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Klusi aus Hof

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Meine Bewertungen

Helena Demuth und die Familie Marx - ein ausdrucksstarker Roman über interessante Menschen und eine bewegte Zeit

Klusi aus Hof , am 29.05.2018

2018 ist ein Karl-Marx-Jahr, denn der Geburtstag des großen Philosophen und Denkers jährt sich heuer zum zweihundertsten Mal, ein guter Zeitpunkt und Grund, sich etwas näher mit seinem Leben und Wirken auseinander zu setzen. Karl Marx war mir bisher nur durch seine kommunistischen Schriften bekannt, denn er war einer der ersten, die sich Gedanken um die gesellschaftliche Entwicklung und das Schicksal der Arbeiter während der fortschreitenden Industrialisierung machte. Über Karl Marx, den Privatmann, Ehemann und Vater wusste ich bisher so gut wie nichts.
Die Schwestern Claudia und Nadja Beinert haben ihm nun auf sehr besondere Weise einen Roman gewidmet, in dem man viel über ihn erfährt, obwohl er nicht die Hauptperson ist. Hier wird die Geschichte aus der Sicht der Helena Demuth erzählt. Lenchen, wie sie von den meisten liebevoll genannt wurde, stammte aus einer armen Tagelöhnerfamilie und kam als Dienstmädchen nach Trier, in das Elternhaus von Karl Marx' späterer Ehefrau Jenny. Von dort wechselte sie später in den Marxschen Haushalt und war nicht nur Dienstmädchen und Kinderfrau, sondern zugleich auch eine enge Vertraute, sowohl von Jenny als auch von Karl Marx.
Lenchen Demuth ist die Ich-Erzählerin dieses inhaltsträchtigen und lebendigen Romans, der den Leser in eine Zeit versetzt, als vieles im Umbruch war. Da sich die Autorinnen sehr stark an der Realität orientiert haben, hat man ein sehr deutliches Bild vor Augen, wie die Familie Marx damals lebte. Wenn Änderungen an den Tatsachen aus dramaturgischen Gründen vorgenommen werden mussten, so taten die Autorinnen dies sehr behutsam. Bei den lebhaften und farbigen Beschreibungen der verschiedenen Charaktere, die im Roman vorkommen, hat man fast den Eindruck, diese persönlich kennenzulernen
Lenchen, das einfache Dienstmädchen, das sicher im Haushalt alle Hände voll zu tun hatte, war daneben wissbegierig und lernbereit und nahm großen Anteil am Weltgeschehen, an Kultur und Politik. Sie soll sogar Schach gegen Karl Marx gespielt haben, und nicht nur das Ehepaar Marx, sondern auch Freunde der Familie, schätzten sie als Gesprächspartnerin, Ratgeberin und Kritikerin.
Auch erfahren wir hier ein offenes Geheimnis, denn Lenchen war auch Karls Geliebte, und die beiden hatten einen gemeinsamen Sohn. Wie das alles in die Familiengeschichte passte und was genau damals vorgefallen ist, welche Gefühle im Spiel waren, das werden wir nie erfahren, denn dieses Wissen haben die Protagonisten mit ins Grab genommen. Die Geschichte, wie sie die Schwestern Beinert sehr einfühlsam um die historischen Tatsachen konstruiert haben, klingt jedenfalls von Anfang bis Ende glaubwürdig und nachvollziehbar.
Der Schreibstil dieses interessanten Romans ist angenehm flüssig und bildhaft, manchmal wehmütig oder traurig, dann wieder humorvoll und optimistisch, immer im Rhythmus des wahren Lebens. In Lenchens Erzählung fließen viele philosophische Gedanken mit ein, und man erfährt sehr viel über die damalige Ära und ihre Zeitgenossen. Die Autorinnen machen es dem Leser leicht, intensiv in die Geschichte einzutauchen, so brillant beschreiben sie die Atmosphäre der damaligen Zeit. Man kommt beim Lesen dieses Romans kaum umhin, sich näher mit den beteiligten Personen zu befassen, zumindest erging es mir so. Neben dem Roman habe ich mich in alle Berichte vertieft, in denen es um die Familie Marx ging. Das Betrachten alter Bilder hat mir die einzelnen Personen noch näher gebracht. Am Ende des Romans angekommen habe ich das Buch sehr zufrieden zugeklappt, denn ich habe nicht nur spannende Lesestunden erlebt, sondern auch sehr viel Neues über die Geschichte des 19. Jahrhunderts erfahren. Ein leises Bedauern mischte sich schon unter die Zufriedenheit, denn Lenchen war mir im Verlauf der Geschichte richtig ans Herz gewachsen, und es fiel mir schwer, Abschied von ihr und der Familie Marx zu nehmen. Die vermittelten Eindrücke und Gefühle sind nachhaltig, und ich weiß sicher, dass ich dieses Buch noch öfter zur Hand nehmen werde.

