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BuchhändlerInnen im Portrait

Dr. Ralf ROTHER
aus der Thalia-Buchhandlung in Wien

Gesamte Empfehlungen 330 (ansehen)


Alter:
59 Jahre
Abteilung:
Kochen + Natur
Funktion:
Themenleiter
Lieblingsautoren:
Jacques Derrida, Maurice Blanchot, Franz Kafka, Walter Benjamin, Werner Hamacher, Avital Ronell, Gayatri Chakravorty Spivak, Roland Barthes, Herman Melville, Martin Heidegger, Peter Fenves, Samuel Beckett, Georges Didi-Huberman, Giorgio Agamben
Im Beruf seit:
Oktober 2004
Das beste Buch aller Zeiten:
"Worstward ho. Aufs Schlimmste zu" von Samuel Beckett

Meine Favoriten

Meine Empfehlungen

Science Fiction als dialektische Maschine

Dr. Ralf ROTHER aus der Thalia-Buchhandlung in Wien , am 30.03.2020

Meine siebente Buchempfehlung in der Corona-Quarantäne ist das neue Buch von Dietmar Dath „Niegeschichte“. Ich muss zugeben, dass der Hinweis eines Freundes mich zu dem Buch führte. Das Buch behandelt in einem fast tausendseitigen Umfang die „Science Fiction als Kunst- und Denkmaschine“. Außerdem muss ich auch zugeben, dass ich kein Leser von Science Fiction-Geschichten bin. Aber das Thema bzw. das Buch machte mich neugierig.
Beim Lesen ergriff mich allerdings ein Unbehagen, das sich vielleicht genauso wenig in Worte fassen lässt wie die Sprunghaftigkeit des Autors Dietmar Dath. Dietmar Dath schickt den Leser und die Leserin gleich von der ersten Seite weg in das kosmologische Planetarium von Dietmar Dath. Mit Hyperlichtgeschwindigkeit fliegt man an Theoreme, AutorInnennamen und Buchtitel vorbei, die einen den Atem rauben. Ganze Galaxien scheint man zu durchrasen. Zwischendurch leuchten immer wieder Definitionen auf, die wie glasklare Pixel auf dem Lesemonitor erscheinen.
So wie Dietmar Dath die Besatzung seiner Lesereise durch das Buch „Niegeschichte“ vorbei an die verschiedensten Galaxien jagt, so hat er mit seiner Schreibe schon ganze Universen geschaffen. Zu seinem Repertoire gehören zahlreiche Romane, Erzählungen Hörspiele, Theaterstücke, Sachbücher, Essays und Übersetzungen.
Keine Frage: In Dietmar Daths riesigem Essay zum Science Fiction finden sich eine Unmenge von Literaturhinweise und interessanter Überlegungen. Eine seiner Schlussthesen lautet: „SF ist eine Maschine, die Wissen vergessen hilft, um neues Wissen in Vorstellung und Darstellung zu ermöglichen.“
Im Getriebe der Dialektik – Dietmar Dath ist ein bekennender marxistisch-leninistischer Hegelianer – scheint die Science Fiction so etwas wie die Wunsch- und Traummaschine des ins Future fliegenden Subjekts zu sein. Für ihn ist die Science Fiction jenes Genre, in dem die letzten zwei Jahrhunderte ihre politischen wie wissenschaftlichen Fragen und Probleme ästhetisch behandelte, um vorausschauend oder träumend neue Welten zu besiedeln.

Niegeschichte - Dietmar Dath
Niegeschichte
von Dietmar Dath
(3)
Buch (gebundene Ausgabe)
39,10

