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Blüte der Tage / Garten Eden - Trilogie Bd. 1

Roman. Deutsche Erstausg. Ausgezeichnet mit dem Quill Book Award

Garten Eden - Trilogie Band 1

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Taschenbuch
Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes findet die junge Stella Rothchild für sich und ihre zwei kleinen Söhne bei Roz Harper ein neues Zuhause. Stella geht ganz in ihrer Aufgabe als Kindergärtnerin auf und auch mit Roz verbindet sie bald eine enge Freundschaft. Das Glück scheint perfekt, als Stella Logan begegnet. Bis zu dem Tag, an dem der Schatten einer unbekannten Frau die junge Liebe von Stella und Logan zu zerstören droht.
Portrait
Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J. D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.
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  • PROLOG

    Memphis, Tennessee, August 1892

    Ein Bastard war in ihren Plänen nicht vorgesehen. Als sie erfuhr, dass sie das Kind ihres Liebhabers in sich trug, verwandelten sich der Schock und die Panik rasch in blanke Wut.
    Es gab natürlich Mittel und Wege, das Problem zu lösen. Eine Frau in ihrer Position verfügte über Kontakte, Möglichkeiten. Doch sie schreckte davor zurück, fürchtete die Engelmacher fast genauso wie dieses wachsende, unerwünschte Etwas in ihr.
    Die Geliebte eines Mannes wie Reginald Harper konnte sich eine Schwangerschaft nicht leisten.
    Er hielt sie nun seit nahezu zwei Jahren aus und zeigte sich dabei sehr großzügig. Oh, sie wusste, dass es auch noch andere Frauen gab – einschließlich seiner Gattin –, doch das kümmerte sie nicht.
    Sie war noch jung. Und sie war schön. Jugend und Schönheit ließen sich gut verkaufen. Sie hatte das beinahe zehn Jahre lang getan, mit klarem Verstand und stählernem Herzen. Sie hatte sich Anmut und Charme angeeignet, indem sie jahrelang die feinen Damen beobachtet und nachgeahmt hatte, die in dem Herrenhaus am Fluss, wo ihre Mutter arbeitete, ein- und ausgegangen waren.
    Sie hatte auch etwas Bildung genossen. Gleichwohl wusste sie weniger über die schönen Künste als über die Kunst der Verführung.
    Zum ersten Mal hatte sie sich im Alter von fünfzehn Jahren verkauft und sich mit dem Geld auch Erfahrung erworben. Doch Prostitution war nicht ihr Ziel, genauso wenig wie ein eintöniges Leben als Hausfrau oder Fabrikarbeiterin. Sie kannte den Unterschied zwischen einer Hure und einer Geliebten. Eine Hure tauschte schnellen, kalten Sex gegen eine Hand voll Münzen ein und war aus dem Gedächtnis des Mannes bereits gelöscht, noch ehe er seinen Hosenlatz wieder zugeknöpft hatte.
    Eine Geliebte hingegen – zumindest eine kluge und erfolgreiche – bot auch Romantik, Bildung, Gespräche und Vergnügen. Sie war eine Gefährtin, eine Klagemauer, eine sexuelle Fantasie. Eine talentierte Geliebte verstand es, nichts zu fordern und sehr viel zu erhalten.
    Amelia Ellen Conner hatte Talent – und ehrgeizige Ziele. Die meisten hatte sie auch erreicht.
    Sie hatte sich Reginald sorgfältig ausgesucht. Er war weder attraktiv noch geistreich. Dafür war er, wie ihre Nachforschungen bestätigt hatten, sehr reich und seiner dünnen, ehrbaren Gattin, die über das Harper-Anwesen herrschte, sehr untreu.
    Eine seiner Geliebten lebte in Natchez und angeblich eine weitere in New Orleans. Da er sich mühelos noch eine Geliebte leisten konnte, hatte Amelia die Netze nach ihm ausgeworfen – ihn gelockt und erobert.
    Mit vierundzwanzig Jahren lebte sie in einem hübschen Haus in der South Main und verfügte über drei Dienstboten. Ihr Schrank war mit schönen Kleidern gefüllt und ihr Schmuckkästchen mit glitzerndem Geschmeide.
    Gut, sie wurde von den feinen Damen, die sie einst so beneidet hatte, nicht empfangen, dafür gab es eine mondäne Halbwelt, wo eine Frau ihrer Stellung willkommen war. Und wo man sie beneidete.
    Sie veranstaltete rauschende Partys. Sie reiste. Sie lebte.
    Doch ein Jahr, nachdem Reginald sie in diesem hübschen Haus untergebracht hatte, stürzte ihre klug und geschickt aufgebaute Welt plötzlich ein.
    Sie wollte es vor ihm verbergen, bis sie den Mut gefunden hätte, in den Rotlichtbezirk zu gehen und der Sache ein Ende zu setzen. Doch dann ertappte er sie dabei, wie sie sich erbrach, und musterte mit diesen dunklen, scharf blickenden Augen prüfend ihr Gesicht.
    Und wusste Bescheid.
    Er war nicht nur erfreut, sondern verbot ihr sogar, die Schwangerschaft abzubrechen. Und zur Feier des Ereignisses kaufte er ihr eine Saphirkette.
