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Roman

(9)
Im Alter von 91 Jahren kommt der demente Witwer Johannes Kehr ins Pflegeheim. Nur: Seine Demenz ist vorgetäuscht. Im Heim hofft Kehr, seine Ruhe zu finden. Aber so einfach ist es nicht. Er beobachtet die schrulligen, nicht selten aggressiven Mitbewohner und die Nachlässigkeit der Pfleger. Seine vorgetäuschte Demenz nutzt er, um Desserts zu stehlen und Gehhilfen unliebsamer Nachbarn zu verstecken. Bald aber wird seine Schauspielerei anspruchsvoller; je vertrauter ihm das Heim wird, desto größer ist die Gefahr einer Enttarnung. Als zufällig seine Jugendliebe Annemarie auftaucht, flackert die alte Zuneigung erneut auf. Ein literarisch feinfühliges Debüt, beobachtungsstark und intensiv.
Portrait

Frédéric Zwicker, wurde 1983 in Lausanne geboren und wuchs in Rapperswil-Jona am Zürichsee auf, wo er heute wieder lebt. Während seines Studiums der Germanistik, Geschichte und Philosophie trat er regelmässig an Poetry Slams auf. 2006 gründete er mit dem Jazzmusiker Matthias Tschopp die Band Knuts Koffer, die seine Texte musikalisch umsetzt. Zwicker arbeitete als Werbetexter, Journalist, Pointenschreiber für die Satiresendung Giacobbo/Müller, als Moderator von Lesungen, Musiklehrer und Leiter von Literaturworkshops an Schulen. Während einer Afrikareise schrieb er für die Zeitung Südostschweiz den Blog "Zu Tee bei Mutter Afrika". Neben seinen Auftritten arbeitet Zwicker heute für die Kulturzeitschrift Saiten.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 160
Erscheinungsdatum 22.08.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-312-00999-2
Verlag Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag
Maße (L/B/H) 21,1/13,4/2 cm
Gewicht 277 g
Auflage 3. Auflage
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Kundenbewertungen

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Hinnehmen des Unvermeidlichen?
von einer Kundin/einem Kunden am 17.09.2018

Mit 91 Jahren entscheidet sich Johannes Kehr für ein Leben im Pflegeheim. Den Zeitpunkt selbst bestimmen zu können, das war ihm wichtig. Seine Scheindemenz ist Selbstschutz und Schauspielerei. Diese nutzt er, um sich Vorteile zu verschaffen und seine Mitbewohner zu beobachteten?. Authentische Beschreibungen von Alltagssituationen im Pflegeheim wechseln sich ab... Mit 91 Jahren entscheidet sich Johannes Kehr für ein Leben im Pflegeheim. Den Zeitpunkt selbst bestimmen zu können, das war ihm wichtig. Seine Scheindemenz ist Selbstschutz und Schauspielerei. Diese nutzt er, um sich Vorteile zu verschaffen und seine Mitbewohner zu beobachteten?. Authentische Beschreibungen von Alltagssituationen im Pflegeheim wechseln sich ab mit Kapiteln, in denen wir Herrn Kehr durch sein langes und erfülltes Leben begleiten. Ein Roman, der erst neugierig, dann traurig macht. Der tiefen Respekt für die Menschen, die pflegend tätig sind und allen, die sich in deren Obhut begeben, empfinden lässt. Der Autor leistete seinen Zivildienst in einem Pflegeheim und weiß sicherlich, wovon er schreibt.

Absolut lesenswert
von einer Kundin/einem Kunden aus Schänis SG am 07.10.2016

Der junge Autor weiss schon erstaunlich viel über das Leben. Die Geschichte von Herrn Kehr berührt von Anfang bis zum Schluss. Der Humor fehlt nicht. Sehr gute Gegenwartsliteratur zu aktuellem Thema.

Ein gelungenes Debüt, das zum nachdenken anregt
von Jashrin aus Bruchsal am 04.10.2016

