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Birkatpet aus Wesseling

Gesamte Bewertungen 14 (ansehen)


Über mich:
Lesesüchtig, buchverliebt, Bloggerlin

Meine Bewertungen

berührend und erschreckend

Birkatpet aus Wesseling , am 21.06.2018

Ein Buch, welches mich absolut überrascht hat.
Als ich den Klappentext gelesen habe wurde ich neugierig, jedoch ahnte ich nicht mal im Ansatz was mich dort auf 508 Seiten erwarten wird.

Die Geschichte beginnt langsam, fast schon leise. Als Leser lernen wir Manolis Lefteris und Vera Mändler kennen. Manolis ist ein Mann für ganz spezielle Aufträge, still, diskret erledigt er seinen inoffiziellen Job, denn offiziell ist er erfolgreicher Autohändler.
Manolis wird von einem Trauma in seiner Kindheit verfolgt. Als er noch ein kleiner Junge war schildert ihm sein Vater seine Erfahrungen zur Nazizeit in Griechenland in lebhaften Bildern und sehr emotional. Manolis war zu klein um dies alles zu verarbeiten, den Anblick seines weinenden Vaters und die transportierten Bilder.
Vera Mändler ist Journalistin und hat eine feste Stelle bei einem Frauenmagazin, allerdings ist es nicht das, was sie machen möchte. Artikel zu Falten, Schönheit und Wechseljahren sind ihr zu wenig Anspruch. In dieses berufliche Chaos aus Gedanken und Unzufriedenheit kommen nun auch private Veränderungen und Turbulenzen. Ihre Freund möchte plötzlich mit ihr zusammenziehen und ihre Tante Kathrin erleidet einen Schlaganfall. Vera kümmert sich mit allen Konsequenzen um Kathrin.
Dass Manolis und Kathrin mehr verbindet als nur der Handlungsort München wird nun klar, denn Manolis hat den Auftrag Unterlagen zu beschaffen, die sich vermutlich in Tante Kathrins Besitz befinden.
Kathrin Mändler hat in der Nazizeit in einer Klinik für psychisch Erkrankte unter dem Arzt Karl Landmann gearbeitet, dem sie völlig verfallen war. Zu der Zeit waren Menschen mit psychischen Erkrankungen Menschen der 2. Klasse und in einem weiteren Handlungsstrang erfährt der Leser mehr über diese dunkle Zeit, menschliche Abgründe und Greueltaten. Es geht um ein Euthanasie-Programm in dieser Heilanstalt unter Karl Landmann.
Vera nimmt die Recherchen auf um der Vergangenheit von Kathrin und somit auch ihrer eigenen Familiengeschichte näher zu kommen und Geheimnisse zu lüften.

Die Personen sind fiktiv, diese Heilanstalt gab es jedoch wirklich und so unfassbar es für uns ist, so real ist diese Vergangenheit aber auch. Orte und geschichtliche Fakten entsprechen der Realität, eine Mischung aus Fiktion und grauenhafter Realität.
Sandbergs Roman hat mich sehr berührt, die Personen sind sehr gut beschrieben, der Schreibstil flüssig und leicht, das Thema aber hart und schwer. Eine Leseempfehlung vor allem für geschichtlich Interessierte der deutschen Geschichte, speziell der Verbrechen, die auch ausserhalb der KZ's.
Sehr spannend, interessant und gut recherchiert. Dokumentationen über solche Behandlungen habe ich schon gesehen und Artikel darüber gelesen, aber in Romanform bislang nicht in den Händen gehalten und ich kann sagen, es lohnt sich.
Es gibt Dinge, die einfach niemals vergessen werden dürfen....

