Kein anderes Meer

Roman

(8)
"Ein sehr poetisches Buch.“ Brigitte
Claire verschwindet an ihrem siebten Geburtstag spurlos am Strand von Ville Rose auf Haiti. Ahnt sie, dass ihr Vater Nozias sie heute fortgeben will? Nach dem Tod von Claires Mutter kümmerte er sich allein um seine Tochter, doch dem armen Fischer fällt es immer schwerer, für ihren Unterhalt aufzukommen. Deshalb hofft er, dass Claire bei der reichen Tuchhändlerin Gaëlle ein besseres Leben hab wird. Aber Claire versucht mit aller Macht, sich dieser Trennung zu widersetzen und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand.
Poetisch und farbenprächtig: Eine märchenhafte Reise in eine fremde Welt
Portrait
Edwidge Danticat, 1969 in Port-au-Prince geboren, folgte ihren Eltern mit zwölf Jahren in die USA. Sie gilt als eine der bedeutendsten Stimmen der karibisch-amerikanischen Literatur. Danticat erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den American Book Award und den LiBeraturpreis. Sie lebt in New York.
Kathrin Razum übersetzte u. a. T. C. Boyle, John le Carré, Agatha Christie, Vikram Chandra, V. S. Naipaul, Edna O'Brien und Susan Sontag. Sie lebt in Heidelberg.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 256
Erscheinungsdatum 17.02.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-7466-3287-2
Verlag Aufbau
Maße (L/B/H) 18,8/11,5/2,5 cm
Gewicht 260 g
Originaltitel Claire of the Sea Light
Auflage 1. Auflage
Übersetzer Kathrin Razum
Buch (Taschenbuch)
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Claire vom Meereslicht
von Svanvithe am 02.08.2017

