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Aliti, A: Lumpenpack

Angelika Aliti

Er stieg aus den Stiefeln, warf die Dienstkappe auf den Tisch. Dann öffnete er die Knöpfe der dunkelblauen Jacke und wuchtete den schweren Leib auf das Sofa.Er atmete ganz tief, die Augen geschlossen. 15 Jahre. 15 Jahre lang stieg er jeden Abend aus seinen Stiefeln. Urlaube und dienstfreie Tage ausgenommen, dafür gab es aber immer wieder mal auch einen Sondereinsatz, Dienst an Feiertagen und in der Nacht. Ihm fehlte nichts. Aber nun war er müde. Feierabend. Verdienter Feierabend.Er nahm sich ein Bier aus dem Sechsertragerl, das auf dem niedrigen Couchtisch vor ihm stand, öffnete die Flasche und trank einen Schluck.Dann nahm er sich die Gratiszeitung, die er mitgebracht hatte und starrte auf den Titel. Festivalintendant untergetaucht. Wo sind die Millionen?Wo werden sie schon sein? Dachte er. Da wo der Intendant ist. In Liechtenstein. Monaco. Rio. Drei Millionen Euro. Der hat halt ausgesorgt.Der hat halt ausgesorgt, sagte er laut.Was täte ich mit drei Millionen, überlegte er. Der Mama einen Butler mieten. Oder lieber drei Pflegerinnen. Ich würde sie zurückholen. Auf jeden Fall würde ich weiterarbeiten. Aber ich würde mir einen Pool leisten. Hinten im Garten. Eine schöne Reise machen. Blödsinn. Reise. Wohin denn? So schön wie daheim ist es doch nirgends. Ich tät es anlegen und dann von den Zinsen leben. Aber arbeiten würde ich trotzdem.„Arbeiten täte ich trotzdem“ sagte er. „So ein Pool macht doch nur Arbeit“.Seine Stimme klang echolos, ohne Widerhall. Sie war an niemanden gerichtet. Lois Pammer lebte allein, und das schon einige Zeit. Seit er seine Mutter in ein Pflegeheim geben musste. Die Mama war ein Pflegefall geworden, die den eigenen Sohn nicht mehr erkannte.Lange hatte er mit sich gerungen. Als sie in einer mondlosen Winternacht nur mit dem Nachthemd bekleidet barfuß von Haus zu Haus gerannt war, um die Leute vor den russischen Streitkräften zu warnen, gab es keine Möglichkeit mehr, die Entscheidung hinauszuzögern. Die Traurigkeit darüber versteckte Lois irgendwo in seinem großen schweren Körper, so wie alle Gefühle. Ein Polizist darf kein Gefühl zeigen, sagte sein Vater immer, der auch schon Polizist werden wollte, aber doch nur Kleinbauer sein durfte. Lois hielt sich dran.War eh nur ein Schmarrn, das ganze Festival, sagte er. Unnötig. Das braucht keiner, sagte er. Sollen halt in Graz bleiben, diese Künstler. Oder wo sie sonst herkommen. Diese Künstler, unnötige, die. Er stand auf und ging zum Kühlschrank.Die Küche war groß, kahl und ohne Seele. Vor zehn Jahren hatte Lois der Mama diese Küche gekauft. Kunststoff-Eiche-Imitat. Dazu die Eckbank. Darüber das Kruzifix. Auf der Ablage im Eck, unterhalb des zum Flug über die kahle Küche ansetzenden Hungerkünstlers am Kreuz, einem Werk des benachbarten Holzschnitzers und Fassbinders Lux, stand ein Tonkrug mit künstlichem Efeu. Wie der Zwei-Meter-Mann in die Hocke ging, um einen Blick in den leeren Kühlschrank zu werfen, glaubte er, draußen einen Hund bellen zu hören.Das ist an sich nichts Besonderes, wenn man in einem Dorf wohnt, wo jeder zweite Hausbesitzer einen Hund hält. Aber sein Ohr, das sich an den altvertrauten Außengeräuschen orientierte wie sein Auge an den Wänden seines kleinen Häuschens, registrierte auf eine unbewusste Weise, dass dieses Hundebellen ein ungewöhnliches, ein nicht den Nachbarshunden