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Igela

Gesamte Bewertungen 145 (ansehen)


Meine Bewertungen

WoW!

Igela , am 03.05.2018

Smita lebt in Indien und arbeitet als Kloputzerin um ihre Familie zu ernähren. Ihr Traum und ihre lebensbestimmende Hoffnung ist, dass Töchterchen Lalita die Schule besuchen und lesen und schreiben lernt. Sie soll es besser haben als Smita.
Giulia ist die Tochter eines Perückenmachers in Palermo, Sizilien. Als ihr Vater verunfallt, ist sie für die Firma verantwortlich. Als Giulia beim Aufräumen verhängnisvolle Akten entdeckt, wirbelt das ihr bisheriges Leben völlig durcheinander.
Sarah ist geschieden, Mutter dreier Kinder, und lebt in Montreal, Kanada. Sarah arbeitet als Anwältin in einer Führungsposition und gilt als Powerfrau….bis eine Situation eintritt, die ihr ganzes, gut organisiertes, Leben durcheinander bringt.

In drei Erzählsträngen erzählt die Autorin über drei Frauen, die in verschiedenen Ländern leben und deren Lebensumstände unterschiedlicher nicht sein könnten. Lange Zeit wartete ich gespannt auf die Verbindung der Stränge, denn ich konnte mir kaum vorstellen, wie das schlüssig möglich sein könnte ? Plötzlich, mitten im Buch, habe ich realisiert, dass der Reiz dieser Geschichte nicht die mögliche Verbindung, sondern die getrennt erzählten und sehr unterschiedlichen Geschichten sind. Zu lesen, wie eine jede der Frauen um Anerkennung, Gesundheit, das Lebenswerk, bestmögliche Ausbildung für das Kind und /oder gleiche Rechte für Frau und Mann, arm und reich, kämpft ist grandios. Und das immer in Bezug zu den Lebensumständen des jeweiligen Landes. Oft waren die Wechsel der Stränge, wie zum Beispiel zwischen der armen Smita und der reichen Karrierefrau Sarah wie ein kleiner Kulturschock.
Mich hat nicht jede Geschichte gleich berührt. Von Beginn weg, hat mich zum Beispiel die Story um Smita in Indien fasziniert. Smita ist ein starke Frau, die kämpft, dass ihre Tochter Lalita die Schule besuchen kann. Die Kraft , aber auch den Mut, etwas gegen die starren Fesseln der indischen, reichen Übermacht zu tun, empfand ich als berührend.
Bei Sarah und ihrer Geschichte brauchte ich eine Anlaufzeit. Was erst sehr oberflächlich daher kommt, mausert sich zu einem echten Kampf, der doch so typisch für die heutige Welt ist. Eine Frau muss ihren Mann stehen im Job. Krankheit, Kinder und Abwesenheiten wird als Schwäche ausgelegt und entsprechend vergolten.
Länger brauchte ich, um mit Giulia warm zu werden. In dem Strang hatte ich lange Zeit das Gefühl, die Handlung plätschert…bis fast ganz am Schluss etwas geschieht, dass mich staunend und überrascht hat durch die Geschichte fliegen lassen.
Der Schreibstil ist sehr minimalistisch. Fast ohne direkte Rede könnte man meinen, dass der Inhalt dadurch oberflächlich und mit grosser Distanz zu lesen ist. Ich weiss nicht, wie die Autorin es geschafft hat, in all der Sachlichkeit den Figuren Gefühl und Leben einzuhauchen. Es ist jedoch gelungen!
Der Titel und das Coverbild spiegelt wunderbar die drei Geschichten, die zu drei einzelnen Strängen gefasst und doch miteinander verbunden sind. Wunderbar die Symbolik darin und äusserst passend zum Inhalt des Buches. Die Verflechtung der einzelnen Stränge ( ja, es gibt eine Verbindung), ist genau dieser Moment, in Büchern, den ich so liebe! Fassungslos wie einfach die Verbindung sein kann, frage ich mich, warum ich nicht eher an diese nahe liegende Möglichkeit gedacht habe? Ich mag, dass mich die Autorin überraschen konnte. Ich liebe, die Symbolik hinter den Gemeinsamkeiten der drei Frauen.
Für mich ist dieses Buch, eines der besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Der Zopf - Laetitia Colombani
Der Zopf
von Laetitia Colombani
(217)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,60

