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Spiel mit dem Mörder / Eve Dallas Bd.10

Roman

Eve Dallas Band 10

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Als bei der Premiere seines neuen Stücks ein berühmter Bühnenschauspieler direkt vor ihren Augen ermordet wird, findet sich Lieutenant Eve Dallas in einer neuen Rolle wieder: Sie ist zugleich Augenzeugin – und ermittelnde Beamtin. Denn natürlich setzt Eve alles daran, diesen Fall besonders schnell zu lösen. Gehört das Theater doch schließlich ihrem Mann, dem geheimnisumwitterten irischen Geschäftsmann Roarke. Aber jeder von Eves Verdächtigen ist ein exzellenter Schauspieler, der für ein bißchen Scheinwerferlicht alles tut. Bald fragt sich Eve nicht mehr, wer lügt – sondern nur noch, wer die Wahrheit spricht …

Der neue superspannende Lady-Thriller um Lieutenant Eve Dallas!

Portrait
Robb, J.D.
J. D. Robb ist das Pseudonym der international höchst erfolgreichen Autorin Nora Roberts. Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren und veröffentlichte 1981 ihren ersten Roman. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von 500 Millionen Exemplaren überschritten. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.
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  • F¿r Mord gab es immer ein Publikum.
    Die Menschen zeigten Entsetzen oder Schadenfreude, Sarkasmus oder stille Trauer, stets aber waren sie von diesem ultimativen Verbrechen derart fasziniert, dass es sowohl in der Realit¿als auch in der Fiktion regelm¿g ein ergiebiges Thema war.
    ¿er die Jahrhunderte hinweg hatte man mit Mord die Theater zuverl¿ig bis an den Rand gef¿llt. Schon im alten Rom hatte das Kolosseum dadurch wahre Menschenmassen angelockt, dass man Gladiatoren hatte einander in blutige St¿cke hacken lassen, oder dass man den Leuten die Langeweile mit einer Matinee vertrieb, in der man ungl¿ckliche Christen, um das gr¿lende Publikum zu unterhalten, gegen hungrige L¿wen antreten lie¿
    Da der Ausgang dieser ungleichen K¿fe ziemlich sicher abzusehen gewesen war, hatten die Zuschauer das Amphitheater eindeutig nicht deshalb bis auf den letzten Platz gef¿llt, um zu sehen, ob vielleicht zur Abwechslung doch einmal ein Christ gewann. Sie hatten das zu erwartende Ergebnis und all das damit einhergehende Blutvergie¿n eindeutig gewollt.
    Anschlie¿nd waren die Leute heimgegangen und hatten sich nicht nur dar¿ber freuen k¿nnen, dass man sie bestens unterhalten hatte, sondern auch, dass ihnen selbst nicht das geringste Leid geschehen war. Durch die Ermordung eines anderen Menschen wurden die eigenen Probleme, die man eventuell hatte, angenehm relativiert.
    Die Natur des Menschen und sein unstillbares Verlangen nach dieser Form der Unterhaltung hatte sich in den letzten zwei Jahrtausenden nicht wesentlich ver¿ert. Selbst wenn man kurz vor Winterende 2059 nicht mehr Christen gegen L¿wen k¿fen lie¿ verkaufte Mord sich nach wie vor sehr gut.
    Wenn auch auf eine deutlich zivilisiertere Art.
    Familien, junge Paare, Sch¿ngeister und Landeier, sie alle standen an den Ticketschaltern Schlange und gaben bereitwillig ihr schwer verdientes Geld aus, damit man sie mit dem Gedanken an Mord und Totschlag unterhielt.
    Die Ahndung wirklicher Verbrechen, vorzugsweise Mord, war Lieutenant Eve Dallas¿ Gesch¿. Heute Abend aber sa¿sie auf einem bequemen Stuhl in einem bis auf den letzten Platz besetzten Haus und verfolgte interessiert, wie man auf der B¿hne das schmutzige Gesch¿ des Mords betrieb.
    ¿Er war es.¿
    ¿Hm?¿ Roarke fand die Reaktion seiner Gattin auf das Schauspiel mindestens genauso interessant wie das St¿ck selbst. Sie hatte sich auf ihrem Stuhl nach vorn gebeugt, ihre Arme auf dem schimmernden Gel¿er der Privatloge gekreuzt und verfolgte, nachdem der Vorhang zu Beginn der Pause heruntergelassen worden war, mit hellwachen, leuchtend braunen Augen, was dort unten geschah.