    Sie hatte das Kind nicht gewollt, aber er wollte es.
    Also begann sie zu überlegen, wie sie das Kind zu ihrem Vorteil einsetzen könnte. Als die Mutter von Reginald Harpers Kind – ob Bastard oder nicht – würde sie bis an ihr Lebensende versorgt sein. Wenn ihre Jugend verwelken und die Schönheit schwinden würde, würde er vielleicht das Interesse an ihr verlieren, das Kind und sie aber dennoch weiterhin unterstützen.
    Seine Gattin hatte ihm keinen Sohn geschenkt. Doch vielleicht würde sie ihm einen Sohn gebären.
    Und so plante sie ihre Zukunft, während der Winter verging und der Frühling ins Land zog.
    Dann geschah etwas Seltsames. Das Kind begann sich zu bewegen. Streckte sich, boxte, trat verspielt gegen ihren Bauch. Das Kind, das sie nicht gewollt hatte, wurde plötzlich ihr Kind.
    Es wuchs in ihr wie eine Blume, die nur sie allein sehen und fühlen konnte. Die nur sie allein kannte. Und je größer es wurde, desto größer und heftiger wurde ihre Liebe.
    In der schwülen stickigen Sommerhitze blühte sie auf, und zum ersten Mal in ihrem Leben erfuhr sie eine leidenschaftliche, glühende Liebe für ein anderes Wesen.
    Das Kind, ihr Sohn, brauchte sie. Sie würde ihn mit all ihrer Kraft beschützen.
    Die Hände fürsorglich über ihren runden Bauch gelegt, überwachte sie die Einrichtung des Kinderzimmers. Hellgrüne Wände und weiße Spitzengardinen; ein aus Paris importiertes Schaukelpferd, eine kunstvoll geschnitzte Wiege aus Italien.
    Sie ordnete die winzigen Hemdchen und Höschen in den kleinen Kleiderschrank ein. Irische und bretonische Spitze, französische Seide. Alles mit Monogrammen bestickt, den drei Anfangsbuchstaben des Babys, das James Reginald Conner heißen sollte.
    Sie würde einen Sohn haben. Ein Kind, das ein Teil von ihr war. Endlich jemand, den sie lieben konnte. Sie würden zusammen reisen, sie und ihr schöner Sohn. Sie würde ihm die Welt zeigen. Er würde die besten Schulen besuchen. Er würde ihr Stolz sein, ihre Freude. Was kümmerte es sie da, dass Reginald im Verlauf dieses schwülen Sommers immer seltener kam.
    Er war nur ein Mann. Der Mensch, der in ihr wuchs, war ein Sohn.
    Sie würde nie wieder allein sein.
    Als die ersten Wehen kamen, spürte sie keine Angst. Während dieser qualvollen Stunden hatte sie nur einen Gedanken: ihr Kind. Ihr James. Ihr Sohn.
    Ihre Augen brannten vor Erschöpfung, und die Hitze, ein lebendiges atmendes Ungeheuer, war beinahe schlimmer als der Schmerz.
    Sie bemerkte, wie der Arzt und die Hebamme Blicke austauschten. Finstere, ernste Blicke. Doch sie war jung, sie war gesund. Sie würde diese Prüfung bestehen.
    Es gab keine Zeit mehr; die Stunden verschmolzen ineinander im Schein der Gaslampe, die flackernde Schatten an die Wände warf. Durch ihre Erschöpfung hindurch vernahm sie einen dünnen Schrei.
    »Mein Sohn.« Tränen rannen über ihre Wangen. »Mein Sohn.«
    Die Hebamme strich ihr über das Haar und murmelte: »Bleiben Sie still liegen. Trinken Sie etwas. Ruhen Sie sich aus.«
    Sie nippte an einem Glas, um das Brennen in ihrer Kehle zu lindern, und schmeckte Laudanum. Ehe sie protestieren konnte, trieben ihre Gedanken ab. Weit weg.
    Als sie erwachte, war es düster im Raum; die Vorhänge waren zugezogen. Sofort stand der Arzt aus seinem Sessel auf, hob ihre Hand und prüfte den Puls.
    »Mein Sohn. Mein Baby. Ich möchte mein Baby sehen.«
    »Ich werde Ihnen einen Teller Brühe bringen lassen. Sie haben sehr lange geschlafen.«
    »Mein Sohn. Er muss hungrig sein. Bringen Sie ihn mir.«
    »Madam.« Der Arzt setzte sich auf die Bettkante. Er wirkte sehr bleich, sehr besorgt. »Es tut mir Leid. Das Kind war eine Totgeburt.«
    Etwas Monströses, Grausames umklammerte ihr Herz, durchbohrte es mit Krallen aus Schmerz und Angst. »Das ist eine Lüge! Ich habe ihn schreien hören. Warum quälen Sie mich so?«
    »Es hat nie geschrien.« Behutsam ergriff er ihre Hände. »Die Geburt war lang und schwer. Gegen Ende befanden Sie sich im Delirium. Es tut mir aufrichtig Leid, Madam. Sie haben ein totes Kind zur Welt gebracht. Es war ein Mädchen.«
    Sie wollte es nicht glauben. Sie schrie, tobte, weinte, wurde mit Laudanum ruhig gestellt, nur um beim Erwachen erneut zu schreien, zu toben und zu weinen.
    Erst hatte sie das Kind nicht gewollt. Und dann war es der Mittelpunkt ihres Lebens geworden.
    Ihr Kummer war namenlos und unermesslich.
    Er trieb sie in den Wahnsinn.

