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Der Mensch erscheint im Holozän

Eine Erzählung

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Mit der phantastischen Wachheit des Einsamen registriert Herr Geiser die kleinen Anzeichen einer denkbaren Katastrophe. Das Tal ist durch Unwetter von der Umwelt abgeschnitten. Gefaßt darauf, daß eines Tages der ganze Berg ins Rutschen kommt und das Dorf verschüttet für alle Zeiten, liest Herr Geiser im Lexikon, in der Bibel, in Geschichtsbüchern und schreibt ab, was nicht vergessen werden soll.
Max Frisch erzählt die letzten Alltage eines Mannes, der begreift, daß er sich abhanden kommt und eingehen wird ins Unbewußtsein der Natur, in Erdgeschichte mit ihren Jahrmillionen.
Rezension
"Max Frisch hat einen grausam-faszinierenden, zwiespältigen Abgesang und Lobgesang auf ein Stück Leben geschrieben." (Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt)

Die Erzählung "Der Mensch erscheint im Holozän" hat in ihrer Luzidität und formalen Eleganz etwas Klassisches an sich. (...) Diese brillante Fabel von unauslotbarer Bedeutung ist ein Meisterwerk. (New York Times Book Review)
Portrait
Max Frisch wurde am 15. Mai 1911 in Zürich geboren und starb am 4. April 1991 an den Folgen eines Krebsleidens in seiner Wohnung in Zürich. 1930 begann er sein Germanistik-Studium an der Universität Zürich, das er jedoch 1933 nach dem Tod seines Vaters (1932) aus finanziellen Gründen abbrechen musste. Er arbeitete als Korrespondent für die Neue Zürcher Zeitung.

Seine erste Buchveröffentlichung Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt erschien 1934 in der Deutschen Verlags-Anstalt Stuttgart. 1950 erscheint Das Tagebuch 1946-1949 als erstes Werk Frischs im neugegründeten Suhrkamp Verlag. Zahlreiche weitere Publikationen folgten.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 142
Erscheinungsdatum 02.11.1981
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-37234-0
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 17,7/10,8/1,2 cm
Gewicht 105 g
Auflage 22. Auflage
Verkaufsrang 33.940
Buch (Taschenbuch)
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Kundenbewertungen

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Der Mensch erscheint im Holozän...und verschwindet wann?
von Odilie Pressberger aus Regensburg (Donau EKZ) am 22.03.2014
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Diese Erzählung von Max Frisch erschien 1979. Ein Mann, Herr Geiser, lebt alleine in einem Bergdorf. Ununterbrochen regnet es. Vielleicht kommt es zu einer Naturkatastrophe, einem Bergsturz? Aber Herr Geiser befürchtet wohl noch mehr, daß er allmählich in eine große Vergesslichkeit (Alzheimer?) abdriften könnte. Dagegen geht er mit vielen... Diese Erzählung von Max Frisch erschien 1979. Ein Mann, Herr Geiser, lebt alleine in einem Bergdorf. Ununterbrochen regnet es. Vielleicht kommt es zu einer Naturkatastrophe, einem Bergsturz? Aber Herr Geiser befürchtet wohl noch mehr, daß er allmählich in eine große Vergesslichkeit (Alzheimer?) abdriften könnte. Dagegen geht er mit vielen Notizzetteln und Ausschnitten aus einem Lexikon an. Bald kleben die an allen Wänden in seinem Haus. Immer klaustrophobischer wird die Atmosphäre im Dorf und Haus! Zum Schluß frage ich mich, wenn der Mensch mal erschienen ist, wann wird er wohl wieder verschwinden?