Revolution im Herzen - Claudia Beinert, Nadja Beinert
Revolution im Herzen
von Claudia Beinert
(51)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,60

Ein zutiefst berührendes Buch, das man einfach gelesen haben muss!

Klusi aus Hof , am 22.01.2018

Am 13. November 2015 wurde Antoine Leiris der Liebe seines Lebens und der gemeinsame kleine Sohn Melvil seiner Mutter beraubt. Hélène Leiris kam bei dem Attentat im Le Bataclan in Paris ums Leben. Antoine Leiris ist von jetzt auf gleich mit seinem Sohn allein. Trotz seiner tiefen Trauer kann er sich nicht verkriechen, sondern muss für Melvil da sein. Der Kleine versteht noch nicht, was passiert ist. Er vermisst seine Mutter, und Antoine muss einen Weg finden, ihm zu sagen, dass seine geliebte Mama nicht wieder kommen wird.
Das Büchlein ist mit 141 Seiten nicht sehr dick und dabei groß gedruckt, und doch enthält es so viel! Antoine Leiris erzählt seine schmerzvolle Geschichte, die das Schicksal ihm auferlegt hat. Er beschreibt seine eigene Situation und seine Gefühle sehr bildhaft. In seinen Worten kommt die ganze Tragik zum Ausdruck, die er selbst noch gar nicht in vollem Umfang begreifen kann. Für ihn war es vermutlich auch eine Art Trauerbewältigung, dieses Buch zu schreiben. Er schildert seine Bemühungen, zusammen mit seinem Sohn wieder in den Alltag zu finden, seine Erfahrungen mit Menschen im Umkreis der zerstörten kleinen Familie, und er berichtet von den liebevollen, hoffnungsvollen Momenten mit seinem Sohn, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern (ja, auch das gibt es in diesem Buch, und es ist gut so!).
Das Herzstück des Buches ist jedoch der Brief, den Antoine Leiris, an die Attentäter gerichtet, auf Facebook veröffentlicht hat. Dieser beginnt mit den Worten: „Freitag Abend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass bekommt ihr nicht“.
Nicht nur dieser Brief, das ganze Buch ist zutiefst berührend. Es spricht von der unendlichen Trauer eines liebenden Mannes und Vaters, es erzählt einerseits von Hoffnungslosigkeit, aber das, was Antoine Leiris geschrieben hat, zeugt auch von einer ungemein starken Geisteshaltung. Die Aufgabe, seinem Sohn das Schicksal der Mutter nahe zu bringen, ist nicht einfach und wird in der Zukunft noch viel Kraft erfordern. Aber er wird das hinbekommen und seinen kleinen Sohn zu einem freien, starken, liebenden Menschen erziehen. Antoine Leiris hasst die Täter nicht, und genau damit trifft er sie! Ich kann die Stärke dieses Mannes nur bewundern.
Das kleine Buch mit dem großen Inhalt kann ich nur jedem ans Herz legen.

Meinen Hass bekommt ihr nicht - Antoine Leiris
Meinen Hass bekommt ihr nicht
von Antoine Leiris
(16)
Buch (gebundene Ausgabe)
12,40

Liebe auf den zweiten Blick!