Nora Sands zweiter Fall

Igela , am 02.05.2018

Nora Sand arbeitet als Auslandskorrespondentin in London für das dänische Wochenblatt „Globalt“.
Mitten im kuscheligen Wochenendaufenthalt mit Freund Andreas, ruft ihr Chef an, und zitiert sie sofort zurück in den Job. Der bekannte iranische Dichter Manash Ishmail, einer der prominentesten Systemkritiker und Nobelpreisträger, wurde auf der Flucht aus dem Iran von seiner Frau Amina getrennt. Nun ist er in einem dänischen Auffanglager und will mit niemandem sprechen ausser mit Nora Sand. Ihr Chef wittert sofort die Chance, eine lukrative Story an Land zu ziehen. Nora trifft sich mit Manash, der ihr ein Interview verspricht, wenn sie Amina findet.
Ich habe von Lone Theils schon „Die Mädchen von der Englandfähre“ gelesen und so war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Wieder habe ich den unvergleichlichen Schreibstil gefunden, der mich auch schon im ersten Buch begeistert hat. Sehr schnell entwickelt die Geschichte einen unheimlichen Sog, der zu grossen Teilen dem Schreibstil und dem durchdachten Plot geschuldet ist. Es geschieht immer irgendetwas, die Handlung ist unheimlich komplex. Sehr rasant und mit vielen, sehr gut ausgearbeiteten Figuren, hat mich dieses Buch sehr gut unterhalten. Sehr gefallen und berührt haben mich die Einblicke in die Welt der Asylsuchenden, die sehr authentisch beschriebenen und brutalen Ausschaffungen und die Situation von Menschen auf der Flucht. Nachdem ein grosser Teil des Buches sich in diesen Themen bewegt hat, bog die Handlung plötzlich sehr schlüssig und mit cleverem Übergang in die Welt der Medizin ab. Auch hier empfand ich das Ganze als realistisch dargestellt.
Da Nora Sand als Journalistin tätig ist, fehlen natürlich auch Szenen, die zum Beispiel eine Redaktionssitzung oder journalistische Recherchen wiedergeben, nicht. Durch diese vielfältigen Themen wird die Story sehr abwechslungsreich und interessant.
Interessanter als Noras Kühlschrankinhalt!
Denn, ganze fünf mal schaut Nora in ihren Kühlschrank und betrachtet die fast leeren Fächer. Was wohl ein Running Gag sein sollte, hat mir nur leicht genervt den Gedanken „ dann geh doch endlich einkaufen“ durch den Kopf gehen lassen.
Der Punkt, der mit gut gefallen hat, ist, dass Nora Sand als Journalistin versucht Amina zu finden. Sie hat ganz andere Möglichkeiten und Vorgehensweisen als ein klassischer Ermittler. Und genau das ist es, was es für uns Leser anders und spritziger macht als ein Krimi mit klassischen Ermittlern.
Nora hat einen Freund, Andreas, und ihr Privatleben kann für Leser, die das erste Buch nicht kennen, etwas kompliziert sein. Ich kenne die Vorgeschichte, und ehrlich gesagt, empfand ich das hin und her als etwas ermüdend. Was im ersten Teil meiner Meinung nach eine pubertäre Beziehung war, wird hier eine langwierige und holpernde. Ich verstehe nicht, warum Nora Andreas nicht schon lange vor die Türe gesetzt hat.
Allerdings ist das auch die einzige schwache Seite, die Nora hat. Ansonsten empfand ich sie als äusserst clevere und starke Persönlichkeit. Die Figur ist sehr realitätsnah charakterisiert. In vielen Situationen habe ich gedacht, dass ich auch genau so wie Nora reagieren würde.
Meine Lieblingsfigur in diesem und im ersten Buch ist und war allerdings Noras Bruder David. Der, wie ich vermute, das Asperger Syndrom hat. Ich finde ihn sehr gelungen gezeichnet und er hat mir manches mal ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert.
Als kleine Anmerkung noch am Rande: ich weiss nicht, wer sich den Titel ausgedacht hat….denn mit dem Inhalt des Buches hat der rein gar nix zu tun. Dieser sollte wohl das Leben auf der Flucht repräsentieren? Da man jedoch vom Iran nach Dänemark zu weiten Teilen auf dem Land flüchten würde, ist dieser Titel doch sehr weit hergeholt. Der Originaltitel, der übersetzt "des blauen Dichter Frau" lautet, hätte um Längen besser gepasst!

Das Meer löscht alle Spuren - Lone Theils
Das Meer löscht alle Spuren
von Lone Theils
(60)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Gut, jedoch nicht überragend

Igela , am 28.04.2018


Der Polizeiseelsorger Martin Bauer ist bei seinem neusten Fall persönlich involviert. Sein Kollege und Freund, Monsignore Rüdiger Vaals erleidet einen schweren Herzinfarkt. Vaals wurde zu einem Bergwerkstollen gerufen, in dem eine Leiche aufgefunden wurde. Als Vaals die Leiche sieht, erleidet er den Infarkt. Der Verdacht liegt nahe, dass er und das Opfer sich kannten. Noch bevor Vaals befragt werden kann, wird er aus dem Krankenhaus entführt.

