>> Die 10 besten Bücher im Oktober

Baba Dunjas letzte Liebe

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2015

(52)
Wenn ich mich in meinem Alter noch über Menschen wundern würde, käme ich nicht mehr zum Zähneputzen.«
Alina Bronsky lässt in ihrem neuen Roman eine untergegangene Welt wieder auferstehen. Komisch, klug und herzzerreißend erzählt sie die Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr geben soll – und einer außergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet.
Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die tickenden Geigerzähler und die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sich die ehemalige Krankenschwester mit Gleichgesinnten ein neues Leben im Niemandsland auf. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Vögel rufen so laut wie nirgends sonst, die Spinnen weben verrückte Netze, und manchmal kommt ein Toter auf einen Plausch vorbei. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe an ihre Tochter Irina, die Chirurgin bei der deutschen Bundeswehr ist. Doch dann kommt ein Fremder ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung. Auf kleinem Raum gelingt Alina Bronsky voller Kraft und Poesie, voller Herz und Witz eine märchenhafte und zugleich fesselnd gegenwärtige Geschichte.
Rezension
"Eine große Geschichte von Menschen und ihrem Mut, ihrer Kraft und ihrer Unbeugsamkeit (...) Am Ende des Romans, nach 154 Seiten, hätte ich das Buch am liebsten umarmt." Christine Westermann WDR, Frau TV, Christine Westermann
Portrait
Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, lebt seit Anfang der Neunzigerjahre in Deutschland. Ihr Debütroman 'Scherbenpark' wurde zum Bestseller, fürs Kino verfilmt und ist inzwischen beliebte Lektüre im Deutschunterricht. Es folgten die Romane 'Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche' und 'Nenn mich einfach Superheld'. 'Baba Dunjas letzte Liebe' wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert. Die Rechte an Alina Bronskys Romanen wurden in 15 Länder verkauft. Sie lebt in Berlin.
… weiterlesen
In den Warenkorb
Filialabholung

Versandkostenfrei

Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 160
Erscheinungsdatum 17.08.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-462-04802-5
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Maße (L/B/H) 196/123/17 mm
Gewicht 224
Buch (gebundene Ausgabe)
16,50
inkl. gesetzl. MwSt. zzgl. Versandkosten
Sofort lieferbar
Kostenlose Lieferung ab 20 Einkaufwert
Versandkostenfrei für Bonuscard-Kunden
In den Warenkorb
Filialabholung

Versandkostenfrei

Andere Kunden interessierten sich auch für

  • 47832280
    Baba Dunjas letzte Liebe
    von Alina Bronsky
    (52)
    Buch (Taschenbuch)
    8,30
  • 30612812
    Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche
    von Alina Bronsky
    (9)
    Buch (Taschenbuch)
    9,30
  • 42436517
    Gehen, ging, gegangen
    von Jenny Erpenbeck
    (21)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    20,60
  • 42541550
    Sophia, der Tod und ich
    von Thees Uhlmann
    (26)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    19,60
  • 42435596
    Ein ganzes Leben
    von Robert Seethaler
    (102)
    Buch (Klappenbroschur)
    10,30
  • 42457842
    Der japanische Liebhaber
    von Isabel Allende
    (33)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    22,60
  • 42541549
    Siebentürmeviertel
    von Feridun Zaimoglu
    Buch (gebundene Ausgabe)
    25,70
  • 44321960
    Alles kein Zufall
    von Elke Heidenreich
    (14)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    20,50
  • 42516497
    Die Liebenden von Mantua
    von Ralph Dutli
    Buch (gebundene Ausgabe)
    20,50
  • 40122190
    Das Rosie-Projekt
    von Graeme Simsion
    (198)
    Buch (Taschenbuch)
    10,30

Buchhändler-Empfehlungen

„Ein absoluter Geheimtipp!“

Christina Welser, Thalia-Buchhandlung Salzburg

Ein sprachlich sehr gelungenes und inhaltlich überaus berührendes Buch. Trotz- oder vielleicht gerade wegen der ungewöhnlichen Ausgangslage der Geschichte ein großes Lesevergnügen. Traurig und lebensbejahend zugleich! Ein sprachlich sehr gelungenes und inhaltlich überaus berührendes Buch. Trotz- oder vielleicht gerade wegen der ungewöhnlichen Ausgangslage der Geschichte ein großes Lesevergnügen. Traurig und lebensbejahend zugleich!

