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Meine Bewertungen

Beziehungsebene schwer zu greifen; häufige Wechsel zwischen Erzählebenen störend

Julia Matos , am 11.06.2019

Ich kam zunächst schwer in die Geschichte hinein. Die Figuren in der Gegenwart (Detektiv Liam, Anwältin Catherine, 83-jähriger potentieller Mandant Ben) wirken erstmal unsympathisch, denn sie agieren oft egoistisch, stur, widersprüchlich, reden aneinander vorbei. Das wurde im Laufe der Geschichte zwar besser, aber irgendwie war für mich zu viel Schwarz-Weiß-Zeichnung, Klischee und Vorhersehbares mit im Spiel.
Erwartungsgemäß finde ich den zeitgenössischen Erzählteil (1930er und Anfang und Mitte der 1940er in Polen) am stärksten. Doch in meinen Versuchen, sich hineinzufühlen, fühlte ich mich ständig torpediert, weil entweder der Erzählabschnitt nach fünf Minuten endet oder jemand dazwischenquatscht. Das wäre noch erträglich, wenn wichtige Fragen aufgeworfen würden, aber in vielen Fällen geht es um’s Drängeln (man muss ja schließlich Geld verdienen), um Müdigkeit, Hunger und Durst, wohlgemerkt in den USA im Jahr 2004. Irgendwie zynisch, wenn vom Kampf um Existenz und Überleben berichtet wird. Durch eine Abgrenzung in der Formatierung (z. B. durch Absätze zwischen den zwei Erzählebenen oder durch zwei Schriftarten), könnte dieser Eindruck gemindert werden.
Mit weiterem Lesefortschritt gelang mir das Mitfiebern immer besser. Getragen durch die Handlung wird es spannend, teils auch berührend. Mit kleinen Überraschungen, aber ohne Wow-Erlebnis.
Glaubhaftigkeit und Identfikationsgefühl hätten aus meiner Sicht höher ausfallen können, wenn die Beziehungen zwischen Ben und Otto sowie Ben und Hannah individueller dargelegt worden wären. Ähnliches gilt für den Kontakt von Ben zu Liam und Catherine. Es wird viel suggeriert (nach dem Motto „Vertrauen/Liebe/tiefe Freundschaft sind einfach da“) und zu wenig erlebbar gemacht.
Ich schließe mich anderen Rezensierenden an, dass der Originaltitel „Once we were brothers“ passender und ausdrucksstärker ist.
Kenntniszuwachs ist vorhanden, aber geringer als erwartet.
In einem einfachen, flüssig lesbaren Stil gehalten. Für Anfänger in diesem Genre geeignet.
Trotz wertvoller Botschaften für mich kein Highlight. Drei Sterne mit Tendenz zu vier Sternen.
Auf ganz andere Art und Weise haben mich folgende Werke rund um den 1. oder 2. Weltkrieg angerührt und gebildet: Unter blutrotem Himmel (Sullivan), Sturz der Titanen (Follett), Was wir zu hoffen wagten (Saalfeld), Tage des Sturms (Zeiss).

Hannah und ihre Brüder - Ronald H. Balson
Hannah und ihre Brüder
von Ronald H. Balson
(7)
eBook
9,99

Junge Freiheitskämpfer im Jahr 2037, dystopisch, spannend, emotional, mit Denkanstößen

Julia Matos , am 13.05.2019

Philipp und Joshua schlüpfen 7 Jahre nach „Das Signal 1“ abwechselnd in die miteinander verbundenen Perspektiven zweier junger Frauen.
Es zeugt von Wertschätzung gegenüber dem Leser, einen guten „Was-bisher-geschah“-Abschnitt voranzustellen.

Im Herbst 2037 ist aus dem Mädchen, das durch ihren Vater in den einsamen Wäldern Montanas in Überlebensregeln unterwiesen wurde, eine Gallionsfigur des Widerstands geworden, der sich aus „befreiten“ Implantatsträgern rekrutiert. Ein dystopisches Szenario, von Kampf und Flucht in naturbelassener Umgebung und gedanklichen Monologen dominiert. Die 17-jährige Hauptfigur mit ihrer Naturverbundenheit, Kenntnissen im Überlebenskampf und Unerfahrenheit in Liebesdingen ließ mich an Katniss Everdeen (Die Tribute von Panem) denken, ohne eine schlechte Kopie zu sein, denn die Darstellungen zur Psyche finde ich gelungen und individualisiert dargestellt. Anspannung, Erschöpfung usw. werden greifbar. Ich habe bei ihrem Leidensweg, ihren inneren Kämpfen und ihrer Persönlichkeitsentwicklung kräftig mitgefiebert.

