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Literaturlounge eu aus Gießen

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Meine Bewertungen

Worstedt wird International

Literaturlounge eu aus Gießen , am 04.03.2019

Kommissar Worstedt wird international. Sprich, er ermittelt über die Grenzen von Gießen, oder besser gesagt Deutschland, hinweg. Man stelle sich einfach mal eine Kleinstadt, wie es Gießen nun mal ist, vor, wo an einem einsamen Ort ein Koffer gefunden wird, in dem dann auch noch der Torso eines Menschen gefunden wird. Ich kann euch sagen, dies würde in Gießen so schnell rum gehen, so schnell erscheint die Gießener Allgemeine oder der Anzeiger nicht (ich will ja keine Schleichwerbung machen, beide Zeitungen haben ihren Wert)!

Nun haben wir ja eigentlich zwei - Fälle zum einen der Torso und zum anderen der tote Hund von Worstedts Chef, der sich in der Wieseckaue vergiftet hat. Dazu muss ich sagen, das ist wirklich in Gießen schon mehrfach passiert, dass in dem Bereich Gift ausgestreut wurde. Also aufpassen, was die Hunde so zu sich nehmen. Charly Weller ist da hautnah am Geschehen.

Kommen wir nun zum Hauptfall, den unser allseits beliebter Worstedt ermittelt. Er vermutet als erster, dass in dem Koffer keine Bombe ist und dies bestätigt sich auch sehr rasch. Auch schafft er es relativ schnell aber logisch die Verbindung nach Wien zu ziehen, wo er zufällig einen anderen Gießener trifft.

Seine Kollegin Regina Maritz ist gerade mit ihrem Freund Guido in Wien, wo sie sich auf dem dortigen Marathon vorbereitet.  Die beiden haben keine Lust darauf, Worstedt zu helfen. Das kann man ja auch verstehen, wenn man Urlaub hat, dann hat man Urlaub und nichts anderes.

Worstedt kommt auch in Wien von einer schrägen Situation in die nächste. Er bleibt allen immer im Gedächtnis - mag es daran liegen, dass er mitten beim Friseurtermin zu dem Kofferfund gerufen wird und er mit dem halben Haarschnitt so aussieht, als wäre er unter einen Rasenmäher geraten, oder daran, dass er einiges an Wein verträgt.

Kommen wir zum Fazit, bevor ich noch irgendetwas verrate. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass „Worschtfett“ langsam erwachsen wird. Gut, es geht weniger um Gießen in diesem Band, auch ist das Manische eher weniger geworden, aber dafür ist die Story irgendwie besser geworden. Der Film, der sich in meinem Kopf abgespielt hat, war einfach runder. Es war spannender und es hat einfach Lust auf mehr gemacht. Es ist noch eine weitere Person hinzugekommen, die auch irgendwie in die Story passt. Ich kann seit diesem Band sagen, es ist nicht unbedingt nur noch etwas für Gießener und Umgebung, wobei es sicherlich noch immer Passagen gibt, wo ein nicht-Gießener erstmal nachschlagen muss, was der Autor denn damit meint.

Ich will mehr und hoffe, dass es noch einige Fälle werden. Ich möchte, dass Kommissar „Worschtfett“ noch einige spannende Fälle löst, wobei es noch immer etwas schwierig ist, bei jedem Kapitel nachzusehen, wer spricht den gerade da, aber wahrscheinlich macht genau dies diese Reihe aus. Also weiter Charly Weller! Die Welt braucht noch ein paar solche lustigen und spannenden Krimis.

Katzenkönig - Charly Weller
Katzenkönig
von Charly Weller
(1)
Buch (Taschenbuch)
11,30

