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Faust

Texte und Kommentare

Von grassierender"Belehrungswuth" schrieb Nietzsche vor 130 Jahren in den "Unzeitgemäßen Betrachtungen". Aus heutiger Sicht führt Belehrungswut zu Kulturverschleiß in zwei Richtungen. Die Inhalte, die für die Belehrung zugerichtet werden, verlieren rasch an Widerständigkeit und an dem, was Illich "die rätselhafte Sinnlichkeit" der Umwelt nannte. Sie verflüchtigen sich leicht zu homogen gemachtem Lehrstoff oder zu Rohmaterial einer äußerlich angeturnten Animierdidaktik. Außerdem befördert Belehrungswut den Verschleiß menschlicher Lern-Potenziale und Ansprechbarkeiten. Die Erledigungshast unter dem Druck des Viel-zu-vielen deformiert allenthalben menschliches Lernen. Eine von Konkurrenzpanik befallene Bildungspolitik und Bildungsverwaltung tut das Ihre, Schule und Universität auf Trab zu bringen: Vom Turbo-Abitur und vom Rohstoff Intelligenz ist da schon ohne Scham die Rede. Unter einem Hagel von Erlassen ducken sich allenthalben die Lehrenden und Lernenden. Der Wortschwall von Innovation, Kreativität und Exzellenz tönt immer leerer.
Das vorliegende Buch schärft an Einzelheiten den Blick für Erscheinungsformen der Belehrungswut und für Spuren von Alternativen. Wie können pädagogische Aufmerksamkeiten gegen den Strom der Belehrungswut aussehen? Inhalt Auftakt: Diesseits der Belehrungswut? Zu den folgenden Etüden einer pädagogischen Aufmerksamkeit
I. Sinnentrubel, Sozialtrubel und die Suche nach Wirklichkeit
Didaktik - ein ziemlich verachtetes Geschäft?
Nach dem Tod Gottes? - Ein Bruchstück aus einer Lehrveranstaltung
Sinnentrubel, Lebensweltbezug, Subjektivierung - ausgelaugt?
Wortverschleiß und eine Gegendrift - Christa Wolf
Demokratisierte Schule und der Sog des Sozialtrubels?
II. Bildungsfassaden vor Trümmerlandschaften
Betreffbarkeit und Schnellinformation
Amputierte Schulwege - amputierte Annäherungen
Schule, die Spaß macht - der letzte Schrei?
Hochstapelei - eine gern vergessene Schulkrankheit
Lernenlernen oder das Denken gleicht einer Wurstmaschine
Turbo-Reife
Dadadidaktische Retortensprache
Bildungsfassaden vor Trümmerlandschaften
Zweifel an pädagogischen Harmonisierungen - G. Steiner
Literarischer Analphabetismus? Eine Klagemauer im Zwielicht
III. Lernen, sich auf etwas einzulassen
Zweierlei Weltumgang - nach einem Kolloquium "Was können Pädagogen von Künstlern lernen?"
Kinderdinge
Kopienverweigerung - Skandal oder Signal?
"Ganz wenig Text und ganz viel Denkanstrengung ..."
Erinnerndes Lesen - Handke und die Slowenen in Kärnten
Anwesend werden - auf Spuren der Feldenkrais-Methode
W. v. Humboldt und die Vertreibung der Schatten
Der ehrwürdige Zustand des Stammelns - M. Wagenschein, H. v. Kleist
IV. Verformte Nachdenklichkeit? - PISA-Leistungen im Zwielicht
PISA-Leistungen - denaturiertes Nachdenken?
Belehrungswut - Bewertungswut
Diagnostische Kompetenz?
Erziehungspraktiker - durch die PISA-Wissenschaft entmündigt?
V. Abgetötete und wiederbelebte Vergangenheiten
Dachau, 29.4.1945 - Zwei kontrastierende Lehrszenen und ein Dia
Dinge imprägnieren das Erleben der Welt - der Tisch im Kinderzimmer
Eine Initiative gegen die Abtötung der Erinnerungsphantasie
NS-Geschichte - zwischen Belehrungsmaschinerie und unverbindlichem Angebot?
Vergangenheit - von Belehrung zu Konfrontation
Kulturbruch und Ressource Ernst - Eine Erinnerung
Katholische Kindheit zwischen Nazikram und Krieg - Kurt Flasch
Auschwitz ist nicht zu vereinnahmen
Antigone - Schulunterricht und Totengedenken
VI. Das Lehren lernen? Welches Lehren?
Exerzier-Ritual Gruppenunterricht. Ein Beispiel
Unterrichtsgarantie und die neuen Hilfsschulen
Das Wissen des Nichtwissens lehren - wo und wie lernt man das?
Mathematik, Theater, Lehrerbildung
Was macht Lehrer kaputt?
Die Wut auf die Räte vom Grünen Tisch
Lehrerwerden, Lehrerlernen oder: die Tücken der Lehrer-Professionalisierung
Staunkraft - Lehren als eine bestimmte Art, Wissen zu vergessen
VII. Reformer und Aufgeklärte - oder: Schwärmer und Wissende. Über Pädagogen-Differenzen
Der Pädagoge (P) und der Aufgeklärte (A) - ein ausgedachtes Gespräch
Eine Luhmann- und eine Adorno-Schule - zwei imaginäre Schulprogramme
Erziehungswissenschaft auf dem hohen Ross. Oder: Was wissen Eltern und Journalisten schon von Erziehung?
Entspannte Lehr-Lernverhältnisse und ihr Preis
VIII. Verstopfte Gehirne und ausgelaugtes Sprechen
Hirnforschung auf der Suche nach pädagogischer Bedeutung
Info-Stress? Zwei Lesarten
Ausgelaugte Sprache und ihr Gegenteil
IX. Erinnerung an die Musen und an Kinderaufmerksamkeiten
Ästhetisches Lernen - Erinnerung an die Musen, an Sokrates, an Hölderlin
Wenn der Wind des Ungewissen durch die Ereignisse weht - Was fasziniert wen am neuen Theater?
Dingwahrnehmung und Ausdruckswahrnehmung - zwei Weltaspekte
Kind und Sache - Sachlichkeit 1 und Sachlichkeit 2
DRAuRiK
In der Schule des Theaters: sich einlassen auf extreme Herausforderungen - Claudel - Ruzicka
Heißklebeschnüre und ästhetische Aufmerksamkeiten
Oscar macht nicht mehr mit - auch Marie und der Vierjährige nicht
X. Bildungswaren - Bildungszwänge - Bildungsrennbahnen
Die Wiederkehr der Lernziel-Euphorie und das verstümmelte Lernen
Bildungswaren in der Marktgesellschaft
Naturwissenschaften auf Reklametour
Lernzwang als Neugiervernichtung? - Ulrich Oevermann
Die Wut des Verstehens, die Problemlösekompetenzen und die rätselhaft bleibende Welt
XI. Auf der Suche nach einer neuen Bescheidenheit
Rebarbarisierung oder die Niederwerfung der Gebrechlichkeit
Die überanstrengte Pädagogik und der Vorschlag, sich etwas bescheidener zu geben
Ein Plädoyer für Dankbarkeit in der Erziehung
Portrait
Johann Wolfgang Goethe, am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren, absolvierte ein Jurastudium und trat dann in den Regierungsdienst am Hof von Weimar ein. 1773 veröffentlichte er Götz von Berlichingen (anonym) und 1774 Die Leiden des jungen Werthers. Es folgte eine Vielzahl weiterer Veröffentlichungen, zu den berühmtesten zählen Italienische Reise (1816/1817), Wilhelm Meisters Lehrjahre (1798) und Faust (1808). Johann Wolfgang Goethe starb am 22. März 1832 in Weimar.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Herausgeber Albrecht Schöne
Seitenzahl 1989
Erscheinungsdatum 18.08.2003
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-458-17165-2
Verlag Insel Verlag
Maße (L/B/H) 19,5/12,2/7,4 cm
Gewicht 1310 g
Auflage 5. durchges. u. erg. Auflage
Buch (gebundene Ausgabe)
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51,30
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Buchhändler-Empfehlungen