Bei Janika hat es länger gedauert bis mir dies gelang. Als Einzelgängerin, finanziell gut situiert und hoch angesehen (zu hoch?), ist sie keine Sympathiefigur. Dafür hat mich das futuristische Setting von Beginn an fasziniert. Körperlich gehandicapt, wurde Janika mit Unterstützung ihres großen Bruders Bill zur Mitschöpferin, Administratorin und Vorreiterin in der virtuellen Metawelt, wo sie große Teile ihres Lebens verbringt. Für Millionen Menschen mittlerweile mehr als ein Spielplatz, um sich kurzzeitig kreativ auszutoben. Auch künstliche Intelligenz wird thematisiert. Hiervon sind wir in der Realität nicht weit weg, weswegen ich solche Szenarien - auch wenn der Blick auf politische und gesellschaftliche Auswirkungen hier ausführlicher hätte ausfallen dürfen - besonders reizvoll finde, um weitergehende Gedankenspiele anzustellen.

Beeindruckend finde ich die Einblicke, welche Auswirkungen die erfahrene Sozialisierung auf Reflektionen, Vertrauen, Freundschaft, Liebe hat. Es kristallisieren sich Schlüsselsätze heraus, z. B. „vergiss niemals, dass es wchtig ist, nicht nur zu überleben, sondern eine Welt zu erschaffen, in der sich das Überleben auch lohnt“, die man beim Begleiten der Figuren im Hinterkopf behält.

Quervergleiche zu Ready Player One, Surrogates, Matrix, Terminator usw. werden wach.
Darüber hinaus finden sich in beiden Perspektiven viele Anekdoten zu Online-Spielen, Filmen und Serien. Es ist cool, sie zu entdecken. Ein sympathischer Zug, dass die beiden Autoren nicht verheimlichen, woher sie ihre Inspiration bezogen haben. Es ist spürbar, dass Philipp und Joshua Tree mit Freude und Leidenschaft an diesem Werk gearbeitet haben.

Das Ergebnis ist ein flüssig lesbarer, spannender, wendungsreicher, temporeicher und gleichzeitig mit Tiefgang versehener Science-Fiction-Thriller.

Händeringend könnte man jetzt nach Kritik suchen. Beispiele:
Überzogener Heroismus, viele Tote, viel Flucht, Kampf. Das bleibt bei Science Fiction regelmäßig nicht aus. Erträglich, indem eine emotionale Würdigung stattfindet.
Für Laien teilweise sehr technisch, Kapitel 3 voller unbekannter Begriffe, technische Abkürzungen. Aber: Der sog. Meta-Sprech lässt tief in die Atmosphäre eintauchen, verleiht Glaubwürdigkeit. Es gibt ein umfassendes, alphabetisch sortiertes Glossar. Insofern keine Verständnisschwierigkeiten. Man lernt stattdessen etwas dabei.
Viele zu beachtende Namen, besonders oft mit den Anfangsbuchstaben „J“ und „A“. Aber: Personenverzeichnis!

Also, mach’s wie ich und sag‘ „JA!“ zur Signal-Trilogie der Gebrüder Tree. Beim 8. Buch erstmals fünf Sterne.
Band 2 hat ein Ende und gleichzeitig einen Cliffhanger. Ich freue mich auf den Abschlussband.

Das Signal 2 - Joshua Tree, Philipp Tree
Das Signal 2
von Joshua Tree
(1)
Buch (Taschenbuch)
15,50

Philosophie, Politik, Liebe in Russland 1761 bis 1775: spannend und atmosphärisch