    ¿Dieser Vole. Er hat die Frau get¿tet. Er hat ihr des Geldes wegen den Sch¿l eingeschlagen. Stimmt¿s?¿
    Roarke schenkte ihnen beiden eisgek¿hlten Champagner ein. Er war sich nicht sicher gewesen, ob es ihr gelingen w¿rde, einen Abend lang Mord als etwas Unterhaltsames zu sehen, und es freute ihn zu sehen, dass sie wie gebannt verfolgte, was auf der B¿hne geschah. ¿M¿glich.¿
    ¿Du brauchst gar nichts zu verraten. Ich wei¿es sowieso.¿ Eve ergriff das Glas, das er ihr reichte, und betrachtete versonnen sein Gesicht.
    Ein unbestreitbar umwerfend attraktives Gesicht. Es wirkte wie von Zauberhand gemei¿lt, und die ¿berw¿igende maskuline Sch¿nheit seiner Z¿ge rief garantiert im Innern jeder Frau sofortige Sehnsucht wach. Eine dichte, dunkle M¿e rahmte seinen elegant geformten Sch¿l; und als er sie ansah, spielte der Hauch eines L¿elns um seinen festen, vollen Mund. Er streckte eine Hand aus und strich liebevoll mit seinen langen, schlanken Fingern ¿ber eine Str¿e ihres Haars.
    Bei einem Blick in seine Augen, seine leuchtend, ja beinahe lodernd blauen Augen, stolperte wie zu Anfang auch heute noch ihr Herzschlag.
    Es war peinlich, dass sie sich von diesem Mann lediglich durch seinen Blick derart aus der Fassung bringen lie¿
    ¿Was starrst du mich so an?¿
    ¿Es macht mir einfach Spa¿ dich anzusehen.¿ Auch mit dieser schlichten Feststellung, gesprochen mit dem ihm eigenen, leichten, melodischen, irischen Akzent, brachte er sie v¿llig aus dem Konzept.
    ¿Ach, ja?¿ Sie legte ihren Kopf ein wenig schr¿ Es war wunderbar entspannend, den ganzen Abend lang nichts anderes zu tun, als das Zusammensein mit ihrem Gatten zu genie¿n, dachte sie, als er mit seinen Lippen ¿ber ihre Kn¿chel strich, und fragte leise: ¿Willst du etwa irgendwelche Spielchen mit mir spielen?¿
    Ohne sie aus den Augen zu lassen, stellte er sein Glas ab und strich mit den Fingerspitzen an ihrem langen Bein hinauf in Richtung ihrer H¿fte, wo der Schlitz in ihrem engen Rock zusammenlief.
    ¿Du bist ja pervers. Vergiss es.¿
    ¿Du hast darum gebeten.¿
    ¿Du hast nicht das geringste Schamgef¿hl.¿ Lachend dr¿ckte sie ihm sein Champagnerglas wieder in die Hand. ¿Mindestens die H¿te der Leute, die in deinem schicken Theater sitzen, glotzen uns momentan durch ihre Operngl¿r an. Sie alle wollen den ber¿hmten Roarke einmal mit eigenen Augen sehen.¿
    ¿Sie gucken nicht auf mich, sondern auf diese wundersch¿ne Frau vom Morddezernat, die mich eingefangen hat.¿
    Als sie wie erwartet schnaubte, beugte er sich vor, biss leicht in ihre weiche Unterlippe und bekam daf¿r zu h¿ren: ¿Wir sollten vielleicht Eintrittskarten verkaufen, wenn du so weitermachst.¿
    ¿Wir sind praktisch noch immer frisch verheiratet. Und es ist durchaus akzeptabel, wenn sich ein frisch verheiratetes Paar in der ¿fentlichkeit k¿sst.¿
    ¿Als ob dich interessieren w¿rde, ob etwas akzeptabel ist.¿ Sie legte eine Hand auf seine Brust und schob ihn ein St¿ckchen von sich fort. ¿Du hast also heute Abend ein volles Haus. Allerdings hatte ich kaum was anderes erwartet.¿ Sie lie¿ihren Blick erneut ¿ber die Zuschauerr¿e wandern und musste unumwunden zugeben, dass sie ¿ obwohl sie keine Ahnung von Architektur oder Innendekoration hatte ¿ gebannt war von dem eleganten Ambiente. Wahrscheinlich hatte Roarke wieder einmal nur die allerbesten Leute engagiert, damit der alte Bau die Pracht von einst zur¿ckgewann.