    1
    Southfield, Michigan, September 2001

    Sie hatte die Sahnesoße anbrennen lassen. Stella würde sich immer an dieses kleine, ärgerliche Detail erinnern, wie sie sich auch an das Donnergrollen des nahenden Gewitters und an das Gezanke ihrer Kinder, das aus dem Wohnzimmer zu ihr drang, erinnern würde.
    Ebenso an den beißenden Geruch, an das jähe Schrillen des Rauchmelders und an ihre mechanischen Handbewegungen, mit denen sie die Pfanne vom Herd genommen und ins Waschbecken gestellt hatte.
    Sie war keine begnadete, aber dennoch gute Köchin. Für dieses Willkommensmenü hatte sie »Huhn Alfredo« geplant, eines von Kevins Lieblingsgerichten. Dazu gab es Feldsalat, selbst gemachtes Pesto und frisches, knuspriges Weißbrot.
    In der ordentlichen Küche ihres hübschen Vorstadthauses hatte sie all ihre Zutaten bereitgestellt und das Kochbuch mit dem Plastikeinband auf einen Ständer gelegt.
    Über der frisch gewaschenen Hose und dem T-Shirt trug sie eine marineblaue Schürze, und die wilden roten Locken waren zu einem Pferdeschwanz gebunden, um sie aus dem Gesicht zu haben.
    Eigentlich hatte sie schon eher mit dem Kochen beginnen wollen, doch im Gartencenter, wo sie arbeitete, war die Hölle los gewesen. Sämtliche Herbstblumen waren reduziert worden, und bei dem warmen Wetter waren die Kunden in Scharen herbeigeströmt.
    Normalerweise machte ihr das nichts aus. Sie liebte ihre Arbeit als Geschäftsführerin der Gärtnerei. Es tat ihr gut, wieder berufstätig zu sein, inzwischen Vollzeit, da Gavin zur Schule ging und Luke alt genug für eine Spielgruppe war. Kaum zu glauben, dass Gavin bereits ein Schulkind war.
    Kevin und sie sollten sich etwas aktiver um ein drittes Kind bemühen. Vielleicht heute Abend, dachte sie lächelnd. Wenn die Willkommensfeier in die letzte und sehr private Phase eintreten würde.
    Als sie die Zutaten abwog, hörte sie nebenan ein Krachen und gleich darauf lautes Geheul. Ich muss masochistisch veranlagt sein, dachte sie, während sie alles stehen und liegen ließ und hinausstürmte. Wie kann ich an ein weiteres Baby denken, wenn mich meine zwei Söhne schon fast um den Verstand bringen?
    Sie betrat das Wohnzimmer, und da waren sie. Ihre kleinen Engel. Der blonde Gavin saß mit Unschuldsmiene, aber mutwillig funkelnden Augen da und ließ zwei Matchboxautos zusammenstoßen, während Luke, der von ihr den roten Lockenschopf geerbt hatte, brüllend vor seinen verstreut herumliegenden Holzklötzchen stand.
    Auch ohne nachzufragen, wusste sie sofort, was geschehen war. Luke hatte gebaut; Gavin hatte zerstört.
    Das war in diesem Haus eine Art Gesetzmäßigkeit.
    »Gavin. Warum?« Sie hob Luke hoch und klopfte ihm beruhigend auf den Rücken. »Ist gut, Schatz. Du kannst etwas Neues bauen.«
    »Will mein Haus! Mein Haus!«
    »Es war ein Unfall«, behauptete Gavin, doch das verräterische Funkeln blieb in seinen Augen und hätte Stella fast ein Lachen entlockt. »Das Auto hat es umgefahren.«
    »Das glaube ich dir gern – nachdem du mit dem Auto auf das Haus gezielt hast. Warum kannst du nicht brav spielen? Er hat dich doch nicht gestört.«
    »Ich habe gespielt. Er ist nur ein Baby.«
