

Eine Leiche zum Tee - Alexandra Fischer-Hunold
Eine Leiche zum Tee
von Alexandra Fischer-Hunold
(16)
Buch (gebundene Ausgabe)
15,40

Spannende Verfolgungsjagd ganz ohne Text

Bücherglitzer , am 27.05.2019

Inhalt:
Frau Hund hat eine leckere Torte gebacken, die darauf wartet, von ihr und Herrn Hund verspeist zu werden. Aber vorher muss Herr Hund noch ein bisschen im Garten arbeiten. Plötzlich kommen zwei Ratten aus dem Wald und stehlen die Torte. Was für eine Frechheit! Sofort nehmen Herr und Frau Hund die Verfolgung auf. Und nicht nur die beiden haben ein Problem. Mama Gans geht ein Küken verloren, die Hasenmama bekommt ihr Kleines nicht beruhigt und Mama und Papa Schwein suchen verzweifelt ihr Kind. Da heißt es nicht nur für die Charaktere Augen auf und Zusammenhalten.

Meine Meinung:
Bereits vor einiger Zeit habe ich ein Bilderbuch von Thé Tjong-Khing kennengelernt, und zwar Hieronymus – Ein Abenteuer in der Welt des Hieronymus Bosch. Dieses Bilderbuch hat mich wirklich begeistert, denn es erzählt ganz allein durch Bilder eine fantastische und spannende Geschichte mit vielen Nebenhandlungen. Daher war ich sehr gespannt auf das Erfolgsbilderbuch Die Torte ist weg! Eine spannende Verfolgungsjagd, von dem ich ebenfalls schon viel Gutes gehört habe.

Das Bilderbuch ist wieder ganz ohne Text. Auf insgesamt 12 Bildern, auf denen jeweils eine größere, fast wimmelbildartige Szene abgebildet ist, werden die unterschiedlichsten Geschichten erzählt – und das chronologisch und nachvollziehbar. Sehr gelungen finde ich, wie zunächst die Aufmerksamkeit auf die Hauptgeschichte, nämlich den Diebstahl der Torte gelenkt wird. Auf der ersten Doppelseite, die insgesamt relativ grün ist, wird durch eine hellere Farbgebung zunächst die Aufmerksamkeit auf das Haus von Herrn und Frau Hund, den Tisch mit der Torte und die beiden herbeieilenden Diebe gelenkt. Wer möchte, kann sich auf den darauffolgenden Seiten dann erst einmal auf diesen Handlungsstrang fokussieren und den Rest ausblenden.

Wer allerdings jedes Bild genau betrachtet, dem werden vielleicht schon zu Beginn die ersten Nebenhandlungsstränge auffallen. Alle Protagonisten sind Tiere, von Fröschen und Affen bis zu Chamäleons. Gerade beim ersten Betrachten bleiben aber auch viele Details unbeachtet, die dann beim wiederholten ‚Lesen‘ der Bilder auffallen. Sehr gelungen ist, wie die Nebenhandlungen und die Haupthandlung, gerade zum Ende hin, miteinander verschmelzen und zu einer Geschichte werden. Aber auch schon zu Beginn sind einige Handlungen und Geschehnisse miteinander verbunden, man muss nur genau hinschauen.

Die Illustrationen sind sehr gelungen. Sie sind relativ abstrakt und dennoch detailliert, gerade auch was Gesichtsausdrücke und damit verbundene Emotionen anbelangt. Die Figuren sind kindgerecht gezeichnet, auch wenn manchmal nicht ganz klar ist, welches Tier nun dargestellt wird. Also ist auch hier die Fantasie gefragt. Die Bilder sind, wie bereits angedeutet, sehr wimmelbildartig. Das liegt daran, dass so viele unterschiedliche Handlungsstränge auf den Bildern dargestellt oder zumindest angedeutet werden. Dadurch ergeben sich aber dementsprechend auch viele Sprechanlässe, denn je mehr Handlungen und Geschichten entdeckt werden, desto mehr gibt es zu erzählen. Wegen der Komplexität der Bilder würde ich aber auch eher dazu tendieren, das Bilderbuch erst ab etwa 3 Jahren zu empfehlen (vom Verlag wird es bereits ab 2 Jahren empfohlen). Meine Tochter fängt jetzt – mit fast 3 Jahren – erst richtig an, zu Bildern etwas zu erzählen. Vorher hat sie nur einzelne Gegenstände benannt.