Dies ist der zweite Fall rund um den unkonventionellen Ermittler Bauer. Ich denke, man braucht nicht unbedingt Vorwissen um hier in die Geschichte hinein zu finden.
Der Ermittler ist unkonventionell, weil für einmal kein "normaler" Polizeibeamter im Mittelpunkt steht, sondern ein Seelsorger. Bauer versteht sein Metier und überzeugt vor allem in Verhören oder bei der Befragung von Zeugen. Dass, die Religion eine Rolle spielt, kann man sich ja denken. Ich möchte hier jedoch anfügen, dass dies sehr dezent und nicht aufdringlich der Fall ist.
Der Prolog startet bedrohlich, auch wenn ich mich etwas ins kalte Wasser geworfen fühlte. Denn ich konnte die Handlung weder nachvollziehen, noch blickte ich durch, wie dieser mit der Geschichte, die danach kam zusammenhängt.
Etwas holpernd empfand ich ab und zu den Schreibstil. Immer wieder verliert sich das Autorenduo in langen Fakten, die das Ganze emotionslos wirken lässt. Es ist zwar interessant über Bergwerke zu lesen, doch hätte dies für meinen Geschmack etwas weniger trocken und ausschweifend sein können.
Bauer hat ein kompliziertes Familienleben, getrennt von seiner Frau, die schwanger ist und der 16 jährigen Tochter. Neben Bauer arbeitet Kommissarin Verena Dohr an dem Fall. Auch sie hat ein brisantes Privatleben, denn ihr Freund ist drogensüchtig, momentan auf Entzug und Dohr hat grosse Angst, dass dies an der Arbeitsstelle publik wird. All dieses Private ist stimmig in die Handlung eingebunden und nimmt auch nicht zu viel Raum ein.
Anders die Quereleien im Team. Da hatte ich den Eindruck, dass Motto heisst : Jeder gegen jeden und es wird intrigiert, hinter dem Rücken geredet und auch mal offen gedroht. Hauptsache den eigenen Vorteil herausschinden. Dass, die Figuren da nicht unbedingt sympathisch wirken, ist eine Tatsache. Einzig Bauer mit seiner ruhigen Art sticht heraus. Die ganzen Sticheleien haben mich zeitweise etwas ermüdet.
Ein Thema, das leider hochaktuell ist, ist in diesem Buch das Verschleiern von Straftaten der Kirche. Mich hat gerade dieser Punkt emotional mitgenommen, wie es er auch im realen Leben tut.
Irgendwann habe ich geahnt, wer denn hinter der Entführung und dem Mord stecken könnte. Zu 50 % hat sich meine Vermutung bestätigt....dies weil, Gallert und Reiter doch noch einige Ueberraschungen eingebaut haben.

Tiefer denn die Hölle - Peter Gallert, Jörg Reiter
Tiefer denn die Hölle
von Peter Gallert
(85)
eBook
8,99

Eigentlich kein Liebesroman!

Igela , am 24.04.2018

Ein umgebautes Haus in der Bretagne ist Max ganzer Stolz. Sein 40. Geburtstag endlich Anlass seine Freunde aus Studienzeiten dorthin einzuladen. Und sie kommen alle… Rosie und ihr notorisch schlecht gelaunter Mann Hugo, Nina und Lars mit der fünfzehnjährigen Sophie, Eddie mit seiner neuen Freundin Beth …und Helen, Max Jugendliebe.
Bekocht werden die Freunde von Juliette, die als Haushälterin nach dem Tod der Eltern, bei Max angestellt ist. Juliette war Patronne eines Restaurants in Paris und kochen ist ihre Leidenschaft. So tischt sie auch allerhand Köstlichkeiten auf. Was leider nicht immer die Stimmung rettet.


