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Wunschloses Unglück

Erzählung


»Unter der Rubrik Vermischtes stand in der Sonntagsausgabe der Kärntner Volkszeitung folgendes: ›In der Nacht zum Samstag verübte eine 51jährige Hausfrau aus A. (Gemeinde G.) Selbstmord durch Einnehmen einer Überdosis von Schlaftabletten.‹

Es ist inzwischen fast sieben Wochen her, seit meine Mutter tot ist, und ich möchte mich an die Arbeit machen, bevor das Bedürfnis, über sie zu schreiben, das bei der Beerdigung so stark war, sich in die stumpfsinnige Sprachlosigkeit zurückverwandelt, mit der ich auf die Nachricht von dem Selbstmord reagierte.«

Portrait
Peter Handke wird am 6. Dezember 1942 in Griffen (Kärnten) geboren. Die Familie mütterlicherseits gehört zur slowenischen Minderheit in Österreich; der Vater, ein Deutscher, war in Folge des Zweiten Weltkriegs nach Kärnten gekommen. Zwischen 1954 und 1959 besucht er das Gymnasium in Tanzenberg und das dazugehörige Internat. Nach dem Abitur im Jahr 1961 studiert er in Graz Jura. Im März 1966, Peter Handke hat sein Studium vor der letzten und abschließenden Prüfung abgebrochen, erscheint sein erster Roman Die Hornissen. Im selben Jahr 1966 erfolgt die Inszenierung seines inzwischen legendären Theaterstücks Publikumsbeschimpfung in Frankfurt in der Regie von Claus Peymann.

Seitdem hat er mehr als dreißig Erzählungen und Prosawerke verfaßt, erinnert sei an: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1970), Wunschloses Unglück (1972), Der kurze Brief zum langen Abschied (1972), Die linkshändige Frau (1976), Das Gewicht der Welt (1977), Langsame Heimkehr (1979), Die Lehre der Sainte-Victoire (1980), Der Chinese des Schmerzes (1983), Die Wiederholung (1986), Versuch über die Müdigkeit (1989), Versuch über die Jukebox (1990), Versuch über den geglückten Tag (1991), Mein Jahr in der Niemandsbucht (1994), Der Bildverlust (2002), Die morawische Nacht (2008), Versuch über den Stillen Ort (2012), Versuch über den Pilznarren (2013). 

Auf die Publikumsbeschimpfung (UA, Theater am Turm Frankfurt / Main, 1966) folgt 1968, ebenfalls in Frankfurt uraufgeführt, Kaspar. Von hier spannt sich der Bogen weiter über Der Ritt über den Bodensee (UA, Schaubühne am Halleschen Ufer Berlin, 23.1.1971), Die Unvernünftigen sterben aus (UA, Theater am Neumarkt Zürich, 17.4.1974), Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land (UA Burgtheater Wien, 16.1.1990), Die Stunde da wir nichts voneinander wußten (UA, Wiener Festwochen, 9.5.1992), über den Untertagblues (UA, Berliner Ensemble, 30.9.2004) und Bis daß der Tag euch scheidet (Deutschsprachige Erstaufführung, Salzburger Festspiele, 9.8.2009) über das große Epos Immer noch Sturm, das am 12. August 2011 bei den Salzburger Festspielen seine Uraufführung hatte und 2012 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet wurde, bis zum Sommerdialog Die schönen Tage von Aranjuez (UA, Wiener Festwochen, 15.5.2012).

Darüber hinaus hat Peter Handke viele Prosawerke und Stücke von Schriftsteller-Kollegen ins Deutsche übertragen: Aus dem Griechischen Stücke von Aischylos, Sophokles und Euripides, aus dem Französischen Emmanuel Bove (unter anderem Meine Freunde), René Char und Francis Ponge, aus dem Amerikanischen Walker Percy.

Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen geehrt. Die Formenvielfalt, die Themenwechsel, die Verwendung unterschiedlichster Gattungen (auch als Lyriker, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur ist Peter Handke aufgetreten) erklärte er selbst 2007 mit den Worten: »Ein Künstler ist nur dann ein exemplarischer Mensch, wenn man an seinen Werken erkennen kann, wie das Leben verläuft. Er muß durch drei, vier, zeitweise qualvolle Verwandlungen gehen.«
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 89
Erscheinungsdatum 25.06.2001
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-39787-9
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 17,7/10,8/1 cm
Gewicht 79 g
Auflage 14. Auflage
Verkaufsrang 797
Buch (Taschenbuch)
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Kundenbewertungen

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Eine Annäherung
von einer Kundin/einem Kunden am 03.12.2019

Leicht und erbaulich kann es nicht sein, wenn sich ein Autor mit dem Suizid seiner Mutter auseinandersetzt. Hier ist es eine Annäherung, der Versuch, die Innenwelt dieses nahen Menschen zu erkunden. Dabei entsteht ein Bild vor allem der Nachkriegszeit, der Unterdrückung oder Nicht- Äußerung von Gefühlen, dem Unglück, in einer Eh... Leicht und erbaulich kann es nicht sein, wenn sich ein Autor mit dem Suizid seiner Mutter auseinandersetzt. Hier ist es eine Annäherung, der Versuch, die Innenwelt dieses nahen Menschen zu erkunden. Dabei entsteht ein Bild vor allem der Nachkriegszeit, der Unterdrückung oder Nicht- Äußerung von Gefühlen, dem Unglück, in einer Ehe ohne Liebe zu leben, ein Bild der Freudlosigkeit und auch des Fehlens von erlebtem Sinn. Die Zitate der Alltagssprache jener Jahre sagen Vieles dazu...

Es war einmal ...
von Daniela Ammann aus Wien am 08.02.2013

Der Erzähler berichtet über das Leben seiner verstorbenen Mutter, da ihm dieses Thema keine Ruhe lässt. Geboren in einem kleinen Nest, wurde sie auch so erzogen. Sie glaubte aber, dass sie mehr kann und ging weg, kochte in einem Hotel und liebte das neue Lebensgefühl unter Hitler, interessierte sich aber nicht für dessen Politik... Der Erzähler berichtet über das Leben seiner verstorbenen Mutter, da ihm dieses Thema keine Ruhe lässt. Geboren in einem kleinen Nest, wurde sie auch so erzogen. Sie glaubte aber, dass sie mehr kann und ging weg, kochte in einem Hotel und liebte das neue Lebensgefühl unter Hitler, interessierte sich aber nicht für dessen Politik. Sie bekam ein Kind von ihrem Geliebten, wurde aber wieder verlassen und heiratete schließlich einen von der Wehrmacht. Dies war aber keine Liebe, trotzdem bekam sie noch drei weitere Kinde, drei weitere trieb sie heimlich ab. Nach dem Krieg kehrte sie in ihr Dorf zurück, wo sie ein sehr einsames und tristes Leben voller Entbehrungen, Enttäuschungen und Krankheit führte. Die Erlösung kam durch den Selbstmord durch Schlaftabletten. Der Erzähler bemüht sich objektiv und sachlich zu berichten, wechselt aber immer wieder zu seinen Kindheitserinnerungen. Eine wahrlich einzigartige Erzählung von Peter Handke.

Österreichische Literatur delux
von Conny Hannesschläger aus Pasching am 12.01.2010

Nicht immer braucht man tränenhervorbringende Emotionen um die Traurigkeit einer Geschichte zu spüren, zu verstehen...eine sehr sachliche Darstellung eines sehr emotionallen Hintergrunds.Genial!!!