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Mohn und Gedächtnis

Gedichte

(1)
Ein Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegslyrik – zum 60. Jahrestag jetzt in bibliophiler Neuausgabe



1952 erschien der schmale, in schwarzes Leinen gebundene Gedichtband „Mohn und Gedächtnis” bei der DVA. Der Autor, eigentlich als Paul Antschel 1920 in Czernowitz/Bukowina geboren, war damals der literarischen Öffentlichkeit unbekannt. Heute zählen diese 56 Gedichte, darunter »Todesfuge«, sein berühmtestes, zu den bedeutendsten des 20. Jahrhunderts; auch weil sie zu den frühesten Zeugnissen einer dichterischen Auseinandersetzung mit der Shoa in der Bundesrepublik gehören. Diese Thematik wie Celans disziplinierte und dabei magisch assoziative Sprache ermöglicht es uns heute noch, „Mohn und Gedächtnis” wie eine Neuentdeckung zu lesen. Nun, zum 60. Jahrestag, liegt dieser Band in einer der Erstausgabe nachempfundenen, bibliophilen Ausstattung wieder vor.




Rezension
"Die 55 Gedichte des Bandes haben auch heute noch ihre Aussagekraft bewahrt - und nicht nur die "Todesfuge" verdient es, neu gelesen zu werden." Fränkische Nachrichten, 26.03.2012
Portrait
Paul Celan wurde am 23. November 1920 als Paul Antschel als einziger Sohn deutschsprachiger, jüdischer Eltern im damals rumänischen Czernowitz geboren. Nach dem Abitur 1938 begann er ein Medizinstudium in Tours/Frankreich, kehrte jedoch ein Jahr später nach Rumänien, zurück, um dort Romanistik zu studieren. 1942 wurden Celans Eltern deportiert. Im Herbst desselben Jahres starb sein Vater in einem Lager an Typhus, seine Mutter wurde erschossen. Von 1942 bis 1944 musste Celan in verschiedenen rumänischen Arbeitslagern Zwangsarbeit leisten. Von 1945 bis 1947 arbeitete er als Lektor und Übersetzer in Bukarest, erste Gedichte wurden publiziert. Im Juli 1948 zog er nach Paris, wo er bis zum seinem Tod lebte. Im selben Jahr begegnete Celan Ingeborg Bachmann. Dass Ingeborg Bachmann und Paul Celan Ende der vierziger Jahre und Anfang der fünfziger Jahre ein Liebesverhältnis verband, das im Oktober 1957 bis Mai 1958 wieder aufgenommen wurde, wird den posthum veröffentlichten Briefwechsel Herzzeit zwischen den beiden bestätigt. November 1951 lernte Celan in Paris die Künstlerin Gisèle de Lestrange kennen, die er ein Jahr später heiratete. 1955 kam ihr gemeinsamer Sohn Eric zur Welt. Im Frühjahr 1970 nahm sich Celan in der Seine das Leben
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 110
Erscheinungsdatum 26.03.2012
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-421-04550-8
Verlag DVA
Maße (L/B/H) 209/131/17 mm
Gewicht 223
Abbildungen schwarz-weiss Illustrationen
Buch (gebundene Ausgabe)
20,60
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Gedichte neu aufgelegt
von Michael Lehmann-Pape am 30.04.2012

Erstmals bereits 1952 erschien dieser schmale Gedichtband, der erste von Paul Celan. Gedichte, die nicht im Gesamten, aber doch zu einem großen Teil die dunklen Erlebnisse seines Lebens widerspiegeln, die Gräuel der Zeit. „Schwarze Milch in der Frühe wir trinken sie abends wir trinken sie mittags und morgens wir trinken... Erstmals bereits 1952 erschien dieser schmale Gedichtband, der erste von Paul Celan. Gedichte, die nicht im Gesamten, aber doch zu einem großen Teil die dunklen Erlebnisse seines Lebens widerspiegeln, die Gräuel der Zeit. „Schwarze Milch in der Frühe wir trinken sie abends wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts wir trinken und trinken........ erschreibt es und tritt vor das Haus und blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei....“ Todesfuge, sicherlich das am meisten beachtete Gedicht Celans zu jener Zeit, in welchem er den Holocaust, das Leben im Konzentrationslager thematisiert steht für diese dunkle Seite der Welt, der Zeit, da wo gilt: „wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng“. Celan, der mittlerweile in diesen Jahren in Paris Fuß gefasst hatte, summiert sein Erleben der Jahre von 1943/44 bis 1950, durchaus auch im persönlichen Sinne. „Wir waren tot und konnten atmen“ beschreibt auf den Punkt das innere Gefühl der Befreiung unter dem Titel „Erinnerung an Frankreich“. Selten aber verirren sich solch positive, hoffnungsfrohe Gedanken in diese ersten Gedichte. Überwiegend melancholisch, erinnernd treten die lyrischen Texte in den Raum. „Deiner Mutter Seele peitscht die Haie vor Dir her“ spricht on der im KZ ermordeten Mutter in „Der Reisekamerad“. „Mache mich bitter. Zähle mich zu den Mandeln“, solche Verse sind es, in denen in komprimierter Form das Innere Celans erkennbar wird, sein Grundton konzentriert zu Tage tritt. Keine einfachen Texte sind es, die Celan vorlegte, Bilder, die ergründet werden müssen, die teils sperrig im Raum stehen, so aber auch zu einer Entdeckungsreiseeinladen und ihre Wirkung entfalten können. Ein gutes Drittel an Platz im Buch nimmt abschließend eine Rückschau durch Jan Bürger ein, der nicht nur erzählt, wie Paul Celan entdeckt wurde, sondern auch die Zeit kurz vor dessen Freitod in Paris 1970 kurz beleuchtet. Gedichte der Trauer, des erschreckenden Erlebens mit kleinen Hoffnungsschimmern, die fast umgehend wieder mit in den Strudel des Dunkels gerissen werden samt einer kurzen Erläuterung zu Person und Werk lassen 70 Jahre später noch einem einen Zugang zu Paul Celan in bester Weise zu.

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