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Die Tochter des Malers

Roman

Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe Band 2

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Klappenbroschur
Ein Roman wie ein Gemälde von Marc Chagall: voller Poesie, Träume und Liebe

Paris, 1935: Ida ist die behütete Tochter des Ausnahmekünstlers Marc Chagall und eines seiner Lieblingsmotive. Als sie sich in den Studenten Michel verliebt, steht die innige Beziehung zu ihrem Vater auf dem Spiel. Dann wird Frankreich von den Deutschen besetzt, und ihrer Familie droht tödliche Gefahr, was Chagall jedoch in blinder Hingabe an seine Kunst verleugnet. Schon bald muss Ida sich entscheiden – zwischen ihrem eigenen Lebensweg und der Rettung ihres Vaters.

Bewegend, mitreißend, voller Tragik – und eine wahre Geschichte
Rezension
" Basierend auf Tatsachen, sehr detailreich und poetisch erzählt. " Thomas Kunze HÖRZU 20150925
Portrait
Gloria Goldreich ist die von der Kritik hochgelobte Autorin zahlreicher Erzählungen, Kinder- und Jugendbücher sowie mehrerer Romane. Ihr Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. Sie ist die Mutter dreier Kinder und lebt mit ihrem Mann in Tuckahoe, New York.
… weiterlesen
  • Artikelbild-0
  • 1. Kapitel