    W¿end der Pause schlenderten die Menschen durch das riesige, mehrgeschossige Theater und f¿llten das Geb¿e mit ihren aufgeregten und fr¿hlichen Stimmen. Einige Besucher hatten sich ¿ um einen zu einem Kriminalst¿ck passenden Ausdruck zu verwenden ¿ echt todschick gemacht, andere liefen l¿ig in Airboots und altmodischen, ¿berdimensionalen kugelsicheren Westen herum, wie man sie in diesem Winter allerorten sah.
    Mit seinen hohen, handbemalten W¿en, den kilometerlangen roten Teppichen und den vergoldeten B¿gen hatte man das Theater entsprechend Roarkes anspruchsvollen Vorgaben restauriert. Alles, was ihm geh¿rte, wurde entsprechend seinen Vorstellungen gestaltet ¿ und, ging es Eve fl¿chtig durch den Kopf, ihm geh¿rte so gut wie alles, was im bekannten Universum zu besitzen war.
    Daran hatte sie sich noch immer nicht gew¿hnt, und sie hegte ernste Zweifel, ob es ihr jemals tats¿lich gefallen w¿rde. Doch geh¿rte dieser Reichtum einfach zu Roarke dazu, und sie hatte versprochen, im Guten wie im B¿sen seine Partnerin zu sein.
    In dem Jahr seit ihrem Kennen lernen hatten sie von beidem mehr als genug erlebt.
    ¿Ein wirklich tolles Haus. Die Holographie-Modelle haben bei weitem keinen derartigen Eindruck auf mich gemacht.¿
    ¿Modelle zeigen nur die Struktur und gewisse Elemente, die man f¿r die Schaffung einer bestimmten Einrichtung braucht. Ein Theater ben¿tigt zus¿lich Menschen, ihren Geruch und ihre Ger¿che, damit es voll zur Wirkung kommt.¿
    ¿Das glaube ich dir gern. Weshalb hast du ausgerechnet dieses St¿ck f¿r die Er¿ffnung ausgesucht?¿
    ¿Es ist eine faszinierende Geschichte, und, wie die meisten wirklich guten Geschichten, hat sie ein Thema, das v¿llig zeitlos ist. Liebe, Verrat und Mord, all das in einem vielschichtigen, undurchsichtigen Paket. Und die Besetzung ist fantastisch.¿
    ¿Schlie¿ich hast du die Akteure auch pers¿nlich ausgesucht. Trotzdem hat Leonard Vole den Mord begangen.¿ Sie blinzelte zu dem sanft schimmernden, rot-goldenen Vorhang, als k¿nnte sie den Tathergang deutlich dahinter sehen. ¿Seine Frau ist supercool. Ich bin sicher, dass sie noch irgendetwas vorhat. Der Anwalt ist ebenfalls nicht schlecht.¿
    ¿Verteidiger¿, verbesserte ihr Mann. ¿Das St¿ck spielt Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts in London. Dort haben die Angeklagten in Strafverhandlungen speziell ausgebildete Verteidiger gehabt.¿
    ¿Wie auch immer. Die Kost¿me sind echt klasse.¿
    ¿Und vor allem authentisch. So liefen die Leute in den f¿nfziger Jahren des letzten Jahrhunderts wirklich rum. Als Zeugin der Anklage verfilmt wurde, war es ein Riesenhit. Auch damals hatten sie ph¿menale Schauspieler engagiert.¿ Roarke hatte eine Vorliebe f¿r die alten Schwarz-Wei¿Streifen des fr¿hen und mittleren zwanzigsten Jahrhunderts, und nat¿rlich hatte er diesen Film daheim auf DVD.
    Manche Menschen entdeckten, wenn sie diese Filme sahen, tats¿lich nur Schwarz und Wei¿ Er jedoch nahm zahllose Schattierungen bei den Aufnahmen wahr. Das war etwas, worauf seine Frau sich ebenso hervorragend verstand.
