Warenkorb
 

Bewerter

Meine Bewertungen

Max, Max, Max!

FrauSchafski , am 09.12.2018

Kaum ein Buch hat mich in diesem Jahr so begeistert wie dieses. Da ich Kunstwissenschaft studiert habe und Surrealismus eines meiner Abschlussprüfungsthemen war, fühlte sich der Roman ein bisschen an wie Nachhausekommen - als würde ich überall auf alte Bekannte stoßen.

Diesen Effekt hätte ich wohl nicht so deutlich verspürt, wenn Markus Orths seine Figuren nicht so unglaublich realistisch und absolut authentisch gestaltet hätte. Und so verfällt der Leser nach und nach Max Ernst. Er kann sich seinem Charme, seiner Anziehungskraft ebenso wenig entziehen wie die Frauen, die ihm im Laufe der Zeit begegnen. Dabei ist Max beileibe kein Heiliger, sondern exzentrisch, stur, trägt wahnhafte Züge, die aber für seine Kunst unabdingbar sind. Als Leser ist man live dabei, wie er zusammen mit anderen Künstlern den Surrealismus gebiert und zu einem der wichtigsten Künstler in diesem Genre wird. Das passiert vor der Hintergrund einer Zeitgeschichte, die nichts anderes als zerstörerisch ist. Die Mechanismen, die zur Machtübernahme der NSDAP führten, sowie die Gräuel des 2. Weltkrieges lassen den Leser einmal mehr fassungslos den Kopf schütteln. Und genau deswegen ist dieser Roman auch so aktuell wichtig, weil er, ohne mit dem erhobenen Finger zu drohen, aufzeigt, dass vor nicht einmal einem Jahrhundert nahezu ganz Europa auf der Flucht war.

Zuletzt hat mich die Sprache tief beeindruck. Über große Strecken ist der Roman gut lesbar und doch gibt es immer wieder Stellen, die den Lesefluss aufbrechen und innehalten lassen. Dann strömen ungefilterte, wirr aneinander gereihte Gedanken des Künstlers und Surrealisten Max auf den Leser ein, die nur schwer zu verstehen oder gar nachvollziehen sind, dafür aber ganz wunderbar den Geist des Surrealismus literarisch transportieren.

Fazit: Ein großer Roman über einen großen Künstler. Wahrscheinlich muss man eine gewisse Affinität zu Kunst - insbesondere der modernen - haben, um einen Zugang zu finden. Aber wem dies gelingt, wer offen und neugierig ist, den erwartet hier ein großartiges Leseerlebnis. Nicht weniger als 5 Sterne und ein Platz in meiner persönlicher Bücher-Bestenliste.

Max - Markus Orths
Max
von Markus Orths
(15)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,70

Kannst du dir selbst trauen?

FrauSchafski , am 02.12.2018

Nachdem in diesem Jahr alle Welt über „Der Schatten“ von Melanie Raabe spricht, dachte ich mir, ich nehme mir erst einmal ihr Debüt vor. Denn ich finde es immer ungemein spannend, die Entwicklung eines Schreiberlings von Buch zu Buch zu verfolgen. Und das, was die Autorin in ihrem Erstling präsentiert, ist schon ziemlich gut.

Bestsellerautorin Linda Conrads lebt allein und zurückgezogen in einem abgelegenen alten Herrenhaus. Seit dem Mord an ihrer Schwester ist sie schwer traumatisiert und hat das Haus nicht mehr verlassen. Sie hat sich arrangiert mit dieser Art zu leben, ihre Ausflüge unternimmt sie im Kopf - lesend. Doch eines Tages glaubt sie, den Mörder ihrer Schwester im Fernsehen zu entdecken. Davon ist sie so felsenfest überzeugt, dass sie beschließt, ihn in eine Falle zu locken, um ihn endlich hinter Gitter zu bringen.

