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monerl aus Langen

Gesamte Bewertungen 126 (ansehen)


Über mich:
monerl

Meine Bewertungen

Was für ein Buch!

monerl aus Langen , am 17.06.2019

Meine Meinung
W.A.S F.Ü.R E.I.N B.U.C.H!

Es ist nicht einfach in Worte zu fassen, denn es ist ein echtes Lesehighlight! Ein Buch, das ich gefressen habe und ich nicht aufhören konnte zu lesen, denn die letzten 200 Seiten habe ich in einem Zug durchgelesen.

Die ersten 60 Seiten plätschern ein bisschen dahin und man muss sich an den Schreibstil des Autors gewöhnen. Man lernt Naomi und Sam kennen. Zwei sehr junge Frauen, die ihren Sommer auf der Insel Hydra in Griechenland verbringen. Naomi ist Engländerin und kennt die Insel in- und auswendig, da sie seit ihrer Kindheit die Sommer dort verbringt. Sam ist ein paar Jahre jünger, Amerikanerin und verbringt ihren Sommer mit ihrer Familie auf der Insel. Sie ist noch recht unschuldig und naiv, was das Leben angeht, da ihr privilegiertes und behütetes Leben noch nicht viel von ihr eingefordert hat. Naomi ist anders, auch reich und privilegiert, doch charakterlich ganz anders als Sam. Naomi vermag sich auf ihrem Status nicht so richtig auszuruhen. Sie hat eine gewisse Unruhe, ist fast immer im Konflikt mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter und ist irgendwie immer auf der Suche nach einem Abenteuer oder etwas, das sie reizt und aus ihrem Alltag ausbrechen lässt. Der letzte “Nervenkitzel” führte zur Entlassung aus der Anwaltskanzlei. Als sie mit Sam auf einem Badeausflug den syrischen Flüchtling Faoud entdecken will sie ihm helfen und hat gleich etwas Unmoralisches im Sinn… Naomis Plan scheint absolut ausgeklügelt und doch kommt es anders, als sie, Sam, Faoud und die Hauhälterin Carissa denken und erwarten.

Nun, natürlich konnte es nicht gut gehen, aber wie der Autor so nach und nach die Geschichte entwickelt, ließ mich am Ende sprachlos zurück. Er zeigt die Verflechtungen und die Auswirkungen einer Entscheidung, die ausschließlich Naomi selbständig gefällt hatte. Doch diese Entscheidung zieht weite Kreise und beeinträchtigt das Leben vieler Menschen. Insbesondere auch von denen, die passiv daran teilnahmen, wie z.B. Sam. Obwohl sie am wenigsten mit dem Ganzen zu tun hatte, sind die Auswirkungen auf sie, ihre Psyche, ihr Leben am stärksten. Man gerät während des Lesens in den Strudel der Geschnisse und in den Sog der Geschichte. Abgründe tun sich auf, Verschiebungen von Macht werden deutlich, Fluchtwege werden verfolgt, Lügen entstehen und die Verteidigung hängt auf einem seidenen Faden.

Lawrenze Osborne hat mit ganz einfachen Mitteln und wenigen Figuren eine Art Thriller geschrieben, den ich gar nicht richtig benennen kann. Ich folgte der Geschichte, fühlte mich getrieben, obwohl sich alles recht gemächlich entwickelte. Ich musste mich einige Male zwingen nicht zur letzten Seite zu springen, um zu sehen, wie das Buch endet. Die Spannung war kaum auszuhalten.


Fazit
Dieses Buch tanz aus der Reihe und ist ein reiner (Lese)Genuss! Wer sich traut, über seinen Tellerrand zu schauen, sollte unbedingt dieses Buch lesen. Es ist ein Gegenwartsroman, ein Thriller, eine Art Krimi und eine Charakterstudie in einem. Lawrence Osborne nimmt den*die Leser*in nach Griechenland in die Zeit mit, als Flüchtlinge anfingen die Inseln zu überfluten und schafft es dennoch ein Buch zu schreiben, das nichts mit Politik am Hut hat. Es ist sehr atmosphärisch, schlicht aber auch düster und die Hoffnung während des Lesens überlagert stets das eigentlich offensichtliche Ende. Absolut lesenswert!