„Baba Dunja“

Gregor Schwarzenbrunner, Thalia-Buchhandlung Linz, Zentrale

Baba Dunja ist – wie ein paar andere Alte – in ihr Häuschen zurückgekehrt: Als pensionierte Hilfskrankenschwester hätte sie sich in der Stadt gar keine Mietwohnung leisten können. Das ihr Haus in der radioaktiv-verstrahlten Zone rund um Tschernobyl liegt, kümmert sie eigentlich gar nicht. Nur überfordern darf man Dunja nicht, schließlich Baba Dunja ist – wie ein paar andere Alte – in ihr Häuschen zurückgekehrt: Als pensionierte Hilfskrankenschwester hätte sie sich in der Stadt gar keine Mietwohnung leisten können. Das ihr Haus in der radioaktiv-verstrahlten Zone rund um Tschernobyl liegt, kümmert sie eigentlich gar nicht. Nur überfordern darf man Dunja nicht, schließlich ist sie auch keine 82 mehr.

Aus der Ich-Perspektive erzählt Alina Bronsky, in einfachen und ruhigen Sätzen, die Geschichte einer in die Todeszone rund um Tschernobyl Zurückgekehrten. Zwei Dinge treten deutlich hervor: Einerseits die liebevolle Beschreibungen der Charaktere und die wirklich wunderbar gelungene Erzählung, die manchmal auch ein wenig poetisch wirkt. Baba Dunja erinnert mich da ganz stark an meine eigene Baba. Leider viel zu kurz ist die gelungene Erzählung geworden, viel zu schnell hab ich die traurige und auch oft sehr skurrile Geschichte durchgelesen. Und ja eine ganz wichtige Botschaft hat sie auch: Nicht immer Angst haben, sondern auch einfach mal leben(=Auch wenn die äußeren Umstände oft ganz prekär und tödlich sind). Baba Dunja war nominiert für den deutschen Buchpreis 2015 und ist mein erster Roman von Alina Bronsky, aber bestimmt nicht mein letzter.

„großes Lesevergnügen“

Edith Berger, Thalia-Buchhandlung Graz

Die Katastrophe von Tschernobyl liegt lange zurück. Die Umgebung ist immer noch verstrahlt und dennoch gibt es eine kleine Gruppe von Heimkehrern. Baba Dunja gehört dazu. Wie ihre Nachbarn, ignoriert sie die Gefahr vollkommen.In aller Ruhe baut sie ihr Gemüse an und lebt gemütlich vor sich hin. Weder die Sorge ihrer Tochter Irina, noch Die Katastrophe von Tschernobyl liegt lange zurück. Die Umgebung ist immer noch verstrahlt und dennoch gibt es eine kleine Gruppe von Heimkehrern. Baba Dunja gehört dazu. Wie ihre Nachbarn, ignoriert sie die Gefahr vollkommen.In aller Ruhe baut sie ihr Gemüse an und lebt gemütlich vor sich hin. Weder die Sorge ihrer Tochter Irina, noch die Gedanken an ihre Enkelin können Baba Dunja bewegen, dieses Niemandsland wieder zu verlassen. Allerdings hat sie ihrer Familie strikt untersagt, sie zu besuchen. Baba Dunja ist alt, dickköpfig und eine Autorität. Für die Dorfbewohner ist sie die erste Ansprechperson, beinahe so etwas wie eine Bürgermeisterin.
"Baba Dunjas letzte Liebe" von Alina Bronsky ist großes Lesevergnügen

