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Psychologie der Liebe

Persönliche Entwicklungen durch Partnerbeziehungen

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gebundene Ausgabe
Man darf heute wieder zugeben, daß man einen anderen Menschen braucht und daß man gebraucht werden will. Es gibt eine neue Sehnsucht nach Bindung, nach Nähe und Zärtlichkeit, nach stabiler Zweisamkeit. Alleinsein wird nur als Übergangsform akzeptiert, nicht aber als Lebensform. Ehe und Familie gelten wieder als ein Hort der Geborgenheit; dauerhafte Zweisamkeit als ein begehrtes Luxusgut.

Der Mensch hat erkannt, daß er den anderen, den Liebespartner benötigt, denn die Liebesbeziehung ist für seine eigene persönliche Entwicklung und die Entfaltung seines Potentials von hoher und unersetzbarer Bedeutung. Eine Liebesbeziehung ist dabei niemals nur harmonisch und selbstlos, sondern immer eigennützig und spannungsgeladen. Die Liebespartner reiben sich aneinander, sind ihre kompetentesten Kritiker und unerbittlichsten Herausforderer, weil jeder von der Entfaltung und Weiterentwicklung des anderen direkt betroffen ist. Partner sind füreinander die Stimme des Unterbewußten, das heißt aber auch der verdrängten Aspekte ihrer eigenen persönlichen Entwicklung. Die Liebe der Partner bleibt ambivalent - gespannt in der Frage, wieweit die Beziehung zueinander die Entfaltung des eigenen Potentials begünstigt oder behindert. Eine Partnerschaft, in der es keine Reibungen und keine Entwicklungen mehr gibt, ist zum Stillstand gekommen. In einer lebendigen Beziehung sind Partner einander immer auch ein Geheimnis, sie bleiben ein lebenslang auf der Suche nacheinander.
Portrait
Jürg Willi, Prof. Dr. med. Dr. h. c., war ein Psychoanalytiker und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Bis 1999 war er Direktor der psychiatrischen Poliklinik am Universitätsspital Zürich und Ordinarius für Ambulante Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Krankheiten an der Universität Zürich. Von 1999 bis 2009 leitete er das Institut für ökologisch-systemische Therapie in Zürich. Er verstarb im April 2019 im Alter von 85 Jahren. Willi war das zweite von vier Kindern des Kinderarztes und Professors für Neonatologie Heinrich Willi und seiner Frau Marie-Louise Chuardt (1904–1991). Nach seinem Medizinstudium begann er 1960 seine Lehranalyse bei Medard Boss und wurde Psychoanalytiker. Den Schwerpunkt seiner Forschungs- und Ausbildungstätigkeit bildeten Partnerbeziehungen und die persönliche Entwicklung in Partnerbeziehungen. Als erster im deutschen Sprachraum führte Willi ab 1965 Paartherapien durch. Er prägte die für die Psychotherapie von Partnerbeziehungen noch heute maßgebenden Begriffe Kollusion, Koevolution, persönliche Nische, wirkungsgeleiteter Lebenslauf und ökologische Psychotherapie. Sein Standardwerk »Die Zweierbeziehung« wurde in mehr als zehn Sprachen übersetzt und fand weltweit Beachtung. Mit der Objektkünstlerin Margaretha Dubach, mit der Willi von 1963 bis zu seinem Tod verheiratet war, hatte er zwei gemeinsame Söhne. Zusammen mit seiner Frau inszenierte und kuratierte er ab 1994 Ausstellungen in Museen in Zürich und Rieden. 1999 wurde er mit dem Ehrendoktortitel der Universität Fribourg geehrt. Für »seine innovative Erforschung der Psychologie von Liebesbeziehungen in ihren entwicklungsfördernden Aspekten« erhielt er zudem 2002 den Internationalen Otto Mainzer Preis für die Wissenschaft von der Liebe. Mit dem befreundeten Berner Psychiatrieprofessor Edgar Heim entwickelte er die psychosoziale Medizin als Pflichtfach für Medizinstudenten. Bei Klett-Cotta sind von Jürg Willi erschienen »Psychologie der Liebe. Persönliche Entwicklung durch Partnerbeziehungen« (2002), der in vier Sprachen übersetzte Titel »Therapie der Zweierbeziehung« (2008; Neuausgabe mit Untertitel: Einführung in die analytische Paartherapie – Anwendung des Kollusionskonzepts – Beziehungsgestaltung im therapeutischen Dreieck), sowie »Wendepunkte im Lebenslauf. Persönliche Entwicklung unter veränderten Umständen – die ökologische Sicht der Psychotherapie« (2007). Er ist außerdem Mitautor und Herausgeber zahlreicher weiterer Werke gewesen.
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  • Die Herausforderung der persönlichen Entwicklung durch die Partnerwahl