Welch schöne Tiere wir sind - Lawrence Osborne
Welch schöne Tiere wir sind
von Lawrence Osborne
(6)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,70

Frauen im historischen Asien

monerl aus Langen , am 14.06.2019

Meine Meinung
Ich tauche literarisch sehr gerne in fremde Welten ein. Mit diesem Buch war ich in Südkorea, in China und auf den Japanischen Inseln und dies in einem Zeitraum von ca. 60 Jahren. Wir befinden uns in der Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts, als Chong aus ihrer Heimat Südkorea nach China in die Prostitution verkauft wird. Aus Chong wurde Lenhwa, die Lotosblüte. Ihr Weg geht aber weiter über mehrere chinesische Stationen, als aus Lenhwa Lotos und schließlich Lenka, die als Frau eines Fürsten aus Ryūkyū wird und endlich ein ehrbares Leben führt.

Der Autor erzählt über Chong die Geschichte der Frauen aus der Zeit im 19. bis Anfang 20. Jahrhundert. Und diese ist traurig, hart und voller Gewalt. Nicht selten wurden junge Mädchen entführt oder sogar von ihren Familien verkauft und landeten in Bordellen, in denen sie Prostituierte und manchmal auch zu Geishas ausgebildet wurden. Dabei lernten sie spezielle Teezeremonien, Tanz, Konversation und Instrumente spielen.

Der Schreibstil des Autors ist sehr detailreich und oftmals mit erotischen Beschreibungen gespickt, die m.M.n. dadurch die Gewalt an Mädchen und Frauen verharmlost. Diese Passagen lesen sich lustvoll, obwohl man davon ausgehen kann, dass Frauen dabei keine Lust verspürt hatten.

Als Leser*in erfährt man viel über die Historie von Südkorea, China und Japan. Leider werden aber nie Daten und Jahreszahlen genannt und man muss sich somit selbst auf die Suche begeben und recherchieren. Die alten Namen der Städte erschweren zudem die Recherche. Ich habe viel Zeit im Internet auf Wikpedia und Google Maps verbracht, um der Reise von Chong zu folgen und zu verstehen, was gerade politisch geschehen war. Eine Karte mit den wichtigsten Städten und Chongs Reiseroute wäre ein großer Gewinn für das Buch gewesen. Sehr schade, dass während des Lektorats niemand auf diese Idee gekommen war. Immerhin gibt es am Ende ein Glossar mit den wichtigsten ausländischen Begriffen. Das hat mir sehr gut gefallen.

Trotz des Bildreichtums der Sprache schafft es Hwang Sok-Yong nicht, den*die Leser*in für das Schicksal von Chong und all den anderen Frauen zu begeistern. Etwas distanziert stolpert man von Lebensabschnitt zu Lebensabschnitt, obwohl das erste Viertel noch begeistern konnte.

Gerade im letzten Viertel vollzieht der Autor einen Erzählbruch, der das Lesen ziemlich erschwert. Politik, Kämpfe und Machtscharmützel gelangen in den Vordergrund. In der Weltgeschichte ist viel passiert und alles findet auf ein paar wenigen Seiten Platz im Buch. Dabei ist Chong nur noch eine Randfigur. Die Jahressprünge werden größer und als jemand, der sich mit der asiatischen Geschichte nicht so auskennt, fühlt man sich inhaltlich etwas abgehängt.


Fazit
Ein opulentes Buch mit viel Historie, in dem der Fokus auf das Leben der Frauen im 19. Jahrhundert gesetzt wird. Wer neben dem Lesen auch noch gerne weiter recherchiert, ist bei diesem Buch ganz richtig. Alle, die eine spannende Geschichte über eine Frau erwarten, die sich über das männliche Geschlecht stellt und ihr Leben wirklich in die Hand nimmt, werden eher enttäuscht sein und sollten die Finger vom Buch lassen. Ein insgesamt gutes und aufschlussreiches Buch mit einigen Schwächen, die leider das Lesen erschweren.

Die Lotosblüte - Hwang Sok-Yong
Die Lotosblüte
von Hwang Sok-Yong
(34)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,70

Ein Mut machendes Buch, poetisch und philosophisch

monerl aus Langen , am 07.06.2019

Meine Meinung
Ein Bilderbuch für Erwachsene. Mein erstes dieser Art. Und ich stelle fest, dass sich so ein Bilderbuch für Erwachsene viel schwieriger liest als ein normaler Roman. Viel Bild, wenig Text. Somit ist der*die Leser*in sehr gefordert, das Gesehene zu interpretieren. Und das ist gar nicht so einfach!

Das Grundgerüst, die Rahmengeschichte, bildet der Klappentext. Dieser war für mich sehr verständlich und hat mich neugierig gemacht!