Die Vergessenen - Ellen Sandberg
Die Vergessenen
von Ellen Sandberg
(134)
Buch (Paperback)
13,40

Eine Reise zu sich selbst und mehr Sonne und Licht im eigenen Leben

Birkatpet aus Wesseling , am 03.06.2018

Hector ist ein lieber Kerl und vielen Lesern bereits bekannt durch seine vorigen Erlebnisse und Geschichten.
Für mich war es das zweite Buch, vor vielen Jahren habe ich schon mal mit Hector auf Reise begeben, aber ich glaube ich damals zu jung um ihn zu verstehen und zu begreifen.
Heute bin ich mir sicher, dass ich mich auch den anderen Geschichten widmen möchte, aus Interesse, nicht weil ich das Gefühl hatte, mir fehlt irgendwas an Vorwissen für's Verständnis.
Hector ist etwas in die Jahre gekommen und Stillstand, grauer Alltag in sein Leben gezogen. Er lebt in Frankreich und hat dort bereits seit 20 Jahren seine Praxis als Psychiater und Psychotherapeut. Er wirkt nicht nur privat, sondern auch beruflich ausgebrannt und müde, eine kleine Flamme brennt noch, er besucht Fortbildungen für neue Behandlungsmöglichkeiten, aber dennoch hat er das Gefühl nicht mehr vorwärts zu kommen und seinen Patienten nicht mehr so helfen zu können, wie er es sich wünscht und wie es vor Jahren noch funktionierte. Hector spielt sogar mit dem Gedanken, die Tabletten, die er seinen Patienten verschreibt selber zu nehmen.
Seit vielen Jahren ist Hector mit Clara verheiratet, sie haben gemeinsame Kinder, die mittlerweile alle das Haus verlassen haben und auch Clara ist nicht bei Hector in Frankreich, sondern seit einigen Jahren beruflich in den USA und um Kontakt zu halten skypen sie und zu Feiertagen und Urlauben sehen sie sich.
Bei einem dieser Gespräche über Skype stellt Clara eine Frage, die Hector den Boden unter den Füßen wegzieht und ihn zwingt aus seiner Passivität heraus zu kommen, denn Clara stellt ihre Ehe in Frage und ob sie überhaupt noch ein Paar sind.
Um seiner persönlichen Sackgasse zu entkommen und klarer sehen zu können, beschließt Hector seine drei besten Freunde zu besuchen und verordnet sich als Therapie statt der Tabletten Gespräche mit den dreien, die sein Leben teils schon seit der Schulzeit begleiten.
Um die drei zu treffen muss er andere Kontinente bereisen, denn sie leben nicht in Frankreich und dies zeigt sehr schön, dass Nähe keine Frage von Distanz ist.
Die Journalistin Geraldine begleitet Hector ungeplant auf dieser Reise und nicht nur mit seinen Freunden, sondern auch mit Geraldine möchte er rosa Brillen finden, Brillen durch die man gedanklich schauen kann um seinen Blick zu ändern und Dinge anders zu sehen.
Am Ende dieser Reise hat er fremde Länder kennengelernt, sehr viel erlebt, viele Eindrücke gewonnen und auch eine Lösung für seine privaten und beruflichen Probleme gefunden.

Psychologie sehr leicht verständlich und in Romanform aufgezeigt, dass die Lösung für Probleme oftmals direkt vor unseren Füßen liegt und der Wechsel des Blickwechsels vieles in einem anderen Lich erscheinen lässt, man wieder klarer sieht, wo vorher Dunkelheit und Nebel waren. Dies benötigt Mut sich manchen Ängsten zu stellen und Veränderung der Lebensumstände zuzulassen. Jedoch ist Nichthandeln eben auch eine Handlung.
Unsere Gedanken bestimmen unsere Gefühle, sind unsere Gedanken dunkel und traurig, sind es unsere Gefühle auch.
Hector ist kein Pessimist, doch in Fallgruben, die menschlich sind stolpert auch er und sieht manchmal schwarz und verrennt sich auch manchmal in düstere Gedanken und somit negativen Gefühlen.

Ein ruhiges Buch mit viel Aussagekraft, schnelles Lesen ist aufgrund der einfachen und flüssigen Schreibweise möglich, aber nicht empfehlenswert, denn so übersieht man eventuell so einiges, vieles was man selber mit- und übernehmen kann in sein Leben und vielleicht sogar hilfreich ist, weil man sich selber verrannt hat, es an Zuversicht und Hoffnung, den Glauben an Licht und Sonne mangelt.
Eine klare Leseempfehlung für mehr klare Sicht, Sonne und Zuversicht im eigenen Leben.