Die Farbgebung ist zu Beginn und auch gegen Ende hin vorwiegend in helleren Grün-, Gelb-, Blau- und Grautönen. Zu Beginn dominieren aber auch dunklere Grüntöne, die vielleicht das Chaos und die kommende Aufregung andeuten und so eine gewisse Spannung erzeugen. Neben den dominierenden Tönen werden durch die Figuren viele Farbakzente gesetzt, die sich weitestgehend über die Bilder verteilen. Zur Mitte hin, dem Höhepunkt, werden die Farben etwas dunkler. Hierdurch wird die Atmosphäre der drohenden Gefahr hervorragend durch die Farbgebung hervorgehoben. Nach der Auflösung der Probleme werden die Farben wieder heller und harmonischer.

Ich liebe die Bilderbücher von Thé-Tjong Khing einfach, was dieses Werk wieder einmal bestätigt hat. Ganz ohne Worte wird eine komplexe Geschichte mit vielen Nebenhandlungen erzählt. Dadurch hat das Bilderbuch ein enormes Potenzial, die Sprech- und Erzählfähigkeit der Kinder zu fördern, gleichzeitig ihre Fantasie anzuregen und ihre Visual Literacy zu entwickeln. Natürlich kann so ein einzigartiges Kunstwerk nur 5 Sterne bekommen. Wirklich sehr zu empfehlen, nicht nur für Kinder!

Die Torte ist weg - The Tjong-Khing
Die Torte ist weg
von The Tjong-Khing
(11)
Buch (gebundene Ausgabe)
14,40

Über eine ungleiche Freundschaft, die zu mehr Selbstliebe verhilft

Bücherglitzer , am 22.05.2019

Inhalt:
Die Giraffe Roberta ist sehr unzufrieden. Denn: Ihr langer, dünner, scheckiger Hals macht ihr zu schaffen. Im Vergleich zu den Halsen anderer Tiere macht ihr Hals einfach gar nichts her. Und jeder schaut ihn ständig an, das geht ihr auf die Nerven! Also versucht sie alles, um von ihrem Hals abzulenken. Sie schmückt ihn mit Schals und Krawatten und versteckt ihn hinter Bäumen und im Fluss. Aber es hilft alles nichts. Ihr Hals bleibt! Dann trifft sie auf die Schildkröte Henry, die ihren langen Hals bewundert – nein, sie sogar geradezu darum beneidet. Und als Roberta Henry mit ihrem langen Hals bei einer Sache behilflich sein kann, ist das der Beginn einer großartigen Freundschaft.

Meine Meinung:
Wer kennt es nicht? Man ist mit einer Sache an sich unzufrieden – sei es die Frisur, die Nase, das Gewicht, die Körpergröße oder die Stimme. Es gibt vermutlich die unterschiedlichsten Problemzonen. So ergeht es auch Roberta, deren Problemzone in dem Bilderbuch Roberta & Henry ihr Hals ist. Der ist ja eigentlich das Markenzeichen einer Giraffe und wird vermutlich von den meisten auch als besonders schön oder bewundernswert betrachtet. Nur halt eben von Roberta nicht – denn Schönheit ist subjektiv, und gerade deshalb kann es manchmal schwer sein, sich selber schön zu finden und so zu lieben, wie man ist.

Die Geschichte fängt damit an, dass Roberta aufzählt, was ihr an ihrem Hals alles nicht gefällt. Und weil das so ist, fühlt sie sich wegen dieser Problemzone auch ständig von anderen Tieren beobachtet – der sogenannte Spotlight-Effekt. Um nicht immer wegen ihres Halses angeguckt zu werden, versucht sie alles mögliche, um diese Problemzone loszuwerden oder zu kaschieren. Diese Versuche sind leider sehr erfolglos, denn so einen langen Hals kann man schlecht verstecken. Und das ist ja auch kein Zustand. Die nächste Stufe ist also Frust. Warum nur wurde Roberta mit so einem Hals gestraft, wo doch andere Tiere viel schönere Hälse hat. Als sie dann Henry trifft, kehrt sich dieser Frust allmählich. Denn Henry sagt, wie toll er ihren Hals findet und wie gerne er einen solchen hätte. Denn: sein Hals ist viel zu kurz. Und dann merkt Roberta, wie nützlich so ein langer Hals auch sein kann und fängt an, ihn allmählich zu akzeptieren.
Die Geschichte bietet so viele Identifikationsmöglichkeiten für Kinder (und Erwachsene). Jeder hat mit irgendwas an sich ein Problem und hat dann das Gefühl, dass es wahrscheinlich jedem auffällt. Und dann macht man Diäten, geht zum Friseur, spart Geld für neue Kleidung oder setzt die Brille, obwohl man sie eigentlich braucht, nicht mehr auf.