Abwandlung einer Idee der Blume

Dr. Ralf ROTHER aus der Thalia-Buchhandlung in Wien , am 26.03.2020

Meine sechste Buchempfehlung in der Quarantäne gilt dem französischen Dichter und Schriftsteller Francis Ponge. Auch wenn in den letzten Jahrzehnten schon einige Publikationen des Dichters von deutschsprachigen Verlagen übersetzt wurden, so blieb er dennoch weitgehend unbekannt.
Francis Ponges (1899-1988) poetologische Arbeiten widmen sich den Dingen (Sonne, Steine, Muscheln, Blumen, Tische usw.) in einer detailreichen, präzisen, nüchternen und unprätentiösen Schreibweise, um einen singulären phänomenologischen, philologischen und phonetischen Zugang zu ihnen suchen.
Die jetzt hier vorliegende Arbeit lautet „L’Opinion changée quant aux fleurs / Änderung der Ansicht über Blumen“ und wurde von dem Literaturwissenschaftler Thomas Schestag zusammengestellt, übersetzt und kommentiert: Es enthält eine Faksimile-Ausgabe des Spiralhefts, in dem Ponge seine Notizen festhielt. Dem folgt die Übersetzung und ein umfangreicher philosophisch-philologischer Kommentar, der sich minuziös dem Projekt von Ponge annimmt, die Ansicht (unsere Ansicht) über Blumen zu ändern / zu verändern.
Ponge schreibt auf Seite 155: „Ist nicht, was in den Pflanzen uns berührt, der vollkommene und unabhängige Charakter (aufgrund der Nähe zum Kristall), den sie den Qualitäten des Lebendigen verleihen (dem, worin sie uns gleichen)? […] Als verdanken sie diese (relative) Vollkommenheit ihrer Verhaftung an den Boden, ihrer Unbeweglichkeit. Im Vergleich mit ihnen wären wir bloß Vagabunden, Streuner, ohne Heim und Herd; Eindringlinge, überflüssig auf der Erde.“
Dem Verlag von Urs Engeler ist für Publikation zu danken.

L'opinion changée quant aux fleurs - Francis Ponge
L'opinion changée quant aux fleurs
von Francis Ponge
(2)
Buch (Paperback)
34,00

Die spannende Geschichte eines Gedichts und dessen Rezeption

Dr. Ralf ROTHER aus der Thalia-Buchhandlung in Wien , am 26.03.2020

Meine fünfte Empfehlung zur Corona-Quarantäne ist das Buch von Thomas Sparr „Todesfuge. Biografie eines Gedichts“.
Zur Person von Thomas Sparr ist kurz zu sagen, dass er Literaturwissenschaftler ist, in Hamburg und in Jerusalem unterrichtete und derzeit der Geschäftsführung des Suhrkamp Verlags angehört.
Um es vorweg zu sagen: Das Buch von Thomas Sparr ist keine philologische Arbeit (Hamacher, Schestag) wie es auch keine philosophische, keine ontologische, hermeneutische oder dekonstruktivistische Lektüre (Adorno, Derrida, Gadamer, Pöggeler) sein möchte. Im strengen Sinne ist sie vielleicht nicht einmal eine literaturwissenschaftliche Arbeit wie wir sie Bollack, Szondi, Mennighaus und Mosès kennen.
Der Zugang, den Sparr zu Paul Celans Gedicht „Todesfuge“ wählt, ist ein historischer, ein entstehungs-, wirkungs- und rezeptionsgeschichtlicher Zugang. Strukturiert ist das Buch wie eine „Biografie“. Entlang biografischer Stationen Paul Celans (1920-1970) wird die Vorgeschichte, die Lebens- und Wirkungsgeschichte sowie etwas aus der Nachgeschichte des Gedichts „Todesfuge“ erzählt und berichtet.
Das Buch beginnt mit einer detailreichen Schilderung der sozialen und politischen Situation in Czernowitz, in der Bukowina und endet – mehr oder weniger – mit dem Skandal um die Rede von Philipp Jenninger anlässlich des 50. Jahrestags der Reichspogromnacht im Deutschen Bundestag.
Das unbedingt lesenswerte Buch von Thomas Sparr zeigt mit seinem „biografischen“ Zugang, wie unterschiedlich die Rezeption des Gedichts verlief. So gelingt es Thomas Sparr nicht nur einen Blick auf das Gedicht und auf die Person Celans zu werfen, sondern auch auf den Rezeptionsverlauf und die Rezeptionsbedingungen innerhalb der Germanistik, der Literaturwissenschaft, der Philosophie wie auch auf den Literatur- und Kunstbetrieb sowie auf die politische Situation im geteilten Nachkriegsdeutschland und weiteren Stationen der Gedichtsrezeption u.a. in Budapest, Stockholm, Moskau und Jerusalem.