Nun folgen wir dem blinden Mädchen auf ihrem Weg durch die U-Bahnen und wie sie die Welt aufs Neue erkundet. Dabei dürfen wir an einigen ihrer Gedanken und den verschiedenen Fragen teilnehmen, die sie sich stellt, wie z.B. ob es immer noch so wundervoll ist mitanzusehen, wie die Wolken am Himmel sich verwandeln. Wer kennt das nicht?! Als Kind auf dem Rücken in der Wiese liegen und den Wolken zuschauen wie sie vorbeiziehen und in ihnen Formen erkennen. Es machte mich traurig zu wissen, dass das blinde Mädchen dieses Spiel und diesen Anblick nie mehr wieder wird genießen und erleben können. Umherfliegen wie ein Vogel, das wäre doch schön! Aber wäre es immer noch so toll, wenn man nicht sehen könnte? Wie frei wäre man noch, wenn man nicht sehen kann, wo die Hindernisse sind?

“Überall lauern Gefahren auf mich. Ich bin jederzeit bereit, Abschied zu nehmen. Und doch ist die Welt so schön und wundervoll, dass ich mich nicht von ihr trenne möchte.” (Zitat aus dem Buch)

Jimmy Liao hat ein poetisches und philosophisches Buch erschaffen, das so bildgewaltig und traumhaft farbig ist. Seite für Seite steigt das Mädchen in die U-Bahn hinuter und erwartungsvoll wieder nach oben. Ein kleiner, weißer, struppiger Hund begleitet sie und ist auf jeder Seite wiederzufinden. Ob er zu ihr gehört, ist nicht klar. Jedenfalls ist er, neben dem blinden Mädchen, ein feste Größe im Buch. Die Bilder unterstreichen überwiegend den kurzen Text darüber. Es gibt viel zu sehen und zu entdecken, was so extrem im Gegensatz zu dem steht, dass das Mädchen nicht sehen kann. Ich konnte mich kaum sattsehen an diesen vor Farbe sprühenden Bildern.

Wo die Realität sie alleine lässt, behilft sie sich mit ihrer Vorstellungskraft und Fantasie sowie den Erinnerungen aus der Vergangenheit. Auf manches wird das Mädchen für immer verzichten müssen. Dafür gewinnt sie anderes dazu. Selbst scheinbar Unüberbrückbares kann sie schaffen und findet viel Positives in ihrem Leben.

Jimmy Liao beendet sein Buch mit einem schönen und hoffnungsvollen Ausschnitt aus Rainer Maria Rilkes “Die Blinde”. Für mich ist das ein gelungener Abschluss für ein Buch, das lange nachhallen wird.

Fazit
Ich habe dieses Buch dreimal gelesen, angeschaut und darüber nachgedacht. Und schlussendlich denke ich herauszulesen, dass der Künstler uns sagen will, wie schön das Leben trotz Einschränkungen sein kann, wenn man es zulässt. Das Mädchen hat ihre Angst überwunden und ist in die weite Welt hinausgegangen. Ihr Mut gibt ihr wieder eine Freiheit zurück, die sie jedoch vorsichtig kennenlernen muss. Dabei stolpert sie, fällt hin, verirrt sich, fühlt sich fremd und hat trotzdem immer irgendwie auch Hoffnung.

“Die Vorstellung macht mir Angst, das Glück könnte ganz nahe sein und ich sehe es nur nicht.”
“Den Kummer von gestern habe ich schon vergessen. Was man vergisst, ist nicht mehr wichtig.”
” Ist das die Endstation? Oder ein neuer Startpunkt?”

Diese drei Zitate nehme ich für mich mit und hoffe, sie nicht zu vergessen. Auch wenn es im Alltag oftmals schwer ist, mich die Melancholie packt, werde ich versuchen an dieses blinde Mädchen zu denken, das nun seine Welt mit den anderen Sinnen entdeckt, auch wenn ihm die Sicherheit und die Schönheit der Farben verloren gegangen ist.

Der Klang der Farben - Jimmy Liao
Der Klang der Farben
von Jimmy Liao
(6)
Buch (Paperback)
25,60

Spannender 6. Teil!

monerl aus Langen , am 29.05.2019

Stichworte
Gegenwartsroman, England, Krimi, Reihe, Forensik, Dr. David Hunter


Handlung 5
interessant, mehrere Handlungsstränge
Spannung 5
baut sich langsam und subtil auf
Charaktere 5
Hunter mit Wiedererkennungs-wert, viele Personen, vielschichtig
Ende 5
nicht ganz überraschend aber rund
Hörbuch 5
toller Sprecher, empfehlenswert

Gesamtwertung
5,0 / 5


Fazit:
Ein für mich rundum gelungener 6. Teil der forensischen Krimireihe um Dr. David Hunter.