Unsere Buchhändler-Tipps

  • 15151828
    Die Eleganz des Igels
    von Muriel Barbery
    (49)
    Buch (Taschenbuch)
    15,40
  • 21108743
    Fegefeuer
    von Sofi Oksanen
    (34)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    20,60
  • 30612539
    Der Russe ist einer, der Birken liebt
    von Olga Grjasnowa
    (38)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    19,40
  • 39179366
    Die andere Hälfte der Hoffnung
    von Mechtild Borrmann
    (23)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    20,60
  • 40953032
    Altes Land
    von Dörte Hansen
    (100)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    20,60
  • 42353664
    Sungs Laden
    von Karin Kalisa
    (34)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    20,60
  • 42457980
    Ein Leben mehr
    von Jocelyne Saucier
    (30)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    20,60
  • 44232073
    Der Pfau
    von Isabel Bogdan
    (118)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    19,60
  • 44321960
    Alles kein Zufall
    von Elke Heidenreich
    (14)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    20,50
  • 47166889
    Betrunkene Bäume
    von Ada Dorian
    (74)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    18,50
  • 47871929
    Sie kam aus Mariupol
    von Natascha Wodin
    (14)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    20,60
  • 64485669
    Was man von hier aus sehen kann
    von Mariana Leky
    (110)
    Buch (gebundene Ausgabe)
    20,60

Kundenbewertungen


Durchschnitt
52 Bewertungen
Übersicht
38
10
4
0
0

starke Bilder einer untergegangenen Welt...
von einer Kundin/einem Kunden am 25.08.2015

Für Baba Dunja, den sterbenskranken Petrow, die Melkerin Marja, die Gawrilos und den fast hundertjährigen Sidorow scheint es egal , ob sie ein Jahr mehr oder weniger leben. Sie kehren zurück nach Tschernow in ihre leerstehenden Häuser und versuchen ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Ein beschwerliches Leben und eine... Für Baba Dunja, den sterbenskranken Petrow, die Melkerin Marja, die Gawrilos und den fast hundertjährigen Sidorow scheint es egal , ob sie ein Jahr mehr oder weniger leben. Sie kehren zurück nach Tschernow in ihre leerstehenden Häuser und versuchen ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Ein beschwerliches Leben und eine zerbrechliche Gemeinschaft , die voller Humor beschrieben wird und eine tiefe Nachdenklichkeit zurück lässt. Baba Dunja erzählt böse in sperrigen Bildern und doch voller Wärme - und sie hat viel zu erzählen , von Jegor ihrem nichtsnutzigen Mann, den sie geliebt hat , von ihrer Tochter Irina, die Pakete aus Deutschland schickt, die sie in einem beschwerlichen Marsch aus dem nächsten Ort abholt und von ihrer unbekannten Enkelin, der sie lange Briefe schreibt. Die Welt scheint fast in Ordnung, kaum fassbar nach dem Reaktorunglück von 1986, bis ein viel greifbares Unglück hereinbricht : Fremde erreichen das Dorf, ein Vater strandet mit seinem kleinen Mädchen , was einer Katastrophe gleich kommt und die Auflösung dieser Gemeinschaft bedeutet ! Ein beeindruckendes starkes Buch , was anrührend poetisch ist und einen lange nicht mehr loslässt !

Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?
Ein wunderbares Büchlein
von Xirxe aus Hannover am 03.10.2016

