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Wer nicht schreibt, bleibt dumm

Warum unsere Kinder ohne Handschrift das Denken verlernen

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Die engagierte Lehrerin Maria-Anna Schulze Brüning beobachtet seit Jahren, wie sich die Handschrift ihrer Schüler rapide verschlechtert. Unsere Kinder sind jedoch keine Generation lernunwilliger Grobmotoriker, wie sie betont, sondern Opfer einer fehlgeleiteten Schulpolitik. Handschrift und Rechtschreibung werden in den Grundschulen vernachlässigt und dem Experimentieren preisgegeben. Lernfreude und vernetztes Denken bleiben dabei auf der Strecke, denn Krakelschriften werden für Kinder immer mehr zum Handicap. Gemeinsam mit dem Journalisten Stephan Clauss zeigt die erfahrene Pädagogin, wie ein kostbares Kulturgut aufs Spiel gesetzt wird und welche Konzepte Schülern wirklich helfen, um aus einer »Sauklaue« eine Handschrift zu machen. Denn gut und lesbar zu schreiben ist auch im digitalen Zeitalter kein Luxus, sondern elementar für die Zukunft unserer Kinder.
Portrait
Maria-Anna Schulze Brüning ist seit mehr als fünfundzwanzig Jahren Lehrerin für Kunst und Französisch an einer Gesamtschule in Hamm. Vor allem bei unterschiedlichen Startbedingungen liegt ihr die individuelle Förderung ihrer Schüler am Herzen. Die von ihr erstellten Studien finden seit vielen Jahren Eingang in Fachpublikationen und ihr eigens entwickeltes Handschriften-Trainingsprogramm wird bundesweit eingesetzt.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja
Seitenzahl 304 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 03.04.2017
Sprache Deutsch
EAN 9783492976879
Verlag Piper ebooks
eBook
19,99
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Für mein Empfinden eine Pflichtlektüre, die schon längst überfällig ist!
von warmerSommerregen aus Essen am 28.08.2017
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Das muss man sich erst einmal vor Augen führen: „Jedes sechste Kind kann nicht richtig schreiben“. Ein mir unvorstellbar hoher Anteil der Schüler leidet unter diesem Problem, das nicht nur ein „ästhetisches Manko“ (S. 50) ist. Schließlich sichert das Schreiben als Kulturtechnik schon so lange die Weitergabe und das... Das muss man sich erst einmal vor Augen führen: „Jedes sechste Kind kann nicht richtig schreiben“. Ein mir unvorstellbar hoher Anteil der Schüler leidet unter diesem Problem, das nicht nur ein „ästhetisches Manko“ (S. 50) ist. Schließlich sichert das Schreiben als Kulturtechnik schon so lange die Weitergabe und das Vermitteltbekommen von Wissen. daher bedeutet eine mangelnde Schriftkompetenz ein fehlendes Fundament des Lernens – für die betroffenen Schüler ist es in soweit eine Katastrophe, als dass Hausaufgaben und Mitschriften zur Belastung werden. Tatsächlich sollte, so die Autorin, Handschrift als Werkzeug dienen und darf deswegen keine Umstände machen, sondern sollte nebenbei geschehen, damit man sich auf den Inhalt konzentrieren kann. Wird dieses Werkzeug jedoch nicht hinreichend beherrscht, kann diese mangelhaft ausgebildete Fähigkeit im Zweifelsfall „aus einem normal begabten Schüler einen Schulversager machen“. (S.50) Erstaunlicherweise sind alle sozialen Schichten und Lernniveaus betroffen, weswegen sich diese erschreckende Tendenz auch an allen Schulformen – zum Beispiel ebenfalls an Gymnasien – gleichermaßen erkennen lässt. So sucht die Autorin unter Anderem nach den tieferen Ursachen, welche beispielsweise in einer Neubewertung der Bedeutung dieser Kulturtechnik liegen, da in Zeiten der Medien die Notwendigkeit der Handschrift in Frage gestellt wird. Somit wird ihr ein neuer Stellenwert im bildungspolitischen Gesamtkonzept zuteil – mit verheerenden Folgen, wie man merkt. Zudem ist ein Problem, welches aus dem gerade Genannten ergibt, dass die Kinder sich die Handschrift größtenteils – ebenso wie die korrekte Rechtschreibung mehr oder weniger eigenständig aneignen sollen. Dies kann nur zu Misständen anstelle von der vielfach angepriesenen Selbstständigkeit führen, da die Kinder bei diesem komplexen Gebilde unterstützt und angeleitet sowie Fehler korrigiert werden müssen. Somit liegt das Problem also definitiv nicht in einem motorischen Unvermögen und könnte so leicht umgangen werden… In Grundschulen wird häufig lediglich die Druckschrift gelehrt – schließlich haben viele Schüler Schwierigkeiten mit der verbundenen