Thalia-BuchhändlerInnen im Portrait: eiger | 153 Rezensionen
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eiger aus Berlin

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Indische Legenden und Wahrheiten

eiger aus Berlin , am 07.10.2018

„Tod am Taj Mahal“ ist der dritte Thriller von Manuel Vermeer um die Hydroingenieurin Dr. Cora Remy, der 2018 im KBV Verlag erschienen ist.
Cora ist für ein Projekt in Nepal angekommen, da erhält sie einen Anruf ihres indischen Freundes Ganesh. Er schlägt ein Treffen vor, weil sie doch gerade in der Nähe ist.

Ihre Aufgabe hier ist rasch beendet und sie fliegt kurz entschlossen nach Neu-Dehli. Der Flug von Kathmandu beträgt ungefähr eine Stunde. Aber nicht Ganesh erwartet sie am Airport, sondern sein bester Freund. Er hat seit dem Vortag nichts von Ganesh gehört. Irgendetwas stimmt nicht und so begibt sich Cora auf die Suche nach ihm. Dabei er- und überlebt sie unglaubliche Abenteuer und stößt auf eine Problematik von höchster Brisanz.

Es geht um die strategische Bedeutung von Sand – eine Tatsache, die im öffentlichen Bewusstsein noch nahezu unbekannt ist. Sand ist in den letzten Jahren nach Wasser zur zweitwichtigsten Ressource der Menschheit geworden. Das Thema Sandknappheit ist bei der Bevölkerung noch nicht angekommen. Hier wird durch den Autor ungemein viel Wissenswertes vermittelt.
Die Bauwirtschaft benötigt Sand für Megastädte, Flughäfen, Bürotürme und mehr. Stahlbeton besteht aus einem Drittel Zement und zwei Dritteln Sand. Nur der rund geschliffene Quarzsand aus Flüssen und dem Meer ist brauchbar zur Betonherstellung. Wüstensand ist wertlos.

Sand ist zu einem Milliardengeschäft geworden – der Bauboom in Asien verlangt immer mehr davon. Kriminelle Machenschaften und mafiöse Strukturen sind mit dem Sandgeschäft untrennbar verbunden.
Ganesh ist bei seinen Arbeiten am Taj Mahal auf mysteriöse Vorgänge aufmerksam geworden und hat einige Leute von der indischen Sandmafia aufgeschreckt. Deshalb befindet sich nicht nur er, sondern auch Cora mit ihren hilfsbereiten indischen Bekannten in höchster Gefahr.
Manuel Vermeer gelingt es meisterhaft ungemein viel Wissen über Sprache, indische Kultur und Religion sowie Philosophie geschickt mit einer spannenden Geschichte zu kombinieren, ohne den Leser zu belehren. Es ist Unterhaltung auf hohem Niveau.

Eine große Rolle spielt in Indien die Götterwelt, die ein eigener Kosmos ist. Hier erfährt man, wie einfach es sich die Briten gemacht haben und alles unter dem Begriff des Hinduismus zusammen- fassten, weil sie die Religionsvielfalt nicht durchschauen konnten und wollten. So ist ein Konfliktpotential entstanden, das sich bis zum heutigen Tag nichts von seiner Brisanz verloren hat.

Übertroffen wir d es nur noch durch die Teilung Indiens und Pakistans 1947 am Ende der britischen Kolonialherrschaft. Für mehr als zehn Millionen Menschen auf beiden Seiten der neuen Grenze war das gleichbedeutend mit Umsiedlung, Flucht und Vertreibung sowie Exzessen von Gewalt. Wenn Cora die hell erleuchtet Grenze zu Pakistan sieht, ahnt man als Leser, was hier für ein gefährliches Erbe sichtbar wird.
Erzählt wird die komplexe und gut recherchierte Geschichte mit Liebe zum Detail und Ortskenntnis. Überraschungen unterschiedlicher Art und unerwartete Wendungen bringen Spannung. Die Personen sind authentisch und realitätsnah beschrieben. Der flotte Schreibstil liest sich ausgezeichnet. Man wird zum Nach und Mitdenken angeregt. Schnelle Urteile über Menschen, deren Lebensumstände einem nahezu unbekannt sind, können nicht richtig sein.

