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Daniel Glattauer

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Beschreibung

Der nette Mörder von nebenan Stell dir vor, es ist Mord, und keiner glaubt dir. So geht es dem allseits beliebten Journalisten und Gerichtsreporter Jan Rufus Haigerer, der eines Abends wahllos einen Menschen niederschießt, um sich gleich darauf in die Hände der Justiz zu begeben. Dort will man ihn allerdings als Mörder partout nicht in Frage kommen lassen. Haigerer versucht mit allen Mitteln, endlich für seine Tat verurteilt zu werden. Doch sein Wille zur Sühne wird durch das unerbittliche Wohlwollen der Mitmenschen auf eine harte Probe gestellt ? "Wunderbar ironisch und durch unerwartete Wendungen spannend bis zur letzten Seite." Buchmarkt "Am besten in einem Zug durchlesen!" Wiener Zeitung "Ein Genuss für alle Leser." Bibliotheksnachrichten

Daniel Glattauer wurde 1960 in Wien geboren und ist seit 1985 als Journalist und Autor tätig. Bekannt wurde Glattauer zunächst durch seine Kolumnen, die im so genannten »Einserkastl« auf dem Titelblatt des Standard erscheinen und auch in Auszügen in seinen Büchern »Die Ameisenzählung« und »Die Vögel brüllen« zusammengefasst sind. Seine beiden Romane »Der Weihnachtshund« und »Darum« wurden mit großem Erfolg verfilmt. Der Durchbruch zum Bestsellerautor gelang ihm mit dem Roman »Gut gegen Nordwind«, der für den Deutschen Buchpreis nominiert, in zahlreiche Sprachen übersetzt und auch als Hörspiel, Theaterstück und Hörbuch adaptiert wurde.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 316
Erscheinungsdatum 09.02.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-46761-7
Verlag Goldmann
Maße (L/B/H) 18,8/12/2,3 cm
Gewicht 257 g
Verkaufsrang 45756

Buchhändler-Empfehlungen

Opfer oder Mörder?

Jasmin Ruess, Thalia-Buchhandlung Wien

Jan Haigerer tötet eines Nachts in einer Bar einen wildfremden Mann und stellt sich alsbald der Polizei. Diese glaubt ihm seine Geschichte jedoch nicht, da sie Jan schon aus der Vergangenheit kennen. Er ist Gerichtsreporter. Auch bei Freunden und Arbeitskollegen gilt Jan als netter und freundlicher Mensch, der früher als Lektor arbeitete. Niemand traut ihm eine solche Tat zu. Jan möchte jedoch unbedingt ins Gefängnis kommen, allein der Gerechtigkeit wegen und versucht alle von der Wahrheit zu überzeugen. Am Ende des Buches erfährt man den wahren Grund für sein kaltblütiges Verbrechen. Das Buch "Darum", das von Daniel Glattauer geschrieben wurde ist eine durch und durch spannende Lektüre. Es ist ein Krimi der meiner Meinung mehr als nur das ist. Entwaffnende Ehrlichkeit wie Humor kommen dabei nicht zu kurz.

Ich bin ein Mörder - glaubt mir doch

Anja Berghamer, Thalia-Buchhandlung Pasching PlusCity

Niemand vermutet,wie viel Ehrlichkeit er den Gesetzen zu verdanken hat! Doch was geschieht,wenn man dem Gesetz weismachen möchte, dass man ein Mörder ist und das Gesetz glaubt einem nicht - egal was man dafür tut? Unbeschreiblich spannend und humorvoll beschreibt Glattauer, wie schwierig es sein kann, seinen Mitmenschen zu beweisen, dass man nicht der ist, für den man sein Leben lang gehalten wurde! Ein einzigartiger Krimi mit einer phantastischen Portion Humor!!!