    ¿Wir haben uns bem¿ht, Schauspieler zu engagieren, in denen sich etwas von den Originalschauspielern widerspiegelt, w¿end sie zugleich ihren eigenen Stil erhalten¿, erkl¿e er ihr jetzt. ¿Irgendwann m¿ssen wir uns mal den Film angucken, damit du dir selbst ein Urteil bilden kannst.¿
    Er musterte pr¿fend die G¿e. So sehr er es genoss, einen Abend mit seiner Gattin zu verbringen, war er doch gleichzeitig Gesch¿smann. Und dieses St¿ck eine teure Investition. ¿Ich glaube, dass das St¿ck recht lange laufen wird.¿
    ¿He, da ist ja Dr. Mira.¿ Eve beugte sich etwas nach vorn, als sie die Polizeipsychologin, elegant wie gewohnt, in einem winterwei¿n Futteralkleid, mit einer kleinen Gruppe in einer Ecke stehen sah. ¿Sie ist mit ihrem Mann und irgendwelchen anderen Leuten da.¿
    ¿Soll ich ihr eine Nachricht zukommen lassen? Wir k¿nnten sie nach Ende der Auff¿hrung auf einen Drink einladen.¿
    Eve sah ihn von der Seite an. ¿Nein, heute Abend nicht. Ich habe andere Pl¿.¿
    ¿Ach ja?¿
    ¿Allerdings. Hast du damit irgendein Problem?¿
    ¿Nicht das geringste.¿ Er schenkte ihnen beiden nach. ¿Tja, wir haben noch ein paar Minuten, bevor es weitergeht. Warum erz¿st du mir nicht, weshalb du dir so sicher bist, dass Leonard Vole der M¿rder ist?¿
    ¿Er ist einfach zu glatt, um es nicht zu sein. Nicht so glatt wie du¿, f¿gte sie hinzu und brachte Roarke dadurch zum Grinsen. ¿Er ist ¿ wie soll ich sagen? ¿ bei ihm ist die Gl¿e nur Fassade. Bei dir dagegen kommt sie irgendwie von innen, ist Teil deiner Person.¿
    ¿Ich f¿hle mich geschmeichelt.¿
    ¿Auf alle F¿e ist er raffiniert. Er spielt die Rolle des hoffnungsvollen, vertrauensseligen, zugleich jedoch vom Pech verfolgten Mannes geradezu perfekt. Aber ein so fantastisch aussehender Typ f¿hrt eindeutig irgendwas im Schilde, wenn er statt mit seiner eigenen, wundersch¿nen Gattin seine Zeit mit einer wesentlich ¿eren, deutlich weniger attraktiven Frau verbringt. Und es ging ihm hundertprozentig nicht einfach darum, dass er ihr irgendein bl¿des, von ihm selbst erfundenes K¿chenger¿aufschwatzen wollte, wie er vor Gericht behauptet hat.¿
    Sie nippte an ihrem Champagner und lehnte sich, als das Signal zum Pausenende kam, auf ihrem Stuhl zur¿ck. ¿Seine Frau wei¿ dass er es war. Sie, nicht er, ist der Schl¿ssel zu dem Ganzen. Wenn ich in dem Fall ermitteln w¿rde, w¿rde ich erst mal sie genauer durchleuchten. Ja, ich w¿rde ein nettes, langes Gespr¿ mit Christine f¿hren statt mit ihrem Mann.¿
    ¿Dann scheint dir das St¿ck also zu gefallen.¿
    ¿Das Ganze ist echt clever gemacht.¿
    Als sich der Vorhang ¿ffnete, beobachtete Roarke, statt sich auf das Gerichtsdrama zu konzentrieren, seine Frau.
    Nie in seinem ganzen Leben hatte er einen faszinierenderen Menschen kennen gelernt. Als sie vor ein paar Stunden vom Dienst gekommen war, hatte sie gro¿ Blutflecken auf ihrem Hemd gehabt. Zum Gl¿ck hatte das Blut nicht von ihr selbst gestammt. Sie hatte den Fall, aufgrund dessen sie sich diese Flecken eingehandelt hatte, innerhalb von einer Stunde, nachdem das Verbrechen begangen worden war, durch Entlocken eines Gest¿nisses zum Abschluss gebracht.
