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Ein fauler Gott

Roman

(10)

Herbst 1972. Der achtjährige Jonas stirbt. Seine Mutter Ruth und sein Bruder Benjamin versuchen, weiterzumachen, jeder auf seine Weise. Ruth entschließt sich, Jonas' Tod zu untersuchen. Im Freibad, in dem er einen Krampfanfall erlitten hat, befragt sie den Bademeister und seinen Gehilfen, im Krankenhaus lässt sie sich sein Sterben erklären. Sie liest Bücher auf der Suche nach einem verborgenen Sinn und füttert einen verwaisten Zilpzalp. Nachts sitzt sie auf einer Heizdecke und verzweifelt am Verlust ihres Kindes. Ben kommt jetzt extra pünktlich nach Hause, er hilft Ruth in der Küche, spielt ihr auf der C-Flöte vor und spricht mit ihr über Regenwürmer, Biber und den Archaeopterix. Er passt sich an. Während er in den nächsten Monaten ins Leben zurückfindet, verliert sich Ruth in der Leere ihrer Trauer. »Wenn es kalt wird, fahren wir«, sagt sie. Im Herbst 1973 brechen sie auf.
Voller Empathie erzählt Stephan Lohse in seinem Debütroman vom Schlimmsten, was einer Familie widerfahren kann, dem Tod eines Kindes. Vor allem aber erzählt er vom Leben und davon, was es jenen abverlangt, die bleiben: von Schmerz und Verlorenheit, aber auch von der unstillbaren Sehnsucht nach Überwindung der Trauer, nach dem Glück von Normalität.

Rezension
"Wie gut es Stephan Lohse in seinem Debüt gelingt, Blickwechsel und Sprachschatz des Jungen einzunehmen, ohne ins Klischee zu driften ..."
Barbara April 2017
Portrait
Stephan Lohse wurde 1964 in Hamburg geboren. Er studierte Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und war unter anderem am Thalia Theater, an der Schaubühne in Berlin und am Schauspielhaus in Wien engagiert. Ein fauler Gott ist sein Debütroman. Stephan Lohse lebt in Berlin.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 336
Erscheinungsdatum 06.03.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-42587-9
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 203/126/30 mm
Gewicht 394
Auflage 1
Buch (gebundene Ausgabe)
22,70
inkl. gesetzl. MwSt.
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Kundenbewertungen


Durchschnitt
10 Bewertungen
Übersicht
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Ein beeindruckendes Leseerlebnis voller Empathie. Großartig!
von Liane Marth / LimaKatze am 28.06.2017

