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Engel des Vergessens

Roman. Ausgezeichnet mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 2011, dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2011 und dem Rauriser Literaturpreis 2012

(9)

Maja Haderlap gelingt etwas, das man gemeinhin heutzutage für gar nicht mehr möglich hält: Sie erzählt die Geschichte eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes. Erinnert wird eine Kindheit in den Kärntner Bergen. Überaus sinnlich beschwört die Autorin die Gerüche des Sommers herauf, die Kochkünste der Großmutter, die Streitigkeiten der Eltern und die Eigenarten der Nachbarn. Erzählt wird von dem täglichen Versuch eines heranwachsenden Mädchens, ihre Familie und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen. Zwar ist der Krieg vorbei, aber in den Köpfen der slowenischen Minderheit, zu der die Familie gehört, ist er noch allgegenwärtig. In den Wald zu gehen hieß eben »nicht nur Bäume zu fällen, zu jagen oder Pilze zu sammeln«. Es hieß, sich zu verstecken, zu flüchten, sich den Partisanen anzuschließen und Widerstand zu leisten. Wem die Flucht nicht gelang, dem drohten Verhaftung, Tod, Konzentrationslager. Die Erinnerungen daran gehören für die Menschen so selbstverständlich zum Leben wie Gott.Erst nach und nach lernt das Mädchen, die Bruchstücke und Überreste der Vergangenheit in einen Zusammenhang zu bringen und aus der Selbstverständlichkeit zu reißen - und schließlich als (kritische) junge Frau eine Sprache dafür zu finden. Eindringlich, poetisch, mit einer bezaubernden Unmittelbarkeit.Maja Haderlap hat eine gewaltige Geschichte geschrieben... Die Großmutter wie noch keine, der arme bittere Vater wie noch keiner, die Toten wie noch nie, ein Kind wie noch keines.(Peter Handke)

Portrait
Maja Haderlap, geb. 1961 in Eisenkappel/Zelena Kapla (Österreich), studierte Theaterwissenschaft und Germanistik an der Universität Wien. Sie war Redakteurin und Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift "Mladje", arbeitete am Institut für vergleichende Literaturwissenschaft in Klagenfurt sowie als Chefdramaturgin am dortigen Theater. Sie veröffentlicht auf Slowenisch und Deutsch Gedichte und Hörspiele sowie Übersetzungen aus dem Slowenischen. "Engel des Vergessens" ist ihr Romandebüt. Mit einem Ausschnitt aus diesem Roman setzte sich die Kärtnerin Maja Haderlag im Bachmann-Wettbewerb 2011 durch.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 287
Erscheinungsdatum Juli 2011
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8353-0953-1
Verlag Wallstein Verlag
Maße (L/B/H) 206/131/28 mm
Gewicht 408
Auflage 6. Auflage
Verkaufsrang 9.064
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19,50
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Buchhändler-Empfehlungen

„Die Kärntner Slowenen in der Nachkriegszeit“

Pia Lemberger, Thalia-Buchhandlung Wien

Ich kann nicht behaupten, dass mir Maja Haderlaps "Engel des Vergessens" sehr gut gefallen hat. Die Wortwahl wäre irgendwie nicht passend und dazu war das Buch für meinen persönlichen Geschmack auch viel zu bedrückend und melancholisch. Aber eine andere Stimmung hätte zu dieser wortgewaltigen Geschichte über die Nachkriegszeit im Gebiet Ich kann nicht behaupten, dass mir Maja Haderlaps "Engel des Vergessens" sehr gut gefallen hat. Die Wortwahl wäre irgendwie nicht passend und dazu war das Buch für meinen persönlichen Geschmack auch viel zu bedrückend und melancholisch. Aber eine andere Stimmung hätte zu dieser wortgewaltigen Geschichte über die Nachkriegszeit im Gebiet der Kärntner Slowenen auch nicht gepasst. Beim Lesen konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, eine Autobiographie in Händen zu halten - so realistisch schreibt die Autorin ihren fiktionalen Roman. Die Partisanenkämpfe werden in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs meistens nur am Rande erwähnt - dieser Roman erinnert an das Leid all derjenigen, die im Krieg alles oder fast alles verloren haben. Hab & Gut, Würde und Ansehen und oftmals auch den Lebenswillen. Keine leichte Kost, aber extrem beeindruckend und somit sehr empfehlenswert!

„Eine richtige Entscheidung“

Marie-Therese Reisenauer, Thalia-Buchhandlung Wien

Die Entscheidung der Jury, den Bachmann-Preis 2011 an Maja Haderlap zu vergeben war eine richtige, bis zu einem gewissen Sinn auch eine mutige. Denn noch immer ist es nicht einfach über die jüngere Geschichte Kärntens zu berichten, einen Roman zu schreiben. Dieser Roman ist all jenen einfachen Menschen gewidmet, welche sich mit dem Die Entscheidung der Jury, den Bachmann-Preis 2011 an Maja Haderlap zu vergeben war eine richtige, bis zu einem gewissen Sinn auch eine mutige. Denn noch immer ist es nicht einfach über die jüngere Geschichte Kärntens zu berichten, einen Roman zu schreiben. Dieser Roman ist all jenen einfachen Menschen gewidmet, welche sich mit dem komplizierten Leben schwer tun.