    So schnell ging das selten. Oft k¿fte sie bis zur Ersch¿pfung oder brachte ihr eigenes Leben in Gefahr, um daf¿r zu sorgen, dass einem Toten Gerechtigkeit widerfuhr.
    Dies war nur eine von unz¿igen Facetten, die er an ihr bewunderte.
    Jetzt sa¿sie hier in einem schmal geschnittenen, eleganten schwarzen Kleid, trug als einzigen Schmuck den Diamanten, den er ihr einmal geschenkt hatte und der wie eine Tr¿ zwischen ihren Br¿sten hing, sowie ihren Ehering. Ihr kurz geschnittenes Haar, das Dutzende von Braunt¿nen aufwies, fiel ihr seidig schimmernd um den Kopf.
    Er verfolgte, wie sie ihre Lippen aufeinander presste und mit blitzenden, zusammengekniffenen Augen mitverfolgte, wie Christine Vole den Zeugenstand betrat und ihren Ehemann verriet.
    ¿Sie f¿hrt etwas im Schilde. Habe ich es nicht gesagt? Sie f¿hrt etwas im Schilde.¿
    Roarke lie¿seine Finger ¿ber ihren Nacken gleiten und nickte grinsend. ¿Das hast du.¿
    ¿Sie l¿gt¿, murmelte Eve. ¿Oder besser, sie sagt nicht die ganze Wahrheit. Was zum Beispiel hat das Messer mit der ganzen Sache zu tun? Okay ¿ er hat sich damit geschnitten. Selbst wenn, ist das absolut unwichtig. Das Messer ist ein Ablenkungsman¿ver. Es ist nicht die Mordwaffe. ¿rigens haben sie die Mordwaffe bisher ¿berhaupt noch nicht ins Spiel gebracht. Das ist ein grober Fehler. Aber wenn er sich mit dem Messer beim Brotschneiden geschnitten hat ¿ und darin sind sich alle einig ¿, wozu brauchen sie es dann?¿
    ¿Entweder er hat sich absichtlich damit geschnitten, um das Blut auf seinem ¿mel zu erkl¿n, oder es ist, wie er behauptet, rein zuf¿ig passiert.¿
    ¿Das ist doch egal. Es ist ein reines Ablenkungsman¿ver.¿ Sie runzelte die Stirn. ¿Oh, er ist wirklich gut.¿ Ihr war deutlich anzuh¿ren, was f¿r eine Abneigung sie Leonard Vole gegen¿ber empfand. ¿Guck nur, wie er da auf der Anklagebank sitzt. Als w¿rde ihre Aussage ihn total schockieren.¿
    ¿Tut sie das denn nicht?¿
    ¿Irgendetwas stimmt nicht. Was, finde ich noch raus.¿
    Es machte ihr Spa¿ dar¿ber nachzudenken, wie man der L¿sung des R¿els n¿r kommen k¿nnte, bis man schlie¿ich w¿sste, von wem die Tat begangen worden war. Bevor sie Roarke getroffen hatte, hatte sie niemals eine richtige Theaterauff¿hrung besucht. Manchmal hatte sie sich irgendwelche Filme angesehen oder ihre Freundin Mavis hatte sie ins Holographie-Theater mitgeschleppt. Aber leibhaftige Schauspieler in den Szenen agieren zu sehen und die Texte sprechen zu h¿ren, war Unterhaltung auf einem g¿lich anderen Niveau.
    Wenn man im Dunkeln sa¿und das Treiben auf der B¿hne direkt mitverfolgte, wurde man ein Teil der Inszenierung, blieb jedoch zugleich gerade weit genug davon entfernt, um nicht hautnah vom Ausgang des Geschehens betroffen zu sein.
    Es enthob einen jeglicher Verantwortung, ¿berlegte Eve. Die dumme, wohlhabende Witwe, der der Sch¿l eingeschlagen worden war, wandte sich nicht hilfesuchend an Lieutenant Eve Dallas von der New Yorker Polizei. Deshalb war die Suche nach dem T¿r ein interessantes Spiel.
    Ginge es nach Roarke ¿ und das tat es fast immer ¿, w¿rde die reiche Witwe ¿ber einen m¿glichst langen Zeitraum jede Woche an sechs Abenden und zweimal vormittags ermordet, zur Unterhaltung eines Publikums, das aus lauter Hobby-Polizisten und -Polizistinnen bestand.
