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Poesie und Gewalt

Das Leben der Gudrun Ensslin

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Gudrun Ensslin gehörte zur Führungsspitze der RAF und war zugleich weit mehr: eine literarisch hochgebildete Person. Umfassend beschreibt die Autorin Ensslins geistige wie politische Entwicklung und zeigt, wie aus dem intellektuellen Bürgertum des Nachkriegsdeutschlands gewaltbereite Radikalisierung möglich war.

Im Mittelpunkt dieser Biographie steht eine extreme Person und ihr extremer Lebensweg. Ingeborg Gleichauf räumt mit den gängigen Klischees und Vorurteilen auf, die Gudrun Ensslin als Produkt eines provinziellen Pastorenhaushalts sehen. Sichtbar wird vielmehr eine vielseitig begabte Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Souverän schildert die Autorin die Zeitumstände, die die Entwicklung einer Gewaltbereitschaft begünstigt haben. Ensslins Lebensweg prägten nicht sie allein. Ihre intensive Schreibtätigkeit und die Literaturbegeisterung waren zentral für ihre Weltanschauung. Die Autorin zeichnet alle Lebensstationen nach und widmet sich ausführlich den bisher vernachlässigten Kindheits- und Jugendjahren Ensslins. Eindringlich schildert sie Ensslins Beziehungen. In einer besonderen Verbindung von Erzählung und Analyse gelingt es ihr, uns eine ebenso schwierige wie vielschichtige Person nahezubringen, die unsere Gesellschaft radikalverändern wollte.
Portrait
Ingeborg Gleichauf, geboren 1953, studierte Philosophie und Germanistik und promovierte über Ingeborg Bachmann. Unter ihren zahlreichen Veröffentlichungen finden sich erfolgreiche Biographien über Max Frisch, Hannah Arendt und Simone de Beauvoir. Sie lebt in Freiburg.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 350
Erscheinungsdatum 03.02.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-608-94918-6
Verlag Klett Cotta
Maße (L/B/H) 21/13,7/3,2 cm
Gewicht 492 g
Abbildungen mit Abbildungen
Auflage 3. Druckaufl.
Buch (gebundene Ausgabe)
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Kundenbewertungen

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Spannend und mitreißend!
von einer Kundin/einem Kunden am 09.06.2017

40 Jahre Deutscher Herbst. Wer war die Frau, die von einer politisch interessierten Tochter aus gutem Hause zur Staatsfeindin Nummer 1 wurde? Was bringt eine junge Mutter dazu, ihr Kind zu verlassen, um in den terroristischen Untergrund zu gehen? Eine ebenso sachliche wie kritische und dennoch spannende und mitreißende Biografie.... 40 Jahre Deutscher Herbst. Wer war die Frau, die von einer politisch interessierten Tochter aus gutem Hause zur Staatsfeindin Nummer 1 wurde? Was bringt eine junge Mutter dazu, ihr Kind zu verlassen, um in den terroristischen Untergrund zu gehen? Eine ebenso sachliche wie kritische und dennoch spannende und mitreißende Biografie. Hochaktuell!

von einer Kundin/einem Kunden am 23.06.2017
Bewertet: anderes Format

Neue Einblicke in einen unberechenbaren Lebensweg.Eine vorsichtige Biographie voller Mutmaßungen.Aber gerade deshalb ein Erkenntnisgewinn für mich.

Interessanter Versuch einer Persönlichkeitsstudie
von Jennifer aus Stadtroda am 24.02.2017