Nicht nur für Handballfans

Literaturlounge eu aus Gießen , am 25.02.2019

Wenn man aus einer Handballverrückten Familie kommt, dann muss man dieses Buch einfach lesen. So war mein Gedanke, als ich dieses Buch gesehen habe.Also gedacht – getan. Dann bekam ich aber doch Bauchschmerzen, da ich mir eigentlich bei (Auto-)Biografien, vor allem von lebenden Personen, immer etwas schwer tue. Da schwingt manchmal der Gedanke mit: „Jetzt muss der auch noch ein Buch rausbringen, um noch mehr Geld zu machen. Tut das Not?“Also habe ich das Buch doch nicht so schnell angefangen, wie ich es eigentlich vor hatte. Es lag dann doch 1 Woche auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Doch dann hat es mich nicht in Ruhe gelassen. Ich musste es einfach lesen.Und dann ging es noch schneller als ich eigentlich dachte. Normalerweise brauche ich bei Auto/Biografien sehr lange, aber diesmal nur zwei Tage und jede Störung war mir eigentlich eine Störung zuviel. Warum das so war, will ich jetzt mal schnell erläutern. Zum einen mag ich das Thema Handball, welches in meinen Augen viel zu wenig in den Medien beachtet wird.Zum anderen, und das ist wesentlich ausschlaggebender, ist das Buch gut aufgebaut. Es zeigt deutlich, dass Dagur Sigurdsson ein Mensch klarer Prinzipien ist, der sich aber selbst nicht so wichtig nimmt. Ihm sind seine Freunde sehr wichtig, und sein Land in dem er aufgewachsen ist.Er denkt immer wieder an seinen Heimatverein, in dem er groß geworden ist. Er ist ein Mensch der schnellen Entschlüsse, der an einem Samstag auf einer langweiligen Hochzeit ist und dann mit seiner Frau beschließt, am folgenden Freitag auch zu heiraten. Früher ging es einfach nicht. Sie tarnen das Ganze als Gartenparty. Noch nicht mal die Eltern des Ehepaares werden eingeweiht, so dass die Mutter direkt von einem Golfturnier kommend in bequemer Kleidung der Hochzeit der beiden beiwohnt.Das bedeutet nicht, dass er sprunghaft ist. Nein, er will etwas probieren und er hört immer auf sein Bauchgefühl, mag es nun bei dem Abenteuer Bundesliga als Spieler gewesen sein, oder als er mit seiner Familie dann nach Japan gegangen ist; oder als er als Spielertrainer in Österreich gearbeitet hat, auch als er dann die österreichische Handballnationalmannschaft übernommen hat. Bei alldem war es ihm immer wichtig, wie sein und das Gefühl war – und das seiner Frau.Am sympathischsten hat er aber auf mich gewirkt, als er schreibt, man weiß nie, ob es klappt was man anfängt. So eine Teambuildingmaßnahme oder ein Training kann auch nach hinten los gehen. Er stellt ganz klar heraus, dass auch er nicht die Weisheit mit Löffeln gegessen hat. Es wird erwähnt, dass er darüber nachdenkt, was ihm als Spieler alles Spaß gemacht und ihn weiter gebracht hätte.Es wird immer wieder klar, dass er ohne seine Freunde nicht da stehen würde, wo er momentan steht. Man spürt intensiv die Achtung, die er dem anderen entgegenbringt, auch den Spielern, die er z.B. nicht zur Europameisterschaft mitgenommen hat. Er gibt auch zu, dass er mal einen Fehler gemacht hat, zum Beispiel einen Spieler nicht wollte, der ihm und dem Team dann doch weiter geholfen hat.Alles in allem ist es ein Buch, welches man gerne lesen kann, wenn man sich für Handball oder Sport interessiert. Aber auch wenn man sich nicht speziell für Sport interessiert, geht es hier um einen Menschen, der egal was er tut, es mit Leidenschaft macht und so zum Erfolg gekommen ist. Ich hoffe für ihn, dass egal was er tut, er genauso gegenüber seinen Freunden, seiner Familie und den Spielern bleibt, wie er es bisher war, und dass er nicht die Bodenhaftung verliert. In dem Fall kann ich ihm den Tipp geben „Lies dein eigenes Buch“ und allen anderen kann ich sagen, dieses Buch ist lesenswert.

Feuer und Eis - Dagur Sigurdsson, Fred Sellin
Feuer und Eis
von Dagur Sigurdsson
(1)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,60

Adolf Total

Literaturlounge eu aus Gießen , am 21.02.2019

Zum Ende des Jahres habe ich mich mal in neue Gefilde begeben. Ich habe mich mal dazu durchgerungen, einen Comic zu rezensieren. Ich will ja immer mal was Neues probieren.

Und da kam mir „Adolf Total“ von Walter Moers gerade recht. Wir alle kennen doch sicherlich Walter Moers und Hitlerparodien finde ich immer wieder gut, weil man gelegentlich einfach mal über so jemanden wie Adolf Hitler lachen sollte. Dann verliert er auch ein wenig seinen Schrecken, bei dem was er so gemacht hat.

Mit „äch bin wieder da“, dem ersten Band, findet man einen gelungenen Einstand in die Trilogie. Mehr oder weniger zufällig treffen sich Hitler und Göring und man muss schon ein wenig lachen, da Göring zu einer Frau geworden ist.

Es ist immer wieder lustig, wenn Adolf mal Alkohol trinkt. Dann kann alles passieren, da er dann seine Wutausbrüche bekommt und alles unvorhersehbar ist.

Man erfährt aber auch, dass er eigentlich daran schuld war, dass Lady Di und Dodi verunglückt sind. Im zweiten Band will er verhindern, dass ein neuer Weltkrieg entsteht. Dabei machen ihm immer wieder andere Menschen einen Strich durch die Rechnung. Es ist einfach guter schwarzer Humor.

Herausragend ist natürlich der „Bonker“, also der dritte Teil in diesem Buch. Hier wird Hitler von Churchill auf die Schippe genommen, der ihn immer wieder auf dem Handy anruft.

Auch die Persönlichkeiten, die auf einen Chantré zu Besuch kommen, sind ein Brüller - mag dies nun Michael Jackson, Gandhi, der Tod oder auch Gott sein. Es ist einfach immer wieder zum Grölen, wenn mal wieder etwas Unvorhergesehenes passiert.

Ich finde den „Bonker“ sogar noch besser, als die ersten beiden Bände und eigentlich wünsche ich mir mehr davon.

Kommen wir zum Bonusmaterial, wo es um den Film geht, welcher leider keinen Finanzier gefunden hat. Man kann sich vorstellen, worum es evtl. gehen würde. Ich denke, dass es sicherlich ein lustiger Film wäre, wenn man Walter Moers eine Chance geben würde. Dies ist aber nur meine bescheiden Meinung.