Baba Dunja, die nun wirklich keine 82 Jahre mehr ist ;-) kehrt zurück in ihr Heimatdorf Tschernowo, das in der Todeszone von Tschernobyl liegt. Sie ist die Erste, die sich dort, in ihrem alten Haus, wieder niederlässt, doch nach und nach steigt die Zahl der BewohnerInnen. Es sind meist... Baba Dunja, die nun wirklich keine 82 Jahre mehr ist ;-) kehrt zurück in ihr Heimatdorf Tschernowo, das in der Todeszone von Tschernobyl liegt. Sie ist die Erste, die sich dort, in ihrem alten Haus, wieder niederlässt, doch nach und nach steigt die Zahl der BewohnerInnen. Es sind meist Alte, die Jüngsten um die 60 Jahre, zum Teil schwer krank, die nichts fürchten, auch nicht den Tod. Jede/r lebt dort sein Leben, eine wirkliche Gemeinschaft gibt es nicht. Gemüse und Obst werden im eigenen Garten angebaut, was man sonst so braucht und nicht selbst herstellen kann, wird von der kärglichen Rente im nächsten Städtchen Malyschi gekauft. Es könnte ein Idyll sein, doch Baba Dunja, die Ich-Erzählerin, ist sich der prekären Situation durchaus bewusst: Sie (wie auch der Rest in Tschernowo) strahlt mittlerweile selbst wie ein kleines Atomkraftwerk und ein Happy End ist bestimmt nicht zu erwarten. Wie sollte es in ihrem Alter auch aussehen? Denn eines ist gewiss: der Tod. Und diesem in Tschernowo zu begegnen, ist das Schlechteste nicht. Baba Dunja erzählt nicht nur von ihrem Leben im Dorf, sie erinnert sich auch an ihr Leben davor, das voller Mühsal war und darin bestand, für andere da zu sein: ihre Kinder Irina und Alexej; ihren Mann Jegor; die Kranken, die sie als medizinische Hilfsschwester behandelt hat. Nun kann sie zum erstem Mal in ihrem Leben das tun, was sie will: leben und sterben in Tschernowo. Ihrer Tochter Irina, die als Chirurgin in Deutschland lebt, ein Kind hat und nicht verstehen kann, weshalb ihre Mutter dorthin zurückgekehrt ist, schreibt sie beruhigende Briefe. Zitat: "Mädchen", sagte ich, "guck mich an. Siehst Du, wie alt ich bin? Und das alles ohne Vitamine und Operationen und Vorsorgeuntersuchungen. Wenn sich jetzt irgendetwas Schlechtes in mir einnistet, dann lasse ich es in Ruhe. Niemand soll mich mehr anfassen und mit Nadeln pieksen, wenigstens das habe ich mir verdient." Alina Bronskys Schreibstil trifft den Tonfall dieser alten Baba Dunja wunderbar: gelassen, durch nichts zu erschüttern und immer noch voller Lebensfreude. Sie weiß um die guten und schlechten Seiten der Menschen, verurteilt niemanden und nimmt das Leben wie es kommt - doch ohne sich sagen zu lassen, was sie zu tun hat. Zufälligerweise habe ich gerade zuvor das Buch Eierlikörtage: Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre gelesen - das genaue Gegenteil eines Lebens im Alter. Dort wohl versorgt im Altenheim, alles läuft nach Plan: Essen, Trinken, Unterhaltungsprogramm, sofern es eines gibt. Ohne Eigeninitiative (die nicht unbedingt gerne gesehen wird) nichts als gepflegte Langeweile. Wie erfrischend hingegen das Leben in der Todeszone, ohne dass es verklärt wird. Wenn man mich fragen würde, wo ich lieber meine letzten Tage verbringen möchte, wäre die Antwort klar: Tschernowo ;-)

Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?
Baba Dunjas letzte Liebe
von Svanvithe am 05.04.2016