So sehr Linda auch sich selbst versichert, dass der Mann aus dem Fernsehen der Mörder ihrer Schwester ist, umso mehr beginnt sie nach und nach an ihrem Verstand zu zweifeln. Es geschehen merkwürdige Dinge, sie hört Geräusche, sieht Dinge, die eigentlich nicht da sein dürften. Und so wird ihre eigene Glaubwürdigkeit nach und nach auch in den Köpfen der Leser infrage gestellt. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die dichte, unheilvolle Atmosphäre, die Melanie Raabe kreiert. Von diese Atmosphäre lebt das ganze Buch, sie kreiert Spannung und ein unbehagliches Gefühl. Das alles passiert völlig unterschwellig, ganz so wie es auch in den Kurzgeschichten und Romanen von Edgar Allan Poe oder Theodor Storm geschieht. Das mögen große Vergleiche sein, denen Melanie Raabe natürlich nicht gerecht wird, aber die Verwandtschaft ist deutlich spürbar.

Fazit: Endlich mal wieder ein Krimi, der ohne großes Tamtam und Blutvergießen auskommen, sondern allein aus der Stimmung heraus Spannung aufbaut. Die Protagonistin empfand ich stellenweise etwas blass und unglaubwürdig, aber darüber kann ich aufgrund des Gesamteindrucks hinwegsehen. Daher vergebe ich 3,5 Sterne, die ich auf 4 aufrunden möchte und freue mich auf die weiteren Romane von Melanie Raabe. Ich hatte übrigens das Glück, sie bei einer Lesung aus „Der Schatten“ live zu erleben und bin sehr begeistert von ihrer authentischen Art - eine super sympathische Frau.

Die Falle - Melanie Raabe
Die Falle
von Melanie Raabe
(130)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,60

Vergangenheit trifft Zukunft im New York der 90er-Jahre

FrauSchafski , am 14.10.2018

Eigentlich ist es Jonas’ Auftrag, in New York einen Sexfilm zu drehen. Klar, denn Sex sells. Und immerhin stammen die Produktionsgelder, mit denen er in den Big Apple geschickt wurde, von 3sat. Doch die Stadt scheint Jonas und sein Vorhaben erst einmal nicht mit offenen Armen empfangen zu wollen: In seinen ersten Stunden wird er fast ausgeraubt, seine Unterkunft befindet sich bei einem ehemaligen Mitglied der High Society, das mittlerweile jedoch in einer völlig vermüllten und verdreckten Messiwohnung lebt, und schließlich ist da noch seine Tante Paula, Überlebende der Holocausts, die Jonas mit der Nazi-Vergangenheit seines Großvaters konfrontiert. Klingt verrückt, denkt ihr jetzt? Genau das ist es auch ...

Was Chris Kraus’ Roman so lesenswert macht, sind seine skurrilen, allesamt auf ihre Weise beschädigten Figuren. Ein Teil ist vom ersten Moment an absolut liebenswert, während die andere Seite den Zugang zu ihnen eher sperrig und schwierig macht. Allen gemeinsam ist jedoch eine innere Unruhe, die sie zu Suchenden macht, Suchenden nach der persönlichen Erfüllung. In diese Riege reiht sich unsere Hauptfigur Jonas Lückenlos ein. Auch er ist ein Suchender, der aber noch nicht so richtig weiß, was er denn eigentlich sucht. Bis er die Sommerfrau Nele trifft und sich, ohne es zu ahnen, gemeinsam mit ihr auf die Entdeckungsreise nach eigenen Wünschen, aber auch eigenen Dämonen macht. So treffen Vergangenheit und Zukunft hier mitten im New York der 90er-Jahre aufeinander. Verpackt ist das Ganze in einer Sprache voller ungewöhnlicher, teils urkomischer Bilder. Als Leser wird man mehr als einmal aufgrund der Situationskomik und Jonas’ entwaffnenden, teil sarkastischen Kommentaren schmunzeln müssen.

Fazit: Das ist absolut lesenswerte, durchaus anspruchsvolle Literatur, deren vielschichtige Figuren nur bei genauem Hinsehen zu entschlüsseln sind. Chris Kraus schafft es, den Leser völlig in die Geschichte eintauchen zu lassen und ganz wunderbar zu unterhalten. Das macht großen Spaß und ist definitiv gute 4 Sterne wert.