Hector und die Kunst der Zuversicht - François Lelord
Hector und die Kunst der Zuversicht
von François Lelord
(6)
eBook
17,99

Weltgeschichte kurz und knackig für Jung und Alt

Birkatpet aus Wesseling , am 26.05.2018

Geschichte braucht Geschichten.
In Geschichte (und auch in Geografie) nin ich eine wirklich eine absolute Niete und von daher war dieses Buch, welches eigentlich für jüngere Leser gedacht ist, wirklich interessant und so einiges kann ich mir nun doch endlich merken.
Ich finde es bewundernswert tatsächlich über 4,6 Mio. Jahre auf 432 Seiten unterzubringen, keine wichtige Station zu vergessen und dies auf eine lockere und flüssige Art.
Zwecker setzt es sehr modern um und am Stil und der Sprache merkt man, dass es junge Leser sicherlich davon überzeugen kann, dass Geschichte nicht bloß ein langweiliges Unterrichtsfach ist.
Mich persönlich hat es inspiriert bei einigen Dingen, Stationen, Ereignissen und über einige Zeiten mehr und tiefere Informationen zu suchen und zukünftig gewisse Orte zu besuchen.
Einige sehr wichtige Stationen kamen mir etwas zu kurz, aber es ist schließlich ein Buch für junge Leser und dafür absolut ausreichend und gelungen, auch als Erwachsener um sich einen kurzen und groben Überblick zu verschaffen sehr gut.
Ohne viel und umfangreiches Geschichtswissen ist dieses Sachbuch sehr lohnenswert, auch um den eigenen Kindern Geschichte greifbar zu machen, wenn der Geschichtsunterricht gerade mal wieder einschläfernd wirkt.
Locker und leicht geschrieben, absolut verständlich und ein Sachbuch welches sich ganz einfach liest, weit entfernt von trockener Fachliteratur.

Vom Anfang bis heute - Loel Zwecker
Vom Anfang bis heute
von Loel Zwecker
(3)
Buch (Paperback)
13,40

Beeindruckend

Birkatpet aus Wesseling , am 20.05.2018

Die Gestaltung des Covers, in der Farbe Mint hat meine Aufmerksamkeit direkt auf sich gezogen - eine Frau die sich einem Fisch leidenschaftlich hingibt hat mich zunächst eher abgeschreckt und an Mythen, alte Kulturen denken lassen.
Besonders an die Sagen der römischen und griechischen Antike, denn gerade um den Gott Zeus ranken sich ja so manche Erzählungen. Dass meine Assoziation ins Schwarze traf, nachdem ich den Klappentext las, machte mich umso neugieriger.