zuzuordnendes war. Aber es interessierte ihn nicht.Lois Pammer interessierte sich nicht für Hunde. Er interessierte sich nicht für Außergewöhnliches. Oder doch nur soweit, wie es als Störung abzustellen war, um das Gewöhnliche wieder herzustellen. Es war schwer einzuschätzen, wofür er sich eigentlich überhaupt interessierte. Natürlich war er bei der Freiwilligen Feuerwehr. Er hatte sogar einmal versucht, im Bierbaumer Chor mitzusingen. Der Mama zuliebe. Die vom Chor waren dann aber doch recht froh, als er nach drei, vier Wochen nicht mehr zu den Proben erschien.Bei der örtlichen Laientheatergruppe mitzuspielen hatte er lieber gar nicht erst in Erwägung gezogen.Lois erhob sich aus der Hocke mit einer für seine Statur erstaunlichen Leichtigkeit. Dann ging er zur Haustür und griff sich im Vorbeigehen seine alte Lederjacke und stieg in seine Schlapfen. Er hatte dienstfrei. Und er hatte Hunger. Er ging ins Wirtshaus schräg gegenüber.Das Wirtshaus in Bierbaum am Auersbach hatte keine Chance, jemals zur Attraktion für die mit den Jahren zahlreicher werdenden Radtouristen in der Region zu werden. Genau genommen hatte es keine Chance, jemals von anderen als den Bierbaumern als Wirtshaus bezeichnet zu werden. Renate servierte Pizza oder Baguette. Und fertig. Beides fischte sie industriegefertigt aus der Kühltruhe und erhitzte sie tellerfertig in der Mikrowelle. Bierbaumer Mägen waren offenbar robust genug, es zu verkraften. Falls Bierbaumer Mägen überhaupt den Weg in Renates Wirtshaus fanden. „Grüß dich“ sagte Renate. „Servus“ sagte Lois. „Pizza?“ fragte Renate. „Mh“ sagte Lois.„Bier?“ fragte Renate.„Nein, lieber Mischung“ sagte Lois.Renate griff nach einem Weinkrügerl, füllte es zur Hälfte mit Weißwein, goss mit Mineralwasser auf und stellte es vor Lois hin, während sie sich die rotgefärbten Haare aus der Stirn strich.„Ist das deiner?“ fragte sie und deutete zur offen stehenden Eingangstür.„Meiner?“ fragte Lois verständnislos zurück und drehte sich um. In der Eingangstür saß ein Yorkshire-Terrier und starrte in die Gaststube. „Was ist das denn?“ fragte Lois.Er interessierte sich nicht für Hunde.„Nein“ sagte Lois. „Sicher nicht meiner“„Er schaut dich aber an, als ob er dich kennt“ sagte Renate.„Blödsinn“ brummte Lois. „Wo gehört der denn hin?“„Bei uns hat keiner einen Yorkshire“ sagte Renate. „Das wüsste ich.“Lois drehte sich noch einmal um und musterte den noch immer in der Tür sitzenden Hund. „Zu mir gehört er jedenfalls auch nicht“. Kopfschüttelnd nahm er einen Schluck.Der Yorkshire bellte auffordernd. „Na, der scheint jedenfalls dich zu kennen“ meinte Renate und verschwand in Richtung Tiefkühltruhe in die Küche.Lois drehte sich noch einmal um. Der Yorkshire saß nicht mehr in der Tür.Na bitte, dachte Lois. Wird mit dem Frauli mitgegangen sein. Oder wird sich heimgetrollt haben. Alles in Ordnung.Er griff wieder nach seinem Glas und nahm in hoffnungsvoller Erwartung der Pizza einen weiteren Schluck.Nun bellte es zwischen seinen Schuhen.Lois schaute nach unten.Der Yorkshire schaute hinauf.„Bitte nicht“ sagte Lois.Der Yorkshire antwortete mit einem kleinen, kieksenden Beller.„Was willst du?“ sagte Lois. „Geh heim!“Kieksender Beller„Heimgehen sollst!“Kieks.„Zifix“ sagte Lois. „Warum ich?“Der Yorkshire wedelte.Renate kam mit der Fertigpizza aus der Küche und stellte den Teller vor Lois auf den Tresen.„Vorsicht heiß“ sagte sie.Erneuter Beller zwischen Lois’ Füßen.