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BuchhändlerInnen im Portrait

Walter Fürhacker
aus der Thalia-Buchhandlung in Salzburg / Europark

Gesamte Empfehlungen 37 (ansehen)


Über mich:
Ich esse, wenn ich lese. Das Buch, das geschriebene Wort, ist demnach ein Grundnahrungsmittel.

Meine Empfehlungen

DAS GROSSE KRABBELN!

Walter Fürhacker aus der Thalia-Buchhandlung in Salzburg / Europark , am 19.03.2012

Für Ameisenfans dürfte E.O. Wilson ein Begriff sein. Als weltberühmter Biologe und eben
Ameisenforscher hat er mit dem deutschen Bert Hölldobler einst das Buch zum Thema Ameisen herausgebracht.

Nun erzählt uns Wilson in seinem ersten Roman die Geschichte eines jungen Mannes, der es sich zur Aufgabe macht, sein Land in dem er aufwuchs, vom gefährlichsten Räuber zu befreien und zu retten – dem Menschen. Dem Menschen, der naturbelassene Wälder rodet, Flora und Fauna vernichtet, vertreibt und Biotope austrocknet.

Von Kindesbeinen an durchstreift Raff die Wildnis von Nokobee. Er liebt dieses Landstück und beschließt eines Tages, es mit allen Mitteln von gierigen Immobilienunternehmen und Grundstückräubern zu bewahren.
Dabei entwickelt er einen ausgeklügelten Plan, dieses sein geliebtes Land für immer zu retten.

Das Herzstück von Wilsons Roman ist die „Ameisenchronik“ gleichermaßen Raff Codys Abschlußarbeit am College. Der Leser taucht dabei direkt in die Welt der Ameisen hinein, lebt mit ihnen, kämpft mit ihnen, stirbt mit ihnen. Hier kommt zum Vorschein, dass Wilson ein Naturwissen-schaftler ist, denn seine akribischen, sehr detaillierten Beschreibungen eröffnen einen faszinierenden Blick in die Welt dieser Insekten.
Dadurch geraten und wirken manche Sequenzen seines Romans jedoch sehr sachlich.
Die Geschichte ist deshalb nicht durchgehend spannend.

Wilson liefert seinen Lesern ein Stück amerikanische Geschichte, einen wissenschaftlichen Thriller und ein Porträt kleinbürgerlicher amerikanischer Lebensart, das, nicht durchgehend spannend, Wilson versachlicht vieles, aber doch absolut lesenswert, ist.

Wilson, E: Ameisenroman - E. O. Wilson
Wilson, E: Ameisenroman
von E. O. Wilson
(2)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,60

EIN KLEINOD LATEINAMERIKANISCHER ERZÄHLKUNST!

Walter Fürhacker aus der Thalia-Buchhandlung in Salzburg / Europark , am 19.03.2012

Contreras Castros Roman liest sich wie ein fantastisches Märchen.
In einem Bordell wird ein Kind geboren. Der Junge besitzt nur ein Auge und wird auf den Namen Polyphem getauft. Jeronimo, ein Ex-Mönch und sonderbarer, ja verrückter Geselle betrachtet den Jungen als Wunder und nimmt sich seiner an. Die Huren machen mit und verstecken das wundersame Wesen im Bordell.
Fortan kümmert sich Jeronimo um die Erziehung des Jungen.
Alles Wissen, das er aus alten Büchern kennt, bringt er dem Kinde nahe.
Schließlich wird Polyphem erwachsen und es drängt ihn hinaus in die Stadt.
Jeronimo, sein „Großvater“ durchstreift mit ihm die Gegend und mit den länger werdenden
Streifzügen verliert er das Kind an die Welt.

„Jeronimo“, fragt einst Polyphem seinen Großvater, „Jeronimo, kann man die Sonne mit einer
Kaffeekanne voll Wasser löschen?“
„Das kommt ganz drauf an, wie groß die Kanne ist…“

Ein wunderbar sentimentales Kleinod lateinamerikanischer Erzähl- und Fabulierkunst.

Der Mönch, das Kind und die Stadt - Fernando Contreras Castro
Der Mönch, das Kind und die Stadt
von Fernando Contreras Castro
(2)
Buch (Taschenbuch)
11,30

AUFFALLEN UM JEDEN PREIS!

Walter Fürhacker aus der Thalia-Buchhandlung in Salzburg / Europark , am 19.03.2012

Im Meer des Lebens tummeln sich Arschgeigen und Idioten.
Ich schwimme mit. Ich rudere mit dem Wind, bin Teil eines wabernden, selbstsüchtigen Schwarms. Aber ich bin ein Niemand. Ein Loser, der nicht beachtet wird.
Ein Mensch unter Menschen, ein Stein unter Steinen, ein Baum unter Bäumen.