Der Autor baut auf den privaten Handlungsstrang aus dem letzen Band auf. Dr. David Hunter hat endlich wieder eine Beziehung und ist glücklich, obwohl diese Beziehung auch eine gewisse Distanz aushalten muss. Doch Hunter wird nicht langweilig. Wie immer kommen ihm ein paar Tote dazwischen.

Der Fall scheint verzwickt. Nach und nach kommt alles heraus und es wird richtig brenzlig!

Beckett spielt m.M.n. hervorragend mit den Nerven seiner Leser*innen. Man wird auf verschiedene falsche Fährten geführt, doch dass Ende setzt sich aus mehreren Handlungssträngen zusammen, die den Fall zwar abschließen und dennoch offenlassen, wie es mit David Hunter weitergehen wird. Irgendwann war der*die Täter*in zwar absehbar, doch die Gründe dafür lagen im Dunkeln. Das hat mir deshalb ingesamt dennoch sehr gut gefallen.

Das Besondere an allen Dr. Hunter Fällen sind die vielen Details, wenn es um Forensik geht. Ich staune immer wieder, was Profis alles aus Knochen herauslesen können! In diesem 6. Band ist der forensische Teil wieder ausgesprochen interessant und aufschlussreich.

Der Sprecher hat ganz tolle Arbeit geleistet! Ich hing ihm an den Lippen und habe das Buch deshalb in 2 Tagen beendet. Ein sehr gutes Anzeichen für eine absolute Lese- und Hörempfehlung! Ich warte bereits gespannt auf den nächsten Teil!

Die ewigen Toten - Simon Beckett
Die ewigen Toten
von Simon Beckett
(115)
Hörbuch (CD)
23,99

Sehr spannendes Abenteuer!

monerl aus Langen , am 29.05.2019

Handlung 4
interessant, spannend, manchmal verwirrend
Sprache 5
flüssig, bildgewaltig, mit Humor & tollen Dialogen gespickt
Charaktere 5
unterschiedlich, mit Wiedererkennungs-wert, vielseitig, sympathisch
Ende 5
rund, Geheimnisse aufdeckend, abgeschlossen
Hörbuch 5
toller Sprecher, sehr empfehlenswert

Gesamtwertung
4,8 / 5

Fazit:
Endlich habe ich dieses Buch vom SuB erlöst! Lange dümpelte es in meinen Regalen und nun, im Nachhinein, hat es dort viel zu lange ungelesen gelegen!

Markus Heitz hat die wundervollen, etwas ruppigen Zwerge, die nicht unbedingt für jeden Spaß zu haben sind, zum Leben erweckt. In dem 1. Band der fünfteiligen Saga lernen wir Tungdil kennen, einen Zwerg, der unter Menschen aufgewachsen ist. Andere Zwerge sind ihm fremd und was er über Zwerge weiß, das hat er aus Büchern und Erzählungen.

Der Autor lässt den*die Leser*in mit Tungdil durch das verborgene Land reisen, die anderen Zwergenstämme erkunden und gegen bösen Mächte kämpfen. Nichts weniger als das Überleben des verborgenen Landes steht auf dem Spiel. Gnome, Orks und die dunklen Albae wollen es zerstören und für das Böse erobern. Dabei gibt es viele Intriegen und Neues zu Entdecken und zu bewältigen.

Mit flüssiger Sprache ist ein großes Abenteuer zu überstehen. Manchmal geht es schleppend voran doch die Spannung steigt bis zum Schluss. Geheimnisse um die unterschiedlichen Zwergenstämme, um Verrat und die Herkunft Tundils werden gelöst. Das Ende ist rund und abgeschlossen und lässt erahnen, wie es mit den nächsten Band weitergehen könnte.

Ganz toll hat mir die Charakterisierung der verschiedenen Haupt- wie auch Nebenfiguren gefallen. Sie haben Wiedererkennungswert und bringen die Geschichte gut voran.

Johannes Steck als Sprecher ist das i-Tüpfelchen der Geschichte. Ich habe die Teile, die ich gehört habe, noch mehr genossen als die selbst gelesenen. Durch grandiosen Stimmeinsatz und schauspielerische Leistung lässt er die Geschichte als Kopfkino erscheinen! Einfach TOP!