Die beiden Charaktere Roberta und Henry könnten unterschiedlicher wohl nicht sein. Gerade Roberta dient als wichtige Identifikationsfigur, da sie erst sehr unzufrieden mit sich ist, aber durch ihren neuen Freund nach und nach anfängt, sich selbst zu akzeptieren (und vielleicht sogar zu liebe?) – so wie sie ist. Das macht Kindern Mut, sich ebenfalls zu akzeptieren und ihre Schwächen zu ihren Stärken zu machen. Denn was man selber blöd findet, findet ein anderer vielleicht ganz toll.
Interessant finde ich, dass die Giraffe im englischen Original Giraffe Problems männlich ist – dort heißt sie Edward. Im deutschen Bilderbuch sollten wohl beide Geschlechter abgebildet werden, weshalb aus Edward kurzerhand Roberta wurde.

Der Text ist sehr abwechslungsreich. Er wechselt zwischen dem Monolog von Roberta zu Beginn zu einem Dialog mit Henry. Zu Beginn sind die Sätze weitestgehend kurz und bestehen zum Teil sogar nur aus einzelnen Wörtern. Erst gegen Mitte des Buches, als Henry auftaucht, werden die Sätze länger. Als Henry von seinem Problem erzählt, werden die Sätze allerdings recht lang. Das kann vereinzelt beim Vorlesen auch recht störend sein, weil man sich gerne mal verhaspelt. Ein weiterer Stilbruch liegt in der Sprache. Diese wechselt gerne mal zwischen umgangssprachlich, kindlicher Sprache und hochgestochen – muss man mögen. Es ist auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, Kinder mit unterschiedlichen Formen von Sprache bekannt zu machen. So können sie auch unbekannte Sprache kennenlernen. Ansonsten ist der Text sehr lustig und locker geschrieben, was mir gut gefällt.

Normalerweise ist auf den Seiten nicht zu viel Text oder er ist in so viele kleine Sätze oder einzelne Wörter aufgeteilt, dass es nicht so auffällt. Nur auf einer Seite (dem Monolog von Henry) hat man im Vergleich zum restlichen Buch das Gefühl, von Text erschlagen zu werden. Das finde ich persönlich nicht ganz so schön. Ansonsten ist der Text in zwei unterschiedlichen Schriftarten, in unterschiedlichen Größen und unterschiedlichen Farben, die jeweils die verschiedenen sprechenden Tiere darstellen sollen. So ist die Schrift des Löwes gelb, die von Roberta braun wie ihre Flecken und die von Henry grün wie sein Körper (nur nicht in demselben Grünton, was ich nicht ganz verstehe).

Nun aber zu den Illustrationen, die meiner Meinung nach das Bilderbuch stark aufwerten. Während der Text und dessen Aufmachung einige Schwächen aufweisen, sind die Illustrationen vollkommen. Der bekannte Illustrator Lane Smith, der bereits Werke von Dr. Seuss illustriert hat, verwendet hier einen ganz besonderen Stil mit einer Kratztechnik, die wunderbar Strukturen erschafft. Die Farbwahl ist sehr passend für das Setting Afrika und die dargestellten Tiere. Alles wirkt sehr natürlich, die Farben sind überwiegend dezent und ruhig. Es überwiegen Erd-, Braun- und Gelbtöne. Dennoch gibt es vereinzelt Farbakzente, die herausstechen, wie die Farben der Schals, Krawatten und Fliegen oder der grüne Körper der Schildkröte. Die Illustrationen variieren auch insofern, als dass es mal ganze Szenen gibt, die dargestellt werden, oder auf einer Doppelseite mehrere unterschiedliche Szenen in einer Abfolge abgebildet sind – getrennt durch eine Trennlinie, sodass es fast etwas comicartiges hat. Die Illustrationen erzählen oft auch über den Text hinaus und sind nebenbei nicht nur niedlich, sondern auch lustig.