    ¿Er ist es nicht wert¿, grummelte Eve. Das Schauspiel zog sie derart in seinen Bann, dass sie eine geradezu pers¿nliche Beziehung zu den dargestellten Charakteren empfand. ¿Sie opfert sich. Sie spielt den Geschworenen was vor, damit sie sie als Opportunistin sehen, als einen Menschen, der andere benutzt, als kaltherzige Hexe. Weil sie ihn liebt. Und dabei ist der Kerl das ¿berhaupt nicht wert.¿
    ¿Es w¿ genauso denkbar¿, raunte Roarke, ¿dass sie ihn einfach betrogen hat und an ihrer Stelle ins Messer laufen lassen will.¿
    ¿Nie und nimmer. Sie hat die ganze Sache rumgedreht, damit es aussieht, als ob sie der Schurke w¿. Wen gucken die Geschworenen jetzt an? Sie steht im Mittelpunkt des allseitigen Interesses, und er wirkt wie ein armer Tropf. Wirklich clever, wenn der Kerl es wert w¿, aber wie gesagt, das ist er sicher nicht. Wird ihr das selbst noch klar?¿
    ¿Warte es ab.¿
    ¿Sag mir nur, ob ich Recht habe mit dem, was ich vermute.¿
    Er beugte sich zu ihr her¿ber, k¿sste sie auf die Wange und fl¿sterte fr¿hlich: ¿Nein.¿
    ¿Nein, ich habe Unrecht?¿
    ¿Nein, ich verrate es dir nicht. Und wenn du die ganze Zeit so weiterredest, kriegst du von den Dialogen nichts mehr mit.¿
    Sie runzelte die Stirn, verfolgte jedoch schweigend weiter, wie das Drama seinen Lauf nahm, und verzog, als die Geschworenen den Urteilsspruch verlasen, angewidert das Gesicht. Auf Geschworene war selbst in einem Schauspiel kein Verlass. Eine Jury aus zw¿lf anst¿igen Polizisten h¿e den Schweinehund verurteilt. Gerade, als sie diese Gedanken ¿ern wollte, schob sich Christine Vole durch eine Gruppe von Zuschauern, die sie offenbar am liebsten in der Luft zerrissen h¿en, in den fast leeren Gerichtssaal.
    Eve nickte, denn es freute sie, als die Frau Voles Verteidiger gestand, dass alles, was sie vorgetragen hatte, gelogen gewesen war. ¿Sie wusste, dass ihr Mann die Tat begangen hatte. Sie wusste es die ganze Zeit und hat gelogen, um seinen Hals zu retten. Diese N¿in. Jetzt wird er sie fallen lassen wie eine hei¿ Kartoffel. Wart¿s ab.¿
    Als Roarke neben ihr leise lachte, sah sie ihn fragend an. ¿Was, bitte, ist so lustig?¿
    ¿Ich habe das Gef¿hl, dass Agatha Christie von dir total begeistert w¿.¿
    ¿Wer zum Teufel ist das? Pst! Da kommt er. Guck nur, wie gemein er grinst.¿
    Leonard Vole schlenderte nach seinem Freispruch l¿ig durch den Saal. An seinem Arm hing eine junge, br¿nette Frau. Er hat eine andere, dachte Eve, war jedoch nicht besonders ¿berrascht. Trotzdem empfand sie Mitleid und ein Gef¿hl der Frustration, als sich Christine ihm an die Brust warf und ihm ungl¿cklich die Arme um den Nacken schlang.
    Eve sah seine arrogante Miene, Christines schockiertes, ungl¿iges Gesicht und Sir Wilfreds unverhohlenen Zorn. Eve hatte allerdings nichts anderes erwartet.
    Dann aber sprang sie mit einem Mal von ihrem Stuhl.
    ¿Verdammt!¿
    ¿Immer mit der Ruhe, M¿l.¿ Grinsend zog Roarke Eve zur¿ck auf ihren Platz.
    Unten auf der B¿hne stie¿Christine ihrem Mann das Messer, das sie von dem Tisch mit den Beweismitteln gerissen hatte, mitten in sein rabenschwarzes Herz.
