Warenkorb
 

18% Rabatt auf Filme, Spiele & mehr**

Entartete Musik Willkommen in Deutschland - ein Gedenkkonzert CD+DVD

Rezension
Es steht außer Frage, dass die drei Konzerte der Toten Hosen gemeinsam mit dem Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf im Oktober 2013 einen guten Zweck erfüllten. Denn die Musiker führten Songs und Werke auf, die die Nationalsozialisten einst als "entartete Musik" gebrandmarkt hatten. Den Anfang macht die orchestrale "Sea Hawk Suite" von Erich Wolfgang Korngold aus dem Jahr 1940, danach betreten die Toten Hosen die Bühne und singen mit den "Moorsoldaten" einen nach wie berührend beklemmenden Song, den KZ-Häftlinge einst geschrieben hatten. Ein weiteres Element des Abends sind Rezitate, die eindrücklich die Stimmung jener dunklen Jahre wiedergeben. Zwischen diesen drei Komponenten pendelt die Dramaturgie des Abends, der dennoch nie an Stringenz verliert. Denn letztlich ordnen sich das Orchester und die Band dem Ziel unter, die Musik zu ehren, die damals für das bessere Deutschland stand. Zu Gehör kamen dabei unter anderem Lieder der Comedian Harmonists, Songs von Kurt Weill und Bert Brecht (etwa aus der "Dreigroschenoper" und "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny") und weitere zeitgenössische Stücke, die das Grauen jener Jahre eingefangen haben. Zudem spielen die Toten Hosen inhaltlich passende Songs aus ihrem eigenen Katalog wie etwa das titelgebende "Willkommen in Deutschland", "Sascha, ein aufrechter Deutscher", "Europa" oder "Ballast der Republik". Sie verdeutlichen damit, dass der Kampf gegen Rechts immer noch ein aktuelles Thema ist. Neben dem moralischen und pädagogischen Anspruch begeistert der Mitschnitt jedoch auch musikalisch. Denn dem Orchester, der verhalten auftretenden Rockband und Sänger Campino gelingen spannende Neuinterpretationen, die die subversive Kraft der alten Lieder mit neuem Leben erfüllen und die neuen Songs würdevoll in den Kontext einbetten. Dietmar Schwenger (Quelle/Copyright: G+J Entertainment Media)
… weiterlesen
In den Warenkorb

Beschreibung

Produktdetails


Medium CD & DVD
Anzahl 3
FSK Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum 30.10.2015
EAN 0652450150202
Genre Deutschrock/Progressiv
Hersteller Warner Music
Komponist Sinfonieorch. Der R. Schumann Hochschule&Toten Hosen
Musik (CD & DVD)
Musik (CD & DVD)
14,99
14,99
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
zzgl. Versandkosten
Versandfertig in 4 - 6 Tagen, Kostenlose Lieferung ab 30 € Einkaufswert, Versandkostenfrei für Bonuscard-Kunden
Versandfertig in 4 - 6 Tagen
Kostenlose Lieferung ab 30 € Einkaufswert
Versandkostenfrei für Bonuscard-Kunden
In den Warenkorb
Ihr Feedback zur Seite
Haben Sie alle relevanten Informationen erhalten?
Vielen Dank für Ihr Feedback!
Entschuldigung, beim Absenden Ihres Feedbacks ist ein Fehler passiert. Bitte versuchen Sie es erneut.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
1 Bewertung
Übersicht
0
1
0
0
0

Die Toten Hosen zum Nachdenken und anhören
von Literaturlounge eu aus Gießen am 26.02.2018