Klusi aus Hof , am 11.01.2018

Gemma war noch ein kleines Mädchen, als sie ihre Eltern bei einem verheerenden Brand verlor. Die traumatischen Erlebnisse von damals verfolgen sie auch drei Jahrzehnte später noch bis in ihre Träume. Ihr Vater, Professor für italienische Renaissance, hatte damals wohl etwas sehr Wichtiges entdeckt, das ihm und seiner Familie zum Verhängnis wurde.
Plötzlich erhält Gemma mehrere rätselhafte Mails, mit Bruchstücken von Gedichten aus Robert Brownings Feder. Auch ein Schmuckstück erreicht sie von einem anonymen Absender, und so beschließt sie, den versteckten und in gewisser Weise beunruhigenden Hinweisen nachzugehen.
Bei ihrer Suche nach dem Sinn der anonymen Botschaften wendet sie sich an den Oxford-Professor Sisley Ryland-Bancroft. Nach kurzem Zögern beschließt dieser, ihr zu helfen, denn irgend etwas an der verletzlichen jungen Frau und ihrer Geschichte berührt ihn zutiefst.
Gemeinsam machen sie sich auf eine lange Reise, die ungeahnte Gefahren und so manche Überraschung mit sich bringt.
Der Roman spielt auf drei Zeitebenen. Die Rahmenhandlung bildet dabei Gemmas Geschichte, die passenderweise im Präsens erzählt wird. Dazwischen findet man Abschnitte, die ins 19. Jahrhundert, zu dem Dichterehepaar Elizabeth Barrett und Robert Browning, entführen. Weitere Passagen erzählen die anrührende Geschichte von Lucrezia di Cosimo de’ Medici. Diese sind aus der Ich-Perspektive der jungen Lucrezia geschrieben. Bei den beiden historischen Handlungssträngen hat man anfangs den Eindruck, sie hätten recht wenig mit dem aktuellen Geschehen um Gemma zu tun. Es lohnt sich jedoch, hier ein wenig Geduld aufzubringen und sich darauf einzulassen, denn erst nach und nach fügt sich eines zum anderen, bis sich zuletzt alle Puzzleteile passgenau zusammensetzen und ein fertiges Gesamtbild ergeben. Es sind so viele Details in der Geschichte versteckt, die sich erst auf den zweiten oder gar dritten Blick erschließen!

Mit Gemma und Sisley hat der Roman zwei außergewöhnliche, interessante Charaktere, die einerseits so verschieden wirken und doch die selbe Sprache sprechen. Es sind zwei richtige „Anti-Helden“, die im Lauf ihrer Reise in Situationen geraten, die sie an ihre Grenzen bringen, die sie aber gerade miteinander bestehen können, weil sie gegenseitig ein tiefes Verständnis aufbringen.

Bildhaft und wunderschön ist die Sprache der Autorin, und die Protagonisten sind so farbig und lebendig dargestellt, dass es ein Leichtes ist, sie und ihre Beweggründe zu verstehen und mit ihnen zu fühlen. Überhaupt spielen Bilder und Farben in der Handlung eine tiefgreifende Rolle, und es hat mir viel Freude gemacht, ein Gemälde bis in seine Details zu erschließen.
Dies ist ein Buch, das sich lohnt, mehrfach zu lesen, denn erst nach und nach wird man alle Facetten und Zusammenhänge erkennen und so manche Metapher entdecken.
Darüber hinaus zeichnet sich der Roman durch plastische, farbenprächtige Schilderungen der besuchten Schauplätze aus, was das Lesen zum Genuss macht.

Die Farben der Erinnerung - Nicole C. Vosseler
Die Farben der Erinnerung
von Nicole C. Vosseler
(9)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Kleiner Streuner - große Liebe