Auf den ersten Blick, und nach dem Lesen des Titels und Klappentextes, habe ich beim Betrachten des Covers gedacht, dass dies eine leichte und leichtverdauliche Geschichte sein wird.
Diese Überlegung war absolut falsch. Ich empfand die Story als alles andere als eine leichte Sommerlektüre. Im Gegenteil! Unter dem Deckmantel "Gute Freunde" brodelt es ganz schön.
Das Stetting, ein altes Bauernhaus, idyllisch gelegen, ist zwar sehr romantisch und absolut bildlich beschrieben. Doch was in diesen idyllischen Mauern an dem Geburtstagswochenende abgeht, hat wenig mit Romantik zu tun ….hat jedoch sehr viel Tiefgang. Die Beziehungen untereinander, Sympathien und Antipathien spielen wie im realen Leben eine tragende Rolle. Da ist zum Beispiel Max, der nicht nur seit Jahren unsterblich in Helen verliebt ist, sondern aus seiner Kindheit auch etliche Altlasten mit sich herumschleppt. Max ist der Gitarrist der bekannten Rockgruppe "The Jacks". Hat Geld wie Heu und ist trotzdem auf dem Boden geblieben. Gerade seine Liebe zu Helen empfand ich als sehr facettenreich und auch spannend. Irgendwann habe ich es aus lauter Spannung fast nicht mehr ausgehalten. Ich wollte einfach wissen, ob die beiden zusammenkommen oder nicht. Das Ende war sehr überraschend!
Dann Hugo, notorisch schlecht gelaunt und in der Gruppe der Freunde das fünfte Rad am Wagen. Hier konnte ich mich beim Lesen so richtig ärgern. Man versteht vollkommen, warum er so unbeliebt ist. Auch eine interessante Persönlichkeit, und damit eine ebenfalls hervorragend charakterisierte Figur, ist die fünfzehnjährige Sophie. Mit einer Mutter geschlagen, die ihr nicht wirklich nahe steht und als Teenager unter all den Freunden völlig fehl am Platz.
Die Hauptfigur zu Beginn des Buches, Juliette, wird gegen Mitte immer mehr zur Nebenfigur. Ich mochte es sehr, wie die Autorin abwechselnd mit dem Fokus auf die Figuren spielt, denn so wurde die Geschichte sehr abwechslungsreich.
Wie schon erwähnt, handelt die Geschichte hauptsächlich in der Bretagne. Was man sehr gut spürt. Denn immer wieder wird Authentizität erzeugt durch die französischen Ausdrücke, Gerichte und Gepflogenheiten wie den morgendlichen Marktbesuch. Juliette ist Köchin und es werden allerhand bretonische Spezialitäten wie "Galettes", "Lauchtarte" oder " Gâteaux breton" gekocht und aufgetischt.
Zum Schreibstil und dem Aufbau der Geschichte: Zu Beginn war ich etwas verwirrt, denn der Verlauf ist nicht chronologisch geordnet. Die Rückblenden in die Vergangenheit und kursiv geschrieben, waren mir zu langatmig und nichtssagend. Der Prolog auch noch nach Beendigung des Buches ein Rätsel.
Abgesehen davon haben mir die wechselnden Kapitel, die immer wieder Max und Juliette ins Zentrum rücken, gut gefallen. Man baut regelrecht eine Beziehung zu den Figuren auf und ich habe mit ihnen gefühlt und auch gelitten.
Der Schreibstil liest sich abgesehen von zu vielen Wörtern mit dem Buchstaben V, gut. Man hätte ja für diese Wörter auch den Ausdruck Liebe machen …oder zusammen schlafen… benutzen können. Was mich gestört hat, war nicht dieses kleine V- Wort. Sondern, dass die Figuren…ja, es waren mehrere, die immer wieder dieses Wort in den Mund nahmen… sich ansonsten sehr gewählt ausgedrückt haben. So wirkte das dann doch etwas gesucht verrucht und nicht unbedingt authentisch.
Mich hat dieser Roman überrascht, ist er doch nicht wie gedacht eine klassische Sommerlektüre mit Liebesgeschichte.

Das Gefühl von Sommerblau - Hannah Tunnicliffe
Das Gefühl von Sommerblau
von Hannah Tunnicliffe
(5)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Ein Buch über Freundschaft, die tragisch endet!

Igela , am 23.04.2018

Als Ravine Roy 18 Jahre alt wird, bekommt sie von ihrer Mutter ein Tagebuch geschenkt. Die Idee ist, dass Ravine darin ihre Gedanken, Wünsche und Träume festhält. Denn Ravine leidet unter dem chronischen Schmerzsyndrom. Eine Krankheit, die sie seit zehn Jahren ans Bett fesselt. Durch die Tagebucheinträge erinnert sie sich an die Vergangenheit, als sie noch ein ganz normales und gesundes Mädchen war. Zusammen mit ihrer Freundin Marianne und deren Bruder Jonathan hat Ravine allerhand erlebt. Bis das Schicksal zuschlug und Marianne aus Ravines Leben riss. Seither ist nichts mehr wie es war…

Anhand des Klappentextes habe ich erwartet, dass der Fokus in diesem Buch auf Ravines Krankheit liegt. Und tatsächlich beschreibt Ravine in Ich Form sehr eindrücklich ihre Krankheit, ihre Schmerzen und das Dahinvegetieren auf ihrem "Lebebett", eine Anlehnung an das Wort Sterbebett. Sehr berührend, als man als Leser begreift, dass es keine Aussicht auf Besserung geben wird und Ravine wohl für immer mit diesen Schmerzen leben muss. Sehr traurig empfand ich, dass ihre Mutter, Rheka, die Hoffnung nie aufgegeben hat, dass ihre Tochter ein normales Leben führen wird und eines Tages die Wohnung verlassen kann. Doch dann findet Ravine, dass nun genug über ihre Krankheit gesprochen, gelesen und geschrieben wurde und wendet sich ihrer Vergangenheit zu. Ein Wechsel, der mich erst enttäuscht hat, hatte ich doch so ganz andere Erwartungen an diese Geschichte.
Mehr und mehr taucht man als Leser jedoch dann in die Vergangenheit ab. Als etwas chaotisch empfand ich hier die Handlung, die aus verschiedenen Szenen zusammen gesetzt wurde. Einige Andeutungen, was mit Marianne wohl geschehen ist, haben mich stutzen lassen und neugierig habe ich weiter gelesen. Ein, zwei Andeutungen...die in mir einen Verdacht geschürt haben und ich wollte einfach wissen, ob ich recht habe. Dieser Teil war dann auch dadurch sehr spannend.
Den Schreibstil empfand ich als klar und einfach. Da Ravine und ihre Mutter als Inder in Leicester leben und ihre Kultur immer wieder zelebrieren, bekommt man als Leser einiges mit über die indische Kultur, das Essen oder die Kleidung. Ich frage mich, ob die Autorin auch Inderin ist? Das würde erklären, weshalb die indische Kultur so authentisch beschrieben ist.
Die Wechsel vom Jetzt in die Vergangenheit geschehen fliessend. Etwas, an das ich mich gewöhnen musste. Da man jedoch sofort bemerkt, wenn Ravine in die Erinnerungen entgleitet, waren diese willkürlichen Wechsel problemlos einzuordnen.