Ein wunderbares Buch
von stefj am 14.12.2012
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

ein großer Vorteil wenn man ein Geschenk sucht: dieses Buch haben mit Sicherheit nur wenige schon gelesen

"Die Gesteine brauchen sein Gedächtnis nicht."
von Zitronenblau am 15.10.2011

Geiser ist der tragische Protagonist in Frischs später Erzählung "Der Mensch erscheint im Holozän". In dem Buch wird dessen Isolation in einem Bergtal erzählt, einhergehend mit einem präsenten Gewitter und Geisers parallel stärker werdenden Demenz bis zum Schlaganfall (wobei hier natürlich auch der parabolische Bezug herauskristallisiert). Die Genialität dieses Werks... Geiser ist der tragische Protagonist in Frischs später Erzählung "Der Mensch erscheint im Holozän". In dem Buch wird dessen Isolation in einem Bergtal erzählt, einhergehend mit einem präsenten Gewitter und Geisers parallel stärker werdenden Demenz bis zum Schlaganfall (wobei hier natürlich auch der parabolische Bezug herauskristallisiert). Die Genialität dieses Werks steckt in Frischs perfektem Einklang der literarisch-ästhetischen Trias: Inhalt, Form und Stil. Die Erzählung wird aus der personalen Perspektive Geisers beschrieben. Die Syntax ist stark reduziert. Sie kulminiert in bloßen Wiederholungen der Feststellungen - der Vergewisserung des Daseins als geschichtlicher Mensch, der erinnert, um zu wissen. Die kriechende Demenz ist Ursache dieser sprachlichen Reduktion. Geiser versucht sich festzuhalten. Das Festhalten scheint ihm nur noch durch das Niederschreiben und Entäußern des Wissens von lexikalischen Einträgen auf Materiales, ins räumliche Draußen zu gelingen. Die Erinnerung von der Bergtour mit seinem Bruder Klaus auf den Matterhorn umschreibt parabolisch die einstige Stärke im Sich-Festhalten-Können an der Welt, im Erklimmen der Höhe, der Flucht aus jenem Tal der Krankheit, die in der Vergangenheit selbstverständlich war (Frisch wechselt hierbei auch in den entsprechenden, sonst im Präsenz gehaltenen Tempus). Im auch gelingenden Versuch der erneuten Wanderung, des abermaligen Ausbruchs, bleibt nur die Frage: wozu eigentlich? Der Sinn verloren, vergessen. Eine bittere Erfahrung ohne jede Erkenntnis. Frisch spielt mit der Symbolik. Geiser sieht den Salamander in seinem Bad. Ist er nur noch ein kleiner Lurch. Wieder werden lexikalische Collagen ausgeschnitten von Sauriern, den großen und majästätischen Riesen. Nur noch Lurche in der fortgeschrittenen Zeit. Frisch gelingt auch eine kleine Philosophie der Sprache. Wissen ist versprachlicht, den Dingen sind Namen angeheftet. Doch was ändert sich, wenn der Mensch von Geiser - wie im Lexikoneintrag - nicht etwa im Pleistozän, sondern im Holozän erscheint? Der Ausdruck der Verwechselung hat die Ordnung eines Menschenbildes (sei es um der Pathologie willen) zerstört. Ist diese Ornung aber eben doch nur eine menschliche. In der Collage des Schlaganfalls wird Geisers Tragödie realisiert - ein letztes Gewusstes bleibt: "Was heißt Holozän! Die Natur braucht keine Namen. Das weiß Herr Geiser. Die Gesteine brauchen sein Gedächtnis nicht." Das Buch ist sehr einfach zu lesen. Und doch steckt in ihm eine Brillanz, die erst nach einer Analyse der eingesetzten Technik und Stilistik sich offenbart. Für eine Interpretation reicht leider meine Kenntnis über das Gesamtwerk und das Leben des Schrifstellers nicht, der vermutete autobiographische Züge als "Schwachsinn" abgetan hat. Die Stellung des Menschen in einen Titel mit dem Wort "Holozän" ist klar eine philosophische Fragestellung. Die Stellung des Menschen im Kosmos, in der Zeit, in der Geschichte wird thematisiert, wie die Collage von der Eschatologie uns glauben machen will. Auch die metaphysische Frage, was denn von den Dingen bliebe, ohne uns. Darauf antwortet Geiser: "Was heißt Holozon!" Das Ausrufezeichen rhetorisiert die Frage, die ihre Antwort ist...