Klusi aus Hof , am 08.12.2017

Alle Jahre wieder! Ich gebe zu, bei den Weihnachts-Hundebüchern von Petra Schier werde ich regelmäßig zum „Verpackungsopfer“. Wer könnte schon dem hinreißenden Cover widerstehen?! Aber Socke, der süße kleine Hund auf dem Titelbild, ist natürlich nicht der einzige Grund, zu diesem Buch zu greifen, denn es gibt darin eine wunderbare Geschichte zu entdecken.
Socke ist ein Findelhund. Als Eva den Kleinen entdeckt, ist er bereits halb verhungert und ausgekühlt. Zusammen mit André, ihrem Kollegen aus der Sozialstation, nimmt sie das Hündchen bei sich auf bzw. bringt es bei André unter, da sie selbst in ihrer momentanen Wohnung keine Tiere halten darf. Dass sie sich hier mit André zusammentut, um dem kleinen Streuner zu helfen, kostet Eva große Überwindung. Waren die beiden doch in der Vergangenheit ein Paar, aber Eva hat die Reißleine gezogen, bevor André, der Frauenheld, ihr das Herz brechen konnte. Schon die Zusammenarbeit in der Sozialstation ist nicht einfach, denn das ehemalige Liebespaar kommt sich immer wieder in die Haare. Dabei würden André und Eva doch so gut zusammenpassen, das ist zumindest die Meinung von Socke und auch von Santa Claus und seinen Weihnachtselfen, die auch diesmal wieder alle himmlischen Hebel in Bewegung setzen, wenn es darum geht, Wünsche zu erfüllen. Aber Eva ist diesbezüglich ein „harter Brocken“. Ob sie bis Weihnachten ihr Glück findet, das erfährt man in den vierundzwanzig Kapiteln (und dem Nachspiel). Diese ideale Aufteilung im Buch sind Fans der weihnachtlichen Hundebücher von Petra Schier bereits von den Vorgängern gewohnt, denn dadurch würde sich das Buch auch sehr gut als literarischer Adventskalender eignen, wenn man denn die Geduld aufbrächte, täglich wirklich nur ein Kapitel zu lesen. Zugegebenermaßen fällt mir das immer schwer, denn einmal angefangen, kann man nur schlecht wieder aufhören zu lesen, und ehe man sich versieht, ist man am Ende angelangt, schon lange vor dem Weihnachtsfest. Aber egal wie man sich beim Lesen entscheidet, ob man die Geschichte in vierundzwanzig Häppchen genießt oder in einem Rutsch quasi verschlingt, weihnachtliche Stimmung, Spannung und Romantik sind vorprogrammiert! Man trifft alte Bekannte aus den Vorjahren wieder, denn auch diesmal spielt sich die Handlung zu einem großen Teil in der Sozialstation ab. Man begegnet dort interessanten Charakteren und wird mit bewegenden Schicksalen konfrontiert. Evas Lebenseinstellung und die Gründe dafür haben mich langfristig beschäftigt und beeindruckt.
Auch in diesem Jahr wartet also wieder ein wundervoller Liebesroman zwischen den schön gestalteten Buchdeckeln, und wenn man hier mit erlebt, wie klein Socke, der dünne, verwahrloste Streuner, nach und nach zu einem satten, glücklichen Hund wird, geht einem das Herz auf. Ich kann dieses schöne Büchlein nur wärmstens empfehlen.

Kleiner Streuner - große Liebe - Petra Schier
Kleiner Streuner - große Liebe
von Petra Schier
(23)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Freiheit unterm Schleier

Klusi aus Hof , am 26.11.2017

Die allgemeine Meinung über den Iran ist geprägt von Negativmeldungen in der Presse, mehr wissen die meisten Menschen nicht über dieses Land und seine Bewohner. Schon vor einiger Zeit habe ich ein Buch über das Reisen im Iran gelesen und war fasziniert, was sich hinter der starren offiziellen Fassade alles verbirgt, wie die Menschen wirklich denken und leben.
In diesem Buch hier geht es nun speziell um die Frauen im Iran. Die Autorin hat Frauen der unterschiedlichsten Lebensbereiche zu ihrer Situation befragt und erstaunliche Erkenntnisse gewonnen. Sie besitzt selbst, neben der deutschen, die iranische Staatsbürgerschaft und hat eine ganz andere Sichtweise des Lebens dort.
An vielen Bemerkungen im Buch und zur Situation merkt man sehr deutlich, dass die Autorin den Iran liebt und den Menschen dort verbunden ist. Bei ihr gibt es keine Berührungsängste, denn ihr sind viele Gegebenheiten vertraut, die uns fremd erscheinen. Da sie die meiste Zeit in Deutschland lebt, gelingt es ihr besonders, die Gegensätze aber auch eventuelle Gemeinsamkeiten im Leben der iranischen und der deutschen Frauen realistisch darzustellen. Sie beschönigt nichts und gibt durchaus zu, dass in ihrem Heimatland nicht alles bestens ist, aber die Menschen dort sind auf dem besten Weg, den Iran in eine hoffnungsvolle Zukunft zu führen.
Für mich war es erstaunlich, zu lesen, was die Frauen in diesem Land schaffen, denn gerade der weiblichen Bevölkerung wird vieles durch strenge Gesetze erschwert, worüber man sich als Europäerin gar keine Gedanken machen muss. Es trotzdem zu schaffen, sich gegen staatliche Verordnungen aufzulehnen und das Leben nach eigener Vorstellung zu leben, das zeigt die wahre Stärke der Iranerinnen.
Nicht nur Frauen, die im Iran aufgewachsen sind, kommen zu Wort, sondern da gibt es auch diejenigen, die aus Liebe zu einem Mann in den Iran ausgewandert sind und seitdem dort leben. Für sie sind die Unterschiede in der Lebensführung sicher besonders deutlich spürbar, und doch gelingt es ihnen ein, glückliches, erfülltes Leben im Iran zu führen, ohne etwas zu vermissen.
Es gilt, die Möglichkeiten zu entdecken und auch zu nutzen, und das beherrschen die meisten Frauen in diesem Land außerordentlich gut. Ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen und danach zu leben, das ist oft schwierig aber machbar, und ich war überrascht, was alles in diesem Land möglich ist!
Für mich war dieses Buch eine interessante und erkenntnisreiche Lektüre, die so manches Bausteinchen in meinem Weltbild gerade und an seinen Platz gerückt hat.