Lucy, 38 Jahre, ist Protagonistin dieses Romans, sie lebt in Phoenix und schreibt dort seit 9 Jahren an ihrer Doktorarbeit, finanziert durch ein Stipendium.
Lucy promoviert über Sappho, eine der bedeutensten Dichterinnen der griechischen Antike. Um Sappho ranken sich ebenso viele Sagen, wie um die alten Götter, vor allem um ihr ausschweifendes und unstillbares sexuelles Verlangen, nicht nur mit Männern sondern vor allem mit Frauen.
Dass Lucy Sappho wählt ist wohl kein Zufall, denn Sex in allen Variationen und ausführlichen, sowie insbesondere pornographischen Beschreibungen, füllen viele Seiten Broda´s Romans.
Durch eine unbedachte, provokative Aussage gegenüber ihren langjährigen Freundes Jamie, kommt es zur Trennung der beiden. Lucy wollte Gegenteiliges erreichen, doch dies ging nach hinten los und sie fällt ins Bodenlose.
Nach einem Wutausbruch und einer gebrochenen Nase von Jamie, erwirkt dieser eine einstweilige Verfügung gegen Lucy, inklusive der Auflage, sich in psychologische Behandlung zu begeben.
Lucy bricht ihre Zelte in Phoenix ab und kommt bei ihrer Schwester in Venice unter. Diese lebt dort glücklich verheiratet mit ihrem Mann, in einem wunderschönen Haus am Strand und ist anders als Lucy mit sich, der Welt und dem Universum im Reinen. Schwester, samt Gatte reisen für 3 Monate durch Europa und Lucy soll in dieser Zeit das Haus hüten und vor allem den diabeteskranken Hund Dominic, der als Kinderersatz dient, umsorgen und regelmäßig an den angeordneten therapeutischen Gruppensitzungen teilnehmen.
Dominic und Lucy wachsen eng zusammen, vor allem seine körperliche Nähe, genießt sie sehr, doch sie ist immer noch krankhaft davon besessen, Jamie wieder zurück zu wollen und das Ausmaß ihrer psychischen Konstitution wird immer deutlicher.
Zeitweise hatte ich das Gefühl, mein Kopf erleidet ein Schleudertrauma, so sehr fuhr ich auf Lucy's Achterbahn ihrer Gefühle und Gedanken mit. Der Roman wird aus ihrer Sicht geschrieben und dadurch wird die Angeschlagenheit ihrer Gefühls- und Seelenwelt und die sehr ausgeprägte Manifestation ihrer Depression sehr bildhaft und spürbar. Die Gruppentherapie kann auch keine Wunder bewirken, im Gegenteil, sie driftet immer mehr ab, meldet sich bei "Tinder" an, mit der Intention sich ein Harem anzulegen, denn sie glaubt, mehrere Männer gleichzeitig können sie davor schützen, sich wieder in einem zu verlieren.
Durch ausschweifende Sexualkontakte mit Fremden, glaubt sie die Leere in ihrem Inneren füllen zu können, dass es pure Demütigung und Masochismus ist, sieht sie nicht.
Wesentliches, wie zum Beispiel, die treue Hundeseele Dominic, verliert sie völlig aus den Augen.
Als sie eines Nachts Theo begegnet, einem Meermann, setzt ihr Hirn völlig aus und ihre Sucht nach Liebe, Bestätigung und letztlich emotionaler Abhängigkeit ist an Ausmaß kaum zu übertreffen und es kommt zu Kollateralschäden.

Ein Roman über krankhafte Liebe, Selbstaufgabe, Traumata und Anschaulichkeit, wie tief Depressionen einen Menschen sinken lassen können, wie groß Leere in Herz und Seele werden kann und wie verschoben die Wahrnehmung eines Menschen sich dadurch immer weiter von der Realität lösen kann.
Die Warnung "FSK18" müsste in die linke untere Ecke des Covers.

Der Schreibstil Broder's ist grandios. Ihr Spiel mit den Emotionen überwältigend und eine wahnsinns Sogwirkung. Manchmal schmunzelte ich, manchmal hätte ich weinen können, empfand Mitleid, Ohnmacht, Wut und Ekel (davon viel!).

Fische - Melissa Broder
Fische
von Melissa Broder
(10)
Buch (gebundene Ausgabe)
21,60

Ein zauberhafter Heimatroman

Birkatpet aus Wesseling , am 17.05.2018

Elisabeth und Adele sind sehr unterschiedlich und so unterschiedlich ihre Charaktere sind, so unterschiedlich auch ihre Beweggründe in ihre Heimat, in ihr Elternhaus zurückzukehren.
Elisabeth verliert ihre große Liebe und Adele ist auf der Flucht vor ihren Gläubigern.
Frisch im Schwarzwald angekommen ist der Empfang alles andere als herzlich, wegen einer Fehde zweier Familien durch die Schandtat und des Verbrechens ihres mittlerweile verstorbenen Bruders an der Natur.
So richtig wissen die beiden zunächst nicht in welche Richtung ihr Aufenthalt gehen sollen, ob sie Haus und Grundstück verkaufen oder dort wohnen bleiben.
Eines Nachts hat Elisabeth jedoch einen Traum, begegnet darin Willy Brandt und am nächsten Tag steht ihr Plan: ein Rosengarten auf dem einst verunreinigten Bodens der ehemaligen Fabrik ihres Bruders.
Wirklich glaubt niemand an Elisabeth und ihre Bemühungen, ihren unerschöpflichen Mut, ihre Hoffnung und Zuversicht, weil die Fakten gegen Anbau von Rosen in 1000 Metern Höhe sprechen, aber sie lässt sich von ihrem Traum, einem Rosengarten im Schwarzwald nicht abbringen und schließlich erhält sie Hilfe bei der Verwirklichung.