Der Verlauf der Krankheit, den ich hier aus Rücksicht für zukünftige Leser spoilern möchte, empfand ich als nachvollziehbar, jedoch weniger realistisch. Am ehesten reihe ich die Krankheit unter psychosomatische Krankheit ein. Mich hat ein paar mal die Figur Ravine, die vor allem ihrer Mutter gegenüber einige Attitüden von einer Prinzessin auf der Erbse hatte, genervt. Ich empfand sie nicht immer als fair. Gerade der Schluss des Buches lässt jedoch tief in Ravines Gedankenwelt und Psyche blicken und mir ist nicht nur ein Licht, sondern ein ganzer Kronleuchter aufgegangen. Endlich konnte ich verstehen, warum Ravine krank wurde und teilweise sehr gehässige Reaktionen gezeigt hat.
"Die Sterne an unserem Himmel" ist das Debüt der Autorin Mahsuda Snaith und hat mir gut gefallen. Vor allem die letzten Kapitel, in der die Botschaft, dass Freundschaft auch über den Tod hinaus bestehen bleiben kann, haben mich sehr berührt. Wie auch die tragische Entwicklung, die die Story nimmt !

Die Sterne an unserem Himmel - Mahsuda Snaith
Die Sterne an unserem Himmel
von Mahsuda Snaith
(1)
Buch (Paperback)
16,50

Romantische Geschichte

Igela , am 21.04.2018

Lotte Seliger steht kurz vor der Hochzeit, als ihre Grosstante Charlie stirbt. Mit ihr hatte Lotte ein ganz besonderes Verhältnis und so willigt sie auch ein, eine Reise nach New York zu unternehmen, die Charlie als letztes Geschenk für Lotte organisiert hat. Auch wenn diese Reise zusammen mit Lottes Mutter und ihren Schwestern angetreten werden muss. Auf dem Rückflug muss das Flugzeug notlanden und die vier Frauen sitzen in Chester, in Kanada fest. Durch eine Begegnung mit dem schroffen Connor überdenkt Lotte ihre Zukunft und ihr Leben. Will sie wirklich zurück in Vaters Firma in Düsseldorf oder doch lieber ihr Hobby, die Schriftstellerei, zum Beruf machen?

Diese Geschichte lebt mit der Charakterisierung der Figuren. So begreift man sehr schnell, die Beziehung der Schwestern untereinander und zu ihrer Mutter. Der Grund ist, die deutliche Vergabe der Charaktermerkmale, die auch ein paar Klischees bedienen. Da ist zuerst einmal Lottes ältere Schwester Luise, eine Karrierefrau bis zum letzten wohlfrisierten Härchen auf dem Kopf. Mit der Zeit hat mich diese Figur sogar etwas gelangweilt, so vorhersehbar waren ihre Reaktionen und ihr Handeln. Durch eine private Entwicklung konnte mich die Autorin dann im zweiten Drittel überraschen … gut gelungen! Ebenfalls etwas klischeehaft, doch weniger ausgeprägt als Luise, ist die andere Schwester : Sophie, die schwanger ist und meistens heult oder schläft. Dann haben wir da noch Connor, der schöne Kanadier, und Lotte. Diese Figuren waren doch sehr schwarz / weiss gezeichnet und berechenbar. Hier in diesem Buch ergreift der Mann die initiative, und die Frau wartet und geduldet sich.
Wen diese Punkte nicht stören, der kommt in den Genuss einer romantischen Geschichte, die auch ein paar Landschaftsaufnahmen von Kanada im Kopf entstehen lässt. Die Stimmung in dem kleinen Ort Chester, die Atmosphäre in dem B & B, in dem die Frauen absteigen, kommt gut rüber und macht das Lesen zu einem Genuss.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen und ich habe mich sehr schnell wohl gefühlt. Genau in den Momenten, in denen ich das Gefühl hatte, die Handlung plätschert, hat Miriam Covi ein paar überraschende Wendungen eingebaut. Punkto Liebe und Beziehungen war das Ganze etwas vorhersehbar, hat mich dennoch gut unterhalten.
Normalerweise erwähne ich das Cover in einer Rezension nicht. Hier muss ich jedoch mit dieser Regel brechen. Es ist nicht nur wunderschön gestaltet und macht Sommerlaune. Es besticht auch mit einer besonderen Haptik, die den Eindruck entstehen lässt, dass man das Holz, das man sieht, auch spürt. "Sommer in Atlantikbau" ist eines dieser Bücher, in dem der Verlag Cover und Geschichte zu 100 % in Einklang bringen konnte.

Sommer in Atlantikblau - Miriam Covi
Sommer in Atlantikblau
von Miriam Covi
(39)
Buch (Paperback)
13,40

Absolute Leseempfehlung!