Insgesamt eine schöne Geschichte über zwei ungleiche Freunde, die auf der Textebene kleinere Mängel aufweist. Diese werden allerdings durch die wundervollen Illustrationen, die Identifikationsmöglichkeiten und die schöne Message der Geschichte wieder ausgebügelt, sodass ich dem Bilderbuch dennoch 5 Sterne gebe.

Roberta und Henry - Jory John
Roberta und Henry
von Jory John
(8)
Buch (gebundene Ausgabe)
15,50

Ein schönes Pappbilderbuch für Kindergartenkinder

Bücherglitzer , am 21.05.2019

Inhalt:
Was macht das beste Kindergartenkind aus? Es sollte sich auf dem Weg zum Kindergarten auskennen und schon ein paar Regeln des Straßenverkehrs kennen. Außerdem ist es schon selbstständig und braucht die Mama gar nicht mehr. Im Kindergarten macht es gerne mit, findet sich zurecht und hat einfach ganz viel Spaß. Und das natürlich nicht alleine – denn ohne Freunde macht der Tag im Kindergarten natürlich nur halb so viel Spaß!

Meine Meinung:
Dieses Pappbilderbuch von Nina Dulleck ist zur richtigen Zeit bei uns eingezogen. Meine Tochter kommt nämlich im Sommer auch in den Kindergarten und da sie sich darauf schon ziemlich freut – ‚Mama, wann gehe ich in den Kindergarten?‘ – dürfen natürlich auch die passenden Bücher nicht fehlen, um diese Vorfreude noch zu verstärken und sie außerdem ein bisschen auf den Alltag im Kindergarten vorzubereiten. Fast jedes Kind kommt mit spätestens 3 Jahren in den Kindergarten oder in die Kita und das ist wirklich ein großer Schritt – das erste Mal ganz ohne Mama oder Papa, vielleicht das erste Mal richtiger Kontakt mit Gleichaltrigen. Das kann nicht nur spannend und aufregend sein, sondern vermutlich zu Beginn auch etwas beängstigend. Dieses Bilderbuch bietet daher eine gute Unterstützung, um dem Kind den neuen Alltag näherzubringen und es schon einmal mental auf diesen neuen Lebensabschnitt vorzubereiten.

Die Geschichte – wenn man es so nennen kann – wird zum Großteil in Fragen erzählt die mit ‚Wer…?‘ beginnen und sich untereinander reimen. Die Reime passen sehr gut und wirken zu keiner Zeit erzwungen. Außerdem haben sie ein großes motivationales Potenzial und verbessern die phonologische Bewusstheit der Kinder.
Thematisch werden mehrere Alltagsszenen vorgestellt, die vermutlich jedem Kindergartenkind bekannt vorkommen. Auch ich kann mich noch an Vieles aus meiner Kindergartenzeit erinnern. Es geht um den Weg zum Kindergarten und an welche Regeln man sich hier halten sollte – leider wird hier nur auf das Warten bei Rot eingegangen, nicht aber auf Aspekte wie ‚Nach Links und nach Rechts gucken‘. Im Kindergarten werden dann zuerst die Jacke aufgehängt und die Schuhe ausgezogen, bevor dann die Mama verabschiedet wird. Dann gibt es Frühstück, was lediglich auf den Bildern dargestellt wird, und dann wird gezeigt, wie ein Tag im Kindergarten ablaufen kann: Morgenkreis, Bilder malen und draußen spielen.