Komme ich nun mal zu meiner Meinung zu dem Buch. Gut, man kennt die drei Bände sicherlich wenn man ein Walter Moers Fan ist. Warum sollte man eigentlich dieses Buch kaufen? Wegen des Bonusmaterials sicher nicht, dafür ist es etwas wenig, aber man bekommt ein gut gemachtes Buch. Von der Bindung, dem Druck und dem Papier es ist eine runde Sache und man kann das Buch auch einfach mal so rausholen um darin zu lesen. Für mich ist es wahrscheinlich so, dass immer wenn ich mal abschalten muss, ich mir dieses Buch rausholen werde, um darin zu lesen und zu lachen. Damit reiht es sich neben Asterix und Lucky Luke in eine ehrwürdige Reihe ein. Und ich denke genau dafür ist das auch gemacht – abschalten und lachen.

Adolf total - Walter Moers
Adolf total
von Walter Moers
(2)
Buch (Taschenbuch)
15,50

Schon jetzt ein Klassiker in meinen Augen

Literaturlounge eu aus Gießen , am 18.02.2019

Ok, Weihnachtsgeschichten gibt es viele und über den Weihnachtsmann gibt es auch mehr wie eine Geschichte, aber wie nun der Weihnachtsmann zu den Wichteln gekommen ist, davon gibt es eher weniger Geschichten - zumindest sind mir keine zwischen die Finger gekommen.

Stellen wir uns mal einen kleinen Jungen vor, der richtig arm ist, dessen Mutter schon gestorben und dessen Vater Holzfäller in Finnland ist. Die beiden leben in einer kleinen Hütte mit nur einem Zimmer und seine einzigen Spielsachen sind eine Steckrübenpuppe und ein Schlitten.

Sein Vater ist ein warmherziger Mann, der ihm immer wieder die Geschichte der Wichtel erzählt. Eigentlich ist Nikolas sehr glücklich - bis auf die Tatsache, dass sie sich keine Spielsachen leisten können.

Eines Tages geht Nikolas Vater mit anderen Männern auf die Suche nach Wchtelgrund, um einen Beweis zu erbringen, dass die Wichtel wirklich existieren, und somit viel Geld vom König zu bekommen.

Die Tante von Nikolas kommt deswegen zu dem Jungen, um auf ihn aufzupassen. Diese Tante ist alles - nur nicht gut oder liebenswert, weswegen Nikolas abhaut und sich auf die Suche nach seinem Vater macht. Und dann beginnt das eigentliche Abenteuer. Wir erfahren unter anderem, wie Blitz das Rentier zum Weihnachtsmann gekommen ist und warum es ein besonderes Rentier gerade für den Weihnachtsmann ist.

Aber wenn ich nun noch weiter erzähle, dann erzähle ich euch alles, also was noch bei den Wichteln geschehen ist, was mit Nikolas Vater passiert ist und noch einiges mehr.

Es ist eine Weihnachtsgeschichte, in der man die Unmöglichkeit als Möglichkeit in Betracht ziehen muss. Das Buch ist auch irgendwie magisch. Es ist eine Geschichte, welche einen sehr schnell in den Bann zieht, die eine gewisse Herzenswärme ausstrahlt und die sicherlich auch zum Vorlesen geeignet ist - vielleicht sogar vorgelesen werden sollte, oder die man einfach auch mal als Erwachsener lesen sollte, um ein wenig von der Magie von Weihnachten aufzusaugen.

Aber es ist nicht nur die Geschichte, die Matt Haig erzählt, sondern auch die wunderschönen Bilder von Chris Mould, die soviel Wärme ausstrahlen, obwohl sie nur in Schwarz/weiß gehalten sind und bis auf den Umschlag ohne Glitzer auskommen.

Ich kann mich nicht ganz dem Guardian anschließen, der sagt „Schon jetzt ein Klassiker“ Ich finde, ob es ein Klassiker der Weihnachtszeit werden kann bleibt abzuwarten, aber das Buch hat in meinen Augen das Zeug ein richtiger Klassiker zu werden, welchen man immer wieder gerne in der Vorweihnachtszeit, egal ob mit oder ohne Kind, herausholen kann, um so den Zauber von Weihnachten ein wenig einzufangen. Ich würde es dem Buch wünschen und glaube fest daran, dass es seinen Platz unter den Weihnachtsklassikern finden wird.

Ein Junge namens Weihnacht - Matt Haig
Ein Junge namens Weihnacht
von Matt Haig
(48)
Buch (gebundene Ausgabe)
18,50

Typisch Rayk Anders

Literaturlounge eu aus Gießen , am 13.02.2019

Ein Sachbuch als Pageturner, ist das möglich? Ich habe es eigentlich über Jahre nicht für möglich gehalten und dann kam Rayk Anders mit „Eure Dummheit kotzt mich an“!

Aber erstmal der Reihe nach. Wie kam es für mich zu diesem doch überraschenden Urteil? Rayk Anders beschreibt den „Bullshit“ in unserem Land immer wieder in unterschiedlichen Kapiteln. Es fängt mit der Ernährung an, wo der Autor einem Bio näher bringt, warum man Bio kaufen sollte, und was das auch für unsere Umwelt bedeutet.

Was mich in dem Kapitel echt bedrückt hat, ist wir durch unsere Überdüngung und Pestizide täglich große Flächen an gutem Boden verlieren. Natürlich werden auch die Bienen erwähnt und was manche Menschen oder Unternehmen uns trotz allem immer wieder weismachen wollen.

Dann geht es um das Thema Energie und Brückentechnologie. Anders erläutert, dass dies eigentlich nur eine Wortschöpfung der Atomindustrie sei. Auch klärt er auf, wo eigentlich die meisten Arbeitsplätze entstehen oder vielmehr schon vorhanden sind, dies ist nämlich nicht im herkömmlichen Energiesektor, sondern schon jetzt im Bereich der erneuerbaren Energie.