    »Das ist richtig.« Unter ihrem eindringlichen Blick schlug Gavin die Augen nieder. »Und wenn du dich ebenfalls wie ein Baby benehmen willst, so kannst du das in deinem Zimmer tun. Allein.«
    »Es war ein dummes Haus.«
    »Nei-hein! Mom.« Luke legte die kleinen Hände um ihr Gesicht und sah sie mit riesigen, von Tränen überfließenden Augen an. »Es war schön.«
    »Ich bin mir sicher, du kannst sogar ein noch schöneres bauen. Gut? Gavin, lass ihn in Ruhe. Ich meine es ernst. Ich bin in der Küche beschäftigt, und Daddy kommt bald nach Hause. Oder willst du gleich an Daddys erstem Tag bestraft werden?«
    »Nein. Aber ich weiß nicht, was ich spielen soll.«
    »Du Armer. Wirklich ein Jammer, dass du keine Spielsachen hast.« Sie setzte Luke ab. »Bau dir ein neues Haus, Luke. Und du ärgerst ihn nicht, Gavin. Wenn ich noch einmal hereinkommen muss, werde ich nicht so freundlich sein.«
    »Ich möchte rausgehen!«, maulte Gavin.
    »Bei dem Regen geht das nicht. Wir müssen alle drinnen bleiben, also benimm dich.«
    Gereizt kehrte sie zu ihrem Kochbuch zurück und versuchte, wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Automatisch schaltete sie den Küchenfernseher an. Gott, sie vermisste Kevin. Die Jungen waren den ganzen Nachmittag über quengelig gewesen, und sie fühlte sich erschöpft und ausgelaugt. In den vier Tagen ohne Kevin hatte sie sich wie eine Irre abgestrampelt und sich um das Haus, die Jungen und ihren Job gekümmert.
    Wenn Kevin zu Hause war, half er im Haushalt mit, beteiligte sich an der Erziehung ihrer Söhne und spielte mit ihnen. Wäre er jetzt hier, könnte er mit den Jungen spielen – und ihre Streitigkeiten schlichten –, während sie kochte.
    Oder besser noch, er würde kochen und sie mit den Jungen spielen.
    Sie vermisste seinen Geruch, wenn er hinter sie trat, sich zu ihr hinunterbeugte und seine Wange an ihrer Wange rieb. Sie vermisste es, sich nachts im Bett an ihn zu schmiegen und im Dunkeln über Zukunftspläne zu reden oder über irgendeinen Streich oder eine neue Wortschöpfung der Jungen zu lachen.
    Herrgott, mahnte sie sich. Man könnte meinen, er sei vier Jahre und nicht nur vier Tage fort gewesen.
    Während sie die Sahnesoße umrührte und aus dem Fenster in das stürmische Treiben hinausblickte, hörte sie mit halbem Ohr zu, wie Gavin seinen Bruder zu überreden versuchte, einen Wolkenkratzer zu bauen, den sie dann beide umwerfen könnten.
    Nach seiner Beförderung würde Kevin nicht mehr so häufig unterwegs sein, überlegte sie. Bald, sehr bald. Er hatte hart gearbeitet und stand nun kurz davor. Das zusätzliche Geld könnten sie gut brauchen, vor allem, wenn sie noch ein Kind bekämen – diesmal vielleicht ein Mädchen.
    Dank der bevorstehenden Beförderung und ihrem Wiedereinstieg ins Berufsleben könnten sie nächsten Sommer mit den Jungen irgendwohin fahren. Vielleicht nach Disney World. Oh, das würde ihnen gefallen. Selbst wenn sie schwanger wäre, könnten sie das bewerkstelligen. Sie hatte im Lauf der Zeit etwas Geld für die Urlaubskasse gehortet – und auch für die Autokasse, um irgendwann einen neuen Wagen zu kaufen.
    Als sie die Jungen nebenan lachen hörte, entspannte sie sich wieder. In Wahrheit hatte sie keinen Grund zur Klage. Ihr Leben war vollkommen, genauso, wie sie es sich immer erträumt hatte. Sie war mit einem wunderbaren Mann verheiratet, in den sie sich gleich bei der ersten Begegnung Hals über Kopf verliebt hatte. Kevin Rothchild mit seinem zögernden, süßen Lächeln.