Kundenbewertungen

Durchschnitt
22 Bewertungen
Übersicht
13
6
2
0
1

von einer Kundin/einem Kunden am 16.03.2016
Bewertet: anderes Format

Ich hatte mir deutlich mehr von dem Buch versprochen. Nicht schlecht, die Idee ist gut aber die Umsetzung bis zum Ende leider nicht gelungen.

von einer Kundin/einem Kunden aus Karlsruhe am 16.03.2016
Bewertet: anderes Format

Sehr lesenswert !

Was für eine fantastische Geschichte!
von einer Kundin/einem Kunden am 01.06.2010

Auch dieser Glattauer-Roman macht wieder richtig Spaß! Nach "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen" - zwei grandiosen Liebesromanen - konnte ich mir nicht vorstellen, von Glattauer auch einen Kriminalroman zu lesen und habe dieses Buch mehr aus Neugier mitgenommen statt aus echter Leselust. Aber wieder einmal bin ich abso... Auch dieser Glattauer-Roman macht wieder richtig Spaß! Nach "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen" - zwei grandiosen Liebesromanen - konnte ich mir nicht vorstellen, von Glattauer auch einen Kriminalroman zu lesen und habe dieses Buch mehr aus Neugier mitgenommen statt aus echter Leselust. Aber wieder einmal bin ich absolut begeistert von diesem Schreibstil und wieder einmal wurde ich von der Geschichte überrascht. Danke, Herr Glattauer, für diese irrsinnige Story über den Journalisten und Gerichtsreporter Jan, der eines Abends wahllos einen Menschen niederschießt und mit allen Mitteln versucht für seine Tat verurteilt zu werden. Doch weder Polizei, noch Richter und Geschworene oder Freunde und Bekannte glauben ihm. Was tun? Erleben Sie mit, wie Jan´s Wille zur Sühne durch das unerbittliche Wohlwollen seiner Mitmenschen auf eine ziemlich harte Probe gestellt wird. Pures Vergnügen!