„Willkommen in Deutschland – Ein Gedenkkonzert" Das Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule und die Toten Hosen spielen „Entartete Musik“ Die Rezension einer Musik-CD – gehört das in die Literatur-Lounge? Ja! Literatur und Musik sind eng miteinander verbundene Kustformen. Lieder haben Texte und diese sind eine Form von Literatur. Ich sehe jetzt... „Willkommen in Deutschland – Ein Gedenkkonzert" Das Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule und die Toten Hosen spielen „Entartete Musik“ Die Rezension einer Musik-CD – gehört das in die Literatur-Lounge? Ja! Literatur und Musik sind eng miteinander verbundene Kustformen. Lieder haben Texte und diese sind eine Form von Literatur. Ich sehe jetzt zwar im Geiste Deutschlehrer die Augen verdrehen, aber so manches Gedicht wurde ja auch vertont. Als ich die CD kaufte, faszinierte mich der Gedanke wie passen Punk-Rock und Sinfonisches Orchester zusammen. Es gab ja schon einige Rock-Bands, die mit einem Orchester gearbeitet haben, warum also nicht diese Konstellation. Der Anlass dieser CD ist bedrückend, aber das Ergebnis umwerfend. Das Nazi-Regime hatte bekanntermaßen Probleme mit allem was nicht in ihr Weltbild passte und nicht ruhig war. Künstler waren oft beides. Somit erklärten die Nazis verschiedene Künstler zu unerwünschten Personen, erteilten Berufsverbote, verbrannten Bücher und erklärten Musik als „entartet“. Was war das aber für Musik? Neben Musik von Juden (Comedian Harmonists) oder Swing, weil dieser seine Wurzeln im Blues der Farbigen Amerikas hat, war auch die Zwölftonmusik Schönbergs auf der Blacklist. Dem unbedarften Zuhörer mag diese letztere Art von moderner Musik durchaus schräg und ohne jede Logik vorkommen, allerdings folgt sie äußerst strengen Regeln, die denen von Bach und Beethoven in nichts nachstehen. Ich muss zugeben, dass ich sie auch nie verstanden habe. Sie ist für unser harmoniegewohntes Gehör ungewohnt. Aber die Einleitung zu Schönbergs „A Survivor from Warsaw op.46“ hat mir einen ungeahnten Zugang gewährt. Aus dem, was die Komponisten dieser Musikrichtung erlebt haben, mussten die Werke so atonal sein. Ihre Welt war ebenso unharmonisch. Das Erste Stück steht dazu im völligen Kontrast. „The Sea Hawk – Suite“ von Erich Wolfgang Korngold ist ein bombastisches Werk, welches direkt Assoziationen mit monumentalen Kinofilmen Hollywoods auslöst. Dies ist auch ganz richtig. In den 30er Jahren emigriert, schrieb er 1940 dieses Stück für den gleichnamigen Film, der in Deutschland unter dem Titel „Herr der sieben Meere“ mit Erol Flynn bekannt wurde. Wunderbare Musik! Der einzige „Fehler“ des Komponisten war, dass er Jude war. Das zweite Stück der CD ließ bei mir eher negative Erinnerungen an den Musikunterricht hochkommen. Wir mussten die „Moorsoldaten“ singen, uns war aber eher der Sinn nach „Bacardi Feeling“ und dem „Altbierlied“. Heute denke ich, wir waren einfach noch zu jung. Diese Version von den Toten Hosen und dem Sinfonieorchester möchte ich jedem Musiklehrer ans Herz legen. Sie lässt einem wirklich die Gänsehaut über den Rücken laufen und weckt die Gefühle von Grauen, die bei einer einzelnen Stimme am Klavier nicht rüber kommen und wie ich denke auch beabsichtigt waren. Ein weiteres Stück, das mich fast noch mehr faszinierte, ist Campino’s Vertonung eines Gedichts von Erich Kästner „Stimmen aus dem Massengrab“. Letzteren kennen viele eher als Kinderbuchautor, aber er war durch seine kritischen Werke auch Persona non grata zur Nazi-Zeit. Sollte gerade die Befürchtung aufkommen, dass diese Doppel-CD extrem schwere Kost sein könnte und so gar nichts Gewohntes von den Toten Hosen enthält, so möchte ich kurz Entwarnung geben. Auf der zweiten CD treffen wir auf gute, alte Bekannte wie Sascha, der sich immer noch für einen aufrechten Deutschen hält, wir schlagen drei Kreuze, dass wir hier sind und werfen den Ballast der Republik ab – oder auch nicht. Auch wenn viele Menschen sagen, Willkommen in Deutschland, so haben leider auch über zwanzig Jahre nach Veröffentlichung von Sascha es manche Menschen immer noch nicht kapiert.