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Der Herr der kleinen Vögel

Roman

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Portrait
Yoko Ogawa, geboren 1962, gilt als eine der wichtigsten japanischen Autorinnen der Gegenwart. Für ihr umfangreiches Werk wurde sie mit zahlreichen namhaften Literaturpreisen ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrer Familie in der Präfektur Hyogo.Bei atb liegen von ihr vor: „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“, „Das Museum der Stille“, „Schwimmen mit Elefanten“, „Liebe am Papierrand“, „Hotel Iris“ und „Der Herr der kleinen Vögel“
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 288
Erscheinungsdatum 17.02.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-7466-3263-6
Verlag Aufbau
Maße (L/B/H) 19,2/11,6/2,7 cm
Gewicht 291 g
Originaltitel Kotori
Auflage 1. Auflage
Übersetzer Sabine Mangold
Buch (Taschenbuch)
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Kundenbewertungen

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Eine wunderschöne leise Geschichte
von Birkatpet aus Wesseling am 22.04.2018
Bewertet: gebundene Ausgabe

Die Geschichte um den Herrn der kleinen Vögel beginnt mit seinem Tod, ein Zeitungsjunge findet ihn tot in seinem Garten liegend und einen Bambuskäfig mit kleinem Vogel in den Armen haltend, seine Miene zeigte nicht die leiseste Spur von Agonie, ein friedliches Bild. Und so ist dieses Buch auch, friedlich,... Die Geschichte um den Herrn der kleinen Vögel beginnt mit seinem Tod, ein Zeitungsjunge findet ihn tot in seinem Garten liegend und einen Bambuskäfig mit kleinem Vogel in den Armen haltend, seine Miene zeigte nicht die leiseste Spur von Agonie, ein friedliches Bild. Und so ist dieses Buch auch, friedlich, zärtlich, ruhig, leise, stellenweise still und doch voller Veränderungen und Entwicklung. Nach dem Fund des toten jüngeren Bruders wird die Geschichte der beiden Brüder erzählt. Namen werden keine genannt, der eine ist der ältere Bruder, der andere der jüngere und Herr der kleinen Vögel. Die beiden Brüder teilen sich die elterliche Wohnung, die Eltern sind früh verstorben. Der Herr der kleinen Vögel kümmert sich aufopferungsvoll und verantwortungsbewußt von diesem Zeitpunkt an alleine um seinen älteren Bruder. Dieser lebt in seiner eigenen Welt, spricht seine eigene Sprache seit dem 11. Lebensjahr und einzig der jüngere Bruder versteht seine Sprache unter den Mitmenschen, die Vögel jedoch verstehen ihn ebenso, wie er sie. Der Alltag ist völlig ritualisiert und auf die Bedürfnisse des älteren Bruders abgestimmt. Ausnahmen darf keine geben, da der Ältere sonst sehr verstört reagiert und unruhig wird. Die Vögel, die Musik und der wöchentliche Lutscherkauf verbinden die beiden. Mit dem Tod des Älteren verändert sich das Leben des Jüngeren sehr, denn seine sortierte Welt, die ganzen Abläufe fehlen und zum ersten Mal lebt er alleine und im Grunde frei. Neue Rituale ziehen in sein sein Leben, das Versorgen der Vögel in der Voliere des benachbarten Kindergartens und jeden Sonntag der Besuch in der Bücherei, er leiht sich ausschließlich Bücher über Vögel aus und auch dort spricht die Biblithekarin, eine junge Frau zu der sich der Jüngere hingezogen fühlt spricht ihn mit "Herr der kleinen Vögel" an. Trotz des Formates und der nicht allzu großen Seitenanzahl habe ich mir einige Tage Zeit gelassen mit der Geschichte, sie zu lesen, ihr zu folgen hatte etwas beruhigendes, zärtliches, warmes, meditatives. Keine Aufregung und Ruhe. Ich habe die Zeit mit dem Herrn der kleinen Vögel sehr genossen, die leisen Töne, der Gesang der Vögel und die Veränderungen zu begleiten waren schön und entspannend. Ich bin gespannt auf weitere Bücher der Autorin und hoffentlich damit wieder die Zeit etwas zu entschleunigen.

von einer Kundin/einem Kunden am 26.12.2017
Bewertet: anderes Format

Leise Töne sowie zarte, bescheidene Schönheit strahlt dieses Buch aus. Eine bittersüße Sonntaglektüre...