*** KLAPPENTEXT: „Die ewigen Jagdgründe musst du dir wie eine Lücke in der Zeit vorstellen. Dort wird Jonas ewig so bleiben, wie du ihn erinnerst.“ Stephan Lohse erzählt von den Herausforderungen eines Teenagerlebens und vom Trost der Freundschaft. Er erzählt von einem Jungen, der seine Mutter das Trauern lehrt, und... *** KLAPPENTEXT: „Die ewigen Jagdgründe musst du dir wie eine Lücke in der Zeit vorstellen. Dort wird Jonas ewig so bleiben, wie du ihn erinnerst.“ Stephan Lohse erzählt von den Herausforderungen eines Teenagerlebens und vom Trost der Freundschaft. Er erzählt von einem Jungen, der seine Mutter das Trauern lehrt, und dessen Mut und Zuversicht ein Gebirge in ein Meer verwandeln. *** ZUM INHALT: … „Irgendwo im Haus geht eine Tür. Dann noch eine. Mami lebt. Sie war zu gleichen Teilen seine und Jonas´ Mutter. Was mit Jonas´ Teil geschieht, ist unklar. Vielleicht bekommt Ben ihn. Vielleicht nicht.“ (Seite 8) Jonas war erst acht Jahre alt, als er im Sommer 1972 stirbt. Ben vermisst seinen kleinen Bruder, den er gern Piepmanscher nannte, und versucht das Geschehene zu verstehen. Seine Mutter wird mit dem Verlust nicht fertig, quält sich mit Fragen nach dem Wie und Warum, macht sich Vorwürfe über verpasste Gelegenheiten, durchlebt einen Sturm der Gefühle. Immer dann, wenn die Trauer nicht mehr auszuhalten ist, setzt sie sich auf ihre Heizdecke, wie um gegen die innere Kälte anzukämpfen. Während Ruth sich immer mehr in sich zurückzieht, sucht Ben den Weg in die Normalität. Er ist elf Jahre alt und als heranwachsender Teenager macht er die typischen ersten Erfahrungen aller Jungen in diesem Alter. Das Leben geht für ihn weiter, auch wenn er oft an Jonas denken muss. An manchen Tagen wird Ben alles zuviel und er flüchtet sich in die Fantasie. Dann verwandelt er sich in einen Roboter, den er kontrolliert. Ein Roboter hat keine Gefühle und empfindet keinen Schmerz. Obwohl Ben genug mit sich selbst zu tun hat, sorgt er sich sehr um seine Mutter. Ruth scheint sich mehr und mehr von ihm zu entfernen. Ohne dass der Junge dafür die richtigen Worte findet, spürt er die immense Verzweiflung und die Hilflosigkeit seiner Mutter. In Herrn Gäbler, den er vor einiger Zeit gemeinsam mit Jonas zufällig kennenlernte, findet er einen geduldigen und sehr einfühlsamen Zuhörer. Herr Gäbler hat ein Auto, einen alten Opel Rekord. Es hat keine Räder und steht im Gartenbeet. In diesem Autowrack schüttet Ben bei Herrn Gäbler sein Herz aus. Und wenn es regnet, müssen sie auf den Dienstwagen von Herrn Gäbler ausweichen. Sie philosophieren über den Tod und die Seelen im Himmel, essen Schwarzwälder Kirschtorte oder andere Leckereien, und Ben erhält währenddessen seine ersten theoretischen Fahrstunden. Herr Gäbler ist schwer in Ordnung. … „Ben überlegt, dass die Seelen, wenn sie über telepathischen Funk verfügten, nicht lachen oder mit dem Kopf nicken müssten. Sie müssten sich keinen Vogel zeigen, nicht traurig aussehen oder mit den Schultern zucken. Sie machten alles innerlich. Per Himmelsfunk. Vielleicht klingt ihr Himmelsfunk wie Luftmusik. Wie der Ton aus Philip Bührmanns Staubsaugerschlauch.“ (Seite 91) Nach einem Jahr ist Ben eigentlich längst wieder im normalen Leben angekommen. Ganz im Gegenteil zu seiner Mutter, die ihn immer wieder in ihre Welt hineinzieht. Die Trauer hat sich als dicker Fels in ihrem Herzen verankert und nimmt dort sämtlichen Raum ein, ist zu einem Teil von ihr geworden. Ruth trifft eine furchtbare Entscheidung. … *** MEIN FAZIT: Wenn Eltern ihre eigenen Kinder zu Grabe tragen müssen, gehört dies sicherlich zu den tragischsten Ereignissen, die das Schicksal bereithalten kann. Doch auch für vorhandene Geschwister bricht die Welt, die sie bisher kannten, zusammen. Ein insgesamt sehr schwieriges und sensibles Thema, welches der Autor Stephan Lohse nach meiner Ansicht ganz hervorragend in seinem Debütroman umgesetzt hat. Das unglaubliche Einfühlungsvermögen des Autors hat mich derart beeindruckt, dass ich mich mitunter fragte, ob in diesem Buch vielleicht sogar autobiografische Anteile enthalten sein könnten. Stephan Lohse richtet seinen Fokus voll auf die beiden Hauptprotagonisten Benjamin und Ruth. Ben berührte mich sehr mit seiner Trauer um den Bruder und seinen Bemühungen um die Mutter. Der kluge Junge erstaunte mich immer wieder mit seiner Empathie und seinen kindlichen Weisheiten, und einige seiner Einfälle brachten mich zum Schmunzeln. Die Mutter möchte man trotz allem empfundenen Mitleids manches Mal schütteln und in Bezug auf ihren noch lebenden Sohn wachrütteln. Somit erlebt man auch als Leser ein ständiges Auf und Ab der Gefühle, und gerät immer tiefer in den Sog des Erzählten. Der Autor taucht ganz tief in die Psyche und Gedankenwelt seiner Protagonisten ein, und schafft damit letztendlich einen eindringlichen Roman voller Melancholie mit starkem Nachhall. „Ein fauler Gott“ ist durch seinen Inhalt zwar keine leichte Kost, aber eine unbedingte Leseempfehlung für all diejenigen, die tiefgehende Geschichten und anspruchsvolle Lektüre mögen. Der bemerkenswerte Roman wird mir noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben. Durch die bewegende Geschichte ansich, und beiher auch durch die schöne Zeitreise in die Siebziger Jahre, die mir viel Freude machte und eigene Erinnerungen weckte. Sehr gerne vergebe ich hier abschließend begeisterte fünf Sterne und wünsche dem Autor den wohlverdienten Erfolg mit seinem großartigen Debüt!

Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?
Schwieriges Thema
von einer Kundin/einem Kunden am 13.05.2017

Wie geht man mit dem Verlust eines Kindes um? Als Mutter und als Bruder! Mich als Mutter hat dieser Roman sehr aufgewühlt. Der Autor erzählt abwechselnd aus der Sicht der Mutter und des Bruders und man spürt sehr schnell wie die Mutter mit diesem schweren Verlust überhaupt nicht zurecht... Wie geht man mit dem Verlust eines Kindes um? Als Mutter und als Bruder! Mich als Mutter hat dieser Roman sehr aufgewühlt. Der Autor erzählt abwechselnd aus der Sicht der Mutter und des Bruders und man spürt sehr schnell wie die Mutter mit diesem schweren Verlust überhaupt nicht zurecht kommt (verständlich!!!) und der Bruder schon nach kurzer Zeit wieder zurück ins Leben findet. Aber der Alltag beider funktioniert gar nicht mehr bzw nur noch sehr schwer. "Gott ist faul, weil er nimmt sich einfach kleine Brüder zu sich." Schweres Thema und doch trotz allem lesenswert.

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Einer fehlt
von einer Kundin/einem Kunden am 27.06.2017

Jonas ist ein kerngesundes Kind. Bis er eines Tages im Schwimmbad einen Anfall hat und wenige Tage danach stirbt. Jonas wurde acht Jahre alt. Jetzt müssen der elfjährige Ben und seine Mutter ohne Jonas weiterleben.... Ein starkes Buch über die Familie, Verlust und den Umgang mit Trauer.

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