Igela , am 17.04.2018

Als Kerstin, die Freundin von Katharina, für 3 Jahre nach Barcelona geht, bittet sie Katharina in der Zeit in ihrem Haus zu wohnen. Das entpuppt sich als Glücksfall für Katharina, denn ein Häuschen im Grünen hat sie sich für sich und ihre Kinder, den neunjährigen Lukas und die vierjährige Hanna, schon lange gewünscht.
Das neue Leben schient perfekt, als sie auch noch den attraktiven Nachbarn, David kennen lernt. Er beeindruckt sie, mit seiner witzigen und unkomplizierten Art. David sitzt im Rollstuhl und geht sehr offen damit um. Nur wie es dazu kam, dass er im Rollstuhl sitzt, darüber schweigt er sich aus.

Da ich mit Menschen mit einer Beeinträchtigung arbeite, bin ich bei Geschichten, in der diese Beeinträchtigungen thematisiert werden, stets besonders skeptisch. Oft wird entweder die Behinderung verklärt oder aber mit Jöh Effekt dargestellt.
"Ein Sommer und ein ganzes Leben" hat meiner Meinung nach mit Bravour diese Klippe gemeistert.
Kristina Valentin hat genau das richtige Mass gefunden, damit man als Aussenstehender die Probleme der Rollstuhlfahrer versteht und nachvollziehen kann.
Bauliche Grenzen im öffentlichen Raum, das Starren der Leute, der öffentliche Nahverkehr für Menschen mit Behinderung werden thematisiert. Aber auch Situationen, in der Ängste, Wünsche, Träume aber auch Grenzen von Menschen im Rollstuhl aufgezeigt werden. Dies alles ist in eine wunderbare Geschichte verwoben.
Katharina hat die Rolle der offenen Nachbarin, die den Menschen David und nicht den Rollstuhlfahrer sieht, inne. Lukas und Hanna, die der unverkrampften Kinder, die ohne Scheu nachfragen. So wie es im realen Leben auch oft ist. Dann ist da noch die Schwiegermutter von Katharina, die auch schon mal lauter spricht, weil sie denkt, dass ein Mensch im Rollstuhl auch schwerhörig sein muss. Genau diese Charakterisierungen sind absolut authentisch und mit Szenen, die mitten aus dem Leben gegriffen sind. Meiner Meinung nach ist mit den Figuren der Autorin ein grosser Wurf gelungen.
Dieses Buch beinhaltet auch eine romantische, zu keiner Zeit kitschige Liebesgeschichte. Man sieht die Schmetterlinge regelrecht fliegen, ist sich jedoch bis zum Schluss nicht sicher, wie denn die Geschichte ausgeht. Immer wieder hat es die Autorin geschafft, dass ich schmunzeln musste. Doch ich habe auch mitgezittert, als David sich plötzlich zurückzieht und Katharina nicht weiss weshalb.
Dieses Buch hat mich bis ins Herz berührt und die Botschaft "Menschen sind nicht trotz Rollstuhl, sondern mit Rollstuhl glücklich, erfolgreich und erfüllt " finde ich wunderbar und hier gut umgesetzt.
Sehr eindrücklich auch die Sätze von David (Seite 159): Ich bin nämlich gar nicht behindert. Ich werde nur ständig behindert. Von Menschen, Treppen und Häusern."
Ich hoffe und denke, dass dieses Buch ein Denkanstoss sein kann, damit man sich als Leser in Menschen, die mit einer Beeinträchtigung leben, hineinversetzen kann.

Ein Sommer und ein ganzes Leben - Kristina Valentin
Ein Sommer und ein ganzes Leben
von Kristina Valentin
(17)
Buch (Klappenbroschur)
10,30

Temporeich..

Igela , am 16.04.2018

Der Pharmariese "Wenner" hat ein ernsthaftes Problem. Nach der Einnahme des Medikamentes Validolor, das vor allem Kindern verschrieben und verabreicht wird, verschlechtert sich der Zustand der kleinen Patienten rapide. Als die sechsjährige Sophie stirbt, muss Wenner dringend seinen Ruf retten, um die Katastrophe abzuwenden. Der Chef des Pharmaunternehmens engagiert Mats Holm und seine Partnerin Laura May. Die beiden haben eine eigene Firma, die Holm KPR, die Firmen bei PR- Krisen Hilfe anbietet.