Im Sog dieser Vergessenheit fasse ich einen Entschluß:
Mein Leben muss sich ändern.
Mein Leben wird sich ändern.
Und das unter allen Umständen und ohne Rücksicht auf das Ansehen meiner eigenen Person. Ich mache Dinge, eklige Dinge, verändere mein Aussehen, meine Kleidung, meinen Charakter, ich ecke an, mache von allem das Gegenteil, widersetze mich, schlüpfe kopfüber wieder hinein in die leere Hülle meines Kokons, verwandle mich zurück zur hässlichen Raupe.
Hauptsache ich falle auf.

Und ich falle auf.

Dabei wecke ich stumme Geister in mir. Ich entdecke die Poesie. Ich entdecke, dass ich Gefühle habe. Ich entdecke die Liebe.

Und ich entdecke die scharfe Klinge des Wortes, den süß-sauren Geschmack des Widerstandes. Fortan stelle ich meine Worte wie Brecher gegen den Strom herein tosender Sturmwellen.

Im Sturzbach dieser Veränderung werde ich zum Gewinner.
Und merke, dass ich erst Gewinner bin, wenn ich das Verlieren akzeptiere.

Erschieß die Apfelsine - Mikael Niemi
Erschieß die Apfelsine
von Mikael Niemi
(4)
eBook
6,99

SIEBÖCKS WANDERPREDIGT!

Walter Fürhacker aus der Thalia-Buchhandlung in Salzburg / Europark , am 19.03.2012

Wer träumt nicht davon, einmal im Leben, alles loszulassen, alles hinter sich zu lassen, dem alltäglichen Lebenstrott den Rücken zu kehren und sich in ein gewagtes Abenteuer zu stürzen, ohne zu wissen, wie es ausgehen wird, ohne nur zu erahnen, welche Strapazen und schöne Momente auf einen zukommen.

Gregor Sieböck hat den Schritt, nein, eigentlich die unendlich vielen Schritte, gewagt, die ihn um die halbe Welt führten. Er packt eines Tages seinen Rucksack und will den halben Erdkreis zu Fuß umrunden. Sein Traum ist es, der Welt, den Menschen, denen er begegnet, ein besseres Weltbild zu vermitteln, Nachhaltigkeit im Lebensstil aufzuzeigen, er will aufrütteln und Ungerechtigkeiten aufzeigen, die sein Leben bewegen.
Sieböck begibt sich drei Jahre auf den Weg, der ihn über den Jakobsweg nach Santiago, weiter über die einsame Weite Südamerikas, über die Anden, schließlich nach Kalifornien, über Russland nach Japan und als letzte Station schließlich in die Wildnis Neuseelands führt.

Sieböcks Reisebericht ist spannend. Der Leser erfährt viel über die harten Strapazen einer wirklich langen Wanderschaft, begegnet fremden Kulturen und staunt über die Schönheiten anderer Länder.
Zunehmend jedoch, verirrt sich Sieböck zu sehr in der Vermittlung seiner Botschaft einer nachhaltigen Lebensweise, die den Leser bald etwas strapaziert. Der Reisebericht wandelt sich zum Ende hin in eine esoterisch anmutende Streitschrift, die das Buch zunehmend langweilig macht.

Nichts desto trotz ist Sieböcks Reisebeschreibung spannend und rüttelt auf.

Der Weltenwanderer Gregor Sieböck - Gregor Sieböck
Der Weltenwanderer Gregor Sieböck
von Gregor Sieböck
(3)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,95

HENRY MILLER LÄSST GRÜSSEN

Walter Fürhacker aus der Thalia-Buchhandlung in Salzburg / Europark , am 27.07.2011