Mit ihrem Roman „Kein anderes Meer“ nimmt Edwidge Danticat uns mit auf eine Reise in ihre Heimat Haiti und lässt uns nicht nur teilhaben an haitischem Dasein und haitischer Kultur, sondern bietet einen tiefgründigen Einblick in das Leben der Menschen. Die von ihr geschaffenen Charaktere geben in ihrer Vielfalt... Mit ihrem Roman „Kein anderes Meer“ nimmt Edwidge Danticat uns mit auf eine Reise in ihre Heimat Haiti und lässt uns nicht nur teilhaben an haitischem Dasein und haitischer Kultur, sondern bietet einen tiefgründigen Einblick in das Leben der Menschen. Die von ihr geschaffenen Charaktere geben in ihrer Vielfalt ein Bild der fiktiven Stadt zwischen Meer und Bergen wider: Ville Rose – ein Name wie Musik, und doch befindet er sich im krassen Gegensatz zu seinen Bewohnern, die aus einer kleinen Minderheit von Mittel- und Oberschicht sowie der großen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze bestehen, die um das tägliche Überleben kämpfen. Ein Ort unermesslicher Schönheit und außerordentlichen Elends. Im Mittelpunkt steht auf den ersten Blick Claire Limyè Lanmè, was Claire vom Meereslicht heißt - "Claire of the Sea Light" ist der Originaltitel des Romans. Er beginnt mit Claires siebtem Geburtstag. An diesem Tag versenkt eine drei oder vier hohe Monsterwelle den Fischer Caleb mitsamt seinem Kutter. Claire lebt mit ihrem Vater Nozias, ebenfalls Fischer, in einer winzigen Hütte. Ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben, und so sind ihre Geburtstage jedes Jahr nicht nur glückliche Tage, sondern auch immer solche der Trauer. Die ersten drei Jahre wird Claire von Verwandten ihrer Mutter großgezogen. Dann holt Nozias seine Tochter wieder zu sich, um sich selbst der Herausforderung zu stellen, sein Kind von seinem dürftigen Einkommen zu versorgen. Und obwohl es ihm nicht an elterlicher Liebe oder Verantwortung und gutem Willen fehlt, erkennt er die Hoffnungslosigkeit seines Unterfangens, Claire eine sorgenfreie Existenz bieten zu können. Aus diesem Grund entscheidet er sich, Gaëlle, die Besitzerin des Stoffladens, zu überzeugen, Claire zu adoptieren. Denn aus seiner Sicht ist es das Beste, ein neues Elternteil zu finden, dem er vertraut, sich um Claire zu kümmern. Er selbst will auf der Suche nach einer besser bezahlten Arbeit fortgehen. An diesem siebten Geburtstag stimmt Gaëlle zu, Claire zu sich zu nehmen; am Abend verschwindet Claire, und erst im letzten Kapitel erfahren wir, was mit ihr passiert. Bis dahin porträtiert die Autorin andere Bewohner der Stadt, und im Verlaufe dessen wird deutlich, dass im Grunde Ville Rose in ihrer menschlichen Vielfalt, brutalen Realität und miteinander kollidierenden Schicksalen die eigentliche Protagonistin des Romans darstellt. Da ist die Stoffhändlerin Gaëlle, die als Spiegel für Nozias wirkt. Auch ihr Leben ist von Verlusten geprägt. Am Tag, an dem sie ihre Tochter Rose auf die Welt bringt, wird ihr Mann Laurent ermordet. Sieben Jahre später – es ist der vierte Geburtstag von Claire – stirbt Rose bei einem Autounfall. Bernhard Dorien, der in Cité Pendue, einem armen, gefährlichen Außenbezirk von Ville Rose, dem „ersten Höllenkreis“, zu Hause ist und dessen Idealismus und die Verbindung zu Tiye, dem berüchtigten Anführer der Bande Baz Benin, schreckliche Konsequenzen für sein Leben und das von Gaëlle haben. Bernards enger Freund Max Ardin Junior, ein wohlhabender junger Mann, der vor zehn Jahren ein Kind zeugte, von seinem Vater Max Senior nach Miami geschickt wurde, nun nach Haiti zurückkehrt und mit seiner Schuld konfrontiert wird. Louise George, eine bekannte und beliebte Radiomoderatorin, Lehrerin von Claire in der Schule von Max Ardin Senior und zeitweise desssen Geliebte, mit dem sie eine Rechnung offen hat. Sie ermöglicht es Bürgern von Ville Rose, in ihrer populären Radiosendung die eigene Geschichte zu schildern... Edwidge Danticats Protagonisten sind fehlerhaft, aber menschlich, handeln auf einem schmalen Grad zwischen richtig und falsch. Während Nozias sich beispielsweise gezwungen sieht, seine Tochter aufzugeben, obwohl er sie eigentlich nicht verlieren möchte, muss Claire als Vertreterin vieler Kinder mit der Entscheidung leben, die andere Menschen für ihre Zukunft treffen. Durch die verschiedenen Geschichten zeigt die Autorin eine Stadt, die von Gewalt, Leid und Tod, Korruption, Klassenunterschieden und sozialen Tabus geprägt ist, in der es jedoch durchaus auch Hoffnung, Träume, Liebe und Versöhnung und gute Absichten gibt. Insgesamt ist der Tod - einerlei, ob er natürlichen, zufälligen oder kriminellen Ursprungs ist - in Ville Rose eine konstante und alltägliche Größe. Er taucht immer wieder in den Geschichten auf und verknüpft sie zum Teil miteinander. Leben und Tod stehen sich kontinuierlich gegenüber, wodurch die Autorin gleichzeitig die Fragilität des Lebens im Angesicht des Todes hervorhebt. Danticats Roman ist geprägt von einem ruhigen Erzähltempo, ihre Sprache zeigt sich schnörkellos und klar, gleichwohl kraftvoll, poetisch und von enormer Tiefe. Sie verwendet sie, um komplizierte Verbindungen zu knüpfen, wenn sie sowohl Schönheit als auch Schrecken beschreibt. Die Einflechtung kreolischer Redewendungen und Worte schaffen den Reiz einer fremden Welt, erschweren allerdings zugleich das eine oder andere Mal das Lesen und Verständnis. In ihrer Weise des Erzählens fordert uns die Autorin. Es erfolgt keine chronologische Abfolge. Vielmehr bewegt sich die Handlung von der Gegenwart bis zur nahen Vergangenheit, geht in die ferne Vergangenheit, um wieder in die Gegenwart zurückzukehren. So beginnt und endet die Geschichte mit Claires Geburtstag und damit nicht nur dem Todestag ihrer Mutter. Am Schluss ihres eindrucksvollen und komplexen Romans erlaubt die Autorin ein wenig Zuversicht, unsicher zwar, aber vorhanden. Und daran möchten wir festhalten. 4,5 Sterne