Die Aufmachung des Bilderbuches ist sehr gelungen. Der Hintergrund ist durchgehend in einem cremigen Gelbton gehalten und wirkt dadurch sehr harmonisch. Die Schrift ist angenehm groß und in einer Grundschrift, sodass bereits frühe Leseanfänger mitlesen können. Pro Seite gibt es meist nur einen Satz. Vereinzelt ist die Schrift in Schlangenlinie abgebildet, was ich sehr ansprechend finde.
Auf dem Cover befindet sich ein Foto-Einsteckrahmen, der es ermöglicht, das Buch zu personalisieren. Hier kann ein Foto des Kindes mit den Abmaßen 10 x 15 cm hineingeschoben werden. Auch sehr gut, wenn das Kind das Buch mal in den Kindergarten mitnehmen möchte. So weiß jeder direkt, wem es gehört.
Am Ende des Buches steht die Frage: „Das beste Kindergartenkind – wer mag das sein?“. Die Antwort hierauf soll ein Spiegel bieten, der in die andere Seite integriert ist und mit einem schönen illustrierten Rahmen versehen ist. Meine Tochter liebt dieses Extra, dann jedes Mal sieht sie natürlich sich selbst und das motiviert! So kann das Buch auch gut im Kindergarten verwendet werden, beispielsweise wenn ein Kind traurig ist und ein bisschen Trost braucht.

Die Illustrationen von Nina Dulleck sind herzallerliebst. Die Personen, Tiere und Spielzeuge sind wirklich sehr süß dargestellt. Die Illustrationen sind weitestgehend auf das Wesentliche beschränkt und nicht mit zu vielen Details überladen. Nur eine Illustration wirkt recht chaotisch, was allerdings realistisch ist (die Garderobe mit den Jacken, Schuhen und persönlichen Gegenständen der Kinder). Die Farbwahl gefällt mir richtig gut. Es sind viele unterschiedliche Farben dabei, die allerdings beruhigend wirken und nicht grell oder quietschig sind. Dulleck verwendet klare, breite Linien in einem Braunton, um die Gegenstände voneinander abzuheben – ohne dass es zu stark wirkt.

Ein wirklich gelungenes Bilderbuch für Kinder, die bald in den Kindergarten kommen oder bereits einige Zeit im Kindergarten sind. Der geschilderte Alltag bietet viele Identifikationsmöglichkeiten und die Illustrationen sind sehr schön anzusehen. Ich kann das Buch wirklich sehr empfehlen und daher bekommt es auch 5 Sterne.

Das beste Kindergartenkind ... bist du! - Nina Dulleck
Das beste Kindergartenkind ... bist du!
von Nina Dulleck
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
8,30

Ein magisches, lustiges und spannendes Kinderbuch

Bücherglitzer , am 21.05.2019

Inhalt:
Bald ist es endlich so weit - Emmis großer Fabeltag steht vor der Tür. In Wichtelstadt, wo Emmi mit ihrer Familie - den Brixens - wohnt, bekommt nämlich jedes Kind zu seinem zehnten Geburtstag ein eigenes Fabelwesen. Natürlich ist Emmi sehr aufgeregt. Da sie in der Schule gemobbt wird und sehr unbeliebt ist, hofft sie, dass sie ein ganz besonderes Fabeltier bekommt: Ein Einhorn! Als sie kurz vor dem großen Tag von einem schimmernden Horn träumt, ist sie sich sicher, dass sie ein Einhorn bekommt. Aber muss Henk, der Drache von Herrn Brix, das unbedingt den Kindern, die sie so gerne schikanieren, erzählen? Denn dann kommt es, wie es kommen muss: Emmi bekommt gar kein Einhorn, sondern ein süßes kleines Einschwein - ohne Schweif, mit kleinem Bäuchlein und ganz sicher nicht so vornehm wie ein Einhorn! Emmi ist erst einmal gar nicht begeistert. Doch dann freundet sich Emmi doch mit Einschwein an und fasst einen Plan: Sie will aus ihm ein Baby-Einhorn machen. Ob das gutgeht?


Meine Meinung:
Ich bin ja kein besonders großer Fan von Einhörnern – ich kann diesen Hype einfach nicht so ganz verstehen.
Umso gespannter war ich natürlich auf die Geschichte rund um Emmi und ihr Einschwein – was für eine lustige Idee, sogar oder gerade für diejenigen unter uns, die Einhörner eben nicht so interessant finden. Und ich denke, nach dieser Geschichte werden auch die Einhorn-Fans unter euch eher zum Team Einschwein gehören.