Wir sind jetzt "on the road" schmettert Bunny Munro, ein unersättlicher Lüstling und Vertreter für Schönheitsartikel, seinem neunjährigen Sohn eines Tages ins Gesicht, als die Beiden ins Ungewisse aufbrechen, um den tragischen Tod Bunnys Ehefrau und Bunny juniors Mutter zu überwinden. Sie brechen gemeinsam auf, um das Grauen hinter sich zu lassen, ihr Road-Trip führt sie jedoch in noch schwärzere und tiefere menschliche Abgründe, die den Leser in Lust- und Schmerztäler führen, aus denen es schliesslich nur ein Entkommen gibt: Den Tod des Bunny Munro.
Nick Cave erzählt in zum Teil holprig-wilden auch humorigen Wortbildern eine rasante Vater-Sohn-Geschichte, die dem Leser in manchmal rührigen Szenen, dann wieder tiefschwarzen, blutgetränkten und hemmungslosen Katastrophen, die Grenzen des Menschlichen aufzeigt.
Das Buch endet, Nick Cave zum Dank, in einem dunklen, schwarzen Todestraum.
Was bleibt, ist ein leichter Hauch der häufig erwähnten Zigarettenmarke "Lambert and Butler" und die traurig-schöne Gewissheit, dass Nick Cave uns eine sexgeschwängerte und bittersaure Alkoholdunstglocke überstülpt, die einen nichts anderes, als vielleicht das wahre Leben einatmen lässt.
Henry Miller lässt grüßen.

Der Tod des Bunny Munro - Nick Cave
Der Tod des Bunny Munro
von Nick Cave
(23)
Buch (Taschenbuch)
10,30

MANKELL, URKOMISCH UND DOCH ERNST

Walter Fürhacker aus der Thalia-Buchhandlung in Salzburg / Europark , am 27.07.2011

Als Nicht-Krimi-Fan freue ich mich sehr über das Engagement, das Henning Mankell in Afrika zeigt, noch mehr freue ich mich darüber, dass er den literarischen Sprung vom Krimi zum gesellschaftskritischen Roman ohne Mühe schafft, nicht ohne anzumerken, dass seine Krimis ja ohnehin gesellschaftskritisch sind.
Mit Tea-Bag ist Henning Mankell, ein für das Thema Einwanderung und Asyl, äusserst humorvoller Roman gelungen. Ich erinnere mich an einige Szenen, bei denen ich herzlich lachen musste. Tea-Bag erzählt die Geschichte einer jungen, afrikanischen Frau, deren Flucht aus ihrem Heimatland, sie in das ferne Schweden führt. Mit einigen Freundinnen, ebenfalls Flüchtlingsmädchen, lernen sie den gefeierten Lyriker Jesper Humlin kennen, der ihnen bei ihrem Anliegen, ebenfalls Autorinnen werden zu wollen, helfen soll. Nach und nach begegnen sich zwei Kulturen, bis Jesper Humlin schliesslich vollends in eine haarsträubende Geschichte verwickelt wird...
Ein ansprechendes Buch zum Nachdenken und Schmunzeln.

Tea-Bag - Henning Mankell
Tea-Bag
von Henning Mankell
(13)
Buch (Taschenbuch)
10,20

UNGLAUBLICH!

Walter Fürhacker aus der Thalia-Buchhandlung in Salzburg / Europark , am 22.07.2011

Sehr geehrter Herr Pinol!
Wo um Gottes Willen nehmen Sie diese Fantasie her?
Ich las dieses Buch, schlug es zu, und dachte mir, was um Himmels willen ist da passiert?
Berauschend lauter Rausch der Stille.
Ein schöner, verwirrender, verstörender, unheimlicher Sprachenbesuch.
Einfach die Türe in die dunkle Nacht öffnen und sich überraschen lassen...
Die Überraschung gelingt.
Danke für dieses Leseerlebnis.

Im Rausch der Stille - Albert Sánchez Piñol
Im Rausch der Stille
von Albert Sánchez Piñol
(14)
Buch (gebundene Ausgabe)
9,30

SIEBÖCKS WANDERPREDIGT!

Walter Fürhacker aus der Thalia-Buchhandlung in Salzburg / Europark , am 21.07.2011

Wer träumt nicht davon, einmal im Leben, alles loszulassen, alles hinter sich zu lassen, dem alltäglichen Lebenstrott den Rücken zu kehren und sich in ein gewagtes Abenteuer zu stürzen, ohne zu wissen, wie es ausgehen wird, ohne nur zu erahnen, welche Strapazen und schöne Momente auf einen zukommen.

Gregor Sieböck hat den Schritt, nein, eigentlich die unendlich vielen Schritte, gewagt, die ihn um die halbe Welt führten. Er packt eines Tages seinen Rucksack und will den halben Erdkreis zu Fuß umrunden. Sein Traum ist es, der Welt, den Menschen, denen er begegnet, ein besseres Weltbild zu vermitteln, Nachhaltigkeit im Lebensstil aufzuzeigen, er will aufrütteln und Ungerechtigkeiten aufzeigen, die sein Leben bewegen.
Sieböck begibt sich drei Jahre auf den Weg, der ihn über den Jakobsweg nach Santiago, weiter über die einsame Weite Südamerikas, über die Anden, schließlich nach Kalifornien, über Russland nach Japan und als letzte Station schließlich in die Wildnis Neuseelands führt.