Sommerfrauen, Winterfrauen - Chris Kraus
Sommerfrauen, Winterfrauen
von Chris Kraus
(4)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,70

Vexierspiel zwischen Verlust und Hoffnung

FrauSchafski , am 30.09.2018

Wenn ein geliebter Mensch einfach verschwindet, ohne jeden Grund, ohne jeden Hinweis, ist das für die Hinterbliebenen eine Qual. Denn sie werden immer zwischen dem Verlust und der Hoffnung schwanken, dass die Person wieder auftaucht. Und so glaubt Paul zehn Jahre nach dem Verschwinden seines besten Freundes Felix, ihn in Prag wiedergefunden zu haben. Er ist so davon überzeugt, in Blixen, wie der Fremde heißt, Felix zuerkennen, dass er ihn bittet, nach Berlin zu kommen, in der Hoffnung, dass Blixen dort seine Erinnerung wiedererlangen wird.

Nun könnte man meinen, dass die weitere Handlung sich mit der Rückkehr Felix’ beschäftigt, aber so einfach macht die Autorin es uns nicht. Ganz im Gegenteil werden die Erzähler plötzlich unzuverlässig, es geschehen merkwürdige Dinge, man weiß nicht mehr so richtig wem man trauen kann und wem nicht. Hinzu kommt, dass die Autorin eine Atmosphäre kreiert, die jedem Gruselfilm gerecht würde, allerdings viel unterschwelliger. Den Leser beschleicht ein Unbehagen, obwohl er nicht genau greifen kann, woher es kommt. Fest steht nur, dass die Figuren dieses Unbehagen auch spüren können. Und das ist einer der Gründe, der den Roman von anderen unterscheiden und leise schillernd aus der Masse hervorhebt. Hinzu kommt, dass der Verlust und die Hoffnung der Protagonisten spürbar werden. Sie sind tongebend für die Gesamte Geschichte und schwingen in jedem Satz, jeder Handlung der Figuren mit. Schließlich endet dieses Buch still und leise, ein Schatten wie Nebelschwaden auf dem Wasser, was es in meinen Augen nicht weniger eindrucksvoll macht.

Fazit: Ungewöhnlich, atmosphärisch, etwas eigenwillig, so kann man den Roman gut zusammenfassen. Die Autorin hat einen tollen, poetisch angehauchten Schreibstil, der Suchtpotenzial entwickelt. Bei allem Lob ist da noch etwas Luft nach oben, weswegen ich „nur“ 4 Sterne vergebe. Aber ich freue mich schon auf weitere Bücher von Katharina Hartwell.

Der Dieb in der Nacht - Katharina Hartwell
Der Dieb in der Nacht
von Katharina Hartwell
(5)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Der Chinesische Verwaltungs-Wahnsinn

FrauSchafski , am 15.09.2018

Dieses Buch zu bewerten ist wirklich schwierig. Denn ich bin mir sicher, dass da ganz viel Tiefgründigkeit und Gesellschaftskritik drin steckt. Das Problem ist nur: Der Autor schaffte es nicht, die Brücke zu der so fremd anmutenden Kultur zu schlagen, sodass die meisten Feinheiten dem Leser verschlossen bleiben.

Allein schon der Aufhänger ist irgendwie verrückt: Ein Ehepaar erwartet unverhofft ein zweites Kind, was sie durch die Ein-Kind-Politik jedoch vor echte Probleme stellt. Die einzige Lösung: die Scheidung, warten, bis das Kind da ist und erneut heiraten. (Allein das ist für westliche Verhältnisse völlig verrückt.) Doch kaum geschieden, schnappt sich der werdende Vater eine andere Frau und heiratet sie. Die so abgewiesene Li Xuelian sinnt auf Rache gegen ihren Ex-Ehemann, der sich nicht an die Absprache gehalten hat. Über Jahrzehnte kämpft sie sich mit ihrem Protest durch die chinesischen Verwaltungsebenen bis ganz nach oben. Ihre Beschwerde zermürbt und verbittert sie, auf den unterschiedlichen Verwaltungsebenen verbreitet sie dennoch Angst und Schrecken durch ihre Hartnäckigkeit. Denn hier ist das Beziehungs- und Abhängigkeitsgeflecht so stark und verästelt, dass jeder einzelne Mitarbeiter beginnt, um seinen Job zu bangen, wenn Li Xuelian auftaucht.