Julia Matos , am 13.05.2019

Dieser Band 2 kann unabhängig von Band 1 "Die Stadt des Zaren" (verortet zu Beginn des 18. Jahrhunderts) gelesen werden. Beleuchtet wird die russische Zarin Katharina die Große im Zeitalter der Aufklärung, in und um St. Petersburg von 1761 bis 1775. Historisch belegte Geschehnisse werden verwoben mit auf intensiven Recherchen beruhenden Annahmen sowie mit fiktiven Personen, die die damaligen gesellschaftlichen Stellungen und Geisteshaltungen repräsentieren. Eine Zeitlinie, ein Nachwort und ein Personenverzeichnis, welches entsprechend selektiert, helfen sehr beim Verständnis und unterstützen den Lerneffekt, insbesondere für Neulinge im Bereich der Russland-Literatur, zu denen ich gehöre.
Es hat bis etwa 40 % gedauert, mich emotional involviert zu fühlen, denn die Figuren, in deren Bewusstseinshorizont man wechselweise schlüpft, sind keine typischen Sympathiefiguren. Ich konnte zunächst nicht so mitfiebern wie erhofft. Zudem nimmt man nur episodenhaft an ihrem Leben teil, d. h. bekommt teils nur im Zeitraffer mit, was sich in den letzten Jahren ereignet hat. Spätestens ab der Hälfte erzeugte die Handlung durch die Verknüpfung der Figuren untereinander und zwei unterschiedliche Rebellionsbewegungen einen starken Sog. Mitfühlfaktor und eine hohe Spannungskurve blieben bis zum absolut zufriedenstellenden Ende bestehen.
Die Menge an Kenntniszuwachs würde ich als durchschnittlich bezeichnen. Das erfundene Ziehkind der Zarin sowie zwischenmenschliche Beziehungen fiktiver Figuren beanspruchen viel Aufmerksamkeit. Der leibliche Sohn der Zarin ist hingegen nur ein paar Zeilen wert. Dafür dürfte durch den unterhaltsamen Rahmen viel vom Erlernten im Gedächtnis hängenbleiben: Erscheinungsbild der aufstrebenden Stadt St. Petersburg und des Herrschersitzes, Leben am Hof, Überblick zu politischen Zuständen und Ausrichtungen, (laienkompatibel formulierte) philosophische Einschätzungen, Umgang mit Kultur, Einblicke in die Gesellschaft. Kleine Kritik: Beleuchtet werden Zarenhof, gehobenes Bürgertum und Leibeigene. Eine Figur, die den „klassischen arbeitenden Bürger“ repräsentiert, hätte die Eindrücke komplettieren können.
Dieses Buch bietet viel unterhaltsam aufbereiteten Lesestoff. Stil und Handlung (u. a. viel Raum für konfliktbehaftete Liebesbeziehungen) lassen mich annehmen, dass sich dieses Werk vorrangig an einen weiblichen Leserkreis richtet. Für den Einstieg in Russland-Romane geeignet.
Ich habe Lust bekommen, diese europäisch geprägte Stadt zu besuchen und weitere Werke der Autorin Martina Sahler kennenzulernen. Ein zusätzlicher Anreiz ist, dass die Chance besteht, Familienmitgliedern lieb gewonnener Charaktere zu begegnen. Ich vergebe vier Sterne mit Tendenz zu fünf Sternen und empfehle dieses Buch gern weiter.

Die Zarin und der Philosoph - Martina Sahler
Die Zarin und der Philosoph
von Martina Sahler
(59)
eBook
16,99

Gefühlvoll, spannend, lehrreich, glaubhaft

Julia Matos , am 27.04.2019

Die sehr sympathischen Protagonisten, ganz besonders Harri mit mitreißenden und gut nachvollziehbaren Gedanken und Gefühlslagen, ließen mich zum zweiten Mal intensiv mitfühlen. Eine psychologisch harte Handlung. Das Leid rund um Kälte, Hunger, Zwangsarbeit, Krankheit, Erschöpfung, Ungerechtigkeit, Diskriminierung und das Zerreißen von Familien dominiert und erschüttert. Umso beeindruckender stellen sich Durchhaltevermögen und Hoffnung dar. Erichs Erlebnisse waren für mich eine besonders emotionale Erfahrung, sogar ohne Innenansichten.
Ohne den Fokus auf die Haupthandlung zu verlieren, werden anhand von Beobachtungen gekonnt Nebenschauplätze angerissen. Dadurch wirkt alles noch lebendiger. Beispiele: Vierjährige wurden in Heime gebracht, mit der Gefahr, von Familienangehörigen nie mehr wiedergesehen zu werden. Behinderte wurden ohne pflegende Angehörige zurückgelassen. Es bleibt dem Leser überlassen, solche Schicksale weiterzudenken.
Die Weißzeichnung ist stark, aber dennoch glaubwürdig, indem unterdrückten negativen Gefühlen Raum gegeben wird. Wärter, Kameraden usw. werden nicht verteufelt, sondern als Individuen mit eigenen Werten und Motiven gezeichnet.
Es verbleibt der Eindruck, dass es sich ganz ähnlich abgespielt haben muss, ohne dass die Autorin Ella Zeiss es nötig gehabt hätte, etwas hinzuzudichten.
Schauplätze und Atmosphäre konnte ich mir bildhaft vorstellen. Die Zeitpunkte für den Wechsel der Perspektive zwischen Harri und Yvo sind gut gewählt. Cover und Lektorat sind gelungen.
Ich finde es schade, dass der Prolog in Band 1 und der Klappentext von Band 2 spoilern, da ansonsten noch mehr Spannung möglich gewesen wäre, aber ich vollziehe nach, dass man sich vielleicht bewusst dafür entschieden hat, um sensiblen Lesern einen positiven Ausblick zu geben.
Mir gefällt, dass am Ende auf das Schicksal der im Mittelpunkt stehenden realen Personen eingegangen wird. Einen Anhang mit weiterführenden Informationen und Quellen, z. B. zur zugrundeliegenden politischen Ausrichtung, gibt es leider nicht. Ich habe viel von den Lebensumständen mitgenommen und fühle mich animiert, auf eigene Faust zu recherchieren.
Danke an die Autorin Elvira Zeißler und den Verlag Tinte und Feder für diese Dilogie, die Verstehen, große Gefühle und Dankbarkeit auslöst.