„Der ist ja noch immer da,“ rief Renate. „Gehört er also doch zu dir““ „Nix“ wehrte Lois ab und griff nach dem Besteck.„Dann gib ihn ins Tierschutzhaus“ sagte Renate. „Keiner bei uns hat einen Yorkshire. Du bist bei der Polizei. Musst halt amtshandeln.“Lois schaute zwischen seine Füße.Der Yorkshire wedelte erwartungsvoll.„Ich glaub’s nicht“ sagte Lois und schob sich ein großes Stück Pizza in den Mund. „Wieso ich!“Der Yorkshire setzte sich auf seine Hinterbeine und hob die Vorderpfötchen zu einer Bitte.Lois starrte ihn an. Lois Pammer, 46 Jahre alt, Polizeibeamter, seit fünfzehn Jahren Dienstnehmer des Landes Steiermark, seit acht Jahren auf dem Polizeiposten St. Peter am Otterbach im fernsten südöstlichen Zipfel der Steiermark stationiert, seit zwei Jahren verlassener Sohn einer dementen Mutter, Lois Pammer, der immer nur ein geruhsames Leben führen wollte, der niemals jemandem sein Herz geschenkt hatte, zwei Meter groß, 115 Kilo schwer, begegnete an diesem frühen Donnerstagabend im Oktober des Jahres 2008 seinem Schicksal. Es hob bittend die Vorderpfoten und wedelte mit dem Schwanz.„Schleich dich“ sagte Lois zu seinem Schicksal. Aber es dachte nicht daran. Man kennt das vom Schicksal. Ist es mal da, wird man es nicht mehr los.„Vielleicht hat er Hunger“ lautete Renates Lösungsvorschlag für diese seltsame Situation.Lois reichte ein Stück Pizza nach unten.Der Yorkshire fraß in Windeseile die darauf vorhandene Salami und wedelte wieder.„Und jetzt geh heim, ich kann dich nicht brauchen“ forderte Lois den Hund auf.Erwartungsgemäß machte auch das wenig Eindruck auf den kleinen Kerl.Lois reichte ein weiteres Stück Pizza nach unten.*„Wir werden ihn schon noch erwischen“ sagte der Postenkommandant. „Leute verschwinden nicht spurlos. Und wo das Geld hingeflossen ist, lässt sich doch auch feststellen. Man braucht der Spur doch nur zu folgen. Er wird es ja nicht in einem großen Sack weggeschleppt haben. Die Leute werden nicht gescheiter. Wegen drei Millionen riskiert der Kerl Gefängnis.“ Er schüttelte den Kopf.„Wir schon mal gar nicht, Gerald“ erwiderte Lois. „Wenn ihn wer erwischt, dann sind es die Kollegen aus Graz. Wir kümmern uns um Pendler, die es beim Heimfahren zu eilig haben.“Man sah ihm an, dass er darüber recht froh war.„Und um entlaufene Hunde?“ fragte der Postenkommandant so süffisant wie rhetorisch. „Wann bringst du ihn endlich ins Tierschutzhaus.“„Gleich nachher“ erwiderte Lois.„Geh, das sagst du schon seit drei Wochen.“„Ich bring’s nicht übers Herz“ erklärte Lois. „Schau ihn dir doch an, den kleinen Kerl.“„Dies ist ein Polizeiposten, Lois. Und der da kein Diensthund. So etwas haben Friseurinnen. Oder Kosmetikerinnen. Aber kein Polizist.“„Daheim kann ich ihn nicht lassen. Er kann nicht den ganzen Tag allein bleiben. Es ist doch halt niemand mehr da“ lamentierte Lois.„Dann heirate“ donnerte sein Chef. „Es wird sich doch wohl noch eine finden, die einen Bräutigam will. Du brauchst doch zum Fensterln nicht einmal eine Leiter.“ Er lachte über seinen Witz, als ob es der letzte seines Lebens war.Lois schaute ihn an, als wünschte er sich, dass es der letzte Witz seines Chefs war. Was wisst ihr denn schon, dachte er. Man verschenkt sein Herz nur einmal. „Komm Franz-Josef“ sagte er. „Wir gehen“„Dageblieben“ sagte der Postenkommandant. „Wir fahren gleich nach Feldbach. „Nach Feldbach? Warum?“„Weil der Bürgermeister uns angefordert hat“„Warum?