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Die dunklen Jahre

Politik und Alltag im nationalsozialistischen Österreich 1938 bis 1945

Eine große Erzählung über Österreichs braune Jahre und ein spannendes Panorama vielfältiger Schicksale zwischen Begeisterung, Skepsis und Verzweiflung: Der bekannte Wiener Historiker Kurt Bauer erzählt virtuos über die Jahre nach dem »Anschluss« Österreichs an das »Dritte Reich«.
Im März 1938 wurde Hitler in Wien von jubelnden Menschen empfangen. Bekannte Bilder – doch wer waren diese Menschen, was dachten sie wirklich, und wie ging es für sie weiter? Unzählige Tagebücher, Autobiographien und Briefe hat Kurt Bauer zu einer atemberaubend lebensnahen Geschichte gebündelt.
Er erzählt, warum Sozialdemokraten zu Nazis wurden, schildert die bewegenden Schicksale von Menschen, die vor Verfolgung flüchten mussten, und lässt viele weitere Menschen aus den verschiedenen Regionen zu Wort kommen, die sich so ihre eigenen Gedanken machten.
Eine einzigartige Geschichte der gesamten Bevölkerung Österreichs während des Nationalsozialismus – mit allen Facetten von Widerstand über Mitläufertum bis hin zur Beteiligung an Gewalt und Mord.
Rezension
Ein spannendes, im besten Sinne aufklärerisches Buch.
Portrait
Kurt Bauer

Kurt Bauer, geboren 1961, ist Historiker und promovierte an der Universität Wien. Er war mehrere Jahre Freier Lektor für verschiedene Wiener Verlage und ist Mitarbeiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Historische Sozialwissenschaft. 2003 erhielt er für »Elementar-Ereignis. Die österreichischen Nationalsozialisten und der Juliputsch 1934« den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch. 2014 erschien seine vielbeachtete Darstellung »Hitlers zweiter Putsch. Dollfuß, die Nazis und der 25. Juli 1934«.

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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Seitenzahl 480 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 26.10.2017
Sprache Deutsch
EAN 9783104902845
Verlag Fischer E-Books
Dateigröße 1330 KB
Verkaufsrang 11.985
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Buchhändler-Empfehlungen

„Eine "Gesellschaftsgeschichte" Österreichs in der NS-Zeit“

Hans Wilhelm Schmölzer, Thalia-Buchhandlung Atrio, Villach

Der Historiker Kurt Bauer schildert auf der Basis von zeitgenössischen Tagebüchern, lebensgeschichtlichen Aufzeichnungen und Briefen wie die Österreicher (Verfolgte, Soldaten, Zivilisten) die Zeit vom Anschluss bis zum Kriegsende miterlebt und -erlitten haben - über Begeisterung und Ernüchterung, über Opfer- und Täter-Mythos, über unfassbare menschliche Grausamkeit und Verfolgung, über Angst und Panik, über das (Über-)Leben in einer menschenverachtenden Diktatur. Der Historiker Kurt Bauer schildert auf der Basis von zeitgenössischen Tagebüchern, lebensgeschichtlichen Aufzeichnungen und Briefen wie die Österreicher (Verfolgte, Soldaten, Zivilisten) die Zeit vom Anschluss bis zum Kriegsende miterlebt und -erlitten haben - über Begeisterung und Ernüchterung, über Opfer- und Täter-Mythos, über unfassbare menschliche Grausamkeit und Verfolgung, über Angst und Panik, über das (Über-)Leben in einer menschenverachtenden Diktatur.

„Als Österreich nicht existierte“

Martin Berger, Thalia-Buchhandlung Wien

Dieses Buch ist eine ausgezeichnete Geschichte der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich, auch sehr gut für jugendliche Leser geeignet. Besonders die ausgiebige Verwendung der Aufzeichnungen von Zeitzeugen, Opfern wie Tätern, macht diese Darstellung anschaulich. Vom Anschluss bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nimmt man Teil am Schicksal ganz normaler Österreicher und Österreicherinnen. Pflichtlektüre für an österreichischer Zeitgeschichte Interessierte! (Siehe auch: Vocelka, Geschichte Österreichs) Dieses Buch ist eine ausgezeichnete Geschichte der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich, auch sehr gut für jugendliche Leser geeignet. Besonders die ausgiebige Verwendung der Aufzeichnungen von Zeitzeugen, Opfern wie Tätern, macht diese Darstellung anschaulich. Vom Anschluss bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nimmt man Teil am Schicksal ganz normaler Österreicher und Österreicherinnen. Pflichtlektüre für an österreichischer Zeitgeschichte Interessierte! (Siehe auch: Vocelka, Geschichte Österreichs)