Geschockt hat mich der Bereich mit den Zwischenlagern für unseren Atommüll, aber ich sage euch eines liest es selbst und bildet euch selbst eine Meinung.

Kommen wir mal zu dem Thema Flüchtlinge. Auch hier in Gießen ein wichtiges Thema. Anders räumt mit den Taten auf, welche Flüchtlinge getan haben sollen, es aber bewiesenermaßen nicht gemacht haben. Wobei es mich ein wenig geärgert hat, dass er gerade ein Beispiel aus Gießen genommen hat. Aber da kann man nichts machen, er hat ja recht mit dem was er da geschrieben hat. In diesem Zusammenhang finden natürlich auch die Leute von der AfD und PEGIDA, mit ihren doch sehr schnell zu erkennenden Halbwahrheiten, Erwähnung.

Ein wichtiges Thema sind auch die Medien und da im Besonderen unsere öffentlich-rechtlichen Rundfunkstationen und ein gewisser Putin, der für viele ja hier immer wieder die Wahrheit sagt und nicht unsere eigenen Journalisten. Dieses Thema hatte ich letztens gerade in meinem eigenen Bekanntenkreis, dass die russischen Nachrichten die objektiveren und besseren Nachrichten seien und nicht die hier in Deutschland veröffentlichten. Ich habe da nur noch mit dem Kopf schütteln können und wäre das nicht auch in meinem Bekanntenkreis passiert, ich hätte das Kapitel als an den Haaren herbei gezogen empfunden.

Ich habe nun ein paar Kapitel mal schnell angeschnitten, aber das was dieses Buch für mich zu einem Pageturner gemacht hat, waren einfach immer wieder die Fußnoten und Erklärungen sowie die Sprache, die Rayk Anders anschlägt. Aufgrund der leicht schnoddrigen Sprache kann man trotz der Thematik immer wieder ein wenig schmunzeln - wobei es nie niveaulos ist, sondern einfach so wie wenn man sich unterhalten würde.

Für mich ist es ein Sachbuch, welches man unbedingt lesen sollte und welches für jeden der sich einfach mal über unser Land Gedanken machen will passend ist. Ich finde dies ist mal ein Sachbuch welches Intelligent ist und wichtige Themen anspricht, aber trotzdem beim Lesen nicht langweilig ist. Ich hoffe, in diese Richtung wird es noch viele Bücher geben und ich hoffe, dass es auch weitere Bücher von Rayk Anders gibt.

Eure Dummheit kotzt mich an - Rayk Anders
Eure Dummheit kotzt mich an
von Rayk Anders
(4)
Buch (Paperback)
15,40

Gut gemacht

Literaturlounge eu aus Gießen , am 04.02.2019

Burg Schreckenstein weckt bei mir viele Erinnerungen wach. Das waren die cooleren Bücher für Jungs. Quasi das Gegenstück von Hanni und Nanni – nur eben mit Jungs in der Hauptrolle. Ich habe diese Bücher geliebt - eigentlich beide Buchserien – nur die Jungs waren eben etwas cooler. Eine Burg ist einfach auch spannender als ein normales Internat.

Meine Erwartungen warten also sehr hoch! Ich habe zwar schon versucht mich im Vorfeld etwas zu zügeln, aber es ist mir nicht besonders gut gelungen. Allen Kindern der 80er sei geraten, vergesst woran ihr euch erinnern könnt. Es ist alles neu zusammengewürfelt.

Oliver Hassenkamp schrieb die 27 Bände von Burg Schreckenstein zwischen 1959 und 1988. Der Zeit entsprechend hatten die Schüler weder Handys noch Computer. Das Hörspiel, wie auch der Film, haben da so einiges aktualisiert. Das ist ja noch verständlich, damit es der heutigen Zielgruppe nahe gebracht werden kann. Mal realistisch betrachtet sind Leser Ü40 einfach nicht die Zielgruppe. Warum aber die Personen und ihre Hintergründe verändert wurden, erschließt sich mir nicht.

Das Internat auf Burg Schreckenstein entstand wegen Schulraumnot in Neustadt. Die Eltern der Schüler und ihre Probleme, wie die im Hörspiel geschiedenen Eltern von Stephan, spielen in den Büchern keine Rolle. Das hat mich als Teenager auch nicht im Geringsten interessiert. Erst im zweiten Band treten die Mädchen von Schloss Rosenfels auf und es folgt auch dort gleich der erste Streich. Der Aufenthalt der Rosenfelserinnen erscheint erst in Band neun auf Grund einer normalen Renovierung – nicht als Folge eines Streiches. Es gibt also einige Differenzen zwischen dem Film, bzw. dem Filmhörspiel, und der Buchvorlage.

Ich muss gestehen mir ist schon die Verfilmung von Hanni und Nanni aufgestoßen, weil sie sich in ähnlicher Weise von den Büchern entfernt hat.

Es spricht gerade bei einer Verfilmung nichts dagegen einiges der aktuellen Zielgruppe näher zu bringen und in die Gegenwart zu holen. Kugelstoßen und Diskuswerfen waren auch in den 80ern nicht gerade coole Sportarten als Hobby, da kann man schon mal Skateboard fahren draus machen. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, ist mir damals nicht mal aufgefallen, dass die Jungs eigentlich nie Ferngesehen haben.