Freiheit unterm Schleier - Bita Schafi-Neya
Freiheit unterm Schleier
von Bita Schafi-Neya
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,00

Trotz einiger Kritikpunkte ein schöner Roman

Klusi aus Hof , am 19.11.2017

Bei diesem Buch haben mich sofort der Titel und das Cover sehr angesprochen. Die Inhaltsbeschreibung, die verrät, dass es hier um eine junge Heilpraktikerin geht, tat ihr übriges, um mir den Roman schmackhaft zu machen.
Der leichte, bildhafte Schreibstil gefällt mir sehr gut, und so fiel mir der Einstieg in die Geschichte leicht. Viola, die Protagonistin, ist manchmal etwas zwiespältig in ihren Reaktionen und Handlungen. Gerät sie in kritische Situationen, kommt ihr italienisches Temperament zum Vorschein. Leider wird dieses durch viele negative Erfahrungen in ihrer Vergangenheit gedämpft. Wie sich so nach und nach herausstellt, hat die junge Witwe nicht nur den Verlust ihres geliebten Mannes zu betrauern, sondern auch von Seiten ihrer Eltern gab es einige Enttäuschungen für sie. Trotz ihrer eigenen Probleme findet sie ihre Bestimmung darin, anderen Menschen durch ihr naturheilkundliches Wissen zu helfen. Das kommt nicht nur ihren Patienten zugute, sondern auch ihrer alten Freundin und Mentorin Giséle, die ihn Paris einen hübschen kleinen Kräuterladen betreibt, die aber nun in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken scheint. Mit gemeinsamen Kräften bemühen sich die beiden Frauen, das hübsche kleine Geschäft wieder in Schwung zu bringen.
Schon kurz nach ihrer Ankunft in Paris lernt Viola auch Romain kennen, der ganz in der Nähe des Kräuterladens ein Café betreibt. Das Verhältnis zwischen ihm und Viola entwickelt sich kompliziert, und auch Giséle hat ihre eigene Meinung dazu, wobei ich ihre Gedankengänge nicht immer völlig nachvollziehen konnte.
Viola scheint leicht beeinflussbar; sie fällt gerne auf das Offensichtliche herein und zieht immer wieder falsche Schlüsse in ihrem Leben, was sie in meinen Augen immer ein wenig als labiler Charakter dastehen ließ.
Gut gefallen haben mir die immer mal wieder eingeflochtenen Rezepte für selbst gemachte Naturkosmetik. Da mich dieses Thema brennend interessiert, werde ich sicher die eine oder andere Anregung ausprobieren.
Die Protagonistin kennt sich jedoch nicht nur mit Naturkosmetik, Kräutertees und Bachblüten aus, sondern sie beschäftigt sich auch zunehmend mit Irisdiagnostik, schon im Gedenken an ihren verstorbenen Mann, dem dieses Thema in der Vergangenheit sehr wichtig war. Da Viola diese Studien nun wieder aufnimmt, geht es auch seitenweise nur um Erklärungen dazu. Das war mir persönlich manchmal fast zu intensiv und langatmig.
Insgesamt ist „Der Duft von Honig und Lavendel“ ein schöner, ansprechender und vielschichtiger Roman, auch wenn ich oft den Eindruck hatte, die Protagonisten reden stellenweise aneinander vorbei. Das Ende und die Art, wie sich dabei alle Fäden zusammenfügen, wirkte für mein Empfinden etwas konstruiert und abgehackt und daher nicht hundertprozentig zufriedenstellend.