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Toll recherchiert
von S.A.W aus Salzburg am 17.11.2017
Bewertet: Einband: Paperback

Bauer die dunklen Jahre Toll recherchiert Bauer schildert die Nazi-Zeit in Österreich aus der Sicht von 17 Protagonisten aus allen gesellschaftlichen Schichten und Lagern und erklärt dabei was wirklich zu den Ereignissen geführt hat. Er ist dabei historisch exakt, hat die Quellen genau studiert und räumt mit gängigen Mythen und Missverständnissen... Bauer die dunklen Jahre Toll recherchiert Bauer schildert die Nazi-Zeit in Österreich aus der Sicht von 17 Protagonisten aus allen gesellschaftlichen Schichten und Lagern und erklärt dabei was wirklich zu den Ereignissen geführt hat. Er ist dabei historisch exakt, hat die Quellen genau studiert und räumt mit gängigen Mythen und Missverständnissen auf: 1. Mythos: Die Österreicher waren von Hitler begeistert Dies stimmt für die Tage des Einmarsches im März 1938 aber auch da nur bedingt. Vielmehr wurden sie von der deutschen Propagandamaschine überwältigt und in eine Massenhysterie getrieben. In den 30er Jahren hatten die Österreicher die Wahl zwischen zwei Ein-Parteiendiktaturen: Der Hitler-Diktatur in Deutschland und der Schuschnigg-Diktatur in Österreich. Eingesperrt wurden Oppositionelle da wie dort, in Österreich sogar nach einem Bürgerkrieg hingerichtet. Hingegen verschwand in Deutschland die Arbeitslosigkeit während sich in Österreich die wirtschaftliche Lage verschlechterte. Also verhieß Hitler eine bessere Zukunft und darauf setzten vor allem die illegalen Nazis, die Hitler 1938 zum Terror auf der Straße anstachelte, um Schuschnigg in Berchtesgaden besser erpressen zu können. Schuschniggs Rücktritt machte den Weg frei für Arthur Seiß-Inquart. Kurz zuvor hätte aber noch die Mehrheit der Österreicher gegen einen Anschluss an Deutschland gestimmt, was aber von Hitler mit der Einmarschdrohung verhindert wurde. 2. Mythos: Österreich war Hitlers erstes Opfer Jein. Einerseits wurde der Anschluss mit Drohungen, Gewalt und Erpressungen erzwungen. Die Abstimmung über den Anschluss war öffentlich und damit formalrechtlich ungültig. Österreich wurde von allen europäischen Mächten, auch von seiner Schutzmacht Italien im Stich gelassen, da die Engländer glaubten, Hitler durch Appeasement zähmen zu können. Somit ist der Staat Österreich tatsächlich das erste Opfer. Die Bevölkerung stellte sich aber rasch auf die neue Lage ein. Viele traten in die NSDAP ein, um für sich persönliche Vorteile zu ergattern und beteiligten sich auch an den Arisierungen. 3. Mythos: Hitler brachte wirtschaftlichen Aufschwung Deutschland war 1938 durch extremes Defizitspending de facto bankrott und konnte sich nur durch die österreichischen Goldreserven über Wasser halten. Es musste weitere Länder erobern und ausrauben, um seine Investitionen in die Rüstung finanzieren zu können. Die Arisierung mit all ihren Enteignungen diente einem radikalen Umbau der österreichischen Wirtschaft auf die Kriegswirtschaft. Dafür wurden die Fachkräfte tatsächlich gebraucht und die Arbeitslosigkeit verschwand. Allerdings gab es kaum Konsumgüter, daher viel Inflation und die Lage der einfachen Leute besserte sich wenig. 4. Mythos: Die Österreicher waren begeisterte Nazis Dies stimmt nur für die Nazis der illegalen Zeit, die sich von Hitlers Machtübernahme Karrieremöglichkeiten versprachen. Selbst die waren bald enttäuscht, weil die meisten Spitzenpositionen von „Piefkes“ übernommen wurden. Gegen die gab es bald immer größer werdende Ressentiments. In der Zeit der Blitzkriege wurden viele von der Siegbegeisterung angesteckt. Ab 1942 distanzierte sich die Österreichische Bevölkerung immer stärker vom Nationalsozialismus und versuchte nur mehr zu überleben. 