Soweit zur Perspektive von einer Ü40, die die Bücher geliebt hat und daher besonders kritisch ist. Wenn ich nun versuche, mich in mein heutiges Teenager-Ich zu versetzen, sieht es schon etwas anders aus.

Das Hörspiel ist spannend gemacht. Man fühlt mit Stephan, der aus seiner Heimatstadt weg ins Internat muss. Es ist nicht einfach sich einen neuen Freundeskreis aufzubauen – egal warum. Egal in welcher Reihenfolge, die Streiche sind nach wie vor lustig.

Eine Sache die ich schon als Kind faszinierend fand, ist auch im Filmhörspiel hervorragend herausgearbeitet – die Rittertugenden. Die Jungs haben für sich selber festgelegt, dass es ihnen wichtig ist die Tugenden der früheren Ritter zu achten. „Ich will auf Burg Schreckenstein allzeit fair und ehrlich sein.“ Fairness und Ehrlichkeit sind auch heute nicht verkehrt. Man kann mal einen Streich spielen, aber wenn andere dafür bestraft werden sollen, muss man sich stellen und für seine Taten einstehen. Ein zentrales Thema der Schreckenstein-Bücher, dass auch im Filmhörspiel gut rüberkommt ohne schulmeisterlich zu wirken.

Stephan, Ottokar, Dampfwalze, Mücke und Strehlau sind ein tolles Team und ich freue mich, dass die Geschichten auch für heutige Teenager wieder bekannt gemacht werden.

Burg Schreckenstein - Oliver Hassencamp
Burg Schreckenstein
von Oliver Hassencamp
(2)
Hörbuch-Download (MP3)
8,95

Na ja ....

Literaturlounge eu aus Gießen , am 31.01.2019

Amelie Fried hat mich auf eine Zeitreise in das Jahr 1975 mitgenommen, in die Zeit von Bhagwan, Frauengruppen und noch einiges mehr, das ich aber nicht alles aufzählen möchte, da ansonsten die Rezension über 20 oder mehr Seiten lang wird.

Die Autorin beschreibt eine Familie, welche wohl einige der damaligen Probleme gut widerspiegelt. Es ist die Zeit der „Freien Liebe“ aber auch eine Zeit, in der es einen Konflikt gab, welchen wir heute doch sehr oft vergessen. Ich spreche vom Konflikt mit der alten Generation, also der Generation, die den 2. Weltkrieg und das dritte Reich erlebt hat und wo es sicherlich noch einige Altnazis gegeben hat. In unserem Fall ist es der Opa Fritz von India und Che, welcher sich absolut mit dem Gedankengut der Nazis identifizieren kann.

Dem gegenüber steht Willi, der Vater von India und Che, der seinen Vater verloren hat, da er ein Jude gewesen ist. Dass dies zu einem sehr großen Konflikt führt, kann man sich sehr gut vorstellen. Auch wenn Willi darum ein Geheimnis macht, bekommt immer wieder mit, wie sich Indias Eltern genau deswegen streiten.

India und Che werden mit absoluter Freiheit aufgezogen. Sie bekommen keine Grenzen aufgezeigt, haben eher weniger Regeln. Auf den ersten Blick genießen sie eine Freiheit, die eine tolle Sache für die beiden ist. Da aber die Mutter noch nebenbei in einem Selbstfindungsprozess ist, ist sie irgendwie nie in der Lage, ihren Kindern regelmäßige Mahlzeit oder gar ein offenes Ohr zu bieten, weswegen India sich schon sehr früh immer mehr bei ihrer besten Freundin Bettina und ihren Eltern aufhält. Sie ist dort mehr zuhause als bei Ihren Eltern, zumal dort aus verschiedenen Gründen dann auch noch eine Ehekrise heranwächst. Deswegen haben Indias Eltern auch noch weniger Zeit für ihre Tochter, wobei India wegen der im Buch beschriebenen Ereignisse ihre Eltern gerade jetzt am meisten benötigt hätte.

Nun komme ich mal auf Che zu sprechen. Dieser bewegt sich eher bei dem Altnazi Fritz und stößt dann durch seinen Opa zur Wiking-Jugend. Damit sind wir dann bei dem einzigen Problem, welches ich mit dem Buch hatte. Mir war sehr schnell klar, dass in dem Fall die Wiking-Jugend gemeint war und nicht wie India am Anfang gedacht hat die Pfadfinder oder die Wandervögel. Man muss dazu sagen, dass die Wiking-Jugend eine Organisation war, welche der NPD sehr nahe stand und 1994 wurde verboten. Sie war gerade in den 70er Jahren sehr populär, weswegen ich mir auch gut vorstellen kann, dass sich das beschriebene genau so zugetragen haben könnte.

Was mich aber immer wieder aufregt ist, dass die Bündischen Organisationen z.B. Pfadfinder und Wandervögel in einem Satz mit solchen Organisationen wie die Wiking-Jugend oder der HJ genannt werden - nur weil diese Organisationen die Kluft der Pfadfinder nutzen, wobei da dann oft vergessen wird, dass es die Pfadfinder seit 1907 gibt und die Wandervögel seit 1896 und Hitler sich einfach der Kluft bedient hat, da er dachte, dass diese Organisationen in seine HJ übergehen würden. Weit gefehlt! Wandervögel und Pfadfinder waren verboten, aber sie existierten im Untergrund weiter, und dass Mitglieder beider Organisationen wenn sie erwischt wurden ins KZ gesteckt wurden, vergessen die meisten Menschen.

