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Die Ketzer

Katharer, Waldenser und andere religiöse Bewegungen

Beck'sche Reihe

(1)
Ketzer werden gemacht. Das Hochmittelalter hat die Ketzer als ein Mittel erfunden, um Gegner zu religiösen Abweichlern zu stempeln. Sie gehen nicht nur des eigenen Heils verlustig, sondern bedrohen als eine ansteckende Krankheit auch alle übrigen Gläubigen. Nur ihre Vernichtung durch Feuer kann die Epidemie wirkungsvoll beseitigen. Dazu muß man die Ketzer mit einer speziell ausgebildeten Untersuchungseinheit aufspüren, der Inquisition. Bis zur Einrichtung dieses Verfahrens um 1200 und zu seiner Anwendung auf Laien ab 1231 war es ein weiter Weg. Dieses Buch beschreibt die Geschichte der «Ketzer» im Zusammenhang mit einer Religionsgeschichte des Hochmittelalters. Es zeigt, wie sich im religiösen Aufbruch der Zeit der Kreuzzüge und der entstehenden Stadtkultur zahlreiche religiöse Gruppen, Orden und Bewegungen in einer bisher nicht gekannten Vielfalt bildeten. Die Suche nach neuen Leitbildern veränderte die Religion des Mittelalters grundlegend. Auf der anderen Seite schuf eine mächtige religiöse Zentrale neue Normen und entwickelte wirksame Instrumente zu ihrer rücksichtslosen Durchsetzung.
Portrait
Christoph Auffarth, geb. 1951, ist Professor für Religionswissenschaft an der Universität Bremen. Seine Schwerpunkte sind die Europäische Religionsgeschichte der Antike und des Mittelalters.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja
Seitenzahl 128 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 11.03.2016
Sprache Deutsch
EAN 9783406691263
Verlag C.H.Beck
eBook
7,99
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Von historischer Sozialwissenschaft keine Spur, stattdessen reine Ideengeschichte. – Schade, da wäre mehr drin gewesen!
von einer Kundin/einem Kunden aus Naumburg am 14.09.2017
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Wer hofft, in Auffahrts Band etwas über die Ketzer zu erfahren – wer sie waren, was sie glaubten, wie sie lebten – sieht sich ge- und enttäuscht. Denn Auffahrt beschreibt nicht die vielfältigen christlichen Glaubensgruppen des Mittelalters – Katharer, Waldenser, Albigenser usw. – sondern die Auseinandersetzung der römischen Kleriker... Wer hofft, in Auffahrts Band etwas über die Ketzer zu erfahren – wer sie waren, was sie glaubten, wie sie lebten – sieht sich ge- und enttäuscht. Denn Auffahrt beschreibt nicht die vielfältigen christlichen Glaubensgruppen des Mittelalters – Katharer, Waldenser, Albigenser usw. – sondern die Auseinandersetzung der römischen Kleriker mit ihnen. Von historischer Sozialwissenschaft keine Spur, stattdessen zu etwa vier Fünfteln reine Ideengeschichte. Und auch die wird seltsam ungeordnet entfaltet. So macht sich Auffahrt überhaupt keine Mühe, den Ausgangspunkt seiner Argumentation, die gregorianische Kirchenreform des 11. Jahrhunderts, auszuführen. Stattdessen stellt er zwei Kleriker des 10./ 11. Jahrhunderts vor, die angeblich erstmals über das „Massenphänomen“ Ketzerei (ziemlich krudes Zeug) schrieben – von denen er aber nur einen zitiert, dafür ausführlichst. So mäandert der Text das ganze Buch hindurch um das eigentliche Thema herum. Da fällt es dem gelangweilten Leser kaum mehr auf, dass dem Buch der Schluss fehlt: Es endet mit einem Essay zur Stellung der Frau in der mittelalterlichen (römisch-katholischen) Kirche. – Schade, da wäre mehr drin gewesen! +++ Dabei beginnt das Buch mit einer verblüffenden wie simplen Feststellung: „Ketzer sind diejenigen, die von der katholischen Kirche als ‚Ketzer‘ verurteilt worden sind.“ Ketzer werden also gemacht. Denn zunächst hatte es – so Auffahrt ziemlich am Ende des kleinen Werkes – „‚[d]ie‘ Kirche als die römische Papstkirche [nur] als theoretischen Anspruch bei Theologen und Juristen“ gegeben; „sie war aber keine reale Macht. Die mittelalterliche Kirche war die Vielzahl der Bistümer.“ Mit der inhaltlichen und organisatorischen Professionalisierung der Kirche – besonders unter Papst Gregor VII. – wurde nun offenbar erstmals versucht, Glaubensgrundsätze und –rituale zu vereinheitlichen und durchzusetzen. Glaubensgemeinden, die von diesen Normen abwichen, sahen sich in den folgenden Jahrhunderten einem immer strikteren und brutaleren Ausgrenzungs- und Züchtigungsprozess ausgesetzt (z. B. Antipropaganda, Kreuzzüge, Inquisition). Es werden nun diejenigen „zu Ketzern gemacht, die sich weigern, sich der Autorität der römischen Kirche zu unterwerfen […].“ Die tolerierte Vielfalt der christlichen Glaubenspraktiken („Häresien“) hatte damit ein Ende. +++ Christoph Auffahrt ist Professor für Religionswissenschaft an der Universität Bremen. Der Band „Die Ketzer“ – in der dritten Auflage 2016 in der Reihe C. H. Beck Wissen erschienen – hat laut Klappentext den Anspruch, „anschaulich die Ketzerbewegungen des Mittelalters“ zu schildern und zu erklären, „warum Katharer, Waldenser, Templer und andere Gruppen von einer machtbewussten Kirche verfolgt wurden“. Das Büchlein hat, wie für die Reihe üblich, einen Umfang von rund 120 Seiten, inkl. Zeittafel, Literaturhinweisen und Bibliographie. Auffahrt teilt seinen Text in sechs Kapitel, die offenbar einer Chronologie folgen sollen. Dazu eine Einleitung. Eine Zusammenfassung fehlt.