Fazit:
Wer sich für Indien und globale Probleme, verpackt in einen spannenden Thriller, interessiert, dem ist dieses Buch zu empfehlen. Hier kann man mehr als aus klassischen Reiseführern über das Land und seine Menschen erfahren und eigene Ansichten relativieren.



Tod am Taj Mahal - Manuel Vermeer
Tod am Taj Mahal
von Manuel Vermeer
(5)
Buch (Taschenbuch)
13,40

Die Themse im Fluss der Zeiten

eiger aus Berlin , am 01.10.2018

„Die Themse – Biographie eines Flusses“ von Peter Ackroyd, erschienen 2008 im Verlag Knaus, ist ein ganz besonderes Buch. Hier wird die Lebensgeschichte eines Flusses erzählt, der nicht zu den ganz großen Strömen dieser Welt gehört.

Die Themse (Thames) ist ein recht unspektakulärer Fluss, gerade einmal 215 Meilen oder 346 km lang. Ihr Name kommt aus der keltischen Sprache. Das Wort „tam“ bedeutet so viel wie „glatt“ oder „sich ausbreiten“.
Seit mehr als 4000 Jahren leben Menschen an diesem Fluss, der mit der britischen Geschichte untrennbar verbunden ist. Er war Schauplatz von mythischen, historischen, militärischen und kulturellen Ereignissen. Davon erzählt Peter Ackroyds Biographie auf 557 Seiten in 15 Teilen, die insgesamt 45 Kapitel enthalten. Die Kapitelüberschriften dienen als Wegweiser. Man taucht ein in die Welt der Themse und blickt in den Spiegel der Geschichte und Natur.

Der wunderbare Erzählstil macht es dem Leser leicht die vielen Facetten des Flusses kennen zu lernen. Es wird Wissensvermittlung auf hohem Niveau geboten, ohne den Leser mit steifer Gelehrsamkeit zu langweilen.
Hier liegt ein Sachbuch in bester angelsächsischer Tradition vor. Peter Ackroyd kann man sich als Privatgelehrten vorstellen, der vieles gelesen und studiert hat. Er ist ungemein sachkundig, hat akribisch recherchiert und Freude am Erzählen. Er ist einer der wichtigsten Gegenwartsautoren Großbritanniens und hat viele Sachbücher und Romane verfasst, darunter auch die Biographien zweier Städte: Venedig und London.

Der Autor trägt Fakten und Anekdoten, Wissenswertes und Skurriles akribisch zusammen. Die Kapitel können, müssen aber nicht chronologisch gelesen werden. Man kann die Reise entlang des Flusses je nach Gusto gestalten und einzelne Abschnitte separat lesen.

Aber was wäre der Fluss ohne die Menschen, die an seinen Ufern leben. Wie haben sie mit und von der Themse gelebt? Ausführlich berichtet der Autor von der schweren Arbeit am Fluss, dem Bau von Tunneln und Brücken und dem Kommerz, als die gewaltige Welt der Docks entsteht. Bald ist der Fluss mit seinen Kräften am Ende und wird zur Kloake. Alle Anstrengungen im 21. Jahrhundert werden aber den heiligen Fluss nie wieder in seinen reinen Zustand versetzen können.

Auch Kunst und Literatur zur Themse sind einige Kapitel gewidmet. Die Darstellung von Peter Ackroyd gibt ein wahrhaft umfassendes Bild des Flusses. Das Buch ist angefüllt mit Fakten und Geschichte, Magie und Philosophie, Wirklichkeit und Träumen sowie Poesie und Leidenschaft.

Vervollständigt wird es durch zahlreiche Abbildungen und Karten, die das Buch wunderschön illustrieren. Auch ein umfassendes Register fehlt nicht. Entstanden ist ein echtes Meisterwerk in einer edlen Aufmachung, wenn man das gebundene Buch in den Händen hält. Die silberne Farbe des Covers impliziert Wasser und zeigt eine Zeichnung der Londoner Tower Bridge, einem Wahrzeichen der Themse.

Aus meiner Sicht ist das Buch eine klare Leseempehlung für alle, die schon immer etwas mehr über das sichtbare und unsichtbare Leben an der Themse erfahren wollten.