Sicherlich ist es so, dass es in jedem Verein Schwarze Schafe Schafe gibt – davor sind auch die Pfadfinder nicht gefeit, b aber man sollte die Organisation nicht mit den rechten Organisationen in einem Atemzug nennen. Das verbietet sich schon alleine durch das Pfadfindergesetz. Dort steht:

“A Scout is a friend to all, and a brother to every other Scout, no matter to what social class the other belongs.”

„Ein Pfadfinder ist ein Freund zu allen und ein Bruder eines jeden Pfadfinders, egal zu welcher gesellschaftlichen Klasse der Andere gehört.“ [1]

Dies ist zwar nur ein kleiner Teil in dem Buch, aber mir ist es wichtig. Ich hoffe, dass sich vielleicht mal ein Autor oder Autorin das ganze zu Herzen nimmt und statt uns Pfadfinder in einem Atemzug mit der HJ etc. zu nennen, vielleicht auch mal etwas differenziert.

Alles in allem ist es aber trotzdem ein gutes Buch, wo ich mir doch des Öfteren gedacht habe, ok das kann so passiert sein. Auch das Problem, welches India im besonderen mit Christian hat, aber bei Ihren Eltern nicht die Nötige Unterstützung fühlt und bekommt, da diese mit ihren eigenen Problemen zu viel zu tun haben, klingt realistisch.

Frau Fried spricht mit einem klaren und gefühlvollen Blick einige wichtige Themen in dem Buch an. Es erscheint alles logisch und ist auch für mich immer wieder gut zu verstehen, zumal ich nun wirklich nicht unbedingt ein Freund dieses Genres bin.

Ich finde man kann dieses Buch lesen und genießen, und dabei noch einiges lernen. India und ihr Bruder Che wachsen einem sehr schnell ans Herz, wobei mir die 13-jährige India doch teilweise etwas zu reif und erwachsen erscheint. Aber vielleicht machen auch all diese Gegensätze gerade den Charme dieses Buches aus.

Ich fühle was, was du nicht fühlst - Amelie Fried
Ich fühle was, was du nicht fühlst
von Amelie Fried
(10)
Buch (Taschenbuch)
10,30

Kaufen und Lesen mehr ist nicht zu sagen

Literaturlounge eu aus Gießen , am 25.01.2019

Wie soll ich denn bei dem Buch eine Rezension schreiben? Ich bin zufällig über das Buch beim Fernsehen gestolpert. Es wurde in einer Literatursendung vorgestellt. Da dachte ich, ok das Buch muss ich haben. Unbedingt. Das muss ich lesen.

Man muss dazu sagen, dass ich ein Fan der Frankfurter Eintracht bin und dieser Verein ja nun leider ein „leichtes“ Fan Problem hat. Also wollte ich dieses Buch auch deswegen, um vielleicht ein wenig verstehen zu können, was da eigentlich in solchen Menschen vorgeht.

Bei den ersten 20 Seiten oder so dachte ich „O Gott, was habe ich mir denn da für eine Aneinanderreihung von Schlägereien geholt; und diese grobe Sprache, och nö, das brauche ich nun wirklich nicht“. Aber nach 20 Seiten hatte ich mich dermaßen auf dieses Buch eingegroovt, dass ich dachte „Wow“ - und das war nicht wegen den Prügelszenen, sondern wegen dieser kompletten Gruppe um Heiko Kolbe und deren Schicksale. Philipp Winkler erzählt mit großem Herzen (ja ich weiß geklaut aus dem Pressetext) über die Familien, die ja auch ein Teil der Gruppe sind, ohne es zu wissen.

Er zeigt auf, wie man eigentlich in so eine Hoolgruppe geraten kann und wie die Strukturen sein können. Es geht weniger um Fußball, sondern eher darum, die „Feinde“ nach bestimmten Regeln zu schlagen. Diese Regeln werden allerdings doch auch mal verletzt.

Es wird aber auch beschrieben, dass es zumindest in diesem Fall eine Gruppe in der Gruppe gibt, in der es immer wieder leichte Streitigkeiten gibt. Besonders bewegend sind auch die Einschübe, in denen es um die zerstrittene Familie geht. Eigentlich will Heiko nur ein wenig geliebt werden – wie jeder Mensch. Irgendwie erinnert es mich gerade ein wenig an „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten. Irgendwie passt es dazu, zumal Heiko ja auch immer wieder an seine Freundin denkt, die er über alles liebt. Er ist der Meinung, dass er außer seinen Freunden aus der Gruppe nichts anderes hat, wobei seine wichtigen Freunde immer mehr wegbrechen - zum einen wegen den Verletzungen, die sie davon tragen, oder durch Familie und Hobbies.

Alles in allem ein bewegendes Buch, auf das ich mich erstmal einlassen musste. Es hat sich dann für mich immer mehr zu einem Buch entwickelt, welches man gelesen haben sollte - nicht nur wenn man Fußballfan ist, sondern auch, wenn man ein bewegendes Buch mit viel Herz und Feingefühl sucht. Es ist ein Buch welches sicher nicht weichgespült ist und so massentauglicher wird.