Von Hoffnung getragen - Ella Zeiss, Elvira Zeissler
Von Hoffnung getragen
von Ella Zeiss
(7)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,50

Band 3: Wenig überraschend, wenig informativ, dafür emotional

Julia Matos , am 16.04.2019

Man sollte Band 1 und 2 gelesen haben. Band 3 ist verortet im Jahr 1894 in Wien rund um Karl, Therese und ihre Kinder Franz und Helene sowie in Hamburg rund um Luise, Ehemann Hans, Liebhaber Hamza, Vater Robert, Onkel Georg, Cousine Frederike, Cousin Richard und die übrige Hansen-Verwandtschaft.
Während ethnische und politische Konflikte in Kamerun schwelen, leider vergleichsweise nüchtern, schwer einprägsam und kurz nur in Briefen wiedergegeben, stehen im Mittelpunkt persönliche Schicksalsschläge der Protagonisten, die sich überwiegend bereits in Band 1 oder 2 anbahnten und nicht überraschen.
Sprachlich einfach gehalten und streckenweise mit Längen behaftet, z. B. wie die Kinder ausgehbereit gemacht werden. Im Rahmen des auktorialen Erzählstils ist die Erzählung frauenlastig. Ich hätte mich über Einblicke in das Seelenleben von Hamza und Florentinus gefreut. Frederike bleibt blass diesmal. Das Kritisieren fauler, selbstsüchtiger Nebenfiguren gerät im Kontrast zum Gutmenschentum anfangs zu einseitig für meinen Geschmack. Durch deren Innenansichten wird das später teilweise durchbrochen, z. B. wertet Kapitel 12 dieses Werk auf.
Kommt in Bezug auf Spannung, Gefühle, Faszination und Flair lange nicht an den starken Auftaktband heran. Das ändert sich in den letzten Kapiteln. Da entladen sich Spannung und große Gefühle und ich fühlte mich am Ende für davor empfundene Durststrecken entschädigt.
Fairerweise viele Auflösungen und kein ultimativ fieser Cliffhanger. Man könnte sogar die Reihe für sich abschließen, anstatt mit dem ab Oktober 2019 erhältlichen Band 4 fortzufahren.

Zwischenfazit zur Hansen-Saga:
Die Reihe konzentriert sich auf Liebschaften, Melodramatik und Intrigen, mit oft vorhersehbarem Verlauf. Ich hatte gehofft, mehr Kenntniszuwachs mitzunehmen. Politische Themen, hier Frauenbilder, Homosexualität und Kolonialismus, werden für meinen Geschmack zu oberflächlich oder einseitig skizziert (undifferenziert pro Offenheit und Gleichberechtigung). Das Potenzial für Wow-Momente wird nicht ausgeschöpft.
Jeder Band ist innerhalb von 5 bis 6 Stunden gelesen. Für Werke von Autoren wie Follett, Di Fulvio oder Dübell zahlt man mehr, liest dafür länger, ohne Fortsetzungen in unerwartetem Umfang, und lernt mehr, nebst Grauzeichnung anstatt dominierendem Schwarz-Weiß.
Vorzüge: Auch abends nach einem anstrengenden Tag flüssig lesbar, schwer aus der Hand zu legen. Ich mag es, in die atmosphärischen Städte Hamburg und Wien in den 1890ern einzutauchen (und auf‘s exotische Kamerun zu hoffen). Und es gibt mehrere Sympathieträger (für mich insbesondere Karl, Therese und Luise), die Gefühle entfachen und mitfiebern lassen. Daher greife ich trotz Kritik immer wieder gern zu.

Das bedrohte Glück - Ellin Carsta
Das bedrohte Glück
von Ellin Carsta
(7)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Realitätsnahe kühle Charaktere zulasten der Spannung, eingängige Beschreibungen

Julia Matos , am 08.04.2019

Mein 5. Morris-Roman, diesmal 2074 verortet, wieder mit interessanten, greifbaren und lehrreichen Schilderungen, auf der Gefühlsebene hat‘s mich diesmal nicht gepackt.

Zum Erzählstil:
Es überwiegen drei im Präsens wiedergegebene Erzählperspektiven: Alain (73), Heather und Artem (beide etwa Mitte 40). Dank Kapitelüberschriften mit Datum und Ort lässt sich gut der Überblick behalten.

Zu Figuren:
Haupt- und Nebenfiguren wirken wie aus dem wahren Leben gegriffen, wo es eben Eigenbrötler gibt und wo es realistischer ist, wenn Astronauten und Wissenschaftler eine professionelle Distanz wahren anstatt ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Die Kehrseite der Medaille: Sie sind weder besonders originell noch Sympathieträger und nehmen selbst den drohenden Tod scheinbar gelassen hin, sodass ich zwar interessiert geblieben bin, aber nicht so mitfiebern konnte, wie ich es gern tue. Die Charaktere aus „The Hole“ mochte ich lieber und diese versprühten auch mehr Witz. Darüber was unsere Hauptfiguren hier in ihrem Innersten ausmacht, erfährt man wenig. Inneneinblicke beziehen sich insbesondere auf (durchaus greifbar dargestellte) aktuelle Beobachtungen, Reflektionen des Handelns und geäußerter Zu- und Abneigung bestimmten Mitmenschen gegenüber sowie der Liebe zur Hündin, wobei Letzteres anfangs sympathisch war, aber mit Banalitäten zu intensiv durchgekaut wurde. So kam der sperrige Hundename laut Wort-Suche in dem vergleichsweise kurzen Buch 150 x vor.
Eine Romanze kommt vor, was ich mag, da es eine gewisse emotionale Tiefe verleiht, gleichzeitig geht sie nicht so sehr ins Detail, dass sich klassische Sci-Fi-Fans genervt fühlen müssten.
Die Zusammensetzung der Figuren ist auffallend politisch korrekt (Ethnie, Religion, sexuelle Orientierung).