    Ein Grauen erfasst sie, das sie nicht benennen kann, doch sie befindet sich in Gefahr, dessen ist sie gewiss. Ihr Atem kommt stoßweise, schwer. Sie läuft, sie rennt. Die Metallplättchen an den Absätzen ihrer Lacklederschuhe klackern auf dem Kopfsteinpflaster, und ihr Herz schlägt wild, als hätte es Mühe, mit ihrem verzweifelten Tempo mitzuhalten. Ihre Eltern packen sie an den Händen – Mutters scharfe Nägel bohren sich in ihre rechte Handfläche, und ihr Vater hält die Linke in schmerzhaft festem Griff.»Schneller, Idotschka. Schneller«, drängen sie. Die Furcht in ihren Stimmen lässt sie zittern.Ihre Verfolger holen auf, Stiefel trommeln in dröhnendem Hass, Pferdehufe hämmern unheilvoll.Sie kann nicht schneller. Sie spürt, wie die Kraft sie verlässt, sie strauchelt. Tränen laufen ihr über die Wangen. Wie böse ihre Eltern würden, fiele sie hin, ihre Mamotschka, ihr Papotschka.Und dann plötzlich ist der Wettlauf vorbei, und sie werden in den Himmel gehoben. Sie steigen auf, alle drei, halten sich fest an den Händen, die Herzen leicht, fliegen sie himmelwärts. Die Arme ihrer Eltern werden zu Flügeln, und sie suchen sich ihren Weg durch den Himmel, der nicht länger in eine samtige Dunkelheit gehüllt ist, sondern nun auf wundersame Weise mit Blumen in allen Farben des Regenbogens übersät. Ein Windhauch fährt ihr durch die rotgoldenen Locken, und sie lacht, als die dichten Ranken sie am Kinn kitzeln. Ihr Rock bläht sich zu einem großen weißen Bausch auf, der sie sicher trägt.Sie wirft einen Blick auf ihre Mutter, die mühelos durch die Luft schwingt, gleich einer Amsel, ihr Haar eine Haube aus poliertem Ebenholz, das Samtkleid, das ihren schlanken Körper umschließt, in der Farbe der Nacht. Sie wendet den Kopf nach links und sieht, dass ihrem Vater das Barett heruntergefallen ist und das dichte Haar nun sein elfenhaftes Gesicht umrahmt; feine Strähnen verschleiern einen Moment lang seine strahlendblauen Augen. Er lächelt; die Hand seiner Tochter liegt leicht und vertrauensvoll in der seinen. In diesem blumenbestreuten Himmel fühlt er sich heimisch. Er wird diese Himmelslandschaft malen, das weiß sie, wenn sie wieder in Sicherheit sind.Sie gleiten, alle drei, werden wie Zephire auf sachten Brisen getragen, sanft gebettet auf Wolken, hoch oben über den brennenden Dörfern und den dunklen Reihen der Soldaten, die durch das Land marschieren, das sie einst das ihre nannten. Mütterchen Russland hat sie verstoßen. Sie sind verwaiste Flüchtlinge, abgewiesen und entwurzelt, doch flügelschlagend bahnen sie sich ihren Weg zu einem sicheren Hafen. Sie sprechen nicht, denn ihre Sprache haben sie verloren. Stille legt sich über sie, wie eine tröstende Decke, bestickt mit Hoffnung und Versprechen. Wortlos, ohne einen Laut.Noch im Halbschlaf, geborgen in ihrem Bett, lächelte Ida das verschlafene Lächeln eines Träumers, dem es widerstrebt aufzuwachen. Sie streckte sich träge, schlug die Augen auf und blinzelte in das goldene Licht des frühen Morgens, das durch das große Fenster ihres Schlafzimmers strömte. Voll süßer Schwermut sang draußen ein Vogel, und sie trat ans Fenster. Eine einsame Grasmücke wippte auf einem dünnen Ast des Zitronenbaumes und erhob sich dann in den wolkenlosen Sommerhimmel.»Au revoir«, rief sie ihm leise hinterher und schaute hinunter in den Garten, in dem ihre Eltern einander in den Korbstühlen gegenübersaßen und sich leise unterhielten, während sie ihren Morgenkaffee tranken. Ihre Stimmen drangen durch das offene Fenster, zur Musik ihrer Löffel, die gegen die Porzellantassen klirrten.Sie beobachtete sie einen Moment, drehte sich dann um, zog sich das weiße Nachthemd aus und stand nackt vor ihrem großen Spiegel. Sie betrachtete die Kurven ihres Körpers, die zierliche Kontur ihres Gesichts. Dann hob sie ihr üppiges, schimmerndes Haar und ließ es wieder über die Schultern fallen.Ihr Spiegelbild beruhigte sie. Sie ließ ihre Hände über die weiche Fülle ihrer Brüste gleiten und spürte die Macht ihrer aufkeimenden Fraulichkeit. Sie war nicht länger das kleine Mädchen aus ihren Alpträumen und verbannte die Bilder der Nacht aus ihren Gedanken. Die schmerzliche Vergangenheit lag hinter ihnen. Für einen himmlischen Hafen hatte sie keinen Bedarf. Sie zwang sich, die Traurigkeit zu verdrängen, die ihren Träumen so häufig nachklang.Sie wandte den Kopf, betrachtete sich im Profil, lächelte ihr Spiegelbild probehalber an, verzog dann die Stirn.Bin ich hübsch?, fragte sie sich. Schön sogar? Wird Michel finden, dass ich mich verändert habe?An der Tür ihres Schlafzimmers klopfte es ungeduldig; ihr Name wurde gerufen. »Mademoiselle Ida! Mademoiselle Ida!«Die schroffe Stimme Katjas, ihrer polnischen Hausangestellten, gereizt und anklagend, durchdrang ihre Träumerei.»Es ist spät. Deine Eltern warten auf dich.«»Sag ihnen, ich bin in ein paar Minuten unten.