Sieböcks Reisebericht bewegt. Der Leser erfährt viel über die harten Strapazen einer wirklich langen Wanderschaft, begegnet fremden Kulturen und staunt über die Schönheiten anderer Länder.
Zunehmend jedoch, verirrt sich Sieböck zu sehr in der Vermittlung seiner Botschaft einer nachhaltigen Lebensweise, die den Leser bald etwas strapaziert. Der Reisebericht wandelt sich zum Ende hin in eine esoterisch anmutende Streitschrift, die das Buch zunehmend langweilig macht.

Nichts desto trotz ist Sieböcks Reisebeschreibung spannend und rüttelt auf.

2 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Der Weltenwanderer - Gregor Sieböck
Der Weltenwanderer
von Gregor Sieböck
(5)
Buch (Taschenbuch)
16,50

GRUSELIG!

Walter Fürhacker aus der Thalia-Buchhandlung in Salzburg / Europark , am 17.05.2011

Zafon hat mich schon mit seinen beiden Romanen „Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ sehr begeistert.

Mit Spannung und hoher Erwartung schlug ich nun seinen neuen Roman „Marina“ auf und…

…bis zur letzten Seite, in einem Lesezug, nicht mehr zu.

Zafon ist mit seinem Buch ein hochspannender Schauer- ja Gruselroman gelungen, der den Leser wieder in ein düsteres, verregnetes, kalt nebelverschleiertes, mit düsteren Gestalten gespicktes Barcelona führt.
Sein junger Held, Oscar Drai besucht ein Schülerinternat und treibt sich in seiner Freizeit in den verwinkelten, verwunschenen Gässchen Barcelonas herum.
Dabei trifft er eines Tages auf ein Mädchen. Ihr Name ist Marina und die Begegnung mit ihr stellt sein bisheriges Leben total auf den Kopf.
Die Beiden werden in ein düsteres Abenteuer hineingezogen. Ein gruseliges Geheimnis um den einst reichsten Mann Barcelonas bringt Oscar und Marina schließlich in große Bedrängnis.
Aber auch mit Marina scheint irgendetwas nicht in Ordnung zu sein…

Zafon versteht es ausgezeichnet, seine Leser zu verführen. Das düstere, unheimliche Bild Barcelonas, in dem es immer zu regnen scheint, zieht den Leser von der ersten Seite an in den Bann. Wie in seinen vorherigen Bestsellern, ist „Marina“ ungemein fesselnd komponiert, er schreibt melancholisch anrührend, diesmal jedoch nimmt Zafon blutige Anleihen aus finsteren Gruselkabinetten.
Frankenstein lässt grüßen.

Spannung pur.

Marina - Carlos Ruiz Zafón
Marina
von Carlos Ruiz Zafón
(136)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,60

HAUPTSACHE BESTSELLER!

Walter Fürhacker aus der Thalia-Buchhandlung in Salzburg / Europark , am 11.05.2011

Charlotte Roche sagte in einem Interview, dass Ihre Eltern in England dieses Buch nie lesen dürften, da es unheimlich peinlich für sie wäre. Recht haben Sie Frau Roche. Denn dieses Buch ist peinlich.

Der Versuch dem Buch das Motiv der sexuellen Befreiung oder des Feminismus zu verleihen, kann ich nicht so recht nachvollziehen.
Ich denke, die reine Provokation war das vordergründige Motiv, dieses Buch zu schreiben. Dass Sie damit keine hohe Literatur produzieren wollten ist klar.

Wer trotzdem unbedingt wissen muss, was man mit einem Avocadokern, ausser ihn in das Bio-Küberl zu werfen, noch machen kann, wer wissen will wie Eiter oder eine Spermapizza schmeckt, der soll dieses Buch lesen. Alle anderen Leser, bitte ich, nach einer intelligenteren Lektüre zu greifen.

Mein Fazit. Schlecht geschrieben und schlicht weg uninteressant.

Ihre Provokation liess den Euro rollen.
Ich gratuliere Ihnen dazu mit einem Stern.
Als Buchhändler habe ich mit Ihrem Erfolg ja direkt zu tun.

In diesem Sinne, trotzdem Danke.

1 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Feuchtgebiete - Charlotte Roche
Feuchtgebiete
von Charlotte Roche
(195)
Buch (Paperback)
15,40

 
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