Zur Handlung:
Enttäuscht hat mich zunächst, dass der dramaturgische Aufbau im ersten Drittel sehr viele Parallelen zu „The Hole“ aufweist. Der Verlauf ist annähernd gleich, dadurch plätschert die Story ohne Überraschungen dahin. Das ändert sich glücklicherweise, der Mittelteil hält Wendungen und Innovatives bereit und gefiel mir ganz gut. Lediglich eine surreale Entwicklung an einer Stelle führte zunächst zu Irritationen. Drohne Mike und die KI vom Watson-Typ bringen zu meiner Freude etwas Humor ein. Der eigentliche Showdown fiel sehr kurz aus, ohne Wow-Effekt, ohne bei mir Gefühl für die Spannungskurve aufkommen zu lassen. Möglicherweise ist die Dramatik kaum fühlbar, weil mögliche Auswirkungen der Entdeckung auf die Menschheit nur angeschnitten werden. Die wenigen Hinweise auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft (z. B. Einfluss des RB-Konzerns, französische Intervention in der Katalonien-Krise) habe ich begierig aufgesogen. Dass die Handlung im Jahr 2074 verortet ist, hätte ich gern stärker gemerkt, z. B. durch technische Innovationen im Alltag auf der Erde.

Weitere Einschätzungen:
Es liegt eine eigenständige und abgeschlossene Geschichte vor, für die es keine Vorkenntnisse braucht.
Fans werden auf Bezüge zu anderen Romanen stoßen. Ein Mitglied der Enceladus-Expedition nimmt eine größere Rolle ein. Wer allerdings darauf hofft, Dougs Crew aus „The Hole“ von vor 2 Jahren wiederzutreffen, wird enttäuscht. Maribel und Karl treten auf, jedoch ohne Innenansichten und weitreichende Erkenntnisse.
Wie bei allen Romanen, die ich bisher von Morris gelesen habe, sind die Beschreibungen für Laien wie mich sehr gelungen (z. B. Vergleich mit Fahrradständer, Erdmond als Bezug für Dimensionen). Nach einem Morris-Roman komme ich mir in Astronomie und Astrophysik regelmäßig ein bisschen klüger vor, viel vom Gelesenen verfestigt sich auch. Im Anhang von 85 % bis 92 % findet man wissenswerte wissenschaftliche Erkenntnisse zum titelgebenden Thema in komprimierter Form, ohne dass es sich wie ein anstrengendes Fachbuch liest. Trägt man sich über einen Link am Ende des Buches hierfür ein, erhält man den Anhang als pdf mit Grafiken und Bildern.
Auch wenn mir die Geschichte über weite Strecken nur gute drei Sterne wert ist, vergebe ich wegen des persönlichen Mehrwerts knappe vier Sterne.

Silent Sun - Brandon Q. Morris
Silent Sun
von Brandon Q. Morris
(1)
Buch (Taschenbuch)
15,50

Toller Mix aus kurzweiliger Unterhaltung und wissenschaftlichem Input

Julia Matos , am 08.04.2019

Neuerdings interessiere ich mich für das Genre Hard Science Fiction, weil ich es toll finde, nicht nur unterhalten zu werden, sondern eine Geschichte zu lesen, die so tatsächlich passieren könnte und nebenher auch noch meine Kenntnisse in Physik, Raumfahrt und Astronomie auszubauen.

Die Handlung ist in sich geschlossen. Es gibt Bezüge zur Enceladus-Expedition. Das werden Fans bestimmt mögen. Ich habe bisher nur Proxima Rising gelesen und kann für mich festhalten, dass ich nichts vermisst habe, was zum Verständnis erforderlich wäre. Ich habe seichte Spoiler wahrgenommen, die ich aber nicht schlimm finde, die stattdessen meine Neugierde auf die Eismond-Reihe noch steigern.

Kenntnisse zur Astrophysik sind in guter Dosierung in die sehr spannende und unterhaltsame Handlung eingebettet. Da werden wissenschaftliche Phänomene auch mal mithilfe von Eiern und Erdbeeren erklärt, sehr anschaulich und einprägsam und ohne deplatziert zu wirken.