«Katja grummelte etwas, dann entfernten sich ihre schweren Schritte beinahe vorwurfsvoll.Ida zuckte die Achseln. Sie wusste, dass Katja sie nicht mochte, dass es ihr nicht gefiel, Dienstmädchen in einem jüdischen Haushalt zu sein. Aber das war bedeutungslos. Katja, wie ihre Mutter häufig betonte, konnte von Glück reden, für die Chagalls zu arbeiten. Sie waren freundliche Arbeitgeber, Katja bekam ihren Lohn pünktlich, sie aß das gleiche Essen wie die Familie, und auch für die Fahrt zur Kirche an Sonn- und Feiertagen war gesorgt.Ida schüttelte den Gedanken an Katja ab, spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht und zog sich schnell an, entschied sich dabei für ein hellblaues, mit Perlen geknöpftes Kleid aus einem hauchdünnen Stoff, das sich leicht abstreifen ließ. Ihr Vater hatte gesagt, er wünsche, dass sie noch für ihn Modell stünde, bevor sie ins Ferienlager in den Bergen aufbrach. Er wollte die Serie von Aktstudien vervollständigen, die er Monate zuvor begonnen hatte und bei der er nach Lust und Laune wechselweise mit Aquarellfarben, Gouache, Kohle und Öl arbeitete.Über die Jahre hatte ihr Vater mit dem Pinsel ein illustriertes Journal ihres Lebens erschaffen, eine Chronik ihrer ausgelassenen Kindheit, ihres launenhaften Jugendalters und ihrer sich nun zur vollen Blüte entfaltenden Weiblichkeit. Der Titel eines jeden Werkes stand in seiner ausladenden Handschrift auf dessen Rückseite, womit er Besitzanspruch und Provenienz zugleich dokumentierte. Da war Ida auf der Schaukel, ein Porträt in Bewegung, in flüchtigen Strichen gemalt, während sie sich himmelwärts katapultierte, dabei heftig mit ihren molligen Beinchen pendelte und der Wind ihre Wangen polierte. Mehr Zeit hatte er sich gelassen, Ida am Fenster zu malen, ein Bild, auf dem sie verträumt durch das changierende Fensterglas blickte, während die Sonne über ihrem Haus in Montchauvet unterging und das Wasser des Flusses aufflammen ließ.»Woran denkst du, Idotschka?«, hatte ihr Vater an jenem Tag gefragt, während sein Pinsel über die Leinwand flog und er die Augen konzentriert zusammenkniff.Sie hatte überlegt, ihm von der verzweifelten Flucht aus ihrem Traum zu erzählen, damit er sie malen könnte und sie greifbar würde, doch sie war stumm geblieben. Diese nächtliche Phantasie, die sie immer wieder heimsuchte, gehörte ihr allein und sollte von Pinsel und Palette nicht vereinnahmt werden. Es bereitete ihr geradezu Freude, sie für sich zu behalten. Sie hatte ohnehin nur sehr wenige Geheimnisse vor ihren Eltern. Auf jeden Aspekt ihres Lebens erhoben sie Anspruch. Manchmal dachte Ida, sie würden jeden ihrer Atemzüge überwachen und jede ihrer Stimmungen aufnehmen, betrübt von ihrer Traurigkeit, glücklich über ihre Freude. Bisweilen glaubte sie, an ihrer Wachsamkeit zu ersticken, sie ärgerte sich über die Obsession ihrer Eltern, stets die Kontrolle über ihr Sein behalten zu wollen, und dann schämte sie sich sofort wegen ihrer Illoyalität. Sie war glücklich, ihre Tochter zu sein, Begünstigte all ihres Ruhms und Vermögens und Empfängerin ihrer bedingungslosen Liebe. Und Ida liebte sie dafür aus tiefstem Herzen.Ihr war bewusst, dass die ständige Sorge ihrer Eltern um sie von der Unsicherheit und dem Leid herrührte, das sie erduldet hatten. Natürlich hatten sie Angst. Und Ida akzeptierte ihre Angst, ertrug sie. Sie ließ sie in dem Glauben, die Wächter ihres Schicksals zu sein. Ihre Träume jedoch, ihre wunderschönen und furchterregenden nächtlichen Odysseen, sollten allein ihre bleiben, ebenso wie das Geheimnis, das sie ein ganzes Jahr über in ihrem Herzen verschlossen hatte. Es elektrisierte sie, dass es ihr gelungen war, ihren Eltern nichts von Michel zu erzählen. Er gehörte nur ihr allein.Michel. Wie sehr sie allein den Klang seines Namens liebte. Während die Monate ihrer Trennung langsam verstrichen, dachte sie immer wieder an sein feingeschnittenes Gesicht, an seine sanfte Stimme. Ihre Vorfreude auf ihre nächste Begegnung hatte im Verlauf dieser letzten schwülen Sommertage zugenommen, in denen sie ihrem Vater Modell stand. Stunde um Stunde, ohne sich zu rühren, wenn er seine Staffelei verließ, um die dunklen Höfe ihrer Brustwarzen näher zu studieren, die ineinander verwobenen rostbraunen Locken zwischen ihren Beinen.Die Intensität seines festen Blickes verunsicherte sie nie. Er war Marc Chagall, und er betrachtete sie weder als Mann noch als Vater, sondern als Künstler.Es war Michel, der sie mit den Augen eines Liebhabers anschaute, Michel, den sie nach einem langen Jahr der Trennung in wenigen Tagen endlich wiedersehen würde.Bei dem Gedanken lächelte sie, flocht ein blaues Band in ihr Haar und eilte barfuß durch das sonnengetränkte Haus, um mit ihren Eltern...
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Klappenbroschur
Seitenzahl 592
Erscheinungsdatum 21.09.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-7466-3182-0
Verlag Aufbau TB
Maße (L/B/H) 21/13,6/4,8 cm
Gewicht 593 g
Originaltitel The Bridal Chair
Auflage 7. Auflage
Übersetzer Kathrin Bielfeldt
Verkaufsrang 23298
Buch (Klappenbroschur)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
11 Bewertungen
Übersicht
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7
2
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Interessante Details aus dem Leben des malers
von einer Kundin/einem Kunden aus Dresden am 06.07.2019

Das Buch gibt interessante Details aus dem Leben des Malers preis. Es liest sich leicht und ist eine nette Urlaubslekture

von einer Kundin/einem Kunden am 16.08.2018
Bewertet: anderes Format

Wie die Autorin die Geschichte geschrieben hat ist eine lebendige, die mir bezogen auf die Spannung und Glaubwürdigkeit sehr gut gefallen hat. Ein MUSS für alle Kunstliebhaber

von einer Kundin/einem Kunden am 26.03.2018
Bewertet: anderes Format

Ein biographischer Roman über die Tochter von Marc Chagall, der einen tollen Einblick in das Leben der Künstlerfamilie bietet.