Der Duft von Honig und Lavendel - Donatella Rizzati
Der Duft von Honig und Lavendel
von Donatella Rizzati
(4)
Buch (Paperback)
15,50

Wunderschöner, bezaubernder Roman mit toller Atmosphäre

Klusi aus Hof , am 05.11.2017

Dies ist der dritte Roman, den ich von der Autorin gelesen habe, und was mir an ihren Büchern ausgesprochen gut gefällt, ist die starke Naturverbundenheit. Waren es in den anderen beiden Geschichten Tiere, um die es hauptsächlich ging, so handelt dieser Roman von einer verborgenen, alten Gärtnerei. Nora ist allein erziehende Mutter einer siebenjährigen Tochter, und sie hat liebenswerte Nachbarn, die sich um die kleine Fanny kümmern, während Nora arbeitet. Für ihre Freunde Ellie, Margarete und Udo, alle drei im Rentenalter, ist das Leben in ihrem selbst ernannten „Mehrgenerationenhaus“ ebenfalls eine Bereicherung, denn sie können nicht nur Nora unterstützen, sondern genießen auch die gemeinsame Zeit mit Fanny sehr.
Als die Freunde zufällig bei einem Ausflug die alte Gärtnerei entdecken, können sie gar nicht anders, als immer wieder dorthin zurück zu kehren. Der verborgene Garten übt einen ganz eigentümlichen Zauber auf die Besucher aus, dem sie sich nicht entziehen können. Unter einer dichten Decke von Unkraut versteckt haben viele Pflanzen überdauert, die nun ihre Schönheit wieder entfalten können, und es lauert so manches Geheimnis in den grünen Dickicht.

Tania Krätschmar hat eine unnachahmlich schöne Art, ihre Charaktere zu zeichnen und die besondere Atmosphäre der Gärtnerei zu beschreiben. Wenn ich zwischendurch die Augen schloss, konnte ich im Geist alles sehr deutlich vor mir sehen und hatte fast den Duft der Natur in der Nase, so lebendig ist alles geschildert. Schön ist, dass Nora auch Gleichgesinnten begegnet, die sie in ihrer großen Gärtner-Leidenschaft bestens verstehen können. Die Dialoge, die sich bei solchen Begegnungen entwickelten, haben mich fasziniert, denn auch ich habe quasi ein „Gärtner-Gen“ von meinen Vorfahren geerbt. Ich habe mich in der ganzen Atmosphäre, die der Roman ausstrahlt, sehr wohl gefühlt und die 334 Seiten richtiggehend verschlungen. Durch ein altes Geheimnis, das die Gärtnerei verbirgt und das in eine dunkle Zeit Deutschlands zurück führt, hat der Roman zusätzlich Tiefe und ist stellenweise sehr berührend. Alles in allem hat „Nora und die Novemberrosen“ für mich das Zeug zum Lieblingsbuch.

Nora und die Novemberrosen - Tania Krätschmar
Nora und die Novemberrosen
von Tania Krätschmar
(9)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Eine unglaublich packende Geschichte, die das Leben selbst schrieb!

Klusi aus Hof , am 12.10.2017

Was Ronen Steinke in diesem Buch beschreibt, hat sich wirklich ereignet. Während überall in Deutschland Massendeportationen der Juden stattfanden, hat der muslimische Arzt eine junge Frau vor den Augen der Gestapo versteckt. Wie er das zustande gebracht hat, ist geradezu unglaublich. Es war ein gewagtes Unterfangen, bei dem sich Mohammed Helmy selbst immer wieder in Gefahr brachte.
Der Autor schildert das ganze so authentisch, so nah, als wäre er selbst dabei gewesen. Ein Blick in die Anmerkungen am Ende des Buches, die 31 Seiten umfassen, zeigt, wie ungeheuer riesig der Rechercheaufwand für diese Geschichte sicher war. Neben dem Schicksal der jungen Jüdin Anna, die unter Helmys Schutz die Zeit des zweiten Weltkriegs überlebte, beschreibt der Autor auch sehr detailliert die allgemeine Situation der Muslime zur damaligen Zeit in Deutschland. Es geht im weiteren Sinn auch um das Verhältnis der Nazis zur muslimischen Bevölkerung Berlins und auch die Beweggründe dafür. Gerade bedingt durch die erstaunlich positive Einstellung der Nazis zu den arabischen Ländern, die nicht von ungefähr kam, sondern von einer gewissen Erwartungshaltung her rührte, gelang Helmy dieses Husarenstück. Ein weiterer Aspekt, der hier zur Sprache kommt und die Realität ganz ungeschönt zeigt, ist die Tatsache, dass sich selbst jüdische Familienmitglieder oft gegenseitig in Gefahr brachten, wohl selten bewusst, sondern meist unabsichtlich. Es war eine schlimme Zeit, aber das, was Ronen Steinke hier erzählt, macht offensichtlich, was wahre Nächstenliebe ist und dass Zivilcourage manchmal auch kleine Wunder vollbringen kann.
Dieses Buch über die Jüdin Anna Boros und den Arzt Mohammed Helmy hat mich sehr berührt und nachdenklich gemacht, und es zeigt, dass die unglaublichsten Geschichten das Leben selbst schreibt.