    ¿Verdammt¿, entfuhr es Eve ein zweites Mal. ¿Das habe ich nicht kommen sehen. Sie hat ihn hingerichtet.¿
    Ja, dachte Roarke noch einmal, Agatha Christie h¿e ihre helle Freude an seiner Frau gehabt. Sir Wilfred sprach genau dieselben Worte, als eine Gruppe von Leuten auf die B¿hne st¿rzte, sich entsetzt ¿ber den Leichnam beugte und man Christine eilig fortzog.
    ¿Da stimmt was nicht.¿ Erneut sprang Eve auf, umklammerte mit beiden H¿en das Gel¿er und verfolgte wie gebannt, was weiter geschah. ¿Da stimmt absolut etwas nicht.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 607
Erscheinungsdatum 20.03.2006
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-36321-6
Verlag Blanvalet
Maße (L/B/H) 19/12/4,7 cm
Gewicht 484 g
Originaltitel Witness in Death (Death 10)
Auflage 2. Auflage
Übersetzer Uta Hege
Verkaufsrang 29679
Buch (Taschenbuch)
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10,30
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
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Übersicht
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10. Band der Eve-Dallas-Reihe
von Kerstin Stutzke aus Berlin am 23.04.2012

Eve Dallas und Roarke haben sich von den Strapazen ihres letzten Abenteuers gut erholt und ihr "normales" Leben wieder aufgenommen. Natürlich sind mit der Hochzeit mit Roarke auch einige repräsentative Pflichten für Eve hinzugekommen, sodass sie sich gezwungen sieht, sich zum ersten Mal in ihrem Leben ein Theaterstück anzusehen.... Eve Dallas und Roarke haben sich von den Strapazen ihres letzten Abenteuers gut erholt und ihr "normales" Leben wieder aufgenommen. Natürlich sind mit der Hochzeit mit Roarke auch einige repräsentative Pflichten für Eve hinzugekommen, sodass sie sich gezwungen sieht, sich zum ersten Mal in ihrem Leben ein Theaterstück anzusehen. Selbstverständlich gehört das Gebäude Roarke und auch die Inszenierung des Stückes wurde von ihm finanziert. In der Tat fesselt sie das Stück immer mehr, sodass sie sich mit Mutmaßungen nicht zurück halten kann, wer der Mörder ist. Als es zum Finale auf der Bühne kommt, wo eine Frau ihren untreuen Ehemann ermordet, geschieht das Unfassbare! Die Requisite ist ein echtes Messer und das vermeintliche Opfer stirbt tatsächlich. Eve übernimmt umgehend die Ermittlungen, noch bevor das Theater überhaupt geräumt ist. Doch ihre Suche nach einem Täter und einem Motiv gestaltet sich schwierig: Richard Draco, das vermeintliche und tatsächliche Opfer war allseits verhasst und wurde abgelehnt. So gut wie jeder hatte ein Motiv, ihm etwas anzutun. Areena Mansfield, die die weibliche Hauptrolle spielte und dadurch auch im wirklichen Leben zur Mörderin wurde, hatte mit Richard Draco bereits in ihrer Vergangenheit zu tun; Carly Landsdowne, welche eine Nebenrolle spielt, wurde von Draco vor der ganzen Crew abserviert und lächerlich gemacht; Michael Proctor war die Zweibesetzung für die Hauptrolle; Kennith Stiles kannte das Opfer seit Jahren und arbeitete immer wieder mit dem genialen, wenn auch privat verhassten Draco zusammen. Wer hatte das größte Motiv, Draco zu beseitigen und wer hatte die Zeit und Möglichkeit während des Stückes die Requisite gegen ein echtes Messer auszutauchen? Alle Verdächtigen sind Schauspieler und dazu noch sehr gute. Eve hat das Gefühl, auf der Stelle zu treten, trotz der Hilfe ihrer Assistentin Delia Peabody und ihres Teams sowie ihres Ehemannes will sich kein eindeutig tödliches Motiv finden lassen. Dann wird der Inspizient des Theaters, Linus Quim, ermordet. Es sieht wie Selbstmord aus, doch Eve hat berechtigte Zweifel, die sich dann auch schnell bestätigen. Wer brachte den Mann um? Wusste er, wer Draco auf offener Bühne ermordet hat und musste deswegen sterben? Eve gräbt tiefer in der Vergangenheit des ersten Opfers und nach und nach kristallisiert sich eine Spur heraus. Doch ist sie überhaupt auf dem richtigen Weg, wo so viele Menschen einen Grund hatten, Richard Draco den Tod zu wünschen? Der 10. Band der Eve-Dallas-Reihe beginnt wenige Wochen nach dem Ende des 9. Bandes "Ein feuriger Verehrer". Ich muss gestehen, mittlerweile bin ich ernsthaft süchtig nach dieser Reihe. Wie bereits in den vorangegangen Bänden sind auch hier die Protagonisten wieder wundervoll facettenreich ausgearbeitet. Mittlerweile weiß der Leser, welche Figur welche Macken und Marotten hat und ich freue mich immer wieder, wenn Peabody von ihrem Heißhunger befallen wird, McNab in Peabodys Nähe förmlich stumm wie ein Fisch wird, Eve nur so vor Sarkasmus sprüht und Roarke einfach nur verrückt nach seiner Frau ist. In diesem Band vermochte mich der er Schreibstil wieder ungemein zu fesseln, nur zu gerne bin ich Eve auf der Suche nach dem Täter gefolgt.