Todesfuge - Biographie eines Gedichts - Thomas Sparr
Todesfuge - Biographie eines Gedichts
von Thomas Sparr
(2)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,70

Politikwissenschaft mit Baukasten

Dr. Ralf ROTHER aus der Thalia-Buchhandlung in Wien , am 24.03.2020

Meine vierte Corona-Lektüre galt dem Buch „Das Licht, das erlosch“ von Ivan Krastev und Stephen Holmes. In der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ bin ich über eine Rezension von Adam Soboczynski gestolpert, die das Buch hervorhob und lobte.
Ich war hingegen von der Lektüre des Buches sehr enttäuscht.
Das Buch will eine polemische Abrechnung mit dem politischen wie ökonomischen Liberalismus der westlichen Demokratien sein, der zwar mit dem Mauerfall den „Kampf“ der politischen Systeme gewann, der aber auch – wie es die Autoren festhalten – an „Strahlkraft“, jegliches politisches Vertrauen und jede politische Perspektive verspielt hat.
Wie die Diagnostiker des Politischen Francis Fukuyama und Samuel P. Huntington in den 1980er und 1990er Jahre, so verwenden auch Ivan Krastev und Stephen Holmes einen Begriff aus der Philosophie, um ihn gewinnbringend für ihre Abrechnung zu benutzen. Fukuyama lieh sich in seiner damaligen Diagnose den Terminus vom „Ende der Geschichte“ bei Hegel aus, mit dem Ergebnis eines verfehlten Verständnisses des Hegelschen Geschichtsbegriffs.
Bei Ivan Krastev und Stephen Holmes ist es der Begriff der Nachahmung bzw. der Mimesis, den sie sich bei René Girard ausleihen. Wie ein Instrument aus der Werkzeugkiste wird der undiskutierte Begriff der Nachahmung auf die abgesteckte Landkarte politischer Gegebenheiten angelegt. In der Baukasten-Diagnose entspringt sodann ein Geist der Nachahmung, der sich zum Nährboden kollektiver Demütigung und Vergeltung entwickelt. Mit dem gewonnenen Instrumentarium breiten Ivan Krastev und Stephen Holme ein Tableau aus, auf dem sich alle Akteure einfinden und beschreiben lassen: die West- und Osteuropäer, Russland, die USA und China, eben jener Staat, der dem Zeitalter der Nachahmung nun ein Ende setzt.

Das Licht, das erlosch - Ivan Krastev, Stephen Holmes
Das Licht, das erlosch
von Ivan Krastev
(3)
Buch (gebundene Ausgabe)
26,80

Unterhaltsam quer und kreuz durch das Universum

Dr. Ralf ROTHER aus der Thalia-Buchhandlung in Wien , am 24.03.2020

Hier ist meine dritte Empfehlung für die Corona-Quarantäne: Florian Freistetter schrieb ein auch für Laien sehr anschauliches und spannendes Buch zur Astronomie. Da es sich an eine breite Öffentlichkeit richtet, trägt das Buch einen etwas seichten, scheinbar einer Marketing-Firma entsprungenen Titel, dem es aber dennoch gelingt auf unterhaltsame Weise, die für Laien sperrige Materie der Astronomie – sei es ihre Geschichte, ihre Physik, ihre Weltbilder, ihre Methoden – zu erklären.
Einen Hinweis zum Buch fand ich in der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“. Obwohl Stefan Gillessens (Max Planck Institut für extraterrestrische Physik) Rezension auf einige Fehler, Mängel und Ungereimtheiten im Buch aufmerksam machte (die ich nicht beurteilen kann) und Freistetter weder eine Geschichte noch eine systematische Einführung in die Astronomie schrieb, so räumte er jedoch ein, dass die Publikation eine sprachlich überzeugende „astronomische Kreuz- und quer-Fahrt“ durch das Universum darstellt.
Vielleicht noch ein Hinweis: Florian Freistetter bloggt unter dem Titel „astrodicticum-simplex“ zu Astronomie und Wissenschaft.

Eine Geschichte des Universums in 100 Sternen - Florian Freistetter
Eine Geschichte des Universums in 100 Sternen
von Florian Freistetter
(2)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,70

„Dummheit ist immer beharrlich“

Dr. Ralf ROTHER aus der Thalia-Buchhandlung in Wien , am 21.03.2020

Die zweite Lektüre, die ich für die Corona-Quarantäne empfehlen möchte, ist der Roman „Die Pest“ von Albert Camus. „Fast“ - möchte man sagen, dass sich kein anderes Buch jetzt zu Zeiten unserer eigenen Quarantäne mehr zum Lesen eignet wie das Buch von Camus. Jedoch muss man einwenden, dass Camus seinen Roman zu Zeiten des aufkommenden Faschismus, während der Judenverfolgungen und des Zweiten Weltkriegs schrieb. Allerdings sucht das Absurde und Prekäre die menschliche Existenz nicht nur zu Kriegszeiten heim. Camus‘ Roman ist kein Buch über den Krieg, er ist eher ein Roman über die in ihre Existenz ausgesetzte Menschheit: Eine Menschheit, die in einem zur Normalität werdenden Ausnahmezustand ihrer Sinnlosigkeit gewahr wird, womöglich aber auch nur allzu schnell bereit ist die Brutalität des Ausnahmezustands für die Regel zu halten.