Der Schreibstil ist einfach und sehr angenehm, trotz vieler Wendungen und Sprünge in der Handlung ist immer alles schlüssig und für mich verständlich gewesen.
Die Sprache ist sehr schön und bildhaft, die Charaktere, auch die Nebenrollen durch ihr Handeln und Auftreten sehr genau beschrieben und charakterisiert.Viele Emotionen, viel Natur und Idylle stecken in diesem Heimatroman.

Ich mochte das Buch sehr, einfach raus aus dem Alltag, sich berieseln lassen von einer schönen Geschichte, die Zuversicht, dass man die Vergangenheit aufräumen kann um eine schöne Zukunft zu gestalten und man nie den Mut aufgeben darf auf dem Weg zu seinem Ziel, wenn alle sagen "es geht nicht", aber dein Herz sagt "es geht" dann wachsen manchmal wirklich kleine zarte Stängel des Neuanfangs und des großen Glücks.

Das einfache Leben - Marie Brunntaler
Das einfache Leben
von Marie Brunntaler
(9)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,50

Zwei Welten prallen aufeinander

Birkatpet aus Wesseling , am 09.05.2018

Valerie Schönian, Journalistin, Feministin, Mitte 20, politisch linksorientiert, kirchenfern, lebend in der Urbanität Berlins versucht die katholische Kirche zu verstehen und das im Rahmen eines sehr interessanten Projekts. Sie begleitet für ein Jahr den absolut konservativen 38 Jährigen Priester Franziskus von Boeselager aus dem ländlichen Roxel bei Münster in seinem Leben für jeweils zwei Wochen im Monat und versucht seine Welt durch seine Augen zu betrachten und zu verstehen.

Der Leser begleitet Valerie bei ihrem Projekt und erlebt das Kirchenjahr hinter den Kulissen und was der Job "Priester" bedeutet, ausser den Messwein alleine zu trinken und Sonn- und Feiertags arbeiten zu müssen. Erlebt Valerie und Franziskus bei Diskussionen um die existentiellen Fragen des Lebens oder entspannten DVD-Abenden, Bekehrungsversuche inklusive natürlich.

Zunächst fiel mir, wie so oft das Cover des Buches auf, denn dies sehr dezent in den Vatikansfarben, weiß-gelb zu halten finde ich perfekt,
Meine größte Frage war nachdem ich den Klappentext gelesen habe, ob das gut gehen kann? Die Frage, wie dieses Projekt 12 Monate durchzuhalten ist, in eine fremde Welt alle zwei Wochen abzutauchen? Wird sie Nonne? Legt er seinen Kollar nieder? Oder muss es gar nicht immer schwarz und weiß sein? Das Buch hatte meine Neugierde geweckt und ich wurde quasi wie Eva zum Apfel zum Lesen verführt.

Schönians Schreibstil ist sehr flüssig, so leicht, dass ich über die Worte flog und mich völlig auf den Inhalt konzentrieren konnte. Alles was sie beschreibt, Personen, Umgebung, Räume, Eindrücke, aber auch Gefühle sah ich vor meinem inneren Auge und steckte ehe ich mich versah mit im Gedanken- und Gefühlschaos.
Ich war völlig gefesselt, begleitete also nicht nur den Versuch den Katholizismus zu verstehen, sondern besuchte lesend Messen, Gemeindemitglieder, den Weltjugendtag, erkundete Rom, stellte mich den großen Fragen des Lebens nach Glaube, Liebe, Hoffnung, Tod, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Machtmissbrauch, Freiheit, Liberalismus und noch vielem mehr.
Dieses Buch hat für viel Gesprächsstoff gesorgt, denn wenn man zBspl. einfach mal in eine Runde fragt "und, glaubt ihr an Gott?" sind die Blicke sehr interessant und die Antworten auch. Verwirrung ist dabei auf jeden Fall garantiert und gute Gespräche ebenso.

Ein sehr gut geschriebenes Buch, welches sich liest wie ein Roman, jedoch nicht der Fiktion der Autorin entsprungen, sondern dem wahren Leben.
Ich bin zutiefst beeindruckt von Valerie Schönian und Franziskus von Boeselager, vor deren Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Mut, Geduld, Toleranz und Selbstreflexion.
Eine ganz klare Leseempfehlung, egal ob gläubig oder nicht.