Schreibschrift gehabt. Anstatt an der Wissensvermittlung zu arbeiten und den Schreibunterricht zu verbessern – und aus Erfahrung als Lehrerin weiß Maria-Anna Schulze Brüning, dass bis auf wenige Ausnahmen jeder Schüler, möge seine Schrift noch so unleserlich sein, gerne Schreibunterricht erhält – vereinfacht man alles. Nur ist diese Vereinfachung keine Entlastung, sondern bloß ein Ver- und Aufschieben des Problems. Im Grundschulalter sollte der Grundstein für eine adäquate Handschrift gelegt werden, da mit fortschreitendem Alter und damit verbundener Übung der angeeigneten Handschrift, die Abläufe beim Schreiben automatisiert wurden und daher immer schwieriger zu korrigieren sind. Da die Kinder mit dem Erlernen der Handschrift meist auf sich allein gestellt sind, malen sie Buchstaben häufig anstatt sie zu schreiben. So ähnelt ein a nun einmal einem Kreis mit einem Strich und wird genauso zu Papier gebracht. Tatsächlich sieht ein solches a nicht nur anders aus, sondern ist im Schreibfluss noch dazu viel hemmender als die über lange Zeit optimierte und weitergegebene Art, es zu schreiben. Aufgrund der Tatsache, dass dieses Problem nicht erst seit Kurzem besteht, befinden sich mittlerweile bereits Lehrer an den Schulen, die selbst kaum noch per Hand schreiben. So kann der Teufelskreis immer weiter angeheitzt werden. Eine weitere Schwierigkeit ist die Vielzahl verschiedener Schriftarten, welche erlernt werden können. Die Entscheidung, welche man den Schülern vermittelt, wenn man sich als Grundschule überhaupt dazu entscheidet Schreibschrift zu lehren, ist enorm und verwirrend. Und so entlarvt das Autorenpaar immer mehr Problempunkte bei denen man ansetzen könnte und dringend müsste. Nur über Schrift, so lässt ein Blick in die Geschichte zu Beginn des Buches erkennen, ermöglicht kognitiven Fortschritt und eine Weitergabe von Kultur und Wissen. Die Autoren behandeln eine Vielzahl von Themengebieten und Schulze Brüning lässt zahlreiche zum Teil selbst durchgeführte Erhebungen mit einfließen sowie einiges an Fachliteratur – über die Bedeutung, Entstehung sowie Entwicklung der Schrift, vom Recht- und Schlechtschreiben über häufige Fehler beim Schreiben (bestimmter Buchstaben) bis hin zu Ansätzen um die Handschrift angemessen zu vermitteln. Des Weiteren werden Bereiche wie die Entwicklungspsychologie ebenfalls ins Blickfeld gerückt. Sehr gut ist meines Erachtens auch das Kapitel „Wie können Lehrer und Eltern Kinder beim Verbessern der Handschrift unterstützen?“, da es konkrete Handlungsmöglichkeiten bietet und damit schon längst überfällig ist. Darüber hinaus wird eine Schülerbefragung zum Ende des Buches dargelegt: Wie wichtig ist die Handschrift? Welche Bedeutung hat sie? Sollte man sie überhaupt noch unterrichten? Äußerst spannend ist, dass lediglich etwa 30% der Befragten pädagogische Gründe für den großen Stellenwert der Handschrift anführten – die restlichen Begründungen sind äußerst vielseiteig. Einen sehr schönen Aspekt, finde ich, stellt die Begründung dar, die Handschrift zähle zu der, bilde und zeige die Persönlichkeit. Aus meiner Grundschulzeit kenne ich selbst das Schreiben mit der Anlauttabelle. Unsere Lehrerin vertrat – wie offenbar erschreckend viele Lehrer auch – die Auffassung, die Schüler könnten sich die Rechtschreibung problemlos, schnell und sehr effizient selbst beibringen. Nur korrigieren dürfe man die von den Kindern selbst ausgewählte richtige Schreibweise nicht, da dies dem Prozess des Erlernens der Handschrift nicht nur nicht förderlich sei, sondern ihm sogar noch schade. Zum Glück haben meine Eltern von dem „Lesen durch Schreiben“ nicht sonderlich viel gehalten und mich bei der Rechtschreibung angeleitet anstatt mich, wie andere Eltern aus der Klasse, mit Hinlfestellungen wie „E wie Esel“ der Anlauttabelle alleine zu lassen. Meiner Handschrift- und Rechtschreibentwicklung hat dies sicherlich nicht geschadet; wenn ich mir jedoch vor Augen führe, dass jeder sechste Schüler nicht richtig schreiben kann und daran denke, welche Schwierigkeiten Mitschüler auch noch in der Oberstufe beim Schreiben hatten, gibt mir das zu denken… Meiner Meinung nach ist „Wer nicht schreibt, bleibt dumm“ ein längst überfälliges Werk, welches hoffentlich viel gelesen wird und zahlreiche Menschen wachrüttelt – denn eines ist klar: So, wie es zur Zeit läuft, darf es nicht weitergehen.


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