Die Pest - Albert Camus
Die Pest
von Albert Camus
(15)
Buch (Taschenbuch)
12,40

Eine wahnhafte Entdeckung

Dr. Ralf ROTHER aus der Thalia-Buchhandlung in Wien , am 19.03.2020

Ich werde meine Lektüreempfehlungen für die Corona-Quarantäne mit dem Roman „Monsieur Pain“ von Roberto Bolano beginnen.
Sein literarisches Werk blieb im deutschsprachigen Raum recht unbekannt, auch wenn der Hanser Verlag und der Fischer Verlag einige seiner Erzählungen und Romane veröffentlichten.
Vielleicht kann man sagen, dass die Literatur von Roberto Bolano eine gewisse Nähe zum französischen wie spanischen Surrealismus unterhält. Albtraumhafte Motive drängen sich auf. Die Geschichten erinnern aber auch an Arbeiten der lateinamerikanischen Dichter Jorge Luis Borges und Julio Cortázar.
In dem Roman „Monsieur Pain“ erzählt uns Bolano eine tollkühne Geschichte, die fast ein Krimi sein könnte, sehr paranoid wirkt und mit verworrenen Verschwörungen verwoben ist. Vor der Kulisse des beginnenden Zweiten Weltkriegs verstricken sich die Begegnungen und Begebenheiten der Menschen ins Okkulte, Wahnhafte und Krankhafte. Es sind Sätze wie diese, die das Buch zum Vergnügen werden lässt: „Mut hat nur dann einen Sinn, wenn man weiß, gegen wen man sich verteidigen muss, und das ist bei mir nicht der Fall. Meine Feinde sind überall in der Luft und schlimmer noch, am Boden. Sie kriechen über das Territorium der Schuld.“

Monsieur Pain - Roberto Bolano
Monsieur Pain
von Roberto Bolano
(3)
Buch (gebundene Ausgabe)
21,60

Wahnwelten

Dr. Ralf ROTHER aus der Thalia-Buchhandlung in Wien , am 13.03.2020

Sherko Fatahs Roman "Schwarzer September" erzählt uns eine kraftvolle, spannende und zugleich analytische Geschichte des Terrorismus in den Siebziger Jahren, der später in das Münchner Olympia-Attentat der Terrorgruppe "Schwarzer September" kulminierte.
Als ein vorangestelltes "Motto" zu seinem Roman wählte Sherko Fatah ein Zitat aus Hegels "Vorlesung über die Ästhetik". Dort heißt es: "Besonders sind Jünglinge diese neuen Ritter, die sich durch den Weltlauf, der sich statt ihrer Ideale realisiert, durchschlagen müssen und es nun für ein Unglück halten, dass es überhaupt Familie, bürgerliche Gesellschaft, Staat, Gesetze, Berufsgeschäfte usf. gibt (...)."
Hegels Zitat stammt aus einem Abschnitt, in dem er sich mit der Romantik und den im Roman geschilderten Kämpfen zwischen dem Ich und der Welt beschäftigt. Diese Kämpfe kennen wir auch aus Sigmund Freuds diagnostiziertem Unbehagen in der Kultur oder auch aus der Triebstruktur im Ödipuskomplex. In Sherko Fatahs Roman kämpfen und bekämpfen sich die verschiedensten Interessensgruppen, um ihre Welt und ihre Weltsicht durchzusetzen.
An diesen Kämpfen sind die politischen Machthaber, deren Geheimdienste und eben deren Widersacher beteiligt. Diese Kämpfe sind wahnhaft, mörderisch, nihilistisch, zynisch und voller Intrigen.
Gegen Ende seines Romans lässt Sherko Fatah einen seiner Protagonisten sich an die Predigt eines Imans erinnern: "Wir Muslime sind vom Staub der Geschichte begraben worden. Vergessen, weil uns von früh an die Willkür der Macht aufgedrängt wurde, anfangs durch die Kalifen und später durch fremde Mächte. Nur ein im Glauben begründeter Staat kann uns befreien von all der Zerstrittenheit und der Gewalt unter den Muslimen, von den Diktatoren und ihren Folterkellern, die uns der Westen geschickt hat."
Sherko Fatah zeigt mit der Wucht seiner Erzählung wie in einer heterogenen Welt des Zusammenlebens die Wahnvorstellung eines reinen und einfältigen Idealstaats nach einem Fanal verlangt, das die Fesseln der Wirklichkeit durchschlägt.