Halleluja - Valerie Schönian
Halleluja
von Valerie Schönian
(5)
Buch (Paperback)
16,50

Eine emotionale Spurensuche

Birkatpet aus Wesseling , am 09.05.2018

Bevor ich überhaupt das erste Wort in diesem Roman gelesen habe, war ich total von der Haptik des Covers begeistert, es fühlt sich ledrig an, so wie ich mir Elefantenhaut vorstelle.

Picoult´s Roman ist die bewegende Geschichte von Jenna, einem 13 Jährigen, sehr intelligentem und reifem Mädchen auf der Suche nach ihrer Mutter Alice.
Alice ist vor 10 Jahren spurlos nach einem Unfall im Elefantenreservat verschwunden. Jenna´s Vater liegt seit diesem Tag in einer psychatrischen Einrichtung, in einem Zustand, der es unmöglich macht mit ihm über Alice zu sprechen und sie selber wohnt bei ihrer Oma.
Erinnerungen an ihre Mutter hat Jenna kaum, vieles weiß sie aus Notiz- und Tagebüchern ihrer Mutter. Diese gibt es bergeweise von Alice, denn als Elefantenforscherin hatte sie einiges zu notieren, das Verhalten, und insbesondere die Gefühle der Dickhäuter, als Leser erfährt man sehr viel über die emotionale Welt der Tiere, vor allem ihr Trauerverhalten wird beschrieben.
Neben diesen Personen gibt es noch Serentity, ein Medium, die eigentlich keines mehr ist, denn die Geister haben sie verlassen und was sie heute tut ist Jahrmarktskunst und Virgil, ein Privatdetektiv, der schon mal bessere Zeiten hatte und für den Alice´ Verschwinden ein wunder Punkt in seiner Karriere ist.
In die Geschichte zu finden, fiel mir sehr leicht. Picoult hat eine ausgesprochen flüssige, leichte und bildhafte Sprache. Durch die Kapitellängen war es auch nicht anstrengend zwischen den Personen zu wechseln, denn kapitelweise wechseln sich Jenna, Alice, Serenitiy und Virgil in Ich-Perspektive ab ihre eigene, aber auch die gemeinsame Geschichte zu erzählen. Alles ehr starke und gut ausgearbeitete Charaktere.

Ich fand das Buch sehr interessant, vom Hocker gehauen hat es mich nicht. Mir waren die Elefanten und das Übersinnliche teilweise zu viel. Das Ende war für mich nicht überraschend und auch sonst fehlte es mir zwischendurch etwas an Spannung.
Der Schreibstil gefiel mir sehr gut, lebendig, sehr bildhaft, leicht und den jeweiligen Personen angepasst.
Für Elefantenfans und Fans von Übersinnlichem, gepaart mit Familiengeschichte und gut ausgearbeiteten Charakteren eine Leseempfehlung.

Die Spuren meiner Mutter - Jodi Picoult
Die Spuren meiner Mutter
von Jodi Picoult
(34)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Ein kleines Buch über das stärkste Gefühl

Birkatpet aus Wesseling , am 09.05.2018

Das Cover weckte direkt meine Aufmerksamkeit, es erinnerte mich an die kleinen netten Geschenkbücher, die es zu vielen Anlässen und Themen zu kaufen gibt.
Der florale Schutzumschlag hat mein kleines, manchmal doch romantisches Herz höher schlagen lassen und ich finde ihn einfach wunderschön.
Der Zusatz unter dem Buchtitel "Philosophie eines Gefühls" hat meine Neugierde sehr geweckt. Ich kenne Liebesromane und auch Ratgeber für Liebesangelegenheit und nun sah ich ein Buch, welches die Liebe also mal philosophisch angehen wollte, in wunderschönem Mantel und ich las ein wenig in das Buch hinein und da war auch schnell, ich möchte es gerne haben und lesen.

"Die Liebe beginnt immer hinterher. Wenn der Leidenschaft die Zuneigung folgt. Und man dem anderen zu vertrauen beginnt. Und wenn man "mit dem anderen lieben" kann."