Gudrun Ensslin (1940-1977) gilt als Mitbegründerin der RAF in Deutschland. Über die RAF und vor allem über ihre prominenten Mitstreiter Andreas Baader und Ulrike Meinhof sind bereits unzählige Bücher, gar Filme erschienen und Urteile gefällt wurden. Doch wie sieht es mit der fleißigen Arbeiterin im Hintergrund, der einstigen Pfarrerstochter... Gudrun Ensslin (1940-1977) gilt als Mitbegründerin der RAF in Deutschland. Über die RAF und vor allem über ihre prominenten Mitstreiter Andreas Baader und Ulrike Meinhof sind bereits unzählige Bücher, gar Filme erschienen und Urteile gefällt wurden. Doch wie sieht es mit der fleißigen Arbeiterin im Hintergrund, der einstigen Pfarrerstochter Gudrun Ensslin aus? War sie wirklich eine hysterische bis fanatische Terroristin ohne Gewissen? Die Autorin Ingeborg Gleichauf versucht mit ihrer engmaschigen Persönlichkeitsstudie wie Biografie, sich ein objektives Bild von Ensslin jenseits des vorgefertigten, subjektiven Meinungsmainstreams zu machen. Detailreich, unter Bezugnahme auf Originalbriefe und bereits erschienene Studien nähert sie sich der komplexen Persönlichkeit ihrer Hauptfigur. Überwiegt im ersten Lebensabschnitt mit Kindheit und Schule sowie Studium der Eindruck, dass Ensslin eine disziplinierte und hochintelligente Zeitgenossin gewesen ist, die sich immer ihre Meinung gebildet hat, so ist der zweite Lebensabschnitt geprägt vom Ausbrechen aus Konventionen und einer starken Politisierung. Kurzum, aus dem braven, klugen Mädchen ist eine eigensinnige bis kämpferische junge Frau geworden. Hieran hatte vor allem ihr zweiter Lebensgefährte Andreas Baader sowie die Ermordung Benno Ohnesorgs von 1967 einen großen Anteil. Infolge kappte Ensslin familiäre wie freundschaftliche Bindungen und verschrieb sich voll und ganz dem Kampf gegen die voranschreitende Konsumgesellschaft bzw. alte Nazieliten. Was sich dann ereignete, ist hinlänglich durch die Medien bekannt. Im sog. deutschen Herbst brannten Kaufhäuser, wurden Banken ausgeraubt uvm. Das Spannende und Neue an Gleichaufs Darstellung ist die Zentrierung auf eine Randfigur des sog. deutschen Terrors. Bei der Lektüre wird schnell klar, dass Ensslin vor allem eine intelligente Literatin gewesen ist, die stets narrativ dachte und lebte; was auch ihr Germanistik- und Anglistikstudium in Tübingen zeigt. Zudem machte ihr offener Charakter sie zu einem beliebten als auch manipulierbarem Menschen. Sie wollte raus aus der dörflichen schwäbischen Einöde und über philosophische wie literarische Denkmodelle diskutieren. Den hohen Stellenwert des geschriebenen Wortes in ihrem Leben unterstreicht die Autorin auf interessante Weise, indem sie häufig Zitate aus Werken einbaut, die Ensslin zu damaligen Zeit rezipiert hat. Somit ist dieses Sachbuch alles andere als leichte Kost, denn man muss sich in einige Sachverhalte erst hineinlesen, um deren Bedeutung für die Hauptfigur zu verstehen, wird aber danach mit reicher Erkenntnis gesegnet. Neben diesem literarischen Schwerpunkt überzeugt Gleichauf mit ihrer Beschreibung der Person Ensslin, die keine angepasste Spießerfrau gewesen ist, sondern ihren Sohn Felix in Hochzeiten des RAF-Terrors an den Vater bzw. Verwandte weiterreichte. Denn ein normales Sozialleben kannte sie nicht bzw. war kompliziert, gerade mit einem Mann wie Andreas Baader, der noch verheiratet gewesen ist, als man zusammenzog, an ihrer Seite. Um die Nation wachzurütteln, hat sie alles hintangestellt. Die Psyche von Ensslin 100%ig zu entschlüsseln, gelingt auch Gleichauf nicht und wird wohl auch keinen nach ihr gelingen, denn die Hauptzeugin - Ensslin selbst - ist längst tot. So bleiben alle Ausführungen zu ihrer Persönlichkeit ab einem bestimmten Punkt hypothetisch. Dennoch ist festzuhalten, dass sich die jugendliche Ensslin diametral von der erwachsenen Ensslin unterschied. Erst aufgeschlossen und wissbegierig und später verschlossen bis revolutionär. FAZIT Eine spannende wie interessante Studie zur Person Gudrun Ensslin, die gemäß dem Titel die beiden beherrschenden Themen ihrer Vita "Gewalt" und "Poesie" überzeugend in den Blick nimmt. Aber Fragen bleiben...