Die Themse - Peter Ackroyd
Die Themse
von Peter Ackroyd
(3)
Buch (gebundene Ausgabe)
41,90

Spannend bis zum Schluss

eiger aus Berlin , am 22.09.2018

Das Emmental, östlich von Bern gelegen, ist eine hügelige Landschaft, die von Viehzucht und der Herstellung des legendären Emmentaler Käses geprägt ist.
Hier spielt die Handlung des vierten Krimis von Gabriel Anwander, die so gar nicht in diese idyllische Gegend passt. Das Buch ist 2018 im Emons Verlag erschienen. Das schlichte Titelbild ist typisch für diesen Verlag und passt sehr gut zum Buch.

Alexander Bergmann, ein früherer Polizist, ist jetzt als Privatdetektiv tätig ist steht im Mittelpunkt. Er kommt gerade so einigermaßen zurecht und ist froh über jeden neuen Auftrag.
Der Boxclub in Langnau wird durch den ehemaligen Box-Champion Hammer-Joe betrieben. Ausgerechnet seine talentierteste Schülerin, Magdalena, ist verschwunden. Ihre Mutter sitzt im Gefängnis und ihr dem Alkohol verfallener Vater sind nicht gerade die besten Referenzen für sie. Das Interesse der Polizei ist so gut wie nicht vorhanden und Alexander Bergmann erhält einen neuen Fall.

Kaum hat er sich über das persönliche und familiäre Umfeld des Mädchens kundig gemacht, wird sie zwei Tage später schwer verletzt an der Kläranlage aufgefunden.
Eigentlich könnte Alexander jetzt seinen Vorschuss zurück geben und auf den nächsten Auftrag warten, doch er vermutet mehr hinter der Entführung des Mädchens .Er stößt bei seinen Ermittlungen in einem Bordell auf den Verdacht von Frauenhandel. Auch persönlich gerät er ins Visier von Kriminellen und landet brutal zugerichtet, wie Magdalena, im Spital.

Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr nimmt diese Kriminalgeschichte an Fahrt auf. Gabriel Anwander weiß mit immer neuen Details und überraschenden Wendungen Spannung aufzubauen und zu halten. Dabei ist sein flüssiger Erzählstil ruhig und unaufgeregt. Gerade dieser Kontrast macht den Krimi zu einem besonderen Leseerlebnis.
Die farben- und bildhaften Landschaftsbeschreibungen ermöglichen dem Leser sich alles genau vorzustellen. Manchmal fühlte ich mich direkt in Emmental angekommen. Die handelnden Personen sind sehr gut beschrieben und charakterisiert. Menschenkenntnis und auch eine Prise Humor bereichern den Krimi.
Die Suche nach dem Motiv der Entführung von Magdalena führt Alexander immer näher an gefährliche Kriminelle, die auch vor einem Mord nicht zurück schrecken. Die Gefahr für das Mädchen wird immer größer.
Die Spannung steigt permanent und ein packendes dramatisches Finale mit einer schlüssigen Auflösung fesselt den Leser bis zum Schluss.

Fazit: Mit „Tod im Emmental“ ist Gabriel Anwander ein sehr guter Krimi mit unvorhersehbarer Handlung und überzeugenden Protagonisten gelungen. Die Geschichte war geschickt aufgebaut und wurde logisch zu Ende geführt. Dar Fall war in sich stimmig und das Ende nachvollziehbar.
Mir hat das Lesen dieses Buches viele spannende Lesemomente beschert. Für Liebhaber von Krimis mit viel Lokalkolorit ist dieses Lektüre sehr empfehlenswert

Tod im Emmental - Gabriel Anwander
Tod im Emmental
von Gabriel Anwander
(2)
Buch (Taschenbuch)
11,30

Annes rätselhaftes Verschwinden

eiger aus Berlin , am 18.09.2018

Die Burgholzbahn bei Wuppertal, auch der Samba genannt, war eine elf Kilometer lange, eingleisige Eisenbahnstrecke zwischen Elberfeld und Cronenberg. Im Frühjahr 1988 wird die Strecke aus Sicherheitsgründen stillgelegt.

Zu diesem Zeitpunkt beginnt der Krimi. Auf der letzten Fahrt verschwindet die Sparkassenangestellte Anne. Ihre Schwester Linda sorgt sich und sucht nach dem Grund. Ist es eine harmlose Auszeit, die sich die Schwester genommen hat oder liegt ein Verbrechen vor?