Für den Leser ist das vor allem eines: befremdlich. Es gelingt nicht, richtigen Zugang zu diesem verwirrenden Verwaltungsgeflecht und seinen Abhängigkeiten zu bekommen. Der Roman, der in seinem Land ganz sicher Aufsehen erregt, legt er doch (scheinbar) sehr treffend den Finger in die Wunde, ist für den westlichen Kulturkreis nicht zu erschließen.

Fazit: Auch wenn man der Story durchaus folgen kann und auf einer rein menschlichen Ebene Zugang zu Li Xuelian findet - in diesem Fall insbesondere über ein starkes Gefühl von Mitleid -, so bleibt der eigentliche Sinn dem Leser verschlossen. Es ist bedauerlich, aber ich kann nicht mehr als drei Sterne vergeben und selbst damit tue ich mich schon schwer.

Scheidung auf Chinesisch - Liu Zhenyun
Scheidung auf Chinesisch
von Liu Zhenyun
(2)
Buch (Taschenbuch)
12,40

Hollywood-Blockbuster in Buchform

FrauSchafski , am 09.09.2018

Ich beschwere mich ja häufig darüber, dass Klappentexte viel zu viel vom Handlungsverlauf verraten und das Lesevergnügen schmälern. Bei diesem letzten Buch des mittlerweile verstorbenen Autors Michael Crichton ist der Klappentext so gut umgesetzt, dass man zwar neugierig wird, aber eigentlich keine Ahnung hat, was hier auf einen zukommt. Und das war auch gut so. Denn andernfalls hätte ich den Tec-Thriller vielleicht nicht gelesen.

Das liegt einfach daran, dass die Idee, die der Autor aufgreift, nicht neu ist, in der ein oder anderen Form bereits x-fach umgesetzt wurde. Welche das genau ist, möchte ich an dieser Stelle aber nicht verraten, denn sonst würde ich genau das tun, was der Klappentext so gut vermeidet: spoilern. Es sei aber soviel gesagt: Ich habe das mehr als 500 Seiten starke Buch an nur einem Tag gelesen - und so etwas tue ich nicht oft. Aber es passte einfach alles. Klar hatte ich auch einen guten Tag erwischt, an dem keine Verpflichtungen auf mich warteten, dennoch braucht es schon einiges, um mich bei der Stange zu halten. Und genau das hat dieses Buch. Es ist spannend, aber auch brutal, hat fantastische technische Einfälle und vor allem ist es so bildlich detailliert beschrieben, dass ich jetzt noch immer die einzelnen Szenen im Kopf habe. Ganz so, als hätte ich einen Film gesehen und kein Buch gelesen. Genau das hat mich an der Schreibweise Crichtons schon immer fasziniert - Dino Park und der Folgeband gehören auch heute noch zu meinen absoluten Lieblingsbüchern.

Fazit: Wer Hollywood-Blockbuster in Buchform erleben möchte, ist bei Crichton genau richtig. Natürlich darf man hier keinen Tiefgang erwarten, dafür aber echtes, kurzweiliges Kopfkino zum mitfiebern, das immer wieder interessante technische Innovationen zum Thema hat. Ich vergebe zwar nur 3,5 Sterne, das beinhaltet für Fans aber dennoch eine unbedingte Leseempfehlung.

Micro - Michael Crichton, Richard Preston
Micro
von Michael Crichton
(8)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Sympathie for the Devil

FrauSchafski , am 08.09.2018

Kennt ihr den Film „Léon - Der Profi“ mit Jean Reno und einer sehr jungen Natalie Portman? Mochtet ihr ihn? Falls ja wäre das der klassische Fall von „Wenn Ihnen dieser Film gefallen hat, dann gefällt Ihnen auch folgendes Buch ...“. Denn auch wenn es sich hier um gleich zwei Kinder handelt und Archer Hades kein Profikiller ist, so gibt es doch die ein oder andere Parallele. Und das liest sich sehr kurzweilig.