“„Frag nicht. Wir fahren.“„In Ordnung. Komm Franz-Josef. Wir fahren nach Feldbach“„Der Hund bleibt hier“ ordnete der Postenkommandant an.„Chef, ich kann den Hund nicht allein lassen“„Der Hund bleibt hier. Glaubst du, ich will mich blamieren? Und außerdem ist das gar kein Hund.“„Ach ja?“ widersprach Lois. „ Der kann alles, was andere Hunde können. Er ist nur ein bisschen klein.“„Und auf keinen Fall lässt du ihn im Auto auf deinen Knien sitzen“ „Chef, er ist doch noch so klein“ bat Lois.„Wenn das der Bürgermeister sieht“ widersprach der Postenkommandant. „Gib den Hund in den Kofferraum. Da gehört er hin.“„Der Schreckskötter ist doch eigentlich gar nicht für uns zuständig“ erklärte Lois. Wir gehören zu Radkersburg. Ein Feldbacher hat uns gar nichts zu sagen.“„Derzeit ja. Es geht um die verschwundenen Millionen“ sagte der Postenkommandant.„Ich dachte, es geht um den verschwundenen Intendanten“ sagte Lois.„Das auch“ sagte der Postenkommandant.„Wir haben es so schön ruhig hier gehabt“ murrte Lois. „Warum können die in Graz sich nicht mit sich selbst beschäftigen? Aber nein, da muss ein Kulturfestival daher. Ausgerechnet bei uns. Wir haben den Kameradschaftsbund. Wir haben jede Menge Vereine. Wir haben Blaskapellen. Wir haben die Feuerwehr. Wir haben sogar ein Kulturfestival, an dem die Bäuerinnen zeigen, was sie backen und sticken können. Und Dietlinde zeigt, was sie getöpfert hat. Aber den Herren von der Landesregierung ist das wohl nicht modern genug. Nein, da müssen die Spinner vom Steirischen Herbst daher. Kunst. Natürlich. Kunst. Wenn ich das schon höre. Kunst. Und dann schleppen sie so einen Wursti aus Wien daher, nennen ihn Intendant und stopfen ihn mit einem dicken Gehalt, aber offenbar nicht dick genug....“„Bist du fertig? Fragte der Postenkommandant. „Wir müssen los.“„Gerald“ sagte Lois. „Es ist unerträglich. Die da in Graz halten uns für die Volltrotteln. Und jetzt haben wir den Scherben auf.“„Du redest dich noch um Kopf und Kragen“ sagte Gerald und setzte sich die Dienstkappe auf den Kopf. Postenkommandant Gerald Schiffkowitz war auch kein kleiner Mann. Aber neben Lois wirkte er beinahe zierlich. Er warf einen kontrollierenden Blick in den Spiegel, der über dem Waschbecken an der Wand hing, rückte die makellos sitzende Krawatte zurecht und öffnete die Tür.Franz Josef rannte bellend voraus. Ein kleiner Yorkshireterrier, die Zierde einer jeden Friseurin, passend als Beiwerk für ein Nagelstudio, ein Tussihund, ideal für den Empfangstresen eines Sonnenstudios. Ihm folgten die beiden stattlichen Sicherheitsorgane aus St. Peter in Uniform. Auf St. Peters Hauptstraße war außer ihnen niemand zu sehen. Wie so oft.Vor Bloebs Trafik gegenüber hing ein Schild: Heute Euro-Millionenspiel.Der Hauptplatz von Feldbach stand voller geparkter Autos. Er hatte die letzte öffentliche Verschönerungsattacke überstanden und war dadurch in eine bestürzende Profillosigkeit hinein gestaltet. Ein Platz, der auch in Feldkirchen in Vorarlberg stehen könnte. Oder in Fellberg in Deutschland. Oder in Flensburg an der dänischen Grenze. Über allem der Kirchturm in bunter Hässlichkeit, als hätte ein pubertierender Sprayer alle Farbdosen aus dem Baumarkt über Nacht in einer beispiellosen Freeclimbing-Aktion versprüht.Zwischen den Autos wuselten Menschen, bepackt mit Einkaufssackerln, Eis essend. Am obligatorischen Brunnen standen und saßen einige Jugendliche, die eigentlich um diese Tageszeit in der Schule sein müssten. Bierflaschen in den Händen. Über dem Platz lag eine drückende Hitze.