Die Zwerge Bd.1 - Markus Heitz
Die Zwerge Bd.1
von Markus Heitz
(82)
Buch (Paperback)
17,50

Einblick in ein Leben mit Zwangsstörungen

monerl aus Langen , am 29.05.2019

Kurzmeinung

Genre: Roman, Jugendbuch, autobiografisch

Handlung: Wir bekommen Einblick in das Leben eines Jugendlichen, der unter Zwangsstörungen leidet. Daniel ist anders, das weiß er. Er wusste jedoch nicht, dass sein Anderssein auch einen Namen hat. Dabei möchte er eigentlich einfach nur normal sein, so wie alle anderen. Das gestaltet sich jedoch sehr schwer, denn wenn die Zaps plötzlich zuschlagen, kann er nicht aus seiner Haut und muss ein bestimmtes Programm durchlaufen, bevor es ihm wieder gut geht. Stört etwas diesen Ablauf von Zwangshandlungen, hält ihn große Angst gefangen. Alles sehr hinderlich, wenn man als Jugendlicher verliebt ist und nicht möchte, dass der Auserwählten und den Anderen auffällt, warum man so anders ist.

Charaktere: Da der Autor in seinem Roman viel Autobiografisches verarbeitet hat, ist Daniel als Hauptfigur sehr authentisch. Die in der Ich-Form erzählte Geschichte nimmt die Leser*innen in die Gefühlswelt von Daniel mit und zeigt seine Gedanken und Probleme. Max, als “normaler” bester und beliebter Freund, ist der ausgleichende Gegenpol. Hinzu kommen zwei weibliche Figuren, die ebenso eine große Rolle in Daniels Leben spielen, Raya und Sara. Sara ist ein bisschen wie Daniel. Sie redet nicht (nur mit Daniel), ist eine Außenseiterin und leidet an Depressionen. Raya ist der Gegenpart zu Max, das beliebteste und schönste Mädchen der Schule, mit dem jeder befreudet sein möchte. Obwohl die Rollenverteilung der Figuren klar ist, charakterisiert Wesley King seine Figuren über Klischees hinaus. Er hat seinen Protagonist*innen Ecken und Kanten gegeben, die sie interessant machen.

Spannung: Ein Jugendbuch handelt meistens auch ein bisschen von Liebe. Sie ist es nunmal, die junge Menschen umtreibt, so auch hier. So folgen wir gespannt der Frage, ob Daniel sich trauen wird, Raya anzusprechen und näherzukommen. Zudem erlebt er Gefährliches, denn Sara will mit seiner Hilfe ihren Stiefvater des Mordes an ihrem leiblichen Vater überführen. Dieser ist verschwunden und sie ist sich sicher, er hätte sie nie einfach so verlassen. Sie findet Indizien, die sie in Sachen Mord bestärken.

Sprache & Schreibstil: Die Sprache und der Schreibstil sind der Zielgruppe angepasst und sehr gut lesbar.
Ende: Ein Abschluss, der mir sehr gut gefällt und die Leser*innen positiv aus der Geschichte entlässt.

Fazit: Ein sehr gutes Jugendbuch, das Betroffene und Leser*innen, die Betroffene kennen, einen sehr guten Einblick in ein Leben mit Zwangsstörungen bietet. Es zeigt die tiefe Gefühlswelt von Daniel und den täglichen Kampf diese Krankheit überwinden zu wollen und sich dadurch nicht ausgrenzen zu lassen. Ein bisschen Kritik habe ich auch, die zu einem Stern Abzug geführt hat. Daniel schreibt an einer futuristisch angehauchte Geschichte, die mich nicht überzeugen konnte. Diese Teile hätte ich gerne ausgelassen. Zudem finde ich den Handlungsstrang, in dem Daniel und Sara auf “Mörderjagd” gehen als nicht ganz zum Thema passend. Es hätte sicherlich bessere Möglichkeiten gegeben, Daniel und Sara einen eigenen Handlungsstrang zu geben / zusammenzuführen. Zudem irritierte mich der Ausdruck “Sternenkind” im Zusammenhang mit begabten Kindern sehr. Im Amerikanischen ist wohl solch ein Begriff geläufig / passend, doch in Deutschland und auch Österreich wird der Begriff “Sternenkinder” für Kinder verwendet, die vor, während oder bald nach der Geburt gestorben sind (Quelle: Wikipedia).
Insgesamt aber ein sehr empfehlenswertes Buch für Jugendliche und Erwachsene!