Bei ihren Nachforschungen fühlt sie sich teilweise von der Polizei allein gelassen und recherchiert selbst im privaten und beruflichen Umfeld von Anne. Doch sie stößt auf Merkwürdigkeiten und stellt fest, wie wenig sie über ihre Schwester wusste. Bald gerät sie in das Visier eines Unbekannten und wird beobachtet und bedroht.

Elke Bardenhagen erzählt eine unglaublich spannende Geschichte, die einen sofort fesselt. Sie versteht es ausgezeichnet durch immer neue Details und rätselhafte Geschehnisse, die Linda erfährt, den Leser direkt in das Geschehen einzubeziehen.

Dabei sind die Stadt Wuppertal und das ausgedehnte Waldgebiet Burgholz der perfekte Rahmen für die Schilderung der Empfindungen von Linda, die allen Hinweisen und Spuren, die sie erhält, nachgeht. Natur- und Seelenzustandsbeschreibungen ergänzen sich perfekt. Der flüssige Sprachstil liest sich ausgezeichnet.
Die akribische und lebhafte Personenschilderung ist gelungen. Man merkt, dass die Autorin sich intensiv mit Psychologie beschäftigt hat. Manche Personen sind wirklich etwas unheimlich.

Die Spannung steigt permanent und ein packendes hochdramatisches Finale mit einer schlüssigen Auflösung fesselt den Leser bis zum Schluss. Die psychologische Ausdeutung ist meisterhaft.
„Letzte Spur Samba Bahn“ ist die erste Veröffentlichung von Elke Bardenhagen, die ihre Leidenschaft für das Schreiben sowie rätselhafte und geheimnisvolle Vorkommnisse schon in ihrer Kindheit entdeckt hat. Erschienen ist das Buch 2018 beim Verlag edition oberkassel. Ein viel versprechendes Debut, das mich begeistert hat.

Mit diesem Krimi ist Elke Bardenhagen eine außergewöhnliche und spannungsgeladene Geschichte gelungen, die aus meiner Sicht eine klare Leseempfehlung ist.

Letzte Spur Samba-Bahn - Elke Bardenhagen
Letzte Spur Samba-Bahn
von Elke Bardenhagen
(1)
eBook (ePUB)
7,99

Max Teubners persönlichster Fall

eiger aus Berlin , am 13.09.2018

„Enkeltrick“ von Astrid Plötner, dem zweiten Fall von Hauptkommissarin Maike Graf und ihrem Kollegen Max Teubner, der 2018 im renommierten Gmeiner Verlag erschienen ist, liegt das Thema der alternden Gesellschaft zugrunde. Viele Menschen werden hilfsbedürftiger und vereinsamen. Die sozialen Kontakte werden oft nach dem Tod eines Ehepartner noch seltener. Häufig wohnen Kinder und Enkel weit entfernt und melden sich nur noch sporadisch. So entsteht ein ideales Umfeld für Trickbetrüger.

Die Autorin zeigt jedoch in diesem spannenden Krimi eine noch viel größere Dimension. Es geht um Hintermänner und bandenmäßige Strukturen, häufig sind es Clans, der organisierten Kriminalität. Sie hat viel und sehr gut zu diesem Thema recherchiert und es gibt in der hier erzählten Geschichte einige Parallelen zu tatsächlichen Ereignissen.

Die komplexe Handlung, die sie sich ausgedacht hat, spielt in der Gegend um Unna. Max Teubner, der hier seit fünf Jahren bei der Polizei arbeitet, wird bei einem Polizeieinsatz von seiner Vergangenheit eingeholt. Niemand von seinen Kollegen kannte den Grund seiner Versetzung aus Dortmund. Mit seiner Dienstwaffe wird ein Mann erschossen und er bleibt verschwunden.

Hält er sich versteckt oder wurde er entführt? Was verbindet ihn mit Paula, die einst in der Enkeltrick-Mafia tätig war? Lebt ihre kriminelle Vergangenheit wieder auf oder ist sie erneut in die Fänge des Clans geraten? Mit der Person von Paula entwirft Astrid Plötner einen psychologisch interessanten Charakter. Der Leser lernt sie als Opfer und Täterin kennen. Es ist spannend sie und ihr Verhalten zu beobachten und zu analysieren.
Maike Graf und ihr Kollege Reinders versuchen mehr zu erfahren. Sie stehen unter enormen Zeitdruck, was durch die datierten Hauptabschnitte verdeutlicht wird.