Tschernowo ist ein kleines Dorf in der Nähe des Kernreaktors Tschernobyl. Hier lebt niemand freiwillig, sollte man denken. Weit gefehlt. Baba Dunja, eine einfache Frau, bedeutet die Heimat so viel, dass sie dort den Rest ihres Lebens verbringen will. Die Nähe zum Kernreaktor macht ihr nichts aus. Denn sie... Tschernowo ist ein kleines Dorf in der Nähe des Kernreaktors Tschernobyl. Hier lebt niemand freiwillig, sollte man denken. Weit gefehlt. Baba Dunja, eine einfache Frau, bedeutet die Heimat so viel, dass sie dort den Rest ihres Lebens verbringen will. Die Nähe zum Kernreaktor macht ihr nichts aus. Denn sie hat nichts mehr zu verlieren. Sie ist alt, über neunzig, und das Gute für sie am Alter ist, dass sie niemand mehr um Erlaubnis fragen muss. Zum Beispiel, ob sie in ihrem alten Haus wohnen kann und ob sie Spinnennetze hängen lassen darf. Baba Dunja hat alles gesehen und vor nichts mehr Angst. "Der Tod kann kommen, aber bitte höflich." (Seite 12) Für sie ist Tschernowo das Paradies, wenn auch ein verstrahltes. Besonders im Winter ist es stiller als still. "Wenn eine Schneedecke über allem liegt, sind sogar die Träume gedämpft, und nur die Dompfaffen springen durch das Gestrüpp und sorgen für Farbe in der weißen Landschaft." (Seite 32) Hier läuft das Leben in ruhigen Bahnen ab. Für Baba Dunjas Nachbarin Marja, deren Hahn Konstantin gleich im Kochtopf landet. Sidorow, der noch mit hundert Jahren auf der Suche nach einer Frau ist. Lenotschka, die einen endlos langen Schal strickt und lächelt, wenn man sie anspricht, jedoch nicht antwortet. Das gebildete Ehepaar Gavrilov, das nicht auf Annehmlichkeiten verzichten muss. In Tschernowo verlangt niemand etwas von den Bewohnern. Es zählt das Heute, nicht das Morgen. Die Alten leben von der Selbstversorgung, das Gemüse wächst üppig in ihren Gärten. Nur nicht bei Petrow, der als letzter ein Häuschen im Dorf bezog und der seinen Krebs, von dem sein Körper komplett durchsetzt ist, nicht füttern will. Die Öfen werden mit Holz befeuert, Wasser spenden Brunnen, und an manchen Tagen gibt es auch Strom. Baba Dunjas Kontakte zur Außenwelt bestehen aus gelegentlichen Busfahrten nach Malyschi. Dann erzählt ihr Boris, der Busfahrer, was er im Fernsehen gesehen hat. Viel über Politik. Die ist natürlich wichtig, doch Baba Dunja ist da pragmatisch, denn "es bleibt trotzdem immer an einem selbst hängen, die Kartoffeln zu düngen, wenn man irgendwann Püree essen will." (Seite 46) Ab und an bekommt Baba Dunja Pakete von ihrer Tochter Irina. Diese ist Ärztin und lebt mit Enkelin Laura in Deutschland. Wenn Baba Dunja daran denkt, dass sie Laura (außer auf Fotos) noch nie gesehen hat, kommt Wehmut auf. Gut, dass gelegentlich Ehemann Jegor vorbeischaut, der aber nicht wirklich stört. Baba Dunja plaudert gern mit ihm. Seit er nämlich tot ist, ist er sehr höflich. Als er noch lebte, war das leider nicht so. In die Idylle kommt Unruhe, als eines Tages ein Mann seine Tochter mitbringt. Recht schnell wird klar, dass das Kind als Spielball zwischen den getrennten Eltern steht. Das ist für Baba Dunja unhaltbar. Ein Kind hat in Tschernowo nichts zu suchen. Zwar ist Tschernowo ein schöner und guter Ort für seine Bewohner. Niemand wird fortgejagt. Nur wenn jemand noch jung und gesund ist, sollte er sich ein anderes Heim wählen. Schon gar nicht sollte ein kleines Kind aus Rache dem Tode geweiht werden. Und daher dauert es nicht lange, das liegt der Mann tot auf der Erde, und Baba Dunja nimmt alle Schuld auf sich... Mit viel Verständnis und Geradlinigkeit lässt Alina Bronsky Baba Dunja erzählen. Die im Grunde kleine Geschichte entfaltet eine große Wirkung. Sie ist poetisch, lebendig, weise und ehrlich, manchmal verschmitzt, dann wieder traurig und anrührend. Baba Dunja "strahlt" - im wahrsten Sinne des Wortes - eine Lebensfreude aus, die zu Herzen gehend ist. Mit Klugheit und Nachsicht schaut sie auf ihre Mitmenschen und ist der Mittelpunkt der eigenwilligen, schrulligen, sturen und manchmal auch exzentrischen Dorfbewohner, die trotzdem allesamt liebenswert in ihrer Gelassenheit, mit der sie ihr Dasein verbringen, erscheinen. Man möchte sie in den Arm nehmen und fest drücken. Und auf jeden Fall ein langes Leben wünschen.

Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?

Wird oft zusammen gekauft

Baba Dunjas letzte Liebe - Alina Bronsky

Baba Dunjas letzte Liebe

von Alina Bronsky

(52)
Buch (gebundene Ausgabe)
16,50
+
=
Scherbenpark - Alina Bronsky

Scherbenpark

von Alina Bronsky

(27)
Buch (Taschenbuch)
10,30
+
=

für

26,80

inkl. gesetzl. MwSt.

Alle kaufen