„Ein Krieg traumatisiert viele Generationen“

Christina Welser, Thalia-Buchhandlung Salzburg

Eine ausgesprochen gute, eingängige Geschichte, die es ausgezeichnet schafft die Spätfolgen eines Krieges in der Bevölkerung verständlich zu machen. Dabei stützt sich die Autorin stark auf die traumatischen Situationen innerhalb der Familie der Protagonistin und schwankt dabei zwischen Autobiographie, Roman und historischem Roman. Schwere Eine ausgesprochen gute, eingängige Geschichte, die es ausgezeichnet schafft die Spätfolgen eines Krieges in der Bevölkerung verständlich zu machen. Dabei stützt sich die Autorin stark auf die traumatischen Situationen innerhalb der Familie der Protagonistin und schwankt dabei zwischen Autobiographie, Roman und historischem Roman. Schwere Kost, die man versuchen sollte.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
9 Bewertungen
Übersicht
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Vergessen ist nicht so leicht möglich…
von einer Kundin/einem Kunden aus Wien am 09.03.2013

…und soll auch nicht passieren, das wird in und mit diesem Buch deutlich! Selten wird so ehrlich über den Umgang mit Geschehnissen und Erlebnissen dunkler und trauriger Zeiten der Geschichte geschrieben, wie hier. Man könnte meinen, Frau Haderlap erzählt eigene Erfahrungen ihrer Kindheit, so plastisch ist dieser... …und soll auch nicht passieren, das wird in und mit diesem Buch deutlich! Selten wird so ehrlich über den Umgang mit Geschehnissen und Erlebnissen dunkler und trauriger Zeiten der Geschichte geschrieben, wie hier. Man könnte meinen, Frau Haderlap erzählt eigene Erfahrungen ihrer Kindheit, so plastisch ist dieser Roman geschrieben. Denn die Hauptfigur, ein kleines Mädchen, bekommt durch Erzählungen der Großmutter und den Handlungen des Vaters zu spüren, was die slowenischsprachige Bevölkerung Kärntens im Dritten Reich erlebt hat. Kärntner Geschichte von einer selten gehörten Seite.

Zeitdokument österreichischerr Geschichte
von Ulrike Krenmair aus Gmunden am 01.09.2011

In Kärnten an der slowenischen Grenze lebt ein kleines Mächen bei ihrer Grossmutter. Der Krieg ist vorbei, aber noch allgegenwärtig ist Verfolgung, Konzentrationslager und der Tod vieler im Dorf.Das Mädchen wächst unter schwierigen Familienverhältnissen und mit den Erzählungen der Grossmutter auf. Sie studiert und löst sich aus der Enge des... In Kärnten an der slowenischen Grenze lebt ein kleines Mächen bei ihrer Grossmutter. Der Krieg ist vorbei, aber noch allgegenwärtig ist Verfolgung, Konzentrationslager und der Tod vieler im Dorf.Das Mädchen wächst unter schwierigen Familienverhältnissen und mit den Erzählungen der Grossmutter auf. Sie studiert und löst sich aus der Enge des Dorfes. Eine klare beeindruckende Geschichte.

Eine Geschichte der Opfer
von Thomas Fritzenwallner aus Wiener Neustadt am 20.07.2011

Das Mädchen Kokica, Hühnchen, wächst an der Grenze zum jugoslawischen Slowenien auf. Beiläufig erwähnt die Großmutter, sie sei im Lager gewesen, und wenn sie mit den Nachbarn, allesamt österreichische Slowenen, verreist, dann werden entweder Marienwallfahrtsorte oder Konzentrationslager besucht. Doch die Erzählerin ist jung, ihr ist Dachau nur ein "klingender... Das Mädchen Kokica, Hühnchen, wächst an der Grenze zum jugoslawischen Slowenien auf. Beiläufig erwähnt die Großmutter, sie sei im Lager gewesen, und wenn sie mit den Nachbarn, allesamt österreichische Slowenen, verreist, dann werden entweder Marienwallfahrtsorte oder Konzentrationslager besucht. Doch die Erzählerin ist jung, ihr ist Dachau nur ein "klingender Name". Dann stirbt das Kind beinahe beim Schwimmen, die Großmutter erzählt ihr von der Haft im KZ Ravensbrück, und der Vater droht, überfallen von Erinnerungen an seine Partisanenzeit, die Familie und sich umzubringen. Der Tod hält Einzug in die Idylle, und Kokica wird die geliebte Umgebung, besonders der Wald fremd. In ihn waren die Slowenischstämmigen geflüchtet, wenn die Nazi-Schergen und ihre Helfershelfer, die österreichischen Polizisten, auf der Suche nach Titos Partisanen ganze Familien folterten, verhafteten oder gleich ermordeten. Immer grausigere Geschichten hört das Kind, dessen Vater als Zwölfjähriger drei Scheinexekutionen durchstand und seinen bei den Partisanen kämpfenden Vater dennoch nicht verriet. In einem "historischen Schlund" des Vergessens scheinen all diese Geschichten untergegangen zu sein. Um ihn kreist die junge Frau. Während der jugoslawischen Kriege will sie nicht mehr durchs Gedichte schreiben zu seelischer Gesundheit gelangen, sondern indem sie die in Stücke zerfallenen Geschichten miteinander und mit den eigenen Schreckensbildern verbindet.


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