Daniel is different - Wesley King
Daniel is different
von Wesley King
(29)
Buch (gebundene Ausgabe)
17,50

Informativ und spannend für Kinder und Erwachsene

monerl aus Langen , am 23.05.2019

Meine Meinung
Das Weltall und seine Planeten haben mich schon immer sehr fasziniert. So habe ich als Jugendliche begeistert STAR TREK geschaut und irgendwann auch Sci-Fi-Bücher gelesen, um mich in fremde Welten zu begeben.

Dass der Mensch bereits zum Mond geflogen ist und ihn sogar betreten hat, ist etwas so grandioses und kaum zu fassen. Dieser erste Mensch war NEIL ARMSTRONG! Am 20. Juli 2019 ist es bereits 50 Jahre her, dass dieses wunderbare Ereignis stattgefunden hatte.

ArsEdition hat hierzu eine sehr schöne und informative Biografie für Kinder und Jugendliche herausgebracht.

Man erfährt sehr viel auf kindgerechte Weise. In schöner und einfacher Sprache erklärt und zeigt die Autorin Ereignisse, die Technik, den Wettstreit zwischen der Sowjetunion und den USA, die Mission und das Leben von Neil Armstrong auf. Der Text ist zweifarbig und hebt manchmal in schwarzer oder auch in blauer, angenehmer Farbe wichtige Begriffe, Namen, Daten… hervor. Interessante Fotos und Zeichnungen unterstreichen bildlich den Text und lockern das Buch schön auf.

Auch auf Niederlagen und missglückte Versuche, bei denen Menschen gestorben waren, geht Katrin Hahnemann gefühlvoll ein. Somit wird Kindern und Jugendlichen nahegebracht, dass der Beruf eines Astronauten ein gefährlicher Beruf ist.

Nachdem über die Kindheit, Schule und Ausbildung Armstrongs berichtet wurde, erfährt man auch, wie er seine Frau Jan kennenlernt, heiratet und eine Familie gründet. Schritt für Schritt geht es auf DAS Ereignis der Menschheit zu. Obwohl natürlich klar ist, dass am 20. Juli 1969 alles glatt lief, fiebert man während des Lesens mit! Eine wahrlich tolle Leistung der Autorin!


Fazit
Ich habe diese Biografie sehr gerne gelesen. Vieles war mir bekannt und dennoch schaffte es Katrin Hahnemann mich in Neils Lebensgeschichte hineinzuziehen. Ich kann eine absolute Leseempfehlung aussprechen! Kinder, die an Luft- und Raumfahrt Interesse zeigen, werden mit diesem Buch sicherlich eine große Freude haben. Aber auch Erwachsene, die sich informieren aber dabei mit nicht zu vielen technischen Daten erschlagen werden möchten.

Neil Armstrong - Katrin Hahnemann
Neil Armstrong
von Katrin Hahnemann
(3)
Buch (gebundene Ausgabe)
13,40

Madeira, Avila und ein schrecklicher Sturm

monerl aus Langen , am 14.05.2019

Meine Meinung
Comissário Avila ermittelte endlich wieder! Bereits der Auftakt dieser Serie hatte mir sehr gut gefallen und ich hoffte auf weitere Fortsetzungen mit diesem sympathischen Ermittler und seinem Team.

Mittlerweile Vater ein Tochter, versucht Avila den neuen Anforderungen einer Familie mit Kind gerecht zu werden. Von seiner Frau Leticia wird er für ein Wochenende in das abgeschiedenste Hotel Madeiras überredet, wo er unglücklicherweise auch noch seinen Chef sowie seinen Schwiegervater ertragen muss. Ob das wohl gut geht?

Doch ein schrecklicker Sturm wütet auf Madeira und schneidet die Gäste des Hotels von ihrer Umgebung ab. Zudem ist unter ihnen ein Mörder, der bereits zwei Tote auf dem Gewissen hat.

Avila und sein Chef André, der Wolf, ermitteln unter schwersten Bedingungen. Erstaunlicherweise kommen sie gut miteinander aus und ergänzen sich wunderbar.

Joyce Summer hat in Avilas zweitem Fall die Insel Madeira auch wieder, ganz wie nebenbei, schön in den Mittelpunkt gesetzt. Doch dieses Mal von der dunklen, stürmischen Seite. Ich konnte mir die Gegend und das Setting sehr gut vorstellen.