„Da ist ein Parkplatz“ rief der Postenkommandant. „Was fährst du denn weiter!?“„Dort steht der Wagen in der prallen Sonne“ erwiderte Lois. „Soll Franz Josef an einem Hitzschlag sterben?“Er kurvte weiter um den Platz und bog am neuen Kreisverkehr in eine Seitenstraße mit alten Bäumen ab.„Ich fasse es nicht“ brüllte der Postenkommandant. „Sollen wir jetzt quer über den ganzen großen Platz gehen?“„Naja, fliegen kannst du ja nicht“ erwiderte Lois. „Franz Josef braucht einen Schattenplatz. Oder willst du, dass wir morgen in der Zeitung stehen?“Er bugsierte das Polizeiauto unter eine große Platane und stellte den Motor ab. „Lass das Fenster ein wenig offen stehen“ ermahnte er seinen Chef. „Aber nicht zu weit. Dass mir keiner hineinlangt und meinen Franz Josef klaut“.„Dann lass ich das Fenster gleich ganz offen“ konterte der Postenkommandant und schickte seiner verschwindenden Autorität ein paar wehmütige Gedanken hinterher. „Ich wäre froh, wenn ihn einer mitnimmt“.„Bist du grausam“ stellte sein Untergebener fest. Nebeneinander gingen sie über den Hauptplatz. Ein ungleiches Paar. Gerald Schiffkowitz, gepflegt, elegant, der gern ein Mann von Welt geworden wäre, mit wachem Blick und einem nicht unerotischen, kleinen Hüftschwung, dem nicht anzusehen war, dass daheim eine genervte Gattin und fünf Kinder täglich auf ihn warteten.Daneben Lois Pammer, der in seiner Uniform wie verkleidet aussah. Ein großer, schwerknochiger Bauernsohn, leicht verschwitzt und von einer melancholischen einsamen Aura umgeben. Für den die kleine Bezirkshauptstadt Feldbach schon seiner Vorstellung von New York nahe kam.Sie gingen durch den Torbogen des Feldbacher Rathauses, stiegen die Treppen in den ersten Stock hinauf und standen vor dem Schreibtisch der Bürgermeisterssekretärin wie zwei Schulbuben, die für den jährlichen Schulbasar sammeln wollten. „Grüüüß Gottttt“ sagte die üppige Blondine ohne von ihrem Computer aufzusehen. Die so gegrüßten räusperten sich. Sie hob ihren Blick und schaute die beiden an wie zwei Krankheit bringende Insekten. „Bidde“ sagte sie in einem Ton, der erkennen ließ, dass die Stadt Feldbach ihren Bediensteten bisher noch kein Seminar für den verbindlichen und bürgerfreundlichen Umgang mit ihren Bürgern spendiert hatte. Sie war sozusagen noch von naturbelassener Mentalität.„Äh ja“ sagte der Postenkommandant. „Wir sind nach Feldbach beordert worden.“„ Da her?“ sagte die Blondine. „ Zu mir? Das wüsste ich. Sie schnaubte verächtlich. Der Bürgermeister gibt eine Pressekonferenz. Drüben im neuen Kulturzentrum. Wahrscheinlich sind Sie dorthin abgestellt zum Personenschutz.“Sie musterte die beiden von oben bis unten.Wenn sie jetzt noch Kaugummi kaut dachte Lois.„Personenschutz. Aha.“ Sagte der Postenkommandant. Eigentlich der kleine Gerald. Denn er fühlte sich in der Tat wie ein Schulbub. „Ja dann, also, dann gehen wir mal.“„Melden Sie sich beim Hütter Joschi“ rief die Blondine noch hinter ihnen her, als sie die Stiegen wieder hinuntergingen.„Ausgerechnet der Hütter Joschi“ murrte Lois. „ wenn ich einen nicht ausstehen kann, dann den Hütter Joschi. Geschwätziger Saufkopf. Wichtigtuer. „Der Kollege Hütter tut auch nur seinen Dienst“ wies ihn sein Chef zurecht.„Ich schau mal rasch nach Franz Josef“ sagte Lois.„Da bleibst“ befahl sein Chef. „Wir haben den Bürgermeister zu schützen.