Leise Töne und bescheidenes Glück
von Mikka Liest aus Hilter am Teutoburger Wald am 21.03.2017

"Der Herr der kleinen Vögel" ist ein Buch der leisen Töne, der kleinen Dinge, des bescheidenen Glücks oder Unglücks. Der Leser wird eingeladen, zur Ruhe zu kommen und einer Geschichte zu lauschen, auf die man sich einlassen muss, die dann aber einen ganz eigenen poetischen Zauber entfaltet. Behutsam erzählt Yoko... "Der Herr der kleinen Vögel" ist ein Buch der leisen Töne, der kleinen Dinge, des bescheidenen Glücks oder Unglücks. Der Leser wird eingeladen, zur Ruhe zu kommen und einer Geschichte zu lauschen, auf die man sich einlassen muss, die dann aber einen ganz eigenen poetischen Zauber entfaltet. Behutsam erzählt Yoko Ogawa die ungewöhnliche Lebengeschichte zweier Brüder, die eine Faszination für Vögel und deren Gesang teilen, auch über den Tod des älteren hinaus. Ihre Namen werde im ganzen Buch niemals erwähnt (sie sind immer nur "der Ältere" und "der Jüngere"), und auch sonst verzichtet die Autorin weitgehend auf Etiketten. Der ältere Bruder spricht schon seit seiner Kindheit ausschließlich in einer selbst erfundenen Sprache und braucht seine festen Rituale, um glücklich zu sein. Da kann man als Leser insgeheim spekulieren: Selektiver Mutismus? Autismus? Die Autorin verrät es uns nicht, aber das ist auch gar nicht nötig. Der jüngere Bruder findet ein wunderbares Bild: in seiner Vorstellung ist der Ältere der alleine Bewohner einer einsamen Insel, und nur sein Boot findet den Weg dorthin. Die beiden leben fast vollkommen isoliert, ihr Leben richtet sich noch im Kleinsten nach den Ritualen des älteren Bruders. Sie essen immer das Gleiche, besuchen gemeinsam die Vogelvoliere des nahegelegenen Kindergartens und unternehmen ausgedehnte, metikulös geplante Weltreisen - Letzteres jedoch nur in ihrer Fantasie. Es ist eine Geschichte bedingungsloer Liebe, ruhig und ohne Pathos erzählt und dennoch bewegend. Nach dem Tod des Älteren ist der Jüngere im Grunde sein ganzes restliches Leben auf der Suche nach dessen Insel. Auch, dass er die Pflege einer zu einem Kindergarten gehörenden Vogelvoliere übernimmt, obwohl er Angst vor Kindern hat, geschieht zunächst im Angedenken an seinen Bruder, entwickelt sich dann aber zu einer echten Liebe zu den Vögeln. Die Kinder nennen ihn daher "Herr der kleinen Vögel". Die Geschichte hat in meinen Augen keinen ausgeprägten Spannungsbogen. Das Leben des Jüngeren ist meist eher ein stiller See denn ein bewegtes Meer. Menschen treten in sein Leben und verschwinden wieder, gute und schlechte Dinge passieren... All das sind nur Steine, die ins Wasser seines Sees fallen und für kurze Zeit Kreise ziehen. Manches bleibt gänzlich ungeklärt. Diese Offenheit hat jedoch etwas beinahe Schwereloses, wie ein langer Tagtraum. Ich habe mich beim Lesen keineswegs gelangweilt. Yoko Ogawa findet wunderschön verträumte, zarte Worte. Ich habe immer wieder innegehalten, um mir einen Satz auf der Zunge zergehen zu lassen. Der Jüngere ist mir sehr ans Herz gewachsen - er ist ein ruhiger Mensch mit einfachen, bescheidenen Wünschen. Sein Leben wirkt unspektakulär und sogar einsam, aber er findet auch immer wieder Erfüllung in den kleinen Dingen. Als ich das Buch zuschlug, hatte ich fast das Gefühl, einen alten Freund verloren zu haben. Da die Brüder nur wenig mit anderen Menschen interagieren, bleiben die anderen Charaktere eher unvollständig. Manchmal wirken sie wie bloße Kulisse, während die Vögel lebendig und individuell geschildert werden - aber anders könnte diese Geschichte vielleicht gar nicht erzählt werden, und ich habe beim Lesen nichts vermisst. Fazit: "Der Herr der kleinen Vögel" ist ein wunderbares Buch, das sich nur schwer beschreiben lässt und an das man möglichst ohne Erwartungen herangehen sollte. Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Nach dem Tod der Eltern leben zwei Brüder ihr ganzes Erwachsenenleben zusammen, bis auch der Ältere schließlich stirbt. Da er Vögel über alles geliebt hat, bietet der Jüngere an, fortan kostenlos die Voliere des örtlichen Kindergartens zu betreuen. Manchmal geht er in die Bibliothek, um die Bibliothekarin scheu beobachten zu können, und im Park lernt er einen alten Mann kennen, der stets eine Grille in einer hübschen Holzschachtel mit sich herumträgt. Dann passiert etwas, was seinem Spitznamen "Herr der kleinen Vögel" einen unschönen Beigeschmack gibt, und schließlich begegnet er Menschen, die von sich behaupten, den Gesang der Vögel zu lieben, ihn in Wirklichkeit aber für ihre eigenen Zwecke ausnutzen. Aber eigentlich kommt es gar nicht darauf an, was genau passiert. Für mich war es die schlichte Poesie der Worte, die mich verzaubert hat, und der Einblick in ein bescheidenes Leben, das die meisten Menschen wohl nicht als sonderlich glücklich bezeichnen würden, das aber dennoch seine schönen, erfüllenden Momente hat.