Spannend verknüpfte die Autorin zwei Handlungsstränge. In jenem, der von Avilas Mitarbeiter Vasconcellos geführt wird, versuchen die Ermittler den Mörder eines Tauchers aufzudecken, der womöglich der gleiche ist wie der, der sich im von der Zivilisation abgeschnittenen Hotel Encosta de Calheta befindet, wo Avila, der Wolf, Leticia mit Tochter Felia, Schwiegervater Oriol und noch ein paar andere Gäste feststecken. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt!

Joyce Summer hat es wieder mal geschafft, dass man wunderbar miträtseln konnte. Ihre angenehme Schreibweise und der flüssige Schreibstil lassen einen schnell in die Geschichte eintauchen und am liebsten das ganze Buch am Stück durchlesen zu wollen. Die Figuren sind sehr realistisch gezeichnet, sodass man sie sich gut vorstellen kann und ihnen ihre Handlungsweise auch abnimmt. Die kleinen Spitzen um das Festland Portugal und seine Insel Madeira lockern den Krimi auf und bringen auch eine angenehme Heiterkeit ins Buch, die ich in einem Regionalkrimi erwarte. Die sehr gut hin und wieder eingebauten portugiesischen Ausdrücke runden diesen Madeirakrimi ab. Und nebenbei erfährt man auch noch mehr über Gifte und Shakespear.


Fazit
Wer gerne Krimis liest, die nicht zu blutig sind und bei denen man die Ermittlerarbeit nachvollziehen und gleichzeitig miträtseln kann, ist mit Joyce Summers Madeirakrimis absolut an die richtigen Bücher geraten! Sie sind nicht überfrachtet und insgesamt jeweils abgeschlossen. Aber auch hier empfehle ich bei Teil 1 zu beginnen, um die Entwicklung des persönlich-privaten Handlungsstrangs um Avila und die anderen verfolgen zu können.

Madeirasturm - Joyce Summer
Madeirasturm
von Joyce Summer
(2)
eBook
4,99

Anders als erwartet!

monerl aus Langen , am 13.05.2019

Meine Meinung
Dieses Buch habe ich im ersten Moment ganz falsch eingeschätzt. Irgendwann lag es im Briefkasten und nach dem Öffnen der Post mochte ich zwar das Cover, das so unkompliziert, fröhlich und frühlingshaft wirkte doch der Klappentext konnte mich erst nicht so ganz fesseln. Das Buch lag nun schon eine Weile hier und wollte schlussendlich doch gelesen werden. Ich machte mich auf leichte und oberflächliche Lektüre gefasst. Doch weit gefehlt.

Die Autorin schenkte den Leser*innen eine schöne, spannende und unvorhersehbare Geschichte, die sich intensiv mit Problemen einer Beziehung auseinandersetzt und nicht nur auf der Oberfläche bleibt.

Anni und Thies lieben sich, haben eine schöne und stabile Beziehung und doch bringt der Wunsch nach Heirat alles durcheinander, denn Anni will gar nicht heiraten und zweifelt plötzlich an ihren Gefühlen und der Beziehung.

Meike Werkmeister hat mit ihren Protagonisten ein realistisches Paar erschaffen. Ich verstand Annis Zweifel wie auch Thies Verletzheit gegenüber Annis Verhalten und die Sorge, ob so eine Auszeit ein Neubeginn mit gefestigter Beziehung oder eine endgültige Trennung sein wird.

Der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar und so folgte ich Anni gerne nach Norderney. Die landschaftlichen Beschreibungen und der dargestellte Charakter der Insel hatte auch meine Reiselust geweckt.

Sehr schön konnte man die Entwicklung beider Protagonisten verfolgen und nachvollziehen. Die Autorin hat einige Wendungen und Überraschungsmomente eingebaut, sodass auch der Schluss nicht vorhersehbar und absolut als gelungen bezeichnet werden kann.

Meike Werkmeister schafft es mit ihrer angenehmen Geschichte nicht ins Kitschige abzudriften. Dies ist kein Chic-Lit-Roman. Dies ist ein Selbstfindungsroman aber auch eine authentisch dargestellte Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen, in die ich gerne eingetaucht bin.


Fazit
Wer man wieder Lust auf einen Roman aus dem Genre Liebe hat, der nicht nach Schema F geschrieben wurde, ist bei diesem Buch vollkommen richtig. Keine überzogenen Geschichte, klischeehaftes Verhalten oder oberflächliche Liebschaften. Meike Werkmeister ist ein toller Roman gelungen, der einen zusätzlich mit wunderbaren und lustigen Sprüche aufheitert oder auch zum Nachdenken bringt.