Aufgelockert wird die angespannte Arbeit der Polizei, durch reichhaltige Informationen zum Privatleben der Ermittler und der Opfer. Ein buntes Kaleidoskop von gut geschilderten und authentischen Charakteren lernt der Leser kennen. Ich konnte mir jeden sehr gut vorstellen.

Zur gleichen Zeit, als die Polizisten versuchen den Mord aufzuklären und ihren Kollegen zu finden, lebt die Enkeltrickmasche wieder auf und es verschwinden noch nicht einmal vermisste Personen. Maike Graf hat jedoch ein untrügliches Bauchgefühl und in einer gewagten Aktion kann sie den Schlüssel zur Lösung finden.
Der Krimi endet mit einem dramatischen Finale, das an Hochspannung nichts zu wünschen übrig lässt. Das Ende ist in sich absolut stimmig und schlüssig.

Mit „Enkeltrick “ ist Astrid Plötner eine außergewöhnliche und spannende Geschichte gelungen, die aber auch nachdenklich macht. Aus meiner Sicht ist der Krimi eine klare Leseempfehlung. Ich freue mich auf weitere Fälle der Unnaer Ermittlerteams.

Enkeltrick - Astrid Plötner
Enkeltrick
von Astrid Plötner
(14)
Buch (Taschenbuch)
14,40

Einzigartige Reiseerlebnisse einer Familie

eiger aus Berlin , am 11.09.2018

„Ruhe auf den billigen Plätzen“ von Lucinde Hutzenlaub ist 2018 bei Eden Books erschienen. Humorvoll und unterhaltsam erzählt die Autorin Urlaubsgeschichten, die ihre Familie erlebt hat. Bei vier Kindern passiert viel. Die Familienmitglieder haben vom Urlaub eigene Vorstellungen und an konkreten Wünschen jeglicher Art ist auch kein Mangel. Alles unter einen Hut zu bringen ist, fordert schon Organisationstalent und Hingabe an die Familie.

Lucinde Hutzenlaub stellt sich Jahr für Jahr furchtlos diesen Herausforderungen. Manche Geschehnisse lassen sich nur noch mit Humor bewältigen, aber davon haben sie und ihr Mann glücklicherweise genug. Wie könnten sie sonst die kleinen und großen Missgeschicke ertragen, die sich immer wieder ereignen. Sie erzählt davon offen und ehrlich.

Das Buch ist in verschiedene Abschnitte zu Reisearten und –zielen gegliedert und sehr übersichtlich. Die Geschichten, die die unternehmungslustige Familie erlebt, sind einfach köstlich. Manchmal stellte ich mir vor, ich höre Lucinde Hutzenlaub direkt erzählen. Sie schreibt gewandt und flüssig. Es bereitet Freude ihre Schilderungen zu lesen. Man wird unterhalten und nimmt direkten Anteil am Familienleben. Farben- und facettenreich sind die Erlebnisse beschrieben.

Gleichzeitig vermittelt das Buch auch viele nützliche Informationen zu den Reisezielen der Familie. Jedes Kapitel enthält am Ende ein kleines Glossar mit Tipps und Hinweisen für das Internet.

Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann es jedem, der mehr über die Familie Hutzenlaub erfahren möchte, sehr empfehlen. Die witzig und lustig geschriebenen Geschichten machen Appetit auf Urlaub und weitere Bücher der Autorin.

Ruhe auf den billigen Plätzen - Lucinde Hutzenlaub
Ruhe auf den billigen Plätzen
von Lucinde Hutzenlaub
(6)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Der Traum von Rom

eiger aus Berlin , am 09.09.2018

„Römisches Fieber“ ist 2018 im PIPER Verlag erschienen. Es ist der erste Roman von Christian Schnalke. Ein wahrhaft gelungenes Debut.

