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Accabadora

Roman. Von der Darmstädter Jury als Buch des Monats April 2010 ausgezeichnet

(24)

Wie Mutter und Tochter leben Bonaria Urrai und die sechsjährige Maria in einem sardischen Dorf zusammen. Die alte Schneiderin hat das Mädchen zu sich genommen und zieht es groß, dafu?r wird Maria sich später um sie ku?mmern.
Als vierte Tochter einer bitterarmen Witwe war Maria daran gewöhnt, »die Letzte« und eine zu viel zu sein. Nun hat sie ein eigenes Zimmer in dem großen reinlichen Haus Bonarias, wo alle Tu?ren offen stehen und sie jeden Raum betreten darf.
Doch ein Geheimnis umweht die stets schwarz gekleidete, wortkarge Frau, die mitunter nachts, wenn Maria schlafen soll, Besuch erhält und dann das Haus verlässt. Es scheint, als wu?rde Bonaria in zwei Welten leben. Das Mädchen spu?rt, dass sie nicht danach fragen darf. Erst sehr spät entdeckt sie die ganze Wahrheit. Michela Murgia erzählt in einer schnörkellosen, poetischen Sprache aus einer scheinbar fernen, doch kaum vergangenen Welt. Von zwei Generationen, zwei Frauenleben, von einem alten, lange verschwiegenen Beruf.

Portrait
Michela Murgia, geboren 1972 in Cabras/Sardinien, studierte Theologie und unterrichtete Religion. Nach einigen Jahren in Mailand lebt sie seit kurzem wieder in Sardinien.
Julika Brandestini, geboren 1980, studierte Kulturwissenschaften in Frankfurt/Oder, Almería und Macerata. Sie übersetzte u.a. Accabadora von Michela Murgia, wofür sie mit dem deutsch-italienischen Übersetzerpreis ausgezeichnet wurde. Sie lebt in Berlin.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 176
Erscheinungsdatum 13.03.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8031-2768-6
Verlag Wagenbach
Maße (L/B/H) 190/118/20 mm
Gewicht 200
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11,30
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„Accabadora“

Petra Brandl, Thalia-Buchhandlung Wien

Michaela Murgia beschäftigt sich mit einem Thema, das die Menschen auch dann bewegt, wenn sie nicht mit der Bibel aufgewachsen sind: der Frage der Schuld.
Die Theologin und Religionslehrerin wählt ihre Heimat Sardinien als Schauplatz für eine Geschichte voll Poesie und Tradition, Alltag und Brüchen desselben.

Die kleine Maria Listru
Michaela Murgia beschäftigt sich mit einem Thema, das die Menschen auch dann bewegt, wenn sie nicht mit der Bibel aufgewachsen sind: der Frage der Schuld.
Die Theologin und Religionslehrerin wählt ihre Heimat Sardinien als Schauplatz für eine Geschichte voll Poesie und Tradition, Alltag und Brüchen desselben.

Die kleine Maria Listru wird von Bonaria Urrai als „Kind des Herzens“ aufgenommen, da ihre Mutter bereits genügend hungrige Mäuler zu stopfen hat; diese in Sardinien lange gepflegte Praxis mutet seltsam an in einem Land mit konservativen Strukturen und einer dementsprechenden Bedeutung des Wertes „Familie“, war jedoch in der dörflichen Bevölkerung offensichtlich gut akzeptiert, da für alle Seiten hilfreich und von Nutzen.
Im Abtausch gegen Kartoffel des Urrai’schen Ackers lebt Maria Listru im Haus der Bonaria mit allen Rechten und Pflichten; dabei fühlt sie sich nicht unwohl, lernt sie doch einiges, erfährt keinen Mangel und darf ihre Familie bei Bedarf auch gerne besuchen.
In ihre Schranken verwiesen wird Maria in dem Moment, als sie den Grund für die zeitweiligen nächtlichen Ausflüge der Bonaria Urrai erfahren möchte, bald ist ihr klar, dass ihre Ziehmutter ein dunkles Geheimnis vor ihr hütet, das letztlich ihr Verhältnis zerstören wird.
Der Roman widmet sich ausgiebig der Dynamik dieser Beziehung, hat aber auch genügend Raum für Einblicke in sardische Traditionen und Lebenswelten, die dem Leser bisweilen wie Bilder aus vergangenen Jahrhunderten anmuten.
Das Ende des Buches ist wenig überraschend, hat man die Intentionen der Autorin richtig eingeschätzt, „Dinge die man tut und Dinge die man nicht gut“ zur Disposition zu stellen. Dies schmälert das Lesevergnügen jedoch keineswegs, hat man doch vieles zu erfahren, zu denken und zu verstehen bekommen.