Marzano erzählt von sich und ihrem Leben, zunächst gibt es einen Exkurs in ihre Kindheit und die Ehe ihrer Eltern, sie erzählt von Prinzen und Prinzessinnen, ihren Liebesbeziehungen und von Jacques, wie sie ihn kenneblernte, wie sie ihn lieben lernte erfährt der Leser im Laufe des Buches.
Die ehrliche, sehr selbstkritische, authentische Auseinandersetzung Marzano´s mit sich selber hat mir dabei sehr gut gefallen.
Sie erzählt von ihren Träumen, ihren Hoffnungen, Ängsten, Herzschmerz, Klischees, Rollenverteilungen, Freiheit, dem Konsumismus, dem auch die Liebe zum Opfer fällt, der Wegwerfgesellschaft...und dies alles während sie die Großen der Literatur und Dichtung zum Thema "Liebe" befragt und deren Aussagen überprüft und verstehen möchte, ihre Gedanken und Schlußfolgerungen mit dem Leser teilt.
Das Buch ist eingeteilt in "Intermezzi" und diese beginnen immer mit einem Zitat aus Werken von einem Dichter oder Denken, den sie befragt. Diese "Intermezzi" sind eingeteilt in kurze Kapitel unterteilt mit Überschriften.
Jedes "Intermezzo" wird in ihre Geschichte von ihren Erfahrungen aufgenommen als weiterer Gedankengang.

Marzano´s Buch ist lebendig, manchmal schmunzelt man, manchmal erkennt man sich selber, manchmal denkt man für sich selber weiter und geht eigene Erfahrungen durch.
Kurzweilig und interessant, das Mysterium Liebe wird nicht geklärt, denn ist nun mal wie es ist, einfach die Liebe, das stärkste Gefühl.

Alles, was ich über die Liebe weiß - Michela Marzano
Alles, was ich über die Liebe weiß
von Michela Marzano
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
14,40

Englischer Krimispass

Birkatpet aus Wesseling , am 09.05.2018

Tote in Kapellen sind ausserhalb von Beerdigungen sehr ungewöhnlich und so ist auch der Fund des Toten in diesem Kriminalroman alles andere als gewöhnlich.
Die Geschichte beginnt mit Hugo, der nach einem Unfall im Dienst schwer verletzt wurde und nun Schreibtischdienst leisten muss.
Als wäre es noch nicht genug als Geheimagent plötzlich hinterm Schreibtisch sitzen zu müssen, wird er auch noch versetzt und zwar nach Selchester, einer kleinen Ortschaft in England.
Widerwillig macht sich Hugo mit seiner pubertierenden Schwester Gloria, für die er die Verantwortung trägt seit ihre Eltern verstorben sind auf den Weg nach Selchester, er soll dort im Kriegsarchiv recherchieren und sie wird dort das Gymnasium besuchen.
Wohnen werden sie auf Selchester Castle.
Der Hausherr des Schlosses ist seit 7 Jahren spurlos verschwunden.
Von der befürchteten Langeweile ist schnell keine Spur mehr von übrig, denn der verschollene Earl of Selchester taucht auf sehr spezielle Art und Weise wieder auf. Man findet ihn, zumindest das was nach 7 Jahren noch von ihm übrig ist, bei Reparaturarbeiten unter den Steinfließen der Kapelle und dort kann er sich unmöglich selber vergraben haben.
Mit Freya, der Nichte des Earls macht sich Hugo auf die Suche nach dem Mörder.

Alles was zu einem typisch englischen Krimi gehört findet sich auch hier, grüne Landschaft, viel starker Tee, idyllische Umgebung...und hier sogar Hochadel und ein Schloß.

Motive und Verdächtige gibt es reichlich, Geheimnisse jedoch auch.
Nach und nach lernt man die teils sehr eigenwilligen Charaktere besser kennen und auch die Nebenrollen, das sehr detailliert und schnell entwickelte ich Antipathien oder Sympathien. Schön war, dass sich durch die im Verlauf immer genauere Beschreibung der Charaktere meine Meinung manchmal änderte und eine sehr unsympathische Person plötzlich doch eigentlich ganz nett wurde.