Das Buch hat in mir immer mehr Fragen aufgeworfen, die ich nicht unbedingt beantwortet bekommen habe. Aber das bedeutet, dass man sich sicherlich auch noch Tage später damit beschäftigen wird. Ich denke, dies sollten Bücher auch bewerkstelligen, dass man sich auch mal ein wenig länger mit dem Thema beschäftigt. Ich kann euch nur viel Spaß bei dem Buch wünschen und lasst den Film im Kopf zu, den dieses Buch zumindest bei mir erzeugt hat, denn dieser Film lohnt sich genauso, wie es sich lohnt, dieses Buch zu kaufen und zu lesen.

Hool - Philipp Winkler
Hool
von Philipp Winkler
(32)
Buch (gebundene Ausgabe)
20,60

Es lohnt sich

Literaturlounge eu aus Gießen , am 18.01.2019

Sämtlicher Globalisierung zum Trotz liegt ja derzeit lokale und saisonale Küche voll im Trend. Meiner Meinung nach zu Recht. Jedes Kind kennt die italienische Küche, doch das „komische“ Gemüse auf dem Markt kennen auch viele Erwachsene nicht mehr. Da ist eine Aubergine vertrauter als die Steckrübe (auch: Unterkohlrabe, Runkelrübe, Erdkohlrabe oder Kohlrübe). Da liegt auch manchmal das Problem. Wenn man aus unterschiedlichen Regionen des deutschsprachigen Raums kommt, kann allein die Bezeichnung des Gemüses schon verwirrend sein. Glücklicher Weise bin ich bei diesem Buch nur einmal ins schleudern gekommen.

Nun zu einem kleinen Manko. Manche Rezepte sind etwas komplizierter in der Umsetzung. Es wird doch öfter der Zentrifugalentsafters benötigt, der Grill, oder auch eine Tajine. Das hat nun nicht jeder vorrätig und auch nicht gleich gute Ideen, wie man sich behelfen könnte. Tipps, wie man da improvisieren könnte bei einem ersten Versuch der Rezepte wären nicht verkehrt. Es ist nicht alles so offensichtlich wie den Backofen statt des Grills zu verwenden. Der gegrillte Kürbis zur Leber mit Kürbissauce war auch aus dem Ofen sehr lecker, da mir in der Stadt kein Holzkohlegrill zur Verfügung stand. Positiv sei aber auch erwähnt, dass die benötigten Geräte über Topf und Bratpfanne hinaus auch unter den Zutaten aufgelistet sind.

Mich hat das Buch dazu angeregt mal Zutaten zu probieren, von denen ich immer gesagt habe „Das mag ich nicht“. In meinem Fall waren das Kürbis und Leber. Der gegrillte Kürbis und die Kürbissauce waren sehr lecker. Die Leber hat mich dann aber nicht überzeugen können. Ich habe mir sowohl Kalbs- als auch Rinderleber besorgt. Sie war zwar zart, aber ich mag weder den Geschmack noch die Konsistenz. Einen Versuch war es wert und ich habe mal wieder etwas dazu gelernt. Die Kürbisgnocchis musste ich leider wegen der Kohlehydrate auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, aber die werde ich garantiert noch ausprobieren.

Die Etappe in und um Frankfurt beschert zur Abwechslung mal keine Grüne Soße, und auch der obligatorische Handkäs mit Musik fehlt, dafür werden aber einige interessante Suppen präsentiert. Die Rübchensuppe klang zwar lecker, stellte mich aber vor die Frage „Welche Rübchen bitte? Teltower, Mairübchen, oder welche?“ Und das im Dezember, denn da waren die Autoren in der Region unterwegs. Meine Internetrecherche hat dann ergeben, dass es auch Herbstrüben gibt. Man lernt ja nie aus. Die muss ich jetzt nur noch auf dem Markt finden.

Da ich die Apfel-Rotkohl-Suppe bei der Präsentation auf der Buchmesse besonders lecker fand, wollte ich diese dann auch für meine Familie kochen. Das war leider nicht so erfolgreich. Irgendwie hat es nicht ganz so lecker geschmeckt, wie ich es in Erinnerung hatte. Etwa so wie mit dem Wein, der im Urlaub herrlich war, und wenn man die mitgebrachte Flasche zu Hause aufmacht, schmeckt er einfach nicht.

Ein einzelner Misserfolg darf aber nicht ausschlaggebend sein. Der Zickleinschlegel in eigener Milch klang sehr verlockend, und da eine nahe Metzgerei gerade Ziegenfleisch anbot, war das die Gelegenheit. Das dachten wohl noch mehr, somit gab es dann leider keinen Schlegel mehr, aber die Schulter tat’s auch. Im ersten Moment klingt das Rezept mit fünf Stunden Garzeit extrem aufwändig, ist es aber nicht. Wenn die Milch erst mal aufgekocht und die Temperatur eingestellt ist, braucht man den Topf bis zum Schluss nicht mehr öffnen. Das Fleisch war super zart und fiel vom Knochen ab. Da ich keine Keule sondern die Schulter hatte, habe ich es drauf ankommen lassen, das Stück nicht vorher entbeint und die Garzeit beibehalten. Die Milch war zum Schluss so aromatisch, dass es zu schade war sie einfach abzugießen. Mit etwas Mehl angedickt war es eine leckere Soße zu Kartoffeln und Wirsing. Eine kleine Variation der Beilagen, da es mein Vater schon beim Gedanken an Dinkel gruselt. Passt aber auch saisonal sehr gut zusammen.