Mich hat dieses Buch zu Beginn regelrecht geschüttelt. Ein erkranktes Kind, die Eltern bekommen vom Arzt ein Medikament verschrieben, die Situation kennt wohl jeder von uns. Als Mutter konnte ich mich sehr gut in die Lage der Eltern des kranken Kindes hineinversetzen. Notgedrungen wendet man am eigenen Kind ein Medikament an, verhofft sich Linderung und Besserung und das Gegenteil trifft ein. Die Situation, die beängstigend beschrieben ist, ging mir unheimlich nahe und hat mich emotional mitgenommen.
Dann der Wechsel, der mich ebenfalls kalt erwischt hat. Der Wechsel von den Ängsten der Eltern, in die berechnende Welt der Pharmaindustrie , ist krass. Dazu Holm, der mir zwar sehr sympathisch war, und seine Fähigkeiten als "Master of Desaster" einsetzt, um eine Tragödie an und für sich nur schön zu reden. Diese Diskrepanz hat mich sehr beschäftigt. Obwohl….seine Arbeit, die Ansätze um zu retten was noch zu retten ist, sind äusserst interessant und geschickt in die Story eingewoben.
Das ganze Buch läuft über drei Tage, die Uhrzeit markiert jeweils ein neues Kapitel. So ist die Handlung unheimlich rasant und abwechslungsreich.
Ein grosses Plus ist wohl die ausgezeichnete Charakterisierung der Figuren, die mich alle restlos überzeugt haben. Ob es nun die verzweifelten Eltern sind, Holm mit seiner cleveren, charismatischen Art, oder aber Laura May, der es in einer Männerdomäne gelingt, ihren Mann zu stehen.
Wie gesagt ist der Schreibstil temporeich und auch sehr prägnant. Etwas gestört haben mich gerade zu Beginn einzelne Sätze, die Gedanken dar stellen….denn nicht immer wusste ich, wessen Gedanken das denn nun sind, da mehrere Personen anwesend waren und die Gedanken nicht zugeordnet werden konnten. Auch die immer wieder mal eingeworfenen englischen Ausdrücke waren nicht unbedingt meines, hatten sie doch einen leichten Nachklang der Aufgesetztheit.
Diese Geschichte zeigt eindrücklich, wie man als Laie und Patient der Pharmaindustrie ausliefert ist. Aber auch die Weise, wie sicher auch im realen Leben versucht wird, Geld zu scheffeln …um jeden Preis und auch über Leichen!

Riskante Manöver - Birand Bingül
Riskante Manöver
von Birand Bingül
(53)
Buch (Klappenbroschur)
10,30

Krimi aus un din Irland

Igela , am 12.04.2018

Emma Vaughan, Inspektor bei der irischen Polizei "Garda" hat es mit einem besonders schlimmen Fall zu tun. Im Krankenhaus von Sligo, sind in den letzten Wochen besonders viele Patienten gestorben. Patienten, die scheinbar aus dem Nichts einen Herzstillstand erleiden, obwohl sie gute Chancen auf Entlassung hatten. Treibt ein Todesengel sein Unwesen im Sligo General Hospital?


Dies war mein erstes Buch der Autorin und mich hat vor allem das Thema Irland, ein Land, das ich schon bereist habe, neugierig gemacht. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Gerade Themen, die Irland betreffen sind absolut authentisch beschrieben. Themen wie Wirtschaft, Religion, Sozialismus und Kapitalismus. Hier spürt man sehr gut, dass Barbara Bierach weiss, wovon sie schreibt, lebt sie doch seit Jahren in Irland.
Zum Krimi: Nach einer kleinen Anlaufzeit, in der die Figuren und ihre Lebensumstände eingeführt werden, ist man im mittleren Drittel gefangen in einem spannenden Krimi mit einem bedrückenden und nahe gehenden Grundthema.
Mir gut gefallen, dass die Figur Emma detailliert und ohne Längen eingeführt wird. Da dies der zweite Fall von Emma ist, und ich das erste Buch nicht gelesen habe, war ich sehr froh darum. Trotzdem denke ich, es ist von Vorteil, zuerst "Lügenmauer" zu lesen, damit man einige, fortlaufende Handlungsstränge besser erfassen kann. Thematisiert wird nämlich hier in "Schweigegelübde" auch eine Geschichte, die im ersten Buch seinen Anfang genommen hatte.
Der Hauptfall "Todesengel" ist dann auch 60 Seiten vor Schluss gelöst. Ich bin nicht ganz glücklich mit der schnellen und etwas zu leicht dargestellten Verhaftung des Täters. Dazu kommt, dass ich schon eine Weile einen konkreten Verdacht hatte, der sich dann auch bestätigt hat. Mir hat hier gefehlt, dass noch ein, zwei falsche und ernsthafte Spuren eingestreut wurden.
Mit einer kleinen Skepsis habe ich die 60 Seiten ab der Verhaftung bis zum Schluss in Angriff genommen. Habe mich gefragt, ob nun, da der Täter hinter Schloss und Riegel ist, nur noch plätschernde Handlung kommt?
Dem ist definitiv so. Es wird noch mal richtig spannend. Gegen Schluss wird der alte Fall, den ich leider mangels Vorwissen nicht richtig einordnen konnte, thematisiert.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Ich empfand die Mischung aus aktuellem Fall, älterem Fall und die persönlichen Probleme von Emma und ihrem Exmann als ausgewogen.
Als kleiner Kritikpunkt am Rande muss ich die Namensvergebung anführen. Wenn der Exmann und der Chef von Emma beide gleich heissen (Paul). Und der Arzt und Freund von Emma im Krankenhaus wie der Klinikchef ( Michael), stiftet das, zumindest bei mir, Verwirrung. Lange Zeit habe ich gedacht, dass der Chef der Ex von Emma ist. Es gibt so viele, schöne irische Namen. Warum müssen dann 2 mal 2 Figuren den selben Namen tragen?
Sehr gut spürt man die guten Recherchen zu den medizinischen Details des Krankenhauses und der Taten.
Ich empfand dieses Buch als spannend und sehr vielseitig und kann eine Leseempfehlung für Irland und Krimifans abgeben!