    Die Partnerwahl kann ? muß aber nicht ? eine Wende im Lebenslauf sein. Sie kann einen Neuanfang anbieten, doch dieser kann sich später auch als Falle oder Illusion erweisen. Eine Partnerbeziehung, die man benötigt, um eine persönliche Entwicklung zu vollziehen, ist nicht von vornherein zum Scheitern bestimmt. Partner fordern einander wichtige Entwicklungen ab, die tatsächlich vollzogen werden. Es ist jedoch von großer praktischer Bedeutung, ob die Erwartung besteht, mit der Unterstützung des Partners eine anstehende persönliche Entwicklung zu vollziehen, oder ob erwartet wird, daß der Partner für einen diese Entwicklung übernimmt, persönliche Defizite kompensiert und einem das bisher vermißte Glück beschert. Manche hoffen, den Partner mit der Lösung eigener Schwierigkeiten betrauen zu können, um ihn nachträglich zu bestrafen, wenn ihm dies nicht gelingt.

    In der Paartherapie ist für uns die Exploration der Partnerwahl von zentraler Bedeutung für das Verständnis des aktuellen Paarkonfliktes. Fragen, die wir zu stellen pflegen, sind:

    a) Welche persönlichen Entwicklungen ermöglichte ihnen der Partner und die Partnerschaft?

    b) Welche persönlichen Entwicklungen ermöglichten sie dem Partner?

    c) Welche persönlichen Entwicklungen ließen sich mit diesem Partner und der Partnerschaft vermeiden oder hintanstellen?

    d) Welche persönlichen Fehlentwicklungen ließen sich mit diesem Partner verhindern?

    e) Welche persönlichen Defizite konnten durch den Partner kompensiert werden?

    f) Wie wirkte sich die Partnerwahl auf die bisherigen Beziehungen aus, insbesondere zur Herkunftsfamilie?

     

    Ängste und Abwehrmaßnahmen in der Partnerwahl

    Bei der Partnerwahl kann die Angst groß sein, den falschen Partner gewählt zu haben und damit den richtigen zu verpassen.

    Bei Liebesenttäuschungen mit nachwirkenden Verletzungen und Verunsicherungen ist die Angst vor Wiederholung des Scheiterns besonders groß. Statt eine Zeit der Besinnung zuzulassen, in welcher sich neue Liebessehnsucht bilden kann, wird eventuell vorschnell eine neue Beziehung eingegangen, nur um das Alleinsein zu vermeiden. Die Leere, die der Partner, von dem man sich eben getrennt hat, hinterläßt, wird gleich mit einer neuen Beziehung ausgefüllt. Das ist oft nur möglich durch Herabschrauben der Ansprüche an einen neuen Partner mit anschließender Unzufriedenheit über diese Wahl. In der Paartherapie ist deshalb eine wichtige Frage: Welche Verletzungen hinterließ die frühere Beziehung? Welche Fehlentwicklung soll mit der neuen Partnerwahl vermieden werden?

    Die persönliche Entfaltung wird am wirksamsten herausgefordert durch zwei etwa gleich starke Partner. Es ist wie beim Schachspiel: Wenn einer dem anderen eindeutig überlegen ist, fühlt er sich unterfordert, wenn einer immer nur verliert, vergeht ihm die Freude am Spiel und er gibt auf.

    In der Paartherapie zeigt sich, daß jeder faule Kompromiß der Partnerwahl sich früher oder später rächen wird. Man kann einen Partner wählen, mit dem sich persönliche Schwächen gut verbergen lassen und mit dem man vor deren Offenbarung verschont bleibt. Männer fühlen sich potenzsicherer einer Frau gegenüber, die sich ängstlich und zurückhaltend anbietet. Frauen können Ängste vor Verlassenwerden kompensieren mit einem Partner, der auf ihre Fürsorge angewiesen ist. Solche oft unbewußten Arrangements zur Kompensation von Beziehungsängsten werden unter der kollusiven Partnerwahl (s. Kap. 9) eingehender behandelt.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 326
Erscheinungsdatum 2002
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-608-94336-8
Verlag Klett Cotta
Maße (L/B/H) 21,3/13,6/3,7 cm
Gewicht 487 g
Auflage 5. Aufl
Verkaufsrang 56426
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von einer Kundin/einem Kunden aus Salzweg am 27.05.2010

Anfangs dachte ich, der Buchinhalt würde den angekündigten Themen nicht gerecht werden, aber im Laufe des Lesens gestaltete es sich doch einigermaßen lesenswert.