“„Kannst du mir mal bitte sagen, was es da zu schützen gibt?“ fragte Lois. Sind wir hier in Chicago? Nicht einmal Graz sind wir. Was soll dem Trottel denn schon passieren? Dass der Intendant nicht genug hat an seinen drei gefladerten Millionen und ihn hier vor den Augen seiner braven Bürger entführt, um weitere Gelder zu erpressen?“„Wär eigentlich nicht schlecht“ meinte der Postenkommandant nach kurzem Nachdenken. „Ein Politiker weniger ist kein Grund zum Trauern. Man müsste halt sicher sein können, dass der Entführer den Bürgermeister nicht wieder zurückbringt.“„Dann kommt der nächste. Und der wäre auch nicht besser. Als ob ein anderer besser wäre“ gab Lois grinsend zu bedenken.„Hast auch wieder Recht“ lenkte Gerald ein.„Und im übrigen ist es nicht an uns eine Meinung über diese Dinge zu haben“„Ich habe noch nie gewählt.“ Betonte Lois. „Keinen Bundeskanzler. Und keinen Bürgermeister.“Vor dem Eingang zum Kulturzentrum standen bereits zwei Kollegen aus St. Stefan. „Geht’s gleich zum Hütter Joschi“ wurde ihnen beschieden. Sie betraten das Haus auf der Suche nach dem Kollegen Josef Hütter.
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Beschreibung

Das neue Kulturfestival hätte der Knaller der Landesregierung werden sollen. Eine Innovation! Ein Ruhmesblatt! Aber dann ist das Programm der groß angekündigten Provinziale mittelmäßig und der Intendant spurlos verschwunden. Und mit ihm die drei Millionen Etat. Da sind die Herren in Graz zwar in Erklärungsnot, scheinen aber auf das altbewährte Rezept zu setzen, die Sache auszusitzen.Dass Lois Pammer, der kleine Dorfpolizist aus der südoststeirischen Provinz sich auf einmal viel zutraut, sogar Ermittlungen auf eigene Faust in dieser mysteriösen Sache, die man offiziell totzuschweigen scheint, hängt wohl damit zusammen, dass er erst einem herrenlosen Yorkshireterrier begegnet und anschließend der etwas schrulligen Schriftstellerin Antonia Azurra. Diese hat eigentlich selber genug Sorgen. Jemand bedroht ihre Existenz, seitdem sie plant, die alte Burg zu kaufen. Aber dann laufen die Fäden zusammen und ergeben ein scheinbar unauflösbares Knäuel. Azurra und der mutige Lois greifen beherzt hinein und entwirren alles. Sie legen sich mit korrupten Politikern und mächtigen Wirtschaftsbossen an. Lumpenpack, sagt die Azurra. Alles Lumpenpack! Am Ende siegt, ja wer? Vielleicht die Gerechtigkeit? Schon einmal wählte die Schriftstellerin Angelika Aliti die südoststeirische Idylle als Schauplatz für ihre Krimis, in denen sie nicht mit gesellschaftspolitischen Themen spart, die sie mit viel Witz und schonungslosem Klarblick vorführt.

Angelika Aliti: Schriftstellerin, Philosophin, Kulturschaffende.Aliti lebt und arbeitet in der Südoststeiermark. Sie schuf ein umfangreiches Werk an Frauenliteratur und legte außerdem einige Bücher zu psychologischen und philosophischen Fragen vor, die beide Geschlechter gleichermaßen bewegen. Obendrein hat Aliti sich durch ihre Krimis eine handfeste Fangemeinde aus diesem Genre erschrieben.
Diese können sich nun einer Renaissance erfreuen:
Es wird wieder gemordet, in der steirischen Heimat der Autorin!

Produktdetails

Einband Blätter
Seitenzahl 264
Erscheinungsdatum 28.09.2011
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-9502033-2-5
Verlag Edition Schlangenberg
Maße (L/B/H) 20/11,8/2,7 cm
Gewicht 390 g
Auflage 1

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