Man schlüpft im Jahr 2072 in den Bewusstseinshorizont von drei Crewmitgliedern auf einer privaten Asteroiden-Bergbau-Basis mit Raumschiffchen. Obendrein gibt’s faszinierende Innenansichten einer KI. Und man begleitet eine junge Astrophysikerin auf der Erde. Die angenehme Abwechslung ließ mich das Buch schnell und begierig lesen.
Die Hauptfiguren haben Ecken und Kanten, eine authentische Intelligenz, eine Vergangenheit mit zu ergründenden Geheimnissen, Ziele für ihre Zukunft. Sie sind alle auf ihre eigene Art interessant, teils kurios und absolut liebenswert. Zum Beispiel schaffen die Stellen, in denen Italiener Sebastiano am Kochen in der Schwerelosigkeit verzweifelt und in denen sich die Spanierin Maribel über ihren grässlichen deutschen Chef Dieter ärgert, sowohl Entertainment als auch Identifikationspotenzial.
Ich habe es auch genossen, über Motivlagen von Haupt- und Nebenfiguren zu spekulieren und dabei überrascht zu werden. Einige Figuren begleitet man nur für ein oder zwei Kapitel. Den zusätzlichen Input habe ich als bereichernd empfunden.
Nebenschauplätze und -figuren sind rar. Der Fokus auf dem unmittelbaren Umfeld der Hauptfiguren bleibt gewahrt. Ich bin hin- und hergerissen, wie ich das finde. Was sich politisch und gesellschaftlich abspielt, wird zumindest geschickt angerissen und reicht aus, um zum Nachdenken anzuregen. Kennt man ähnliche Szenarien aus Filmen, erledigt das Kopfkino den Rest. Ein Epos wäre möglich gewesen. Aber es ist anzunehmen, dass es dann nicht bei einem abgeschlossenen Band geblieben wäre. Das werte ich als faires Marketing. Obendrein sorgt der gestraffte Erzählstil dafür, dass es immer spannend bleibt.

Die Beschreibungen haben meine Vorstellungskraft gut unterstützt.
Die Kapiteleinteilung ist sehr praktisch, um den Überblick über Zeiträume zu behalten.
Ob es eine Liebesgeschichte braucht, ist Geschmackssache. Mir hat's gefallen. Und dieses Element hat den Roman für meinen Geschmack auch nicht überladen.
Dass die Auflösung des wissenschaftlichen Phänomens per Titel und Anhang-Titel vorweggenommen wird, tut der Faszination zumindest bei mir keinen Abbruch. Ab da geht’s ja auch erst so richtig ab!
Der Anhang von 90 % bis 98 % ist sehr eingängig, da findet man das Wissenswerteste in komprimierter Form, ohne dass es sich wie ein anstrengendes Fachbuch liest. Edit: Trägt man sich über einen Link am Ende des Buches hierfür ein, erhält man den Anhang als pdf mit vielen Grafiken und Bildern. Top!

Yeah, ich hatte großen Spaß und habe gleichzeitig meinen Horizont ein bisschen erweitert. Gern mehr davon!

The Hole - Brandon Q. Morris
The Hole
von Brandon Q. Morris
(1)
Buch (Taschenbuch)
12,99

Unterhaltsame laienkompatible Hard-Sci-Fi mit Logiklöchern und ungenutztem Potenzial

Julia Matos , am 08.04.2019

Gefreut haben mich
- das Wiedersehen mit der liebgewonnenen Weltraumcrew und zusätzliche Einblicke in deren Gedanken- und Gefühlswelt,
- die kurzen Impressionen zum China der Zukunft und zu politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen im Jahr 2047/2048 (hiervon gern mehr Details in weiteren Bänden),
- die Lerneffekte und das atmosphärische und spannende Erkunden des Jupitermondes Io,
- ein Ende, das zwar nicht alle Fragen beantwortet, es aber ermöglicht, die Eismond-Reihe zufrieden nach 3 Bänden abzuschließen.

Schwächen:
- Antriebsfeder für Lis Verhalten wirkt zu gewollt und nicht glaubhaft,
- gebildete Figuren wirken streckenweise dumm oder naiv,
- Ende auf die letzten Seiten gequetscht, kurz und abrupt,
- Kontinuitätsfehler, d. h. angeführte Probleme wie die Energieversorgung im Auftaktband „Enceladus“, Kommunikationsbarrieren zum Enceladus-Wesen, Entwicklung des Babys, KI Siri scheinen gar nicht oder nur halbherzig weiterverfolgt zu werden,
- hochspannende Denkansätze und Themenfelder wie das Enceladus-Wesen, Konflikte rund um Künstliche Intelligenz und digitalisierte Persönlichkeit werden zu kurz angerissen.

Wenn man zu „Io“ greift, sollte man unbedingt die Vorgängerbände „Enceladus“ und „Titan“ kennen.