Schwarzer September - Sherko Fatah
Schwarzer September
von Sherko Fatah
(2)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,70

Mit Liebe zur Küche und Landschaft Irans

Dr. Ralf ROTHER aus der Thalia-Buchhandlung in Wien , am 12.03.2020

Dem Kochbuch merkt man sofort die Liebe zur Küche und zur Landschaft Irans an.
Manuela Darling-Gansser verbrachte ihre frühe Kindheit in Teheran, da ihr Vater Augusto Gansser-Biaggi von 1951 bis 1958 als Chefgeologe für die National Iranian Oil Company arbeitete.
Trotz der politisch unruhigen Zeiten aufgrund der Herrschaft von Reza Pahlavit und der Verstaatlichung der Ölindustrie im Land, wurde für Manuela Darling-Gansser der Aufenthalt in Iran eine Zeit sentimentaler Gefühle, aus denen das herrliche Kochbuch zur persischen Küche erwuchs.
Mittlerweile lebt sie in Sydney und schreibt über Kochrezepte und kulinarische Reisen.
Ob die in diesem Kochbuch enthaltenen Rezepte einer sogenannten "authentischen" persischen Küche gerecht werden, vermag ich nicht entscheiden, aber die Speisen sehen köstlich aus und machen Appetit. Außerdem beeindruckt das Buch mit seiner fotografischen Aufbereitung.

Pardiz - Manuela Darling-Gansser
Pardiz
von Manuela Darling-Gansser
(2)
Buch (gebundene Ausgabe)
37,10

Eine Handvoll Steine

Dr. Ralf ROTHER aus der Thalia-Buchhandlung in Wien , am 09.03.2020

Es mag sein, dass einige RezensentInnen vom sprachlichen Überschwang literarischer Anspielungen irritiert waren, den Samuel Beckett in der Erzählung „Echos Knochen“ ausbreitete. Diese RezensentInnen reagierten in der Weise, wie es Becketts Lektor Charles Prentice Ende 1933 vorhersah: „Die Leute werden schaudern, sie werden ratlos und verwirrt sein; und sie werden keine Lust haben, ihr Schaudern zu analysieren.“
Einige RezensentInnen betonten ihre Abneigung vor Becketts „jugendlichen Übermut“, mit der er in dem Stück seine Belesenheit in jedem Satz andeutet. Gewiss ziehen sie die karge und dürftige Ausstattung der späteren Stücke Becketts vor.
Es stimmt: Beckett schickt den Leser und die Leserin in ein wüstes Totenreich der Geschwätzigkeit. Und macht das er großartig.
Beckett entlässt in der Erzählung „Echos Knochen“ Belacqua, den wir aus dem Erzählungsband „Mehr Prügel als Flügel“ kennen oder auch aus Dantes „Göttlicher Komödie“, unsanft ins Totenreich: „Die Toten sterben unsanft, im Jenseits gelten sie als Eindringlinge […].“
Trotz Belacquas ausgewiesenen Hang zur Faulheit und fötalen Haltung ist er mit Eintritt ins Totenreich „munter dabei, sein altes Treiben im irdischen Jammertal fortzusetzen“.
So geschieht viel Groteskes, das uns beim Lesen kenntnisreich entgegenschlägt. Und dennoch ergeht es uns, wie Belacqua oder auch der Nymphe Echo, dass wir, wenn wir zusammen mit unserem Totengräber in unser Grab blicken, nichts weiter erblicken werden wie eine Handvoll Steine. Da hilft weder der Versuch Gespräche zu führen noch die Gelegenheit zu Abenteuern, von pikanter und erotischer Art: „Im Sarg die Handvoll Steine […].“ Nichts weiter, aber davon immer mehr …

Echos Knochen - Samuel Beckett
Echos Knochen
von Samuel Beckett
(2)
Buch (gebundene Ausgabe)
24,70

 
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