5. Mythos: Die Österreicher waren kriegsbegeisterte Nationalisten Ganz im Gegenteil. Schon in der Sudetenkrise und vor dem Polenfeldzug herrschte große Kriegsangst. Man wiegte sich in der illusionären Hoffnung, wegen Danzig werde es schon keinen Krieg geben. Hitlers Mythos beruhte auf seinem Glück, dass die Appeasement-Politik ihm bis dahin alle Erfolge auf friedlichem Weg ermöglicht hatte. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion stiegen die Ängste und nahm der hinhaltende Widerstand zu. 6. Mythos: Aus Österreich kamen die meisten Täter Namen wie Eichmann, Kaltenbrunner und Globocnik brachten Simon Wiesenthal zu der These, dass besonders viele Österreicher zum Kreis der Täter gehörten. Das ist nachweislich falsch. Die Anzahl der Nazitäter aus Österreich entspricht genau dem Prozentsatz der Österreischischen Bevölkerung am Großdeutschen Reich. Allerdings waren einige wenige Täter besonders sadistisch. Im KZ Mauthausen ging es besonders grausam zu und wurden ständig neue Foltermethoden erfunden. Häftlinge wurden so lange über die Todesstiege gejagt, bis sie abstürzten. Wenn sie es trotzdem bis oben schafften, wurden sie in den Abgrund gestoßen. Konnten sie sich noch am Felsrand anklammern, trat man ihnen so fest auf die Finger, bis sie loslassen mussten. In den Leichenöfen vermerkten die Kapos zynisch, dass Frauen auf Grund des höheren Fettanteils besser brannten als Männer. 7. Mythos: Niemand hat etwas gewusst Obwohl die Nazis ihre Euthanasie mit allen Mitteln verschleierten, drang die Gerüchte der Ermordung Behinderter und der Entvölkerung der Psychiatrien bald zu den Familien durch. Der Rauch der Öfen von Hartheim stank derart nach Leichen, dass bald niemand mehr der Propaganda glaubte. Angehörige wehrten sich auch dermaßen, dass die Euthanasie 1941 eingestellt und die Mordspezialisten nach Ausschwitz zur Vergasung der Juden umdirigiert wurden. Auch die Endlösung der Juden blieb nicht verborgen, da die Züge mit den Deportierten auf den Bahnhöfen gesehen wurden und viele Wehrmachtssoldaten die Morde an der Zivilbevölkerung im Osten mitbekamen oder selbst dazu abkommandiert waren. Man übte sich allerdings in kollektiver Verdrängung und glaubte der Propaganda nur allzu gern, dass nur Kriminelle erschossen wurden. 8. Mythos: Die Österreicher waren begeisterte Soldaten Dagegen sprechen alle Fakten. Von den 4 Millionen Gefallenen der Wehrmacht waren 261000 Österreicher. Prozentuell hätten es 425.000 sein müssen, also fast doppelt so viele. Das belegt, dass die Österreicher viel weniger als die Deutschen bereit waren, ihr Leben für den Krieg zu geben, sprich, sie drückten sich vor gefährlichen Einsätzen, wo sie nur konnten. In der Zivilbevölkerung hielten sich lange Gerüchte, Österreich werde von den Alliierten nicht bombardiert, da es ja ein besetztes Land sei. Nach der Moskauer Deklaration von 1943 leisteten viele Österreicher hinhaltenden Widerstand, solange es nicht auffiel. Zu Kriegsende übernahm der Widerstand Innsbruck, auch Salzburg und Wien wurden kampflos übergeben. Bauers Buch ist ein Muss für alle, die an einer sachlichen Aufarbeitung der Nazizeit in Österreich interessiert sind. Siehe auch: Opelt, R: Die Kinder des Tantalus, Czernin 2002