Mein Favorit-Spruch von Anni:
“Wenn das Leben dir Sturm schickt, mach wenigstens die Haare auf.”

Sterne sieht man nur im Dunkeln - Meike Werkmeister
Sterne sieht man nur im Dunkeln
von Meike Werkmeister
(104)
Buch (Klappenbroschur)
10,30

Tolle Idee mäßig umgesetzt

monerl aus Langen , am 08.05.2019

(3,5 von 5 Sternen)

Meine Meinung
Die Leseprobe hatte mich sofort überzeugt! Schon auf den wenigen Seiten zeigt sich der tolle Schreibstil der Autorin und der sprachliche Biss, der der Geschichte das gewisse Etwas verleiht.

Und auch die Charaktere machen die Geschichte zu etwas Besonderem. Allen voran Großmutter Margo. Sie ist eine richtig fürchterliche Person; dominant, herrschsüchtig, nach Komplimenten haschend, vorlaut, rassistisch unvm! Sie organisiert die Flucht aus Russland nach Deutschland unter Angabe von falschen Voraussetzungen. Und als sie es geschafft hat, als falsche Jüdin in einem Wohnheim für geflüchtete Juden unterzukommen, lässt sie kaum ein gutes Wort an Juden, Deutschen, Arabern… Ihre große Unzufriedenheit war für mich nicht so richtig greifbar. Sie ist eine verletzte und trauernde Mutter (obwohl das nicht richtig rüberkommt), die ihre Tochter verloren hatte und sich nun (ihrer Meinung nach) aufopferungsvoll um den (ihrer Meinung nach) kranken, dummen und bald verkrüppelnden Enkel Max kümmert. Dabei muss sie auch noch ihren (ihrer Meinung nach) faulen, zu nichts zu gebrauchenden, sturen und wortkargen Ehemann Tschingis aushalten, unterstützen und unterhalten, wo es doch eigentlich andersherum sein sollte.

Dies erfahren wir taktischerweise aus der Sicht des kleinen Max, der von seiner Großmutter in jedweder Hinsicht unterdrückt wird. Seine Offenheit und Naivität und auch Leichtigkeit, die er trotz dieser schrecklichen Großmutter an den Tag legt, ist herrlich erfrischend und gibt der Geschichte eine positive Note.

Gespannt verfolgte ich die Idee, dass sich der wenig beachtete Großvater in eine um einiges jüngere jüdische Mitbewohnerin verliebt. Was wird alles passieren? Wie wird die tyrannische Großmutter das Ganze aufnehmen?

Und Alina Bronskys Antwort überraschte mich sehr! Damit hatte ich nicht gerechnet. Und wenn ich ehrlich bin, konnte ich das Handeln von Margo nicht so ganz nachvollziehen. Ihre Großzügigkeit war nicht leicht sondern natürlich in erster Linie egoistisch. Sie nahm sich, was sie wollte und brauchte und nahm dabei wenig Rücksicht auf andere. Ebenso konnte ich die Reaktion des Großvaters Tschingis und der Geliebten Nina nicht nachvollziehen, da Alina Bronsky nicht genug darstellt, wieso ihre Figuren so handeln wie im Buch beschrieben.

Das ist in meinen Augen die größte Schwäche des Buches. Es gibt nicht genug Erklärungen und Anhaltspunkte, um die skurrilen Charaktere zu verstehen. Vielleicht liegen sie zwischen den Zeilen verborgen. Doch leider war ich nicht in der Lage sie zu filtern.

Das Ende kam ein wenig überhastet. Und wieder hadere ich damit, es nicht zu verstehen. Ja, Großmutter Margo will Großes erreichen, unmögliches vollbringen, sich großzügig zeigen… aber so? Warum dieses Ende mit dem titelgebenden Zopf? Schade, dass Alina Bronskys Gedanken nicht bis zu mir durchdringen konnten.


Fazit
Die Idee dieses Buches ist fantastisch und die Autorin kann mit Sprache und ihrem eigenen Stil grandios jonglieren. Doch leider gefiel mir die Umsetzung weniger. Einige Seiten mehr hätten dem Buch sehr gut getan, um die Lücken und die immer schneller voranschreitende Handlung der Geschichte zu füllen und nachvollziehbar zu machen. So bleibt das Buch, trotz seiner eigenen Genialität, eine etwas unausgegorene Geschichte.

Der Zopf meiner Großmutter - Alina Bronsky
Der Zopf meiner Großmutter
von Alina Bronsky
(70)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,60

 
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