Es ist immer noch ein Werk, das mich (als Noch-Sci-Fi-Neuling mit Interesse an Zukunftswelten und technischen und naturwissenschaftlichen Phänomenen, ohne entsprechenden Beruf) unterhält und bildet, aber es verärgert, wenn vorhandene inhaltliche Potenziale nicht genutzt werden und ich regelmäßig Zeugnisse mangelnder Liebe zum Detail vorfinde, die wohl auch dem fehlenden Lektorat und der Eile aufgrund des hohen Turnus der Veröffentlichungen (mehr als 5 Bücher jährlich) geschuldet sind. Selbst wenn man wie ich diverse Bücher von Brandon Q. Morris liest und im x-ten Folgeband oder Ableger (Never Ending Story) ein Denkansatz doch noch vertieft wird, macht es den Unmut nicht ungeschehen. Eine solche Abhängigkeit zu schaffen, empfinde ich nicht als fördernswertes, faires Marketing.

Io - Brandon Q. Morris
Io
von Brandon Q. Morris
(1)
Buch (Taschenbuch)
12,99

Eigenständig lesbar, faszinierende Hard-SF über Millionen Jahre alte Menschen in ganz ferner Zukunft

Julia Matos , am 08.04.2019

Ein stilistisch typischer Morris-Roman mit Er-/Sie- und Gegenwartsform, Perspektivwechseln, kurzen Kapiteln, Orts- und Zeitangaben zum Kapitelbeginn. Aber inhaltlich mal ganz anders: Sein visionärstes Werk, das sich um die Reste der Menschheit in einem um viele Millionen Jahre gealterten Universum dreht.

Bei diesem Roman Spannung zu empfinden, setzt wissenschaftliche Neugier voraus, denn es gibt wenig klassische Action. Dies ist keine Space Opera mit Aliens und Weltraumschlachten. Es ist die Geschichte um ein leises und nahezu unbevölkertes Universum, das für seine wenigen Bewohner fast (!) keine Überraschungen und Herausforderungen mehr bietet.

Von der Millionen Jahre alten Hauptfigur Kepler würde ich einen abgeklärten, rundum gebildeten, weniger naiven Charakter erwarten. Seine verspielten oder zaghaften Gedanken wirken dementsprechend nicht authentisch. Hat es mich gestört? Nein, im Gegenteil. Als Leserin möchte ich sympathisieren, mitfiebern und mich hineinversetzen können. Das gelingt super. Und mir gefällt der Humor.
Es gibt eine überschaubare Anzahl weiterer geheimnisvoller oder liebenswürdiger Personen.
Die Künstlichen Intelligenzen sind Garanten für Lachanfälle.

Viele Textpassagen rund um astronomische Phänomene sind anspruchsvoll, für mich als Laien aber auch verständlich, bildhaft und faszinierend, fügen sich jeweils treffend in die Handlung ein. Ich hatte ein belebtes Kopfkino, konnte gut mitdenken, was Spaß machte und Interesse auf die weitere Entwicklung entfachte.

Animierend und inspirierend wirken beiläufig auftretende Fragen: Wie lebt es sich, wenn Zeit im Überfluss vorhanden ist, man nicht altert, nicht an einen Körper gebunden und nahezu unsterblich ist? Welche Motivationen ergeben sich hieraus? Wie lebenswert ist das? Welchen Wert haben der eigene „Fußabdruck“ oder soziale Bindungen? Was macht angesichts technischer Möglichkeiten (z. B. Geist verschmelzen, Erinnerung „auslagern“) die eigene Identität aus?
Abschließende Antworten liefert der Autor keine, aber für den geneigten Leser viele großartige Denkanstöße.

Ich habe fast alles von Brandon Q. Morris gelesen, habe oft bemängelt, dass mir Liebe zum Detail fehlt. Davon ist hier reichlich vorhanden, z. B. die Hintergründe zu Namen. Ich bleibe zurück mit dem Gefühl, „geflasht“ und „berührt“ worden zu sein. Meine Erwartungen wurden übertroffen.

Die Handlung geht bis 86 %, es folgt der obligatorische Anhang zu wissenschaftlichen Hintergrundinformationen, den man sich auch mit farbigen Grafiken mailen lassen kann, was ich gern nutze, um meinen Wissensschatz auf kurzweilige Weise nachhaltig zu erweitern.

Der Autor kündigt im Nachwort eine Fortsetzung an. Dieses Universum bietet auch das nötige Potenzial. Hinweise zu Keplers Vergangenheit entfachen Interesse. Ich hätte gern beantwortet, welche prägenden Ereignisse die Menschheit an diesen Punkt gebracht haben.
Doch man beachte: Die Rahmenhandlung und wesentliche Fragen werden zufriedenstellend abgeschlossen. Es ist möglich, dieses Werk losgelöst von allen vorhandenen und kommenden Werken zu lesen.