Den Inhalt seines Künstlerromans beschriebt der Autor wie folgt: „Im Jahr 1818 flieht Franz Wercker vor einer unseligen Familiengeschichte und nimmt die Identität eines nach Rom reisenden Dichters an. In Rom wächst er in die Gemeinschaft deutscher Künstler hinein, gewinnt Freunde und findet seine große Liebe. Doch sein Identitätsbetrug bringt ihn in immer drängendere Not, mehrere Morde werden ihm angelastet und die Schlinge um Franz zieht sich gnadenlos zu…“

Rom war, seit der „Italienischen Reise“ von Johann Wolfgang von Goethe, die 30 Jahre zuvor erschien, das Sehnsuchtsziel für deutsche Künstler.

Auch der Protagonist Franz Wercker träumt von einer Schriftstellerkarriere in Rom. Hier in der ewigen Stadt können Künstler ihr Arkadien finden und frei leben, fern von den Zwängen in Deutschland.
Unterwegs bietet sich Franz eine Chance und er nutzt sie. Er wird als Cornelius Lohwaldt tatsächlich nach Rom reisen und seinen Traum leben. Ist dieser Wunsch verwerflich? Meiner Meinung nach hat er eine Gelegenheit genutzt, um den Lauf des Schicksals zu korrigieren, welches ihm bisher nur die Schattenseiten des Lebens geboten hat.

In Rom angekommen lebt er sich schnell in die deutsche Künstlergemeinschaft ein, wo er mit offenen Armen aufgenommen wird. Er gewinnt mit seiner bescheidenen und zurückhaltenden Art Freunde und Anerkennung.

Die Menschen, denen Franz begegnet, werden durch den Autor sehr gut beschrieben, es ist eine Mischung von realen und fiktiven Personen und Eigenschaften. Mehr dazu erfährt der Leser am Ende des Romans.

Christian Schnalke erzählt flüssig und kann den Leser gut in das Rom des 19. Jahrhunderts entführen. Als fundierter Kenner der Kunstgeschichte beschreibt er einfühlsam und detailliert Landschaften, die Stadt und ihre Menschen. Er gewährt dem Leser einen literarischen Schlüssellochblick auf die deutsche Künstlerkolonie und die ewige Stadt.

Hier lernt Franz das bunte und schillernde Künstlerleben kennen, aber auch den Druck innerhalb einer bestimmten Frist, die durch Stipendien oder ähnliche Zuwendungen begrenzt ist, etwas künstlerisch Wertvolles zu schaffen.

Doch dann kündigt sich der Besuch von Cornelius Schwester an und seine neue Identität ist in Gefahr. Auch Isolde flieht vor Zwängen in der Heimat und möchte frei und selbstbestimmt leben. Doch gegensätzlicher können Menschen kaum sein. Sie, die egoistische und kalte Frau, die die Karikatur einer Salonière wird und Franz, der warmherzig und aufgeschlossen ist und für die Kunst brennt. Intrigen und Missgunst bestimmen von nun an sein Leben.

Es erwarten den Leser und Franz noch so einige Überraschungen in der temporeich erzählten Geschichte. In einem grandiosen Finale offenbaren sich menschliche Abgründe und wahre Größe.
Der Schreibstil des Autors ist flüssig und facettenreich. Durch immer wieder neue Wendungen bleibt die Spannung erhalten und man fiebert mit Franz. Neben dem Protagonisten sind seine Freunde die Maler Clara und Georg sehr sympathische Künstler, die Franz gewogen sind. Auch die anderen Nebenfiguren aus der Künstlerszene, der Politik und dem Vatikan sind sehr gut charakterisiert und vermitteln ein buntes Kaleidoskop der römischen Gesellschaft. Besonders erwähnen möchte ich noch Morten. Mit ihm ist dem Autor eine Figur gelungen, die mich an Victor Hugos Quasimodo erinnert.

Besonders hat mich die Szene berührt, als Clara seiner Bitte nachkommt und ihn portraitiert. Sie sieht in ihm einen Menschen, der unendlich leidet. Ihr gelingt es sein Vertrauen zu erwerben, denn Clara selbst ist die Verkörperung von Menschlichkeit und Güte.

Die Handlung ist in sich schlüssig und wird sprachlich gewandt erzählt. Nebenbei wird kulturhistorisches Wissen vermittelt und so ist ein wirklich lesenswerter und spannender Künstlerroman entstanden. Ich kann das Buch allen Lesern, die sich für Kunst und Geschichte in der ewigen Stadt Rom interessieren, uneingeschränkt empfehlen.