Die Geschichte hat mir richtig gut gefallen – vom Anfang bis zum Ende. Sie spielt an einem fiktiven Ort, der bis auf die Besonderheit mit den Fabelwesen allerdings eher an unsere realistische Welt erinnert: Es gibt normale Schulen, S-Bahnen, die Polizei, Kaufhäuser usw. Das einzig fiktive bzw. magische sind daher die Fabelwesen. Die Idee, dass Menschen und Fabelwesen in freundschaftlichen Verhältnissen beisammen leben, finde ich wirklich toll. Die Charaktere, die in dieser Geschichte wichtig sind, sind relativ begrenzt: Zum einen natürlich Emmis Familie und deren Fabelwesen, zum anderen ihre Klassenkameraden mit Fabelwesen – und hier nur eine eingegrenzte Gruppe. Während Emmis Familie sehr sympathisch ist und bis auf die Tatsache, dass sie durch vier Fabelwesen ergänzt wird, relativ normal wirkt, gibt es auch einige Personen, die leider sehr unsympathisch sind.

Ein wichtiges Thema, das sich durch dieses Buch zieht, ist Mobbing. Mobbing tritt leider auch häufig schon in Grundschulen auf, die auch Emmi in dieser Geschichte besucht. Sie wird von ihren Klassenkameraden gemobbt – warum, wird nicht so wirklich thematisiert. Ihre Eltern scheinen an einer Stelle sogar ihr selbst die Schuld zu geben, indem sie sagen, sie solle doch noch etwas netter sein – eine Textstelle, die definitiv mit den Kindern thematisiert werden sollte! Das Mobbing wird teilweise durch konkrete Situationen aufgezeigt, teilweise durch Erzählungen von Emmi veranschaulicht. Auf jeden Fall bieten die Einsichten in ihre Gefühle und die Schilderungen zu diesem Thema viele Identifikationsmöglichkeiten sowie Anstöße zur Perspektivübernahme und Empathieentwicklung. Negativ zu bewerten ist hier nur die Reaktion der Erwachsenen – insbesondere der Lehrer – die Bescheid wissen, aber scheinbar nie präsent sind und eingreifen.

Nun aber zu den Fabelwesen, die wirklich sehr fantasievoll sind. Es gibt Tiere mit bestimmten Fähigkeiten und typische Fabelwesen wie Drachen, Meerjungfrauen und Einhörner – die aber auch wieder Facetten haben, die mir noch nicht bekannt waren. Die Fabelwesen sind allesamt sehr anschaulich beschrieben. Am Besten gefallen hat mir natürlich Einschwein mit seiner lustigen, vornehm-unvornehmen Art. Es ist nie auf den Mund gefallen, versteht Sachen gerne mal falsch, ist verfressen und schafft es immer, Emmi aufzuheitern. Durch die Illustrationen fand ich es gleich nochmal niedlicher! Mich hat das Einschwein ein bisschen an Paul Maars Sams erinnert, wodurch es mir natürlich direkt ans Herz gewachsen ist (ich liebe das Sams!).

Das Buch ist aber nicht nur lustig und fantasievoll, sondern auch sehr spannend. Denn mindestens ein Bösewicht schleicht durch die Geschichte und hat etwas sehr Gemeines vor – dem aufmerksamen Leser wird natürlich schnell klar, was genau. Aber es bleibt dennoch spannend bis zum Schluss!

Das Buch hat insgesamt 55 Abbildungen in schwarz-weiß, die relativ einfach und abstrakt gehalten, aber dennoch ansprechend und süß sind – sehr motivierend auf jeden Fall. Zum Selberlesen ist das Buch ab etwa 8 Jahren geeignet, da Schriftgröße und Zeilenabstände nicht mehr ganz so groß sind.

Durch und durch ein sehr gelungenes Buch, das vorwiegend an Grundschulkinder adressiert ist, aber auch mich als Erwachsene noch gut unterhalten konnte. Die Geschichte ist lustig, spannend, teilweise ernst, mit viel Fantasie geschrieben und macht einfach Spaß! Auch wenn das Buch durch das Cover eher nach einem Buch für Mädchen wirkt, könnte es auch für Jungen interessant sein. Sehr zu empfehlen!

Einhorn kann jeder! / Emmi & Einschwein Bd. 1 - Anna Böhm
Einhorn kann jeder! / Emmi & Einschwein Bd. 1
von Anna Böhm
(24)
Buch (gebundene Ausgabe)
13,40

 
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