    Sie hatten zwei hübsche Söhne, ein schönes Haus in einer guten Gegend, erfüllende Berufe, gemeinsame Zukunftspläne. Und wenn sie sich liebten, herrschte immer noch dieselbe Leidenschaft wie am Anfang ihrer Beziehung.
    Lächelnd malte sie sich seine Reaktion aus, wenn sie heute Abend, sobald die Kinder im Bett wären, in die neue sexy Reizwäsche schlüpfen würde, die sie während seiner Abwesenheit erstanden hatte.
    Ein wenig Wein, Kerzenlicht und dann ...
    Als nebenan ein neuerliches Krachen ertönte, verdrehte sie die Augen. Diesmal folgte darauf jedoch kein Geheul, sondern begeisterter Jubel.
    »Mom! Mom!« Freudestrahlend kam Luke in die Küche gerannt. »Wir haben das ganze Hochhaus umgeschmissen. Kriegen wir Kekse?«
    »Nein, nicht so kurz vor dem Abendessen.«
    »Bitte, bitte, bitte, bitte!«
    Er zerrte an ihrer Hose, versuchte, an ihrem Bein hochzuklettern. Stella legte den Kochlöffel aus der Hand und schob Luke vom Herd weg. »Keine Kekse vor dem Abendessen, Luke.«
    »Wir verhungern!« Gavin stürmte herein, in jeder Hand ein Matchboxauto. »Wieso können wir nicht essen, wenn wir Hunger haben? Warum müssen wir überhaupt das doofe Hühnchen essen?«
    »Darum.« Als Kind hatte sie diese Antwort immer gehasst, doch inzwischen hatte sie deren praktischen Nutzen erkannt.
    »Wenn dein Vater nach Hause kommt, werden wir alle zusammen essen.« Sie hoffte nur, seine Maschine würde keine Verspätung haben. »Ihr könnt euch einen Apfel teilen.«
    Sie holte aus der Obstschüssel auf der Theke einen Apfel heraus und schnappte sich ein Messer.
    »Ich mag meinen Apfel geschält«, verlangte Gavin.
    »Dazu habe ich jetzt keine Zeit.« Mit energischen Bewegungen rührte sie die Soße um. »Außerdem ist die Schale gesund.«
    »Krieg ich was zu trinken?« Luke zerrte erneut an ihrer Hose. »Ich hab Durst.«
    »O Gott. Gebt mir fünf Minuten, gut? Fünf Minuten. Geht rüber und baut irgendetwas. Danach könnt ihr geschälte Apfelschnitze und Saft haben.«
    Ein tiefes Donnergrollen ertönte, was Gavin zum Anlass nahm, wie wild herumzuhüpfen und zu kreischen: »Erdbeben! Erdbeben!«
    »Das ist kein Erdbeben.«
    Mit ausgestreckten Armen lief er einmal im Kreis herum und rannte dann unter weiteren »Erdbeben!«-Rufen hinaus.
    Luke stürmte ihm nach und schrie gleichfalls: »Erdbeben! Erdbeben!«
    Stella presste die Hand an die Schläfen. Der Lärm war kaum auszuhalten, aber zumindest waren die beiden nun beschäftigt, und sie konnte sich wieder um das Essen kümmern.
    Sie ging an den Herd zurück und lauschte ohne großes Interesse den Kurznachrichten im Fernsehen.
    Die Meldung sickerte durch ihre Kopfschmerzen hindurch. Langsam drehte sie sich zu dem Fernsehgerät um.
    »Flugzeugabsturz auf dem Inlandflug von Lansing nach Detroit, Michigan. An Bord waren zehn Passagiere ...«
    Der Rührlöffel fiel ihr aus der Hand. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen.
    Kevin. Kevin.
    Die Kinder kreischten vor Schreck, als ein lauter Donnerschlag die Luft erzittern ließ. Stellas Welt zerfiel in Scherben, und sie sank ohnmächtig auf den Küchenboden.