Kurzweilig vor allem deswegen, weil die Erzählperspektive ständig wechselt, von der Gegenwart in die Vergangenheit. So lernt der Leser einerseits Eric und Eden als Erwachsene kennen, die als Cops bei der Mordkommission arbeiten, aber eben auch Eric und Eden als Kinder und welches Schicksal sie zu denen gemacht hat, die sie sind. Die Erzähler betrachten die beiden jeweils aus einer Außensicht, auch wenn ihr persönliches Verhältnis unterschiedlich gefärbt ist. Archer Hades, der die Perspektive der Vergangenheit übernimmt, ist als Vaterfigur natürlich durchaus emotional beeinflusst. Auf der Gegenseite steht Frank Bennett, der als Edens neuer Partner bei der Mordkommission ein durchaus anderes Bild von den Geschwistern hat. Eden fasziniert ihn, zieht ihn regelrecht magisch an, während er Eric als unsympathischen Draufgänger erlebt. Das Schöne ist: Durch diese unterschiedlichen Erzähler bekommt der Leser ein nahezu identisches Verhältnis zu den Figuren, er schwankt zwischen Anziehung und Abstoßung. Und das muss auch so sein, denn das, was hier passiert, bietet durchaus Stoff für sehr kontroverse Diskussionen ...

Fazit: Prinzipiell ist das ne gute Sache, auch wenn ich gestehen muss, dass mir viele Einzelheiten der Story bereits jetzt entfallen sind. Das Ende hingegen habe ich noch gut als ziemlich überzogen und effekthascherisch in Erinnerung, was nicht so mein Ding ist. Darum vergebe ich nach vielem hin und her überlegen doch nur 3 Sterne, in der Hoffnung, dass sich die Folgebände noch steigern.

Hades - Candice Fox
Hades
von Candice Fox
(73)
Buch (Paperback)
15,50

Die Vergangenheit klopft an die Tür

FrauSchafski , am 02.09.2018

Auf geht’s in die nächste Runde mit Bea und Florin. Auch wenn die Reihe so ihre Macken hat, konnte sie mich immerhin bis zu diesem nunmehr vierten Band bei der Stange halten. Und - so viel sei vorweg genommen - dieser Teil ist einer der besseren der Reihe.

Alles startet, wie könnte es anders sein, mit einem Mordfall. Soweit so erwartbar. Doch schnell kristallisiert sich heraus, dass Bea den Toten kannte - und verabscheute. Im Zuge der Ermittlungen entdeckt sie zudem Beweise, die auf eine Verbindung zum längst verjährten Mord an ihrer besten Freundin hindeuten. Kann das wirklich sein? Ist es etwa derselbe Mörder? In gewohnter Pageturner-Manie verdichten sich schnell die Ereignisse, dass die Autorin spannende Handlungsplots aufbauen kann, hat sie bereits bei den Vorgängerbänden bewiesen. Dieses Mal stand Beas Privatleben immerhin nicht so störend und enervierend im Vordergrund, auch die Beziehung mit Florin tut der Story gut. Einer der nervigsten Charaktere, Beas Ex-Mann Achim, bekommt nun ebenfalls eine „sinnvolle“ Funktion, was mich etwas versöhnlicher stimmt. Dass erneut Bea ins Fadenkreuz des Mörders gelangt, ist vielleicht konstruiert, aber es funktioniert in diesem Fall ganz hervorragend.

Fazit: Auch wenn ich sehr früh den richtigen Riecher hatte, wer hinter dem Ganzen steckt, wurde ich erneut ganz wunderbar unterhalten. Das ist zwar alles nicht übermäßig herausragend, aber für vier Sterne reicht es allemal.

Schatten - Ursula Poznanski
Schatten
von Ursula Poznanski
(21)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Unter Strom

FrauSchafski , am 18.08.2018

Normalerweise lese ich selten historische Romane. Auf „Die letzten Tage der Nacht“ wurde ich durch das tolle Cover aufmerksam und nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, dachte ich mir: „Warum nicht? Ist mal etwas anderes.“ Und ich wurde nicht enttäuscht.

Zu Anfang musste ich mich ganz schön durchbeißen. Die Exposition benötigt natürlich einige technische Details zum Verständnis, die aber auch für naturwissenschaftlich völlig unbegabte Personen wie mich gut verständlich in die Handlung eingebaut sind. Zusammen mit der Einführung der Figuren ist der Aufbau dennoch recht zäh. Aber es gibt Entwarnung: Wenn man sich darauf einlässt, legt sich das ziemlich bald und es wird richtig spannend. Große Namen wie Tesla, Edison oder Bell werden auf einmal zu Charakteren, lösen sich von den unglaublichen technischen Errungenschaften, die sie erdacht haben. Graham Moore schafft es, die Menschen hinter den Genies sichtbar zu machen, und er tut dies, ohne sie auf ein goldenes Thrönchen zu heben, sondern deckt auch ihre Schwächen auf.