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Kundenbewertungen


Durchschnitt
24 Bewertungen
Übersicht
19
3
2
0
0

Ich kann diesen Debütroman von Michela Murgia sehr empfehlen ? das Buch wird Sie nicht loslassen!
von einer Kundin/einem Kunden am 20.09.2017

Es ist gut, dass es immer wieder Bücher gibt, die den Leser im guten Sinn aus der Fassung bringen können. Dies ist ein solches Buch, dem ich viele ?fassungslose? Leser wünsche. Die Geschichte spielt in einem kleinen Dorf in Sardinien in den 50er Jahren. Die nicht mehr ganz junge, kinderlose... Es ist gut, dass es immer wieder Bücher gibt, die den Leser im guten Sinn aus der Fassung bringen können. Dies ist ein solches Buch, dem ich viele ?fassungslose? Leser wünsche. Die Geschichte spielt in einem kleinen Dorf in Sardinien in den 50er Jahren. Die nicht mehr ganz junge, kinderlose und lebenskluge Schneiderin Bonaria Urrai nimmt dem alten Brauch der ?fill`e anima? gemäß die sechsjährige Maria als Adoptivtochter auf. Maria, die vierte Tochter einer armen Witwe, entwickelt eine enge Beziehung zu ihrer Tzia Bonaria. Darüber wird im Dorf immer wieder getuschelt ebenso wie darüber, dass die Schneiderin ein altes Gewerbe ausübt, über das aber niemand spricht. Sie ist eine ?Accabadora?, gerufen von Angehörigen, um Sterbenden zu helfen, die Schwelle zu übertreten, jenes Zwischenreich, in dem die Grenzen verschwimmen. Die Figur der ?Accabadora? spielt eine zentrale Rolle in sardischen Legenden und Sagen. Die letzte Sterbehelferin soll noch 1952 gewirkt haben, historisch ist ihre Existenz aber nicht bewiesen. So lässt uns die Autorin teilhaben an uraltem Wissen, an Traditionen und Überlieferungen. Sie lässt uns in die Seele der Menschen blicken und uns auch etwas von der Würde des Todes ahnen. Dies alles weiß natürlich die kleine Maria nicht, sie wächst in der Dorfgemeinschaft zu einer jungen Frau heran. Allerdings ahnt sie, dass etwas Seltsames vor sich geht, denn im Laufe der Jahre verschwindet Bonaria nachts immer wieder und kehrt verschlossen und ich sich gekehrt zurück. Als eines Morgens im Dorf ein junger Mann tot aufgefunden wird, versteht Maria, dass ihre Ziehmutter eine ?Accabadora? ist. Entsetzt verlässt Maria das Haus, flüchtet aufs Festland nach Turin und wird Kindermädchen bei der gutbürgerlichen und reichen Familie Gentili. Sie möchte ein neues Leben anfangen, die Nabelschnur durchschneiden, doch immer wieder steigen Erinnerungen in ihr hoch. Als sie in einem Brief ihrer Schwester vom Schlaganfall der Bonaria Urrai erfährt, kehrt sie umgehend zurück, um diese hingebungsvoll zu pflegen. Sie erkennt die wahre Bedeutung des Satzes ?Sag nicht niemals?, den Bonaria zu ihr sagte, als sie sich entsetzt von ihr abwandte und kann endlich ihren Frieden mit ihr machen. Die Autorin erzählt sehr eindrucksvoll eine ungewöhnliche Mutter-Tochter-Geschichte, erzählt von zwei Generationen, von zwei unterschiedlichen Frauenleben, miteinander verwoben durch Archaisches und Modernes, Mythologie und Realität. Ich kann diesen Debütroman von Michela Murgia sehr empfehlen ? das Buch wird Sie nicht loslassen!

Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?
Ein kleines Juwel
von einer Kundin/einem Kunden am 08.06.2017
Bewertet: Taschenbuch

Eine sardische Familien- und Dorfgeschichte, basierend auf tatsächlichen Traditionen und archaisch anmutenden Bräuchen. Atmosphärisch dicht und farbig erzählt Murgia vom ländlichen Sardinien der 50er Jahre. Ein Muss für jeden Sardinien-Reisenden.

Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?
zutiefst berührend. Eine Geschichte der Barmherzigkeit
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in einer ganz eigenen Sprache, die einen umhüllt wie ein goldenes, fein gewebtes Tuch, erzählt Michela Murgia diese Geschichte, die sich an einem scheinbar unerreichbar fernen Ort, in einer nie stattfindenden Zeit ereignet. Schuld und Nächstenliebe, die sich über Worte, und damit Urteil, erhebt, werden hier in einem bislang... in einer ganz eigenen Sprache, die einen umhüllt wie ein goldenes, fein gewebtes Tuch, erzählt Michela Murgia diese Geschichte, die sich an einem scheinbar unerreichbar fernen Ort, in einer nie stattfindenden Zeit ereignet. Schuld und Nächstenliebe, die sich über Worte, und damit Urteil, erhebt, werden hier in einem bislang unbekannnten Licht betrachtet.

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