Das Wissen um das Wissen des Nichtswissens und die Tragik die dahinter steht.

Fabian Greiter, Thalia-Buchhandlung Linz

Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, Und leider auch Theologie Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh' ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor! Heiße Magister, heiße Doktor gar, Und ziehe schon an die zehen Jahr' Herauf, herab und quer und krumm Meine Schüler an der Nase herum - Und sehe, daß wir nichts wissen können! Wir alle wissen, dass wir im Grunde nichts wissen. Wohin uns solch tragische Einsicht führen kann zeigt Goethe in seinem großartigen Klassiker. Absolut empfehlenswert!

Kundenbewertungen

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Mein Ruh ist hin, mein Herz ist schwer; Ich find sie nimmer und nimmermehr.
von Alexandra Auer aus Baden bei Wien am 24.01.2012
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Doktor Heinrich Faust kämpft mit sich. Was bringt einem all das Wissen als Gelehrter, wenn man doch nichts weiß und das Leben nicht genießen kann? Sodann schließt er einen Pakt mit dem Teufel, Mephistopheles, der ihm verspricht ihn von seinem Elend zu befreien. Faust ist aus gutem Grund ein Meisterwerk und ein wichtiger Bestandt... Doktor Heinrich Faust kämpft mit sich. Was bringt einem all das Wissen als Gelehrter, wenn man doch nichts weiß und das Leben nicht genießen kann? Sodann schließt er einen Pakt mit dem Teufel, Mephistopheles, der ihm verspricht ihn von seinem Elend zu befreien. Faust ist aus gutem Grund ein Meisterwerk und ein wichtiger Bestandteil (wenn nicht der wichtigste!) der Weltliteratur. Goethe hat es geschafft sein Leid in etwas Magisches zu verwandeln. Famos!

FAUST
von Alex am 15.06.2010
Bewertet: Einband: Taschenbuch

"Faust" ist ein Muss! Ich denke, dass man nicht mehr sagen sollte. Aktueller als man denkt und gleichzeitig angenehm unaktuell- wenn Sie verstehen, was ich meine...

Weltliteratur
von einer Kundin/einem Kunden am 08.02.2010
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Wer "Faust" einmal gelesen hat, wird verstehen, dass jede Beschreibung trotz Allem unwürdig wäre. Ich lese es immer wieder und bin jedes Mal aufs Neue hin und weg. Mein Rat: einfach lesen!