Der Muslim und die Jüdin - Ronen Steinke
Der Muslim und die Jüdin
von Ronen Steinke
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,60

Düster und spannend, wieder ein toller historischer Krimi um die Salbenmacherin Olivera.

Klusi aus Hof , am 26.09.2017

Dies ist bereits der dritte Band um die Salbenmacherin Olivera.
Es beginn in Nürnberg, im Sommer 1409. Gleich auf der ersten Seite wird man mit einem grausigen Fund konfrontiert. Am Ufer der Pegnitz wurde eine Leiche angespült, die brutal verstümmelt ist. Weder Kopf noch Hände sind noch vorhanden, außerdem wurde der Tote ausgeweidet. Die Nürnberger glauben, ein Werwolf sei hier am Werk gewesen. Olivera und ihr Mann Götz zweifeln jedoch daran. Sie sind der Meinung, hier sei ein Mensch äußerst brutal vorgegangen. Die Bevölkerung Nürnbergs leidet nicht nur unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit, sondern zu allem Überfluss geht auch ein Fieber in der Stadt um, an dem immer mehr Menschen erkranken. Von daher liegen bereits die Nerven der Bevölkerung blank. Die Sache mit der kopflosen Leiche versetzt die Nürnberger in Panik. Als ein vermeintlicher Mörder festgenommen wird, sind sich fast alle einig, dass es sich bei ihm um den Werwolf handelt. Für Olivera ist schon nach kurzer Zeit klar, dass hier ein Unschuldiger verurteilt werden soll. Aber als Frau hat ihr Wort beim Rat der Stadt kein Gewicht. Auch muss sie sich selbst und ihr ungeborenes Kind schützen, denn nicht alle in der Stadt sind ihr wohlgesinnt.

Ich habe Oliveras Schicksal schon vom ersten Band an verfolgt, und entsprechend leicht fiel mir der Einstieg in die Geschichte. Es war schön, neben Olivera und Götz auch Bekannten aus den vorherigen Büchern wieder zu begegnen, so beispielsweise dem ehemaligen Betteljungen Jona und seinem Freund Casper. Die beiden Jungen spielen auch diesmal wieder eine wichtige Rolle im Geschehen und bringen sich erneut in große Gefahr. Außerdem geht es diesmal um Gerlin und Eva, zwei junge Frauen, die im Hurenhaus leben und ihre Dienste anbieten. Beide sind nicht glücklich mit ihrem Schicksal und träumen davon, eines Tages ein anderes Leben führen zu können. Jede versucht, ihre Zukunftspläne auf ihre eigene Weise voranzutreiben, was zum Teil nicht ungefährlich ist und so manches Opfer fordert.
Die Romane der Autorin haben alle ein düsteres, mystisches Flair, das durchaus dazu angetan ist, einem den Schlaf zu rauben. Auch diesmal habe ich mir so manche nächtliche Stunde um die Ohren geschlagen, weil ich völlig gebannt von der Handlung war und einfach nicht mit dem Lesen pausieren konnte oder wollte.
Wie ich es gar nicht anders von Silvia Stolzenburg kenne, so charakterisiert sie ihre Protagonisten auch hier wieder sehr lebendig und klar. Auch die Handlungsorte sind brillant beschrieben, und da ich schon oft in Nürnberg war und mir die Örtlichkeiten vertraut sind, konnte ich mich in viele Situationen der Handlung besonders intensiv hinein versetzen. Wie schon die Vorgängerbände, so ist auch dieses dritte Buch um die Salbenmacherin äußerst kurzweilig zu lesen und bietet Hochspannung von der ersten bis zur letzten Seite, ja sogar darüber hinaus, denn am Ende ebbt die Spannung nur geringfügig ab, und es gibt einen gewaltigen Cliffhanger, der eine Fortsetzung verspricht. Hierfür werden die Leser jedoch arg auf die Folter gespannt, denn voraussichtlich wird es mindestens ein Jahr dauern, bis wir in den Genuss von Band 4 der Salbenmacherin kommen.