Johannes Kehr hat inzwischen ein hohes Alter erreicht und geht mit 91 Jahren freiwillig in ein Altersheim. Zum einen möchte er niemandem, besonders nicht seiner Enkelin, zu Last fallen, zum anderen hofft er, dass er dort seine Ruhe haben wird. Aus diesem Grund täuscht er auch eine Demenz vor.... Johannes Kehr hat inzwischen ein hohes Alter erreicht und geht mit 91 Jahren freiwillig in ein Altersheim. Zum einen möchte er niemandem, besonders nicht seiner Enkelin, zu Last fallen, zum anderen hofft er, dass er dort seine Ruhe haben wird. Aus diesem Grund täuscht er auch eine Demenz vor. Auf dieser Weise braucht er sich um nichts zu kümmern, und wenn ihm irgendetwas nicht gefällt, dann hat er das leider vergessen. Er nutzt seine vorgetäuschte Demenz zum Beispiel dafür, sich auch mal einen zusätzlichen Nachtisch zu stibitzen oder er nimmt ganz aus Versehen die Gehhilfe einer anderen Bewohnerin mit – wenn diese dann den anderen eine Weile nicht auf die Nerven gehen kann, ist das doch nicht so schlimm, oder? Doch mit den Wochen wird es immer schwieriger den Schein zu wahren und als dann auch noch seine Jugendliebe Annemarie ins Heim kommt, fällt es ihm besonders schwer nicht mit ihr in alten Erinnerungen zu schwelgen. Wie lange kann er seine Mitmenschen täuschen? Oder täuscht er am Ende sich selber? Frédéric Zwicker greift in seinem Debütroman ein sensibles und auch aktuelles Thema auf. Wie geht es den Menschen in den Pflege- und Altersheimen? Was bestimmt ihr Leben und inwieweit können die Pflegekräfte auf den einzelnen eingehen? In einer Zeit, in der viele Menschen pflegebedürftig sind und oft händeringend nach genügend Personal gesucht wird, trifft der Autor dieses feinfühlig erzählten Buches den richtigen Ton und schafft es, dem Leser ganz unauffällig vielerlei Denkanstöße zu geben. Der Alltag im Pflegeheim wird authentisch beschrieben, mit einem ebenso genauen Blick wie ihn auch die Figur von Herrn Kehr hat: es geht um die Pflegekräfte, die nicht auf alles eingehen können und zum Teil auch nicht wollen, die Bewohner, die sich oft in hohem Alter noch einmal ganz umstellen müssen und in Ansätzen auch um die Familien, die einen Angehörigen im Heim besuchen. Die Erzählweise und vor allem die Worte, die der Autor Herrn Kehr in den Mund legt, sind teils zynisch und erscheinen in manchen Passagen fast menschenverachtend, doch für mich sind sie das keinesfalls. Frédéric Zwicker fängt meines Erachtens nach zwar teils schonungslos, doch niemals abwertend, die Realität in einem Pflegeheim ein. Viele Aspekte lassen sich einfach nicht Schönreden und man sollte es auch nicht krampfhaft versuchen. Das Buch dreht sich ausschließlich um Herrn Kehr. Die Perspektive wechselt immer wieder zwischen seinen Gedanken und Erinnerungen, aktuellen Situationen aus der Ich -Perspektive und Erzählungen aus Sicht eines neutralen Erzählers, der sich aber auch immer auf Situationen mit Herrn Kehr beschränkt. Die vielen kurzen Kapitel, manche nicht mal eine halbe Seite lang, erzählen eine eindringliche Geschichte und werfen - jedes für sich - neue Aspekte auf. So entsteht ein Mosaik von Herrn Kehrs bewegtem Leben. Sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart werden geschildert, jedoch nicht in chronologischer Reihenfolge. Gerade seine Gedanken springen hin und her auch seine Beweggründe ins Heim zu gehen werden erst nach und nach deutlicher. Seine Enkelin Sophie ist für ihn der wichtigste Mensch und wie er sagt, erzählt er seine Geschichte für sie. Neben seiner Familie und einigen anderen für ihn wichtigen Personen, gibt es auch viele Heimbewohner, die der Leser nach und nach kennenlernt. Sei es die eher unbeliebte und zickige Frau Tüsser, der schizophrene Herr Konrad oder auch Frau Hülster, die stets die eine, gleiche Geschichte erzählt. Alle haben ihre Eigenheiten, sind beliebt, schrullig, einsam oder überfordert. Vor allem der demente Herr Müller hat mich sehr berührt. Immer wieder steht er auf dem Flur, doch niemand nennt ihm die Zahlenkombination für die Stationstür und so steht er regelmäßig dort und versucht vergeblich hinauszukommen - bis ihn eine Pflegekraft wieder zurückbringt. Auch das Schicksal von Frau Fassbinder hat mich betroffen gemacht und wirft die Frage auf, ob es eigentlich eine Alternative zu den üblichen Pflegeheimen gibt, die nicht nur bezahlbar, sondern auch praktikabel ist. Mein Fazit: Durch die ständig wechselnde Perspektive war das Buch anfangs eine Herausforderung für mich, doch es hat sich gelohnt, sich darauf einzulassen. Ein sprachlich interessantes Buch, das sich auf eine ungewöhnliche Weise dem Thema Alter und Demenz nähert und dass mich letztlich voll und ganz überzeugen konnte. Ein gelungenes Debüt, das gut unterhält und seine Leser zum Nachdenken animiert.