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Poetik: Ausgewählte Aufsätze 1921-1971

Ausgewählte Aufsätze 1921-1971. Hrsg. v. Elmar Holenstein u. Tarcisius Schelbert

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Dieser Band versammelt Roman Jakobsons wichtigste theoretische Schriften zur Poetik. Er enthält die beiden mittlerweile klassischen Texte »Linguistik und Poetik« und »Poesie der Grammatik und Grammatik der Poesie« sowie Studien über den Realismus in der Kunst, die Folklore, das Verhältnis von Dichtung und Gesellschaft am Beispiel der Hussitendichtung und über den Parallelismus. In zwei vergleichenden Aufsätzen über Vladimir Majakovskij und Boris Pasternak expliziert Jakobson zum erstenmal das Verhältnis von Metapher und Metonymie, das dann im Strukturalismus (vor allem bei Claude Lévi-Strauss und Jacques Lacan) eine Schlüsselrolle einnehmen sollte.

Roman Jakobson (1896– 1982) gehörte in seiner Jugend zum Kreis der russischen Formalisten, schloß sich später aber den Strukturalisten an. Mit seinem einflußreichen Werk trug er dazu bei, daß aus dem ursprünglich linguistischen Strukturalismus eine weltweit anerkannte, interdisziplinär anwendbare Erkenntnismethode wurde.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Herausgeber Elmar Holenstein, Tarcisius Schelbert
Seitenzahl 327
Erscheinungsdatum 06.01.1979
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-27862-8
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 17,7/10,8/1,6 cm
Gewicht 263 g
Auflage 5. Auflage, Nachdruck
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Poetikaufsätze von Roman Jakobson
von Zitronenblau am 01.02.2012

Der von Elmar Holenstein herausgegebene sowie eingeführte Band "Poetik" mit ausgewählten Aufsätzen von Roman Jakobson gibt einen recht umfassenden Einblick in das Denken und in die Methodik des Formalisten/Strukturalisten, die wir heute als analytisch bezeichnen würden, da die Struktur des Gedichtes (stilfigürlich-syntaktisch wie tropisch-semantisch; so heißt es: "Lehrbücher glauben... Der von Elmar Holenstein herausgegebene sowie eingeführte Band "Poetik" mit ausgewählten Aufsätzen von Roman Jakobson gibt einen recht umfassenden Einblick in das Denken und in die Methodik des Formalisten/Strukturalisten, die wir heute als analytisch bezeichnen würden, da die Struktur des Gedichtes (stilfigürlich-syntaktisch wie tropisch-semantisch; so heißt es: "Lehrbücher glauben zwar, dass es Gedichte ohne Bilder gibt, doch in Wirklichkeit wird die Armut an lexikalischen Tropen durch großartig grammatische Tropen und Figuren wettgemacht.") in den Vordergrund der Anschauung gerät, weniger hermeneutische, psychologische/psychoanalytische oder autobiographische Aspekte, wobei letzteres gleichermaßen wie die Geschichte selbst insbes. im Aufsatz zu Majakovskij wieder einen größeren Stellenwert erhält. Das Buch ist in drei Teile untergliedert: 1. Einführung zu Jakobsons Werk von Holenstein. Hier kommt die Poesie und die Plurifunktionalität der Sprache zur Sprache ("Poesie ist 'nichts anderes als eine Äußerung mit Einstellung auf den Ausdruck'."). Ferner das erweiterte Kommunikatonsmodell (Addresser, Addressee, Context, Message, Contact, Code) im Abgleich mit der geltungsanspruchsbezogenen Sprachtheorie von Habermas. Und natürlich die Frage der Poetizität als Element sui generis, in der Inhalt einen "Teil der Struktur des Gedichtes" ausmacht und die Autonomie der ästhetischen Funktion der Sprache beschworen wird. 2. Allgemeine Poetik mit dem "strukturalistischen Manifest" (!), einem Aufsatz, der der Frage nachgeht, was Poesie sei (1934) und dem Aufsatz "Linguistik und Poetik" (1960), in dem sich Jakobson phänomenologisch (Einstellung des Subjekts auf den Ausdruck bzw. das Zeichen bzw. die Message an und für sich) und strukturalistisch positioniert: "Eine dichterische Äußerung zeichnet sich aus durch die Projektion des Äquivalenzprinzips von der paradigmatischen Achse der Selektion, für die es allgemein konstitutiv ist, auf die syntagmatische Achse der Kombination." Im letzten Teil "Schwerpukte" sind u. a. die berühmten Aufsätze über die Folklore, die Dichter Majakovskij und Pasternak, die Dominante ("Was eine Gattung bzw. einen Stil von andern unterscheidet, ist nicht so sehr die Substitution einer einzelnen Struktur und/oder Funktion durch eine andere, sondern eine Umschichtung in der Werthierarchie von mehreren gleichzeitig anwesenden, teils einander dienenden, teils miteinander in Spannung stehenden Strukturelementen und Funktionen. Die Dominante regiert und transformiert alle andern Komponenten und garantiert so die Integrität des Kunstwerks."), und "Der grammatische Parallelismus" (1966) enthalten: "Im Parallelismus werden die tragenden Prinzipien der Poesie auf prototypische Weise transparent, 1. die Projektion von Äquivalenzen von der Achse der Selektion auf die Achse der Kompination, 2. die damit insinuierte Einstellung des Subjekts auf das sprachliche Medium als solches, 3. die daraus sich ergebende Aktivierung und 'Realisierung' aller sprachlichen Kategorien der verschiedenen Ebenen der Sprache, 4. die dominierende Rolle, die dabei häufig den grammatischen und metrischen Elementen [...] zufällt." Ein Muss für Linguisten, Sprachinteressierte und Liebhaber der Poesie! Denn der Zauber der Lyrik liegt nicht eben nur im Symbol, der Metapher, der Metonymie oder Synekdoche, sondern konstituiert sich wesentlich durch grammatisch-syntaktische Stilfiguren! Und die Form ist generell gleichwertig zum Inhalt!


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