  • Artikelbild-0
  • Ich wollte den Tag nicht vor dem Abend verdammen und stand sofort auf, als ich spürte, dass ich wach war. Nur nicht denken, dachte ich. Die rosa Zahnpastawurst hielt sich in der Mitte der Borsten. An schlechten Tagen rutschte sie beim Hinauspressen aus der Tube über den Rand der Bürste ins Waschbecken. Dort klebte sie dann als trauriges Häufchen Missgeschick. Meistens spülte ich sie weg. Zum Glück war ich kein depressiver Mensch.
    Diesmal traf ich. Es war ein guter Tag. Mehr dachte ich nicht. Im Spiegel sah ich ein normales Gesicht. Manchmal zeigte ich mir am Morgen die Zunge. Diesmal nicht. Manchmal strich ich mir die Fransen aus der Stirn. Diesmal nicht. Manchmal zählte ich die grauen Haare an den Schläfen. Seit einigen Wochen nicht mehr. In der Küche machte ich Wasser heiß und goss es in die dicke gelbe Tasse, in die ich vor dem Schlafengehen einen Beutel Schwarztee mit Pfirsichgeschmack hineingehängt hatte. So machte ich es immer. Immer die gleiche gelbe Tasse. Immer Schwarztee mit Pfirsichgeschmack. Und immer hatte ich den Beutel schon am Vorabend in die Tasse gehängt. Damit war schon etwas vom nächsten Tag verraten. Das nahm mir die Scheu davor.
    Die kleine Reisetasche hatte sich von selbst gepackt. Ich nahm nur schwarze und blaue Sachen mit, die weich und warm waren. Meine Lieblingspullis und die schönen Hosen, bei denen sich die Frauen »schöne Hose, interessanter Mann« dachten, blieben zu Hause. Beim Verlassen der Wohnung spürte ich, dass das eine der heikelsten Situationen des Tages war, aber ich meisterte sie, denn ich verbot mir sofort, daran zu denken. Ich schloss die Augen: zwei sechs null acht neun acht. - Unvergesslich. Ich drehte den Schlüssel bis zum Anschlag. Damit war die Tür meiner Wohnung verriegelt. Das gab mir Sicherheit. Die Tasche warf ich ins Auto und fuhr.
    Um elf war ich bei Alex, wie versprochen. Sie lehnte am Türrahmen. Ich legte meine Hände auf ihre heißen Ohren und sagte: »Lass dich ansehen«, oder so einen Blödsinn. Sie sah aus wie eine Frau, die sich nur noch ein einziges Mal kräftig schnäuzen musste, dann konnte sie mit ihrem neuen Leben beginnen. Am liebsten hätte ich sie geküsst und das neue Leben mit ihr begonnen. Nein, am liebsten hätte ich sie geküsst.
    »Sind die anderen schon da?«, fragte ich. »Schlechte Nachricht, Jan«, erwiderte Alex. »Es kommt keiner mehr«, scherzte ich. »Sehr schlimm?«, fragte sie. Damit war klar, dass sie es mit mir alleine machen wollte. Umziehen. Ausziehen. Gregor stehen lassen. Es war Samstag. Wenn er am Sonntagabend vom Seminar (sie hieß Uschi) zurückkam, sollte die Wohnung leer sein. Das bedeutete:
    Hundert Kubikmeter Massivholz, Schwermetall, Hartporzellan und Ähnliches mussten drei Stockwerke hinuntergeschleppt und später anderswo zwei Stockwerke hinaufgewuchtet werden. »Hast du schon gefrühstückt?«, fragte Alex. Ich lächelte. Innerlich schrie ich. Sie frühstückte, ich sah zu, sie sah mir zu, wie ich ihr zusah. »Ist was mit dir?«, fragte sie. »Was soll sein?«, fragte ich. Mit mir war bisher nie etwas.
    Wir übersiedelten bis in die Dunkelheit des Oktobertages. Draußen regnete es bestialisch wie immer in dieser Stadt, wenn gerade eine Jahreszeit kippte. Zum Glück war ich kein depressiver Mensch. Als die Fronarbeit ausgestanden war, durfte ich in ihrer neuen Wohnung ein Vollbad nehmen. Das tat mir gut, ohne dass ich es wollte. Ich versuchte mich abzulenken und dachte an Sex. Aber das war kein guter Gedanke, er sprang sofort zu Delia über. Ich brach ihn gleich wieder ab.
    Alex brachte mir ein Handtuch. Sie hielt es vor ihre Augen, um mich nicht in Verlegenheit zu bringen. Ich nahm es ihr ab und hielt es zur Seite, um ihr zu zeigen, dass sie mich nicht in Verlegenheit bringen konnte. Leider ging Sex nicht ohne Erregung. Wir hätten es beide gebraucht.