Für meinen Geschmack war die sehr detaillreiche Beschreibung teilweise etwas viel, aber da ich gesehen habe, dass demnächst ein weiterer Krimi mit Hugo erscheint macht es natürlich Sinn, sowohl ihn, Selchester und seine Bewohner so genau vorgestellt zu bekommen und ich bin gespannt welcher Fall als nächstes auf ihn wartet.
Der erste Teil war auf jeden Fall kurzweilig, interessant und perfekt für eine Auszeit zwischendurch.

PS: Ob es der Gärtner war, verrate ich nicht...

Der Tote in der Kapelle - Elizabeth Edmondson
Der Tote in der Kapelle
von Elizabeth Edmondson
(9)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Ein klares Plädoyer fürs Leben

Birkatpet aus Wesseling , am 05.05.2018

Das Cover ist mit den Farben Türkis, Gold, Schwarz und Weiß für mich sehr schön anzuschauen und harmonisch, wunderschön.
Jedoch ist es kein leuchtendes Türkis, vermittelte mir nicht das Gefühl vor einem fröhlichen Buch zu stehen, auch sind da mehr geschlossene als geöffnete Blüten und der abgebildete Zopf nicht zu Ende geflochten.
Für mich ist das Cover eines Buches sehr wichtig, denn oftmals lasse ich mich visuell leiten.
Der Klappentext hat mich neugierig auf die Umsetzung gemacht, denn dieser lässt keine Fragen offen, was die Handlung betrifft aber die jeweiligen Leben der drei Frauen interessierten mich und wie Smitas Haare von Indien über Sizilien schließlich in Montreal bei Sarah landen.

Nach der Beschreibung rechnete ich mit Biographien und war auf schwere Kost eingestellt, denn das Thema "Perücke" betraf mich vor zwei Jahren selber. Wie das Schicksal einem manchmal mitspielt erkrankte ich an einer Autoimmunerkrankung und meine Haare vielen den Nebenwirkungen einiger Medikamente zum Opfer. Lösung: Ich brauchte fremde Haare.
Der Handelsweg der fremden Haare auf meinem Kopf war mir wohl bewusst, jedoch habe ich mir über die möglichen Einzelschicksale dahinter keine Gedanken gemacht.
Ich wurde allerdings überrascht. Laetitia Colombani nutzt eine sehr einfache Schreibweise und macht es dadurch leicht den Schicksalen zu folgen. Eine lockere, leichte Erzählweise, die nicht in die Tiefe geht und weder Schwermut noch dichte Atmosphäre eintreten lässt.
Kapitelweise wird zwischen den drei Frauen, den drei Erzählsträngen gewechselt und die Leichtigkeit dieser knappen Kapitel war für mich anfangs verwirrend, da ich wie vorhin erwähnt, mit viel mehr Tiefe und Schwere gerechnet habe. Dadurch wird zum einen natürlich immer wieder Spannung aufgebaut, aber es schützt auch davor, sich als Leser in einer der drei Schicksalen zu verlieren, da man ja immer jeweils zwei Kapitel Abstand gewinnt.

Es werden eine Reihe Klischees bedient, alles ist irgendwie vorhersehbar und große Überraschungen bleiben aus.
Und genau das macht dieses Buch so besonders.
Die Aussage des Buches ist ganz klar, Mut, Freiheit und ein lautes JA zum Leben.
Egal wie steinig der Weg auch sein mag, egal welche Schicksale sich ereignen... es gibt Dinge die sind unveränderbar und man muss sie nehmen wie sie sind. Entweder man verfällt in Passivität oder man macht es wie diese drei Frauen, lässt die Zeit fliegen, entscheidet aber Pilot seines Leben zu werden.
Der feste Glaube an Sonne, nach manchmal langer Regenzeit, lässt einen den strahlend, bunten Regenbogen umso mehr genießen.

Ein schönes, kleines Buch mit drei ganz besonderen Frauen und einem bezaubernden, starken Mädchen. Mich hatte das Buch nach einem Drittel gänzlich gepackt und ich musste es bis zum Schluss in einem Rutsch lesen.
Ein Buch voller Hoffnung, ein klares Plädoyer fürs Leben!
Steht auf, hadert nicht zu lang, lebt Euer Leben, denn die Zeit fliegt!!!

Der Zopf - Laetitia Colombani
Der Zopf
von Laetitia Colombani
(218)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,60

 
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