Und so entspinnt sich ein regelrechter Krieg um die Patentierung der Glühbirne, während sich gleichzeitig die neue Technik über den gesamten Kontinent zu verbreiten beginnt. Im wahrsten Sinne des Titels kann der Leser hier „das Ende der Nacht“ beobachten und wird ganz nebenbei Zeuge weiterer großer Erfindungen. Was mir besonders gut gefallen hat: Im Anhang erläutert der Autor selbst, an welchen Stellen er sich an Fakten orientiert und wo er künstleriche Freiheit hat walten lassen. Für besonders Interessierte gibt es schließlich auch noch ein Literaturverzeichnis zum Weiterlesen.

Fazit: Auch wenn der Einstieg holprig war, hat mich der Roman überzeugt. Immerhin kenne ich nun den Unterschied zwischen Gleichstrom und Wechselstrom (da habe ich in der Schule wohl gepennt) und gebe nicht zuletzt für die überzeugende Umsetzung der Figuren 4 Sterne.

Die letzten Tage der Nacht - Graham Moore
Die letzten Tage der Nacht
von Graham Moore
(52)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,70

Ich bin ganz schön schlecht

FrauSchafski , am 13.08.2018

Ganz ehrlich, ich kann überhaupt nicht verstehen, warum die „Ich bin“-Reihe so viel Erfolg hat und mittlerweile X Bände zählt. Der Klappentext klingt ja noch ganz interessant, vermittelt aber einen ganz anderen Eindruck, den der Thriller so gar nicht halten kann. Denn inhaltlich ist das ziemlich dünn.

Und einmal mehr stellt sich mir die Frage, welchen Anspruch manche Leser haben. Klar, wir wollen alle gut unterhalten werden, möglichst atemlos durch die Seiten fliegen, vor Spannung kaum mehr aufhören können zu lesen. Aber reicht das alleine aus? Scheinbar schon - denn das mag der erste Teil der Reihe durchaus bieten. Dass die Handlung zugunsten des Spannungsaufbaus völlig konstruiert und an den Haaren herbeigezogen ist, scheint die breite Leserschaft nicht zu kümmern. Selbst die Grundidee ist uralt: Einem durch und durch grausamen Monster wird ein strahlender Held gegenübergestellt. Der lahme Versuch, aus Schwarz und Weiß ein Grau zu mischen, also zu vermitteln, dass niemand nur gut oder nur böse ist, scheitert in meinen Augen kläglich. Währenddessen wird die Handlung immer abstruser - aber das soll auch so sein, denn die „grandiose“ Auflösung wird alle Fragen beantworten und den Autor als gewieften Geschichtenerzähler entlarven. Denkste. Ganz im Gegenteil wirkte die gesamte Geschichte durch die Auflösung auf mich nur noch unlogischer, aber der geneigte Leser sieht darüber gerne hinweg, immerhin wurde er gut unterhalten. Gewürzt wird die ganze Story mit teils religiösen Mini-Predigten in überschwänglicher Theatralik, die so ziemlich alle Figuren vor sich hinseiern. Was ihnen dann endgültig die Glaubwürdigkeit nimmt, denn ganz ehrlich, so spricht kein Mensch!

Fazit: Ich weiß, Geschmäcker sind verschieden. Aber dieses Buch lässt mich sprachlos zurück, weil es so schlecht und doch so erfolgreich ist. Nun gut, Trash-Tv hat auch seine Fans, anders kann ich mir das nicht erklären. In meinen Augen hat der Thriller eigentlich noch nicht einmal einen Stern verdient und es wird für mich ganz sicher kein Wiedersehen mit Mr Ackerman geben.

Ich bin die Nacht / Francis Ackerman junior Bd.1 - Ethan Cross
Ich bin die Nacht / Francis Ackerman junior Bd.1
von Ethan Cross
(150)
Buch (Taschenbuch)
11,30

 
zurück