    »Was hast du heute Abend vor?«, fragte sie mich beim abschließenden Kaffee, der mir den Magen zersetzte. »Nichts Aufregendes«, log ich infam und lächelte so, dass sie die Lüge als kleine Schwindelei deutete. »Eine Neue?«, fragte sie und hob eine Augenbraue. Dafür hätte ich sie gerne geküsst. (Dafür, dass sie mir jederzeit eine Neue zutraute.) »Sei nicht so neugierig«, sagte ich, oder eine ähnlich phrasenhafte Scheußlichkeit. Ich musste Alex schleunigst verlassen, obwohl es viel zu früh war. Bei der verabschiedenden Umarmung drückte ich sie. Ich versuchte möglichst viel von ihr mitzunehmen, ohne dass sie es merkte. »Kopf hoch«, rief ich ihr nach. (Wegen Gregor.) Normalerweise wäre ich mir noch »Du weißt, du kannst mich immer anrufen« schuldig gewesen. Aber das ging diesmal nicht.
    Die nächsten Stunden waren qualvoll. Es gab nichts mehr zu tun. Ich saß hauptsächlich im geparkten Auto und versuchte an nichts zu denken. Zum Glück trommelte Regen aufs Dach, das war ein Sinneseindruck, mit dem ich leben und bei dem die Zeit verrinnen konnte.
    Als ich noch Lektor beim Erfos-Verlag war, hatte ich einmal einen Roman bearbeitet, in dem alle paar Seiten Regen auf ein Autodach trommelte. Immer wenn der Autorin die Ideen ausgegangen und die Handlung entglitten war, trommelte Regen aufs Dach. »Ein schönes Bild«, tröstete ich sie bei unserer ersten Besprechung. Sie tat mir leid. Sie saß neben mir wie eine dreimal gestürzte Kürläuferin, die auf die Noten der Punkterichter wartete. Sie aß vor Ehrgeiz ihre Lippen auf. Sie war erst dreißig und bereits der Illusion von Literatur verfallen. Ihr Roman war erschütternd leer. Sie hatte ihren Lesern nichts mitzuteilen. Sie hatte nichts erlebt. Nichts außer Regen, der auf ein Blechdach trommelte.
    Bob's Coolclub sperrte um zehn Uhr auf. Ich war der fünfte Gast. Die ersten vier hatte ich vom Auto aus hineingehen sehen. Ich kannte keinen von ihnen. »Hallo, Jan, Sauwetter«, sagte Bob. Ich senkte meinen Blick zu Boden. Für ihn mag es den Anschein gehabt haben, ich beutelte mir den Regen aus den Haaren. Mit der Linken klopfte ich ihm beim Vorbeigehen auf den Oberarm. Das ging als Begrüßung durch. Zum Glück durfte man in Bob's Coolclub cool sein. Wer mehr als drei Worte sprach, fiel auf.
    Ich hatte den kleinen runden Tisch reserviert, an dem ich schon die Abende davor gesessen hatte. Für mehr als eine Person war in der Nische kein Platz. Man konnte auch keinen Stuhl dazustellen. Ein Wandvorsprung schirmte mich gegen die Nachbartische ab. Von den matt strahlenden Spots, die Bobs düsteren Coolclub beleuchteten, fiel kaum ein Licht in mein Eck.
    Die vorangegangenen Nächte hatte ich so getan, als würde ich an einer »Story« arbeiten. Bob und die anderen wussten, dass ich Reporter war. Sie dachten, das sei ein Job, der darin bestand, nächtens in Spelunken wie Bob's Coolclub rumzuhängen, sich unentwegt Notizen zu machen (egal wie dunkel es war) und dabei Blauen Zweigelt zu konsumieren. Je mehr Blauer Zweigelt, desto stärker die Story, desto bedeutender der Reporter, dachten sie. Mich mussten sie für sehr bedeutend halten.
    Die Kellnerin hieß Beatrice. Sie kannte mich vom Sehen. Ich kannte sie vom Wegsehen, ich wollte sie nicht kennen, ich hörte nur ständig ihren Namen. Bob's Coolclub rief seit einer Woche ununterbrochen bis in meine Träume hinein nach Beatrice. Als sie zu mir an den Tisch kam, vertiefte ich mich in die Getränkekarte, hielt die Hand wie den Schirm einer Kappe vor die Stirn und bestellte beinahe stimmlos einen halben Liter Blauen Zweigelt. Es tat mir weh, eine Kellnerin nicht anzusehen, wenn ich mit ihr sprach. Das taten Gäste, die auf die billigen Machtdemonstrationen des Alltags angewiesen waren. Diesmal wirkte ich wie einer von ihnen.
    Ich bekam mein Getränk und war froh, von niemandem mehr angesprochen zu werden. Mein Rücken schmerzte wegen Gregor. In meinem Gehirn vollzogen sich immer härtere Zweikämpfe. Einer geriet in Panik, der andere hielt ihm den Mund zu. Einer wollte denken, der andere wehrte sich dagegen. Ich hielt zum anderen und tat mein Möglichstes, ihm beizustehen. Nur nicht denken, Jan. Es war längst alles ausgedacht.