Römisches Fieber - Christian Schnalke
Römisches Fieber
von Christian Schnalke
(10)
Buch (gebundene Ausgabe)
22,90

Ein sehr persönliches Nepal-Reisebuch

eiger aus Berlin , am 07.09.2018

„Unter Gebetsfahnen“ von Klaus Hessenauer ist 2018 bei Books On Demand erschienen. Der Autor und seine Frau Anne reisen seit über 20 Jahren nach Nepal. Sie haben das kleine Land kennen- und lieben gelernt.

Das Reisebuch der etwas anderen Art beruht auf tiefer Kenntnis von Land und Leuten und deren Geschichte. Er verbindet die Informationen eines Reiseführers mit eigenen Erlebnissen und Erfahrungen.
Am Anfang erhält der Leser Informationen allgemeiner Art zur Landeskunde, die sehr sachkundig und in wunderbaren Worten vermittelt werden. Man kann die Liebe des Autors zu dem Land und seinen Menschen regelrecht fühlen.

Die weiteren Kapitel, die dem Himalaya und den Königsstädten Nepals gewidmet sind, zeichnen sich durch Informationsvielfalt und Schilderung eigener Erlebnisse dort aus.

Der zweite Teil des Buches ist dem Trekking gewidmet. Individuelle Wanderungen mit einem Guide werden sehr detailliert und ausführlich beschrieben. Als fundierter Kenner präsentiert Klaus Hessenauer einfühlsam und facettenreich unterschiedliche Wandermöglichkeiten im Himalaya. In seinen Texten lässt er den Leser buchstäblich mit wandern, wenn er seine Erlebnisse und die Landschaften farben- und bilderreich schildert. So erfährt man wie es in den Lodges wirklich aussieht und wie sehr man unter Regen und Kälte leiden kann.
Seine Begegnungen mit den Menschen der unterschiedlichen Völker in den Dörfern zeugen von Warmherzigkeit und Begegnungen auf Augenhöhe. Die Bewunderung für Meisterung des schweren Alltags der Menschen in den Bergdörfern kann er glaubhaft vermitteln.

Die zahlreichen Tourenbeschreibungen machen Lust auf eigene Erkundungen. Seine touristischen und kulturellen Hinweise auf den Wanderungen wecken Neugier auf Nepal.

Ein Kapitel ist einer Trekking-Tour im „Königreich Mustang“ vorbehalten. Erst seit 1992 ist dieses Gebiet an der Grenze zu Tibet mit einer speziellen Genehmigung zugänglich. Über die Geschichte und die traumhaften Landschaften des Gebiets und seine Bewohner weiß Klaus Hessenauer viel zu berichten.

Dieses besondere Buch mit den wunderbar geschilderten eigenen Erlebnissen ist jedem, der offen für Neues ist und sich auf Unbekanntes einlassen will, zu empfehlen. Der Autor selbst schreibt sein Nepal-Reise(ver)führer ist an „Menschen, die für fremde Kulturen aufgeschlossen sind und potentielle Nepal-Reisende gerichtet“.

Gern vergebe ich 5 Sterne und empfehle das Buch nicht nur Bergfreunden und Trekkingaffinen, sondern allen, die mehr über das kleine Land mit der einmaligen Natur und den einzigartigen Menschen aus erster Hand erfahren möchten.

Unter Gebetsfahnen - Klaus Hessenauer
Unter Gebetsfahnen
von Klaus Hessenauer
(1)
Buch (Taschenbuch)
15,50

Ein neuer Fall für Luca Brassoni

eiger aus Berlin , am 03.09.2018

„Venezianische Intrigen“ ist der fünfte Fall für Commissario Luca Brassoni. Er ist Vater des kleinen Luis geworden und hat sich eine längere Auszeit gegönnt, um die ersten Lebenswochen gemeinsam mit seiner Frau Carla zu erleben.

Als er seinen Dienst wieder antritt, wird er auf einen rätselhaften Todesfall aufmerksam. Eine junge Frau, die einen allergischen Schock erlitten hat, ist verstorben. Doch es scheint kein natürlicher Tod gewesen zu sein und Brassoni beginnt zu recherchieren. Loredana war in einer Beratungsstelle für in Not geratene Familien tätig.