Die Salbenmacherin und die Hure - Silvia Stolzenburg
Die Salbenmacherin und die Hure
von Silvia Stolzenburg
(15)
Buch (gebundene Ausgabe)
15,50

Rosenstunden

Klusi aus Hof , am 16.09.2017

Nach den vier „Jahreszeiten-Bänden“ und dem kurzen ergänzenden eBook „Wolkenküsse“ ist dies der fünfte Hauptband und zugleich der Abschluss der Rose-Harbor-Reihe. Bei dieser Reihe empfehle ich dringend, alle Bände der Reihe nach zu lesen, denn einigen Charakteren der früheren Bücher begegnet man auch später wieder, und es würden wichtige Informationen fehlen, wenn man beispielsweise nur „Rosenstunden“ lesen würde, ohne die vorherigen Bände zu kennen, auch wenn anfangs noch einmal ausführlich auf die Vorgeschichte eingegangen wird. Ich denke, für Leser, die noch keinen der Bände gelesen haben, ist diese Einführung doch zu knapp, um alles überblicken zu können. Da ich davon ausgehe, dass die meisten Jo Maries Schicksal von Anfang an verfolgt haben, ist diese ausführliche Erklärung im letzten Band nicht sehr sinnvoll, sondern eher langweilig.
Etwas hat sich im Vergleich zu den vier Jahreszeitenbüchern geändert. Diese sind zum Teil aus Jo Maries Sicht in der ersten Person geschrieben, während die Abschnitte, in denen es um ihre Pensionsgäste geht, in der dritten Person verfasst sind.
Dieser fünfte Band ist durchgehend in der 1. Person geschrieben, aber jeweils wechselnd aus der Sicht von Jo Marie, Emily, Mark und Nick. Den Lesefluss beeinträchtigt das jedoch meines Empfindens nicht.
Einerseits wird Emilys Geschichte erzählt. Sie war bereits einmal mit ihrem Ex-Verloben in Cedar Cove, woran sich alle, die den entsprechenden vorherigen Band gelesen haben, sicher erinnern können. Nun ist sie wieder in der kleinen Stadt, um eine Stelle als Lehrerin anzutreten. Sie wohnt bei Jo Marie in der Pension, bis sie eine eigene Bleibe gefunden hat. Auf der Suche nach einem geeigneten Haus begegnet sie dem verschlossenen und anfangs sehr unfreundlichen Nick. Die Geschichte der beiden ist interessant, vor allem weil es bei beiden etwas in der Vergangenheit gibt, was sie zu verarbeiten haben.
Dabei stellen sie sich gegenseitig eine große Hilfe dar.
Jo Marie führt weiterhin ihre Pension. Die Hoffnung, ihren geliebten Mark wieder zu sehen, hat sie schon fast begraben, denn seit er vor neun Monaten die Stadt verlassen hat, um im Irak eine wichtige aber auch sehr gefährliche Mission zu erfüllen, hat sie kaum ein Lebenszeichen von ihm erhalten. Zum Abschied riet er ihr, sie solle ihr Leben ohne ihn einrichten. Obwohl sie ihn angeblich nach wie vor liebt, folgt sie seinem Rat und trifft sich mit anderen Männern. Dabei begegnet sie dem verwitweten Greg, und hier beginnt ihr Dilemma. Ich konnte die bisher so starke Jo Marie, die für jeden ihrer Gäste ein offenes Ohr und einen guten Rat hatte, kaum wieder erkennen, denn in diesem Band wirkt sie fahrig und unausgeglichen. Obwohl sie Mark angeblich noch liebt, steht sie nun zwischen zwei Männern und kann sich lange Zeit nicht entscheiden. Für mein Empfinden wurde die Situation auch künstlich ausgedehnt und zerredet. Besonders seltsam fand ich das Gespräch zwischen Mark und Greg, so als hätten die beiden Männer über ihre Zukunft zu entscheiden.
Er ist einerseits wichtig, da es um Jo Maries Zukunft und um Marks Schicksal geht, aber ich empfand diesen letzten Band eher als ein künstliches Hinauszögern mit ziemlichen Längen. Auch wenn das Cover wieder bezaubernd ist, so war für mich dies das schwächste Glied in der insgesamt schönen Buchreihe.

Rosenstunden - Debbie Macomber
Rosenstunden
von Debbie Macomber
(12)
Buch (Klappenbroschur)
10,30

 
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