    Sie kamen, um ihr mitzuteilen, dass Kevin tot sei. Fremde Menschen mit ernsten Mienen. Sie konnte es nicht verstehen, konnte es nicht glauben. Obwohl sie es in dem Moment gewusst hatte, als aus dem kleinen Küchenfernsehgerät die Stimme des Reporters an ihr Ohr gedrungen war.
    Kevin konnte nicht tot sein. Er war jung und gesund. Gleich würde er nach Hause kommen, und sie würden zusammen »Huhn Alfredo« essen.
    Die Soße hatte sie anbrennen lassen. Der Rauch hatte das Schrillen des Rauchmelders ausgelöst, und in dem hübschen Haus hatte nur noch Chaos geherrscht.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 496
Erscheinungsdatum 01.03.2005
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-453-40034-4
Verlag Heyne
Maße (L/B/H) 18,8/11,8/4 cm
Gewicht 403 g
Originaltitel Blue Dahlia - In the Garden
Übersetzer Evelin Sudakowa-Blasberg
Verkaufsrang 634
Buch (Taschenbuch)
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10,30
10,30
inkl. gesetzl. MwSt.
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zzgl. Versandkosten
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
12 Bewertungen
Übersicht
9
3
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von einer Kundin/einem Kunden am 21.07.2018
Bewertet: anderes Format

Zwischendurch mal wieder eine schöne Nora, liebe Lesefreunde! Von der Kollegin, die Nora auch so mag, empfohlen - und wurde nicht enttäuscht! Liebe, Erotik, Spannung, ein Geist!

von einer Kundin/einem Kunden am 15.07.2018
Bewertet: anderes Format

Wunderschöner Auftakt zu einer atemberaubenden Trilogie. Diese Reihe hat Suchtfaktor, dem ich nicht widerstehen kann. Einmal im Jahr wird sie aus dem Regal geholt und durchgelesen!

War wieder mal toll
von einer Kundin/einem Kunden aus Gaimberg am 03.07.2017
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Nachdem ich schon ziemlich einige Bücher von Nora Roberts gelesen habe kann ich nur sagen, dass es sich wieder mal gelohnt hat dieses Buch zu kaufen. Spannend und doch entspannend, von Herzen und zu Herzen gehend, nicht zu wirklichkeitsfremd um damit umgehen zu können. Bravo, weiter so!!!!!!!!!!