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Wie der Zirkus in die Berge kam

Die Alpen zwischen Idylle und Rummelplatz

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Sterbende Bergwälder, Almen ohne Gras, vermehrte Lawinenabgänge: schon in den 1970er Jahren waren die Schäden durch den Massentourismus nicht mehr zu übersehen. Wie konnte es dazu kommen? Karl Stankiewitz präsentiert eine umfassende Geschichte der Erschließung der Alpen - von den ersten transalpinen Straßen über die Ausbreitung des Wintersports bis zur Entstehung von Erlebnisparks. Sein Buch gewährt Einblicke in die Machenschaften von Spekulanten und Investoren und schildert eindrücklich wie sich einstmals idyllische Orte und Regionen wie Ischgl, Zermatt oder das Werdenfelser Land zu Spielplätzen der Eventmanager entwickelt haben. Dass dies nicht spurlos an dem sensiblen Naturraum Alpen vorübergegangen ist, wird dabei ebenso thematisiert wie die Suche nach Wegen, den Alpenraum auch zukünftig für den Tourismus zu nutzen.
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Beschreibung

Produktdetails


Format PDF i
Kopierschutz Nein i
Seitenzahl 304 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 30.07.2012
Sprache Deutsch
EAN 9783865815187
Verlag Oekom
eBook
18,99
inkl. gesetzl. MwSt.
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Naturveränderung durch Massentourismus
von Michael Lehmann-Pape am 17.10.2012
Bewertet: Buch (gebundene Ausgabe)

Natürlich meint Karl Stankiewitz mit seinem leicht provokanten Buchtitel nicht einen Wanderzirkus oder ähnliches, der sein „Manege frei“ in die Bergluft der Alpen ruft. Durchaus aber eine stimmige Assoziation setzt er mit diesem Titel frei, denn ein „Zirkus“ ist das „Massentreiben“ in den Alpen durchaus an vielen Orten im... Natürlich meint Karl Stankiewitz mit seinem leicht provokanten Buchtitel nicht einen Wanderzirkus oder ähnliches, der sein „Manege frei“ in die Bergluft der Alpen ruft. Durchaus aber eine stimmige Assoziation setzt er mit diesem Titel frei, denn ein „Zirkus“ ist das „Massentreiben“ in den Alpen durchaus an vielen Orten im Lauf der Zeit geworden. Vom „Skizirkus“ bis zu allen anderen möglichen „Belustigungen“ für den Massentourismus unter durchaus teils auch massiven Eingriffs in die natürlichen Gegebenheiten der Landschaft. Vom Kunstschnee bis zum „Import“ vom Pulverschnee, von Sommerrodelbahnen bis zu einem ständig ausgeweiteten Bergbahnenkarussell bis hin zu sich ebenfalls ständig erweiternden Klettersteigen, die ehemals nur für Geübte zugängliche Orte der Alpen den breiten „Trampelpfaden im Fels“ anheim gibt. Man muss nur einmal in die französischen Alpen und deren „Orte aus der Retorte“, wie Stankiewitz sie benennt, schauen, um einen Eindruck dieses „Zirkus“ im negativen Sinne zu erhalten. Durchaus bildkräftig beschreibt Stankiewitz viele solcher unschönen Orte. Ein Zentrum der „Arten- und Lebensraumvielfalt“, eine „Kontrastwelt“ zum technisch geprägten Alltag in den Städten, so werden die Alpen auch von vielen Menschen gesehen, aber ist es nicht doch bei näherer Betrachtung so, dass auch dort einerseits kurzfristige Profilinteressen herrschen und andererseits auch der Anspruch der Touristen dahin geht, eine möglichst hohe Bequemlichkeit und einen hohen Unterhaltungswert vor zu finden? Grundfragen, die Stankiewitz seinen differenzierten Betrachtungen zu Grunde legt und denen er in vielfacher Hinsicht im Blick auf die Alpen nachgeht. So verbleibt nach der Lektüre ein beeindruckendes Kaleidoskop, wie der Mensch auch dieses Naturrefugium in den letzten Jahrzehnten „bezwungen“ hat. Bären werden abgeschossen, Bergbauern fordern „wolfsfreie“ Alpen, geteerte Straßen führen auf fast jede noch so abgelegene Alm, Mountainbiker rasen zu Tale und Wander- und Kletterströme ergießen sich über Hänge und Felsen. Es stimmt (und Stankiewitz weist dies an vielfachen Beispielen im Buch nach), „die Alpen stehen unter Druck“. So trifft die Beobachtung, die Stankiewitz im Buch benennt als: „50 Jahre haben in den Alpen fast alles verändert“. Und das vor allem durch die massive Ausweitung „mechanischer Aufsteighilfen“. Wobei Stankiewitz nicht beim nostalgischen Klagen stehen bleibt. Die Alternativen einiger Gegenden und einzelner Kommunen der Alpen, sich dem „sanften Tourismus“ zu verschreiben und damit möglichst eine Ausgewogenheit zwischen Mensch und Natur zu erhalten bildet er ebenfalls ausführlich im Buch ab und zeigt damit Möglichkeiten auf, den Tourismus anders zu gestalten, ohne „Zirkus“ eben. Hier sieht Stankiewitz in der Errichtung von „Nationalparks“ tatsächlich den „Königsweg“ einer gedeihlichen Zukunft der Alpen. Insgesamt legt Stankiewitz eine thematisch geordnete und in den Themen dann chronologisch vorgehende Geschichte des „Ausverkaufs“ der Alpen der letzten 50 Jahre vor, zeigt alternative Modelle auf und plädiert überzeugend für eine Entwicklung, die dem Menschen weiterhin Zugang zur Alpen Natur ermöglicht, ohne diese umfassend in gleicher Art wie bisher „anzupassen“.