Idylle mit ertrinkendem Hund

Buchners Schulbibliothek der Moderne. Text & Kommentar Band 42

Michael Köhlmeier

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Beschreibung


Alter Rhein. Zwei Männer spazieren am Ufer entlang. Es ist Winter, die Seitenarme des Flusses sind zugefroren, doch es taut. Von weitem sehen die beiden, wie ein großer schwarzer Hund ins Eis einbricht. Einer der Männer holt Hilfe. Der andere kriecht auf einem Ast zu dem Hund. Er spürt, dass er den Hund nicht retten kann. Doch der Tod hat vor einigen Jahren eine so tiefe Wunde in sein Herz geschlagen, dass er ihm dieses Leben nicht überlassen will. Michael Köhlmeier kann, was nicht viele können: in einer ganz kleinen Geschichte eine ganz große erzählen.

Michael Köhlmeier wurde 1949 in Hard am Bodensee geboren und lebt heute in Hohenems/Vorarlberg. Er studierte Germanistik und Politologie in Marburg sowie Mathematik und Philosophie in Gießen und Frankfurt. Michael Köhlmeier schreibt Romane, Erzählungen, Hörspiele und Lieder und tritt sehr erfolgreich als Erzähler antiker und heimischer Sagenstoffe und biblischer Geschichten auf. Für seine Bücher erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Johann-Peter-Hebel-Preis, den Manès-Sperber-Preis, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I.Klasse, den Marie-Luise-Kaschnitz-Preis und den Ferdinand-Berger-Preis.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 110
Erscheinungsdatum 01.08.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-423-13905-2
Verlag dtv
Maße (L/B/H) 19/12/1 cm
Gewicht 124 g

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Idylle mit ertrinkendem Hund

Manuela Tesak, Thalia-Buchhandlung Wien

Menschen haben miteinander zu tun – kennen sich nicht – versuchen sich zu nähern – finden sich nicht und erreichen den andern kaum – es ist Winter, ein Hund bricht ins Leben der Menschen ein und ins Eis – dann ist er aus demselben verschwunden, und an der Oberfläche bleibt ein Mensch – der den ersten Schritt getan hat eine Unfassbarkeit zu bewältigen und sich der Angst vor der Erkenntnis des Unabänderlichen zu stellen – dem Tod – dem Tod des eigenen Kindes. Trotz der Annäherung an die Endlichkeit unseres Lebens ein Buch voller verhaltener Hoffnung, in strenger klassisch gemalter Sprache – eine Winterlandschaft – mehr als eine Idylle mit Hund.

Kundenbewertungen

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von einer Kundin/einem Kunden am 27.01.2018
Bewertet: anderes Format

Diese Erzählung besticht durch ihre schöne, feinsinnige Sprache. Die Handlung fesselt, wenngleich die Verwobenheit der Geschehnisse für mich beim Lesen nicht ganz eingängig war.

Idylle mit verlorener Tochter
von Daniela Wiedmer aus Bautzen am 17.06.2011

Er liegt auf dem Eis und hält den Hund fest, der um sein Leben kämpft. Er wird es nicht zulassen, er wird ihn nicht sterben lassen, er wird ihn retten, weil er ihn retten kann, weil er muss, weil er es diesmal muss. Wie schwer es sein kann, zu verarbeiten, gemeinsam zu trauern und dem Tod ins Auge zu blicken, beschreibt diese... Er liegt auf dem Eis und hält den Hund fest, der um sein Leben kämpft. Er wird es nicht zulassen, er wird ihn nicht sterben lassen, er wird ihn retten, weil er ihn retten kann, weil er muss, weil er es diesmal muss. Wie schwer es sein kann, zu verarbeiten, gemeinsam zu trauern und dem Tod ins Auge zu blicken, beschreibt diese Geschichte, die nicht nur aus Worten besteht, sondern aus einem Stück Erinnerung und einem großen Stück Herz, und deren Intention nicht das Verstehen ist, sondern das Fühlen.

Kleine Novelle ganz groß – Michael Köhlmeier schreibt erstmals über den Tod seiner Tochter
von einer Kundin/einem Kunden am 12.09.2010

Michael Köhlmeier beschäftigt sich in dieser kurzen Novelle erstmals mit dem Unfalltod seiner Tochter Paula, die 2003 bei einer Wanderung verunglückte. Das Schriftsteller-Ich der Novelle trägt eindeutig autobiographische Züge und erinnert daher stark an Köhlmeier selbst. Ausgehend vom Besuch eines fiktiven Lektors beim Schriftst... Michael Köhlmeier beschäftigt sich in dieser kurzen Novelle erstmals mit dem Unfalltod seiner Tochter Paula, die 2003 bei einer Wanderung verunglückte. Das Schriftsteller-Ich der Novelle trägt eindeutig autobiographische Züge und erinnert daher stark an Köhlmeier selbst. Ausgehend vom Besuch eines fiktiven Lektors beim Schriftsteller in Hohenems wird die Geschichte eines scheinbar herrenlosen Hundes erzählt, der in einem zugefrorenen Baggersee einbricht. Der Schriftsteller versucht den Hund verzweifelt zu retten – er kann einfach nicht loslassen. Der Kampf mit dem Hund steht gleichnishaft für die Auseinandersetzung mit dem Tod der Tochter. Denn in den vielen schlaflosen Nächten beschäftigt sich der Autor mit dem schrecklichen Verlust, auch damit wie er die Trauer (literarisch) verarbeitet kann. Wie kann er über den Tod seiner Tochter überhaupt schreiben? Ist Literatur die Verarbeitung und Aufarbeitung der Vergangenheit? Ergriffen und berührend erzählt, ist diese kurze Erzählung ein trauriges und zugleich wunderschönes Beispiel für ein literarisches Abschiednehmen von einem geliebten Menschen.


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