Schweigegelübde - Barbara Bierach
Schweigegelübde
von Barbara Bierach
(67)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Von allem zu viel!

Igela , am 06.04.2018

1919, New Orleans: Der Axeman geht um und tötet Menschen. Erst ein italienischstämmiges Ehepaar, das als Ladenbesitzer sein Einkommen hat. Kurz danach findet man einen Brief, in dem der Serientäter droht, in den Häusern zu töten, in denen Dienstags keine Jazzmusik gespielt wird. Doch der Axemann mordet weiter….


Welches Wort fällt mir ein, wenn ich "Höllenjazz" beschreiben soll?
Zuviel!
Hier in diesem Buch hat es von allem ein wenig zu viel. Zu viele Personen, zu viel Handlung, zu viele Perspektivwechsel, zu viele Erzählstränge und zu viele Themen.
Etwas skeptisch wurde ich ja schon, als ich das Personenregister gesehen habe. 110 Personen stehen da drauf, und es wurde sogar die allerwinzigste Nebenrolle aufgeführt.
Dann die Handlung: die läuft wie Kraut und Rüben durcheinander. Völlig unwichtige Details werden aufgebauscht, der Autor entfernt sich immer mehr von der Ursprungshandlung. So weit weg, dass ich mich irgendwann gefragt habe, wann denn nun wieder mal was über die Serienmorde erwähnt wird?
In drei verschiedenen Erzählsträngen leiten hauptsächlich 4 Personen durch diese Stränge. Da ist einerseits Ida, eine Sekretärin in einem Detektivbüro, die Ermittlerin spielt. Zusammen mit ihrem Freund Lewis Armstrong. Ganz richtig, der noch unbekannte Aemstrong bringt den Blues und Jazz in das Buch, und hat ansonsten nicht wirklich viel zu der Handlung beigetragen. Da die Story in New Orleans spielt, musste da ja Musik rein…und dies in Form vom jungen Armstrong. Diesen Strang um Ida hätte man meiner Meinung nach weg lassen können, denn er zieht die Handlung einfach nur in die Länge.
Dann haben wir Michael Talbot, der Ermittler bei der Polizei, der den Serientäter "den Axeman" zur Strecke bringen will. Talbot ist leider ziemlich blass geblieben, hier hätte er vielleicht mit etwas mehr Platz seinen Charakter besser entfalten können?
Der Dritte…oder Vierte... im Bunde ist der ehemalige Leiter der Kriminalpolizei, Luca D' Andrea, der wegen Korruption im Gefängnis sass und just entlassen wurde. Dessen Motivation, den Axeman zur Strecke zu bringen, habe ich nicht so ganz erfassen können. Reputation oder doch eher Rache, um es seiner ehemaligen Truppe so richtig zu zeigen?
In diesem Buch werden viele, sehr viele Themen behandelt, gestreift und / oder angesprochen.
Rassentrennung, Morde und Ermittlungen, Voodoo, Mafia, Blues und Jazz, Korruption, Vorurteile gegenüber Schwarzen, Italienern, Kreolen, aber auch das Leben und die Geschichte New Orleans.
Ich hatte das Gefühl, der Autor wollte so viel wie möglich in dieses Buch pressen und hatte den Eindruck, alles ist hoffnungslos überladen. So fiel es mir auch schwer bei der Stange zu bleiben, denn Mitte Buch macht sich eine Langatmigkeit breit. Die ganze Handlung plätschert vor sich hin, vom Axemann keine Spur!
Ich war froh um einige geschichtliche Details, die zum Beispiel in die Rede des Bürgermeisters hervorragend verpackt wurden. Auch die Atmosphäre in dieser musikbegeisterten Stadt wurde sehr gut rüber gebracht. Eine Szene, wie ein Trauermarsch durch die Stadt geht, ist so gut beschrieben, dass ich Kopfkino hatte.
Laut Eingangstext, beruht die Geschichte auf realen Ereignissen. Zwischen 1918 und 1919 tötete der Axeman von New Orleans sechs Menschen. Laut meinen Recherchen ist jedoch in " Höllenjazz" doch einiges Fiktion und so nie geschehen. Schade hat sich der Autor nicht auf diese Story konzentriert, denn das Potential für einen spannenden Krimi wäre vorhanden gewesen.
So bin ich doch enttäuscht über diesen überladenen Krimi, den der Verlag auf dem Cover als Roman vermarktet.

Höllenjazz in New Orleans - Ray Celestin
Höllenjazz in New Orleans
von Ray Celestin
(78)
Buch (Paperback)
16,50

 
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