Kurze Zeit später wird ihr Chef in einem Parkhaus erstochen.

Brassoni und sein Team ermitteln in alle Richtungen. War es bei Loredana Mord aus Eifersucht? Gab es Probleme mit den von ihr betreuten Familien? Ein eindeutiges Mordmotiv fehlt in beiden Fällen.
Dann wird auch noch ein kleiner Junge, aus einer von Loredana betreuten Familie, entführt. Die Ermittlungen geraten unter enormen Zeitdruck. Gibt es hier einen Zusammenhang zu den Morden oder sind es separate Fälle?

Daniela Gesing erzählt flüssig und sprachlich gewandt verschiedene parallel verlaufende Geschichten, die sie geschickt miteinander verknüpft. Dabei gelingt es ihr venezianisches Flair zu vermitteln, wenn ihre Protagonisten in Venedig unterwegs sind. Nebenbei vermittelt sie Wissenswertes zur Kulturgeschichte. Ihre präzisen Beschreibungen wecken die Sehnsucht nach der Lagunenstadt.

Aufgelockert wird die angespannte Arbeit der Polizei, durch reichhaltige Informationen zum Privatleben der Ermittler und der Opfer. Ein buntes Kaleidoskop von gut geschilderten und authentischen Charakteren lernt der Leser kennen.

Hilfreich erweist sich wieder Brassonis Cousin Stefan Mayer, genannt Caruso. Er entdeckt sogar in seiner Heimatstadt Bad Tölz Spuren der venezianischen Kriminalfälle. Bei seinen weiteren Recherchen in Venedig gerät er wieder in eine brenzlige Situation. Aber auch eine Mitarbeiterin von Brassoni, die junge Barbara Valgoni, tappt in eine Falle.

In einem packenden und spannenden Finale wird der Täter entlarvt und die Fälle werden in sich schlüssig gelöst. Die Autorin erzählt mit Liebe zum Detail eine äußerst spannende und gut ausgedachte Kriminalgeschichte, die sofort fesselt, aber auch nachdenklich macht. Ihr angenehmer und flotter Erzählstil ist wunderbar zu lesen und ich empfehle es allen, die Venedig und Luca Brassoni mögen.

Es ist pures Lesevergnügen und die geeignete Lektüre für Urlaubstage im Sommer und gemütliche Stunden im Winter daheim. Aus meiner Sicht gibt es 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Mein Dank gehrt an Daniela Gesing, der mir im Rahmen eines Gewinnspiels ein kostenloses Exemplar zur Verfügung gestellt hat. Meine ehrliche Lesermeinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

Venezianische Intrigen - Daniela Gesing
Venezianische Intrigen
von Daniela Gesing
(15)
Buch (Taschenbuch)
12,40

Gefahr liegt in der Luft

eiger aus Berlin , am 26.08.2018

„Römische Vergeltung“ ist der 5. Fall für den aus Sizilien stammenden Commissario Caselli, der in Rom tätig ist.

Dieser Krimi ist anders als die bisherigen Fälle, denn besteht Gefahr für den Commissario selbst. Bianca Palma erzählt eine ungewöhnliche und beinahe unglaubliche Geschichte um menschliche Abgründe.

Dabei vermittelt sie, wie in ihren anderen Büchern um Caselli, wieder interessantes kulturhistorisches Wissen. Sie integriert auch ihre Liebe zur klassischen Musik gekonnt in die Handlung. Manchmal waren Gespräche zu philosophischen und theologischen Problemen etwas zu ausführlich und die Spannung litt darunter.

Die von ihr geschilderten Personen konnten mich absolut überzeugen. Es gab richtige Bösewichte und andere, die wie der Vize-Questore, ganz neue Seiten zeigten. Einige erschienen vielleicht schrill und fremd. Aber sie werden am Ende zu Menschen, die über sich hinauswachsen und wahre Größe zeigen.

Das unglaublich spannende und actionreichen Finale hat mich begeistert und ich empfehle allen kunst- und geschichtlich interessierten Krimifreunden diesen neuen Fall.

Römische Vergeltung - Bianca Palma
Römische Vergeltung
von Bianca Palma
(5)
eBook (ePUB)
6,99