Band 10
von Blacky am 07.07.2010
Bewertet: eBook (ePUB)

Beschreibung: Als bei der Premiere seines neuen Stücks ein berühmter Bühnenschauspieler direkt vor ihren Augen ermordet wird, findet sich Lieutenant Eve Dallas in einer neuen Rolle wieder: Sie ist zugleich Augenzeugin - und ermittelnde Beamtin. Denn natürlich setzt Eve alles daran, diesen Fall besonders schnell zu lösen. Gehört... Beschreibung: Als bei der Premiere seines neuen Stücks ein berühmter Bühnenschauspieler direkt vor ihren Augen ermordet wird, findet sich Lieutenant Eve Dallas in einer neuen Rolle wieder: Sie ist zugleich Augenzeugin - und ermittelnde Beamtin. Denn natürlich setzt Eve alles daran, diesen Fall besonders schnell zu lösen. Gehört das Theater doch schließlich ihrem Mann, dem geheimnisumwitterten irischen Geschäftsmann Roarke. Aber jeder von Eves Verdächtigen ist ein exzellenter Schauspieler, der für ein bißchen Scheinwerferlicht alles tut. Bald fragt sich Eve nicht mehr, wer lügt - sondern nur noch, wer die Wahrheit sprich Genial inszeniert. Eve löst natürlich auch diesen Fall, intensiv unterstützt durch ihren Mann, dem an der Lösung fast noch mehr liegt , als ihr selbst, da er perönlich betroffen ist Die Eve Dallas-Romane sind eine gelungene Mischung aus Krimi, Liebesroman und Sience fiction. Eine atemberaubende Kombination Die Reihenfolge der "Eve Dallas"-Romane: 1 Rendezvous mit einem Mörder - 2 Tödliche Küsse 3 Eine mörderische Hochzeit 4 Bis in den Tod 5 Der Kuss des Killers 6 Mord ist Ihre Leidenschaft 7 Liebesnacht mit einem Mörder >> Mitternachtsmord - ( in Mörderspiele) 8 Der Tod ist mein 9 Ein feuriger Verehrer 10 Spiel mit dem Mörder 11 Sündige Rache 12 Symphonie des Todes >> Mörderspiele - ( in Mörderspiele) 13 Das Lächeln des Killers 14 Einladung zum Mord 15 Tödliche Unschuld 16 Der Hauch des Bösen 17 Das Herz des Mörders >> Ein gefährliches Geschenk 18 Im Tod vereint 19 Tanz mit dem Tod 20 In den Armen der Nacht 21 Stich ins Herz 22 Stirb, Schätzchen, Stirb >> Geisterstunde - ( in Möderspiele) 23 In Liebe und Tod 24 Sanft kommt der Tod

nicht ganz so gut wie sonst
von Barbara aus Wien am 22.10.2008

Ich liebe alle Eve Dallas Bücher. Der Humor ist genial und die Geschichten sind auch immer extrem spannend bis zum Schluss. Leider hat mir dieses Buch nicht ganz so gut gefallen wie die anderen, aber ich habe es dennoch mittlerweile schon drei Mal verschlungen!