Damit wären wir eigentlich beim Thema des Buches – lokal und saisonal. Es ist nicht nur einfach ein Kochbuch, oder ein Buch über die Reiseaktivitäten zweier Menschen. Die Informationen zu den jeweiligen Touren sind sehr interessant. Es bringt mich zwar nicht weiter zu wissen, wo ich in der Nähe von Bremen tolle regionale Produkte auf Bio-Höfen bekomme, aber es hat mich angeregt, mal meine Region wieder genauer zu betrachten, und da gibt es einiges zu entdecken!

Manchmal ist das gar nicht mehr so einfach – aber es lohnt sich! Begebt euch auf eure spezielle lokale Koch-Tour. Das Buch liefert viele Anregungen sowohl für Rezepte, als auch für regionale Produkte und Quellen.

Lokal - Simon Tress, Georg Schweisfurth
Lokal
von Simon Tress
(1)
eBook
19,99

Einfach Fantastisch

Literaturlounge eu aus Gießen , am 14.01.2019

Man hat ja so seine Probleme, wenn man einen Autoren kennt und eigentlich auch wegen der Art seiner Bücher liebt, und wenn er dann das Genre wechselt, ist man irgendwie irritiert. So geschehen bei Lars Simon. Ich hätte am liebsten laut geschrien, als er meinte: „Ich mach dann mal was komplett anderes.“. Gut man ist gespannt und man wünscht ihm alles Gute, aber ich blieb skeptisch.

Dann kam der große Tag. Ich fing mit dem Buch an. Die erste Feststellung war „Ok das macht Spaß, die Charaktere in dem Buch zu erleben.“. Also Lennart ist ein typischer Mann in der heutigen Zeit - ein wenig verpeilt, denkt an seine Karriere und hat „leichte“ Beziehungsprobleme, die sich bei Ihm in einer Allergie äußern, sobald es tiefer geht.

Buri Bolmen, der Nachbar von Lennart, den wir nur kurz kennenlernen, ist schon ein wenig sonderbar, aber das muss man wohl sein, wenn man einen Laden für Zauber- und Scherzartikel hat. Leider segnet er sehr früh das Zeitliche und dies auf ziemlich seltsame Art und Weise.

Lennart hat noch eine weitere herausragende Nachbarin. Maria ist eine Italienerin durch und durch, mit einem Händchen fürs Kochen. Das Herz ist auch am richtigen Fleck. Sie verschätzt sich gerne etwas in den Mengen, welche sie anderen Menschen als Paket fertig macht, aber es scheint wirklich gut zu schmecken.

Bölthorn, der Mops, ist sehr speziell. Nicht nur, dass er sprechen kann, wenn ein Gewitter in der Nähe ist – nein, auch sein Verhalten ist im Allgemeinen sehr speziell. Was er nicht will, das will er nicht und er präsentiert sich mehr oder weniger als Chef von Lennart.

Warum setze ich mich nun eigentlich hier hin und versuche mich in der Charakterisierung der einzelnen Personen? Vielleicht deswegen, weil ich versuche, das gerade gelesene irgendwie zu verarbeiten. Es ist ein Buch mit vielen Besonderheiten, mit viel Magie und viel Herz, und irgendwie nicht nur vom Thema her ganz anders wie die Tierkottrilogie, sondern auch allgemein sind die Personen wesentlich schärfer und klarer beschrieben. Es ist ein Fantasy Roman, ja, aber er spielt im hier und jetzt und nicht in einer fremden Welt. Man könnte sagen, es könnte sich irgendwie so abspielen und das mit der Magie, das könnte sich sicherlich auch genau so verhalten. Bölthorn klärt uns dabei immer wieder auf, dass Magie in dem kleinsten und unscheinbarsten Teil stecken kann. Man muss sich einfach nur darauf einlassen.

Das alles klingt logisch - ist es auch. Vielleicht ist auch die Liebe und Freundschaft etwas magisches, wer weiß dies denn schon?

Tja was soll ich nun über dieses Buch sagen? Es ist ein Lars Simon, ja, das auf jeden Fall, aber es ist auch gleichzeitig kein Lars Simon. Ich finde sogar, dass dieses Genre noch besser zu ihm passt, wie der Comedy Bereich. Es hat seine lustigen Momente aber, und das finde ich viel wichtiger, es ist nie aufgesetzt. Es ist immer „logisch“, auch wenn dies im Fantasy Bereich nicht unbedingt nötig ist. Lars Simon jongliert gekonnt mit Zauberei, ohne es zu übertreiben und kann vielleicht gerade deswegen sehr gut unterhalten. Gut, das Ende kommt dann irgendwie recht schnell, mir persönlich vielleicht ein wenig zu schnell und er erzeugt einen Clifhanger am Ende, wo ich mir dann die Augen gerieben und mich nach dem zweiten Band umgesehen habe. Ein gutes Zeichen, wie ich finde. Aber eines weiß ich, wenn man durchs Lesen zunehmen kann, dann würde ich aufgrund der Gerichte welche Maria zubereitet sicherlich 20 Kilo zugenommen haben. Freuen wir uns also auf den zweiten Band der Reise, egal ob es nun kulinarisch mit Maria ist oder fantastisch mit Lennart oder Bölthorn, beides ist gut und es gehört ja auch irgendwie zusammen.

Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen - Lars Simon
Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen
von Lars Simon
(81)
Buch (Taschenbuch)
10,30