Der Untergang des Universums - Brandon Q. Morris
Der Untergang des Universums
von Brandon Q. Morris
(1)
Buch (Taschenbuch)
15,50

Kämpferische Familien in den 1930ern - erschütternd, emotional, spannend, informativ

Julia Matos , am 27.03.2019

Der erste von zwei historischen Romanen der Reihe „Tages des Sturms“ um Russlanddeutsche, autobiografisch inspiriert, verortet in den Jahren 1930 bis 1941.
Die erste Hälfte wird chronologisch wiedergegeben aus der Perspektive von Anna Scholz. Zusammen mit ihrem Ehemann Wilhelm und den Kindern Erich, Rita und Yvo wird sie vom sowjetischen Regime ungerechtfertigt um ihren guten Stand als mit Grundbesitz ausgestattete Bäuerin gebracht und in eine Welt der Ängste, Sorgen und Entbehrungen gestoßen.
In der zweiten Hälfte ab dem Jahr 1937 wechselt sich diese Erzählperspektive ab mit der des Jugendlichen Harri Pfeiffer, der zusammen mit Mutter Hilde, Vater Samuel und Schwester Emma ebenfalls gezwungen wird, sich ein neues Leben unter schlechteren Bedingungen aufzubauen.
Achtung, es handelt sich nicht um einen seichten Gute-Laune-Roman. Einerseits gibt es aufbauende Momente rund um Hoffnung, Mut, Liebe, Freundschaft, Zusammenhalt. Andererseits sind Tod, Kälte, Hunger, Krankheit, Erschöpfung, Ungerechtigkeit, Ausgrenzung, Intrigen, Zukunftsangst ständig präsent.
Insbesondere für die erste Hälfte gilt: Eine erschütternde und berührende Erzählung. Hunger, Kälte, Bangen um Leben und Tod – ein „Wow“ für diese zum Mitleiden und Mithoffen einladende Darstellung. Man spürt, dass die Autorin Ella Zeiss (im Fantasy-Genre bekannt als Elvira Zeißler) viel Herzblut hineingesteckt hat. Es kommt dann zu einem Zeitsprung. In der zweiten Hälfte wird zwischen zwei Perspektiven gewechselt und sich auf die Wiedergabe prägender Episoden im Leben der Familien verlagert. Super unter informativen Gesichtspunkten. Es wirkt gut recherchiert und ich bleibe dankbar zurück für den gewonnenen Kenntniszuwachs zu Politik, Lebensstil und Gesellschaft in diesen mir bis dato wenig bekannten Regionen und dieser Epoche, z. B. zu den Auswirkungen des 2. Weltkrieges. Die Abschnittswechsel waren streckenweise für meinen Geschmack zu zahlreich. Und unnötig, da die Erzählebenen erst im zweiten Band der Dilogie zusammenmünden. Es gilt, den letzten Anknüpfungspunkt zu identifizieren und sich örtlich und situativ neu zu orientieren, zumal es inhaltliche Parallelen gibt. Wohlgemerkt ist dies Jammern auf hohem Niveau. Beide Familienschicksale sind enorm packend. Dass ich es hinderlich finde, in meinem Lesefluss, inmitten sowohl interessanter Schilderungen als auch toller Spannungsmomente aus einer wilden Gefühlsachterbahn ausgebremst zu werden, spricht absolut für die hohe Güte dieses Romans.
Die Umgebungsbeschreibungen verleihen Atmosphäre und ich konnte mir alles bildhaft vorstellen.
Die Protagonisten sind sehr sympathisch, könnten „weniger perfekt“ gestaltet sein. So gebaren sie sich vernünftig und gute Entwicklungen gehen auffallend oft auf ihre Initiative zurück. Durch fehlerbehaftetes Verhalten oder unterdrückte negative Gedanken (Zorn, Neid, …) würden sie eventuell noch echter wirken.
Mir gefällt, dass verdeutlicht wird, dass viele Widersacher keine Unmenschen, sondern Individuen mit Motiven sind. Bloß die übergeordneten Direktiven, das herrschende Sowjetregime bleibt schemenhaft. Toll wären weiterführende Hintergrundinformationen, gern auch als Nachwort, im Folgeband. Ausdrückliches Lob für die Landkarte mit Wegeroute und das Glossar. Das Cover ist wunderschön, auffällig und weckt – wie auch der Klappentext – die richtigen Erwartungen zum Inhalt.
Den Prolog hätte ich im Nachhinein lieber nicht gelesen, da kleine Spoiler beinhaltet sind.
Das Werk endet unabgeschlossen, fairerweise ohne ultimativ fiesen Cliffhanger.
Dieser Roman berührt, wühlt auf, klärt auf und macht ein kleines bisschen dankbarer. Klar, dass ich trotz geringer subjektiver stilistischer Kritik volle 5 Sterne vergebe und mich auf den Abschlussband freue.

Wie Gräser im Wind - Ella Zeiss
Wie Gräser im Wind
von Ella Zeiss
(9)
Buch (Taschenbuch)
12,40

 
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