Haiti
von einer Kundin/einem Kunden am 28.07.2017

Am Anfang ist die Geschichte verwirrend und fremd; verschiedene Zeitebenen, unterschiedliche Personen, scheinbar unzusammenhängende Ereignisse - alles vor dem Hintergrund der Frage: wo ist die siebenjährige Claire? Nach und nach stellt sich der Zusammenhang dar, und man stellt fest, dass es hier nicht nur um Fremdes, Mystisches geht. In einer... Am Anfang ist die Geschichte verwirrend und fremd; verschiedene Zeitebenen, unterschiedliche Personen, scheinbar unzusammenhängende Ereignisse - alles vor dem Hintergrund der Frage: wo ist die siebenjährige Claire? Nach und nach stellt sich der Zusammenhang dar, und man stellt fest, dass es hier nicht nur um Fremdes, Mystisches geht. In einer bildhaften Sprache schildert die Autorin das harte Leben in einem politisch instabilen, armen Land, in dem die Menschen immer wieder auch Naturkatastrophen ausgesetzt sind. Ein intensiver Einblick, spannend und unerwartet; eine gelungene Mischung!

Tragische Lebenswege
von Fredhel am 06.07.2017

Ich frage mich, wer beim Aufbau Verlag für die Klappentexte verantwortlich ist. Liest diese Person das Buch vorher überhaupt? Nach der Inhaltsangabe habe ich einen Roman über ein kleines Mädchen erwartet, das verschwindet, um nicht von einer anderen Frau adoptiert zu werden und dessen Lebensweg nun geschildert wird. Dabei handelt... Ich frage mich, wer beim Aufbau Verlag für die Klappentexte verantwortlich ist. Liest diese Person das Buch vorher überhaupt? Nach der Inhaltsangabe habe ich einen Roman über ein kleines Mädchen erwartet, das verschwindet, um nicht von einer anderen Frau adoptiert zu werden und dessen Lebensweg nun geschildert wird. Dabei handelt es sich hierbei nur um die Rahmenhandlung: Im bunten Reigen, aber immer durch ihren Lebensweg komplex miteinander verknüpft, lernt der Leser einige Bewohner der Stadt Ville Rose auf Haiti näher kennen. Sie alle haben ihr Schicksal zu tragen, jedes Schicksal beeinflusst ein anderes Menschenleben. Es ist beeindruckend, wie von Seite zu Seite der Roman immer dichter, immer spannender wird. Ausserdem wirbt der Klappentext:" Poetisch und farbenprächtig: eine märchenhafte Reise in eine fremde Welt" Auch das möchte ich nicht unkommentiert stehen lassen, denn es ist eben nicht eine märchenhafte Reise, sondern die Darstellung von tragischen Menschenschicksalen in einem bitterarmen Land. Die Autorin schreibt so mitreissend und fesselnd, dass sie einen authentischeren Werbetext verdient hätte. Mich hat ihr Buch begeistert und ich wünsche ihr noch viele zufriedene Leser.


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