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Dr. Katzenbergers Badereise

Nachw. v. Otto Mann

Reclams Universal-Bibliothek Band 18

Dr. Katzenberger, Erforscher von Missgeburten, selbst geizig, aggressiv und skurril, begibt sich auf die Reise, um sich an einem Kritiker seiner Gelehrsamkeit zu rächen. Launig entfaltet Jean Paul in dieser Erzählung von 1807 seine Charaktere zwischen Idylle und Metaphysik. Das Abnorme erschüttert jede Sicherheit, doch das Humane, Humorvolle rettet die Balance.
Portrait
Jean Paul (d. i. Johann Paul Friedrich Richter), 21. 3. 1763 Wunsiedel (Fichtelgebirge) - 14. 11. 1825 Bayreuth. Der aus einer armen Pastoren- und Lehrerfamilie stammende J. P. wuchs in beengten, dürftigen Verhältnissen in oberfränkischen Dörfern auf, besuchte 1779-80 das Gymnasium in Hof und studierte von 1781 an Theologie in Leipzig, ohne allerdings je die Absicht zu haben, Pfarrer zu werden. 1784 kehrte er auf der Flucht vor seinen Leipziger Gläubigern nach Hof zurück. Hier lebte er zunächst bei seiner Mutter, bis er von 1787 bis 1794 als Haus- und Privatlehrer in Oberfranken seinen Lebensunterhalt verdienen konnte. Der mit dem Erfolg des Hesperus plötzlich einsetzende Ruhm brachte ihm, neben enthusiastischen Briefen von Verehrern und v. a. Verehrerinnen, 1796 eine Einladung nach Weimar, wo er sich mit Charlotte v. Kalb, dem Ehepaar Herder und C. M. Wieland anfreundete. Nach dem Tod seiner Mutter zog er 1797 nach Leipzig, wohnte dann 1798-1800 in Weimar. 1800-01 lebte er in Berlin und heiratete Karoline Mayer (1777-1860) - und keine von den adeligen Damen, die ihn umwarben. Über Meiningen (1801-02) und Coburg (1803-04) kehrte er in seine fränkische Heimat zurück, ließ sich im August 1804 in Bayreuth nieder und blieb hier, von wenigen Reisen unterbrochen und später durch eine Pension unterstützt, bis zu seinem Tod. Nach wenig erfolgreichen Anfängen als satirischer Schriftsteller fand J. P. in der erzählenden Prosa, insbesondere im Roman, die angemessene Form für seine von Laurence Sterne beeinflusste Erzählweise. Sie ist gekennzeichnet durch Unterbrechungen, Abschweifungen, Um- und Abwege, durch eingeschobene Extrablätter, Leseranreden, Exkurse, durch die konsequente Aufhebung der Linearität zugunsten der Arabeske, durch die Kontrastierung von empfindsam-begeistertem Gefühlsaufschwung und Gesellschaftssatire, von Traumvisionen und schnöder Wirklichkeit, von Harmoniestreben und innerer Zerrissenheit und Einsamkeit. Dabei ist es die Instanz des Erzählers, die im ständigen Gespräch mit dem Leser diese Gegensätze zusammenzuhalten und eine Art Harmonie der Gegensätze, eine Synthese des Dualism zwischen Poesie und Wirklichkeit, zu stiften sucht. J. P. begreift die Kunst als Möglichkeit, die auf das Unendliche gerichtete Subjektivität des Menschen mit der Erfahrung der Beschränktheit, der Endlichkeit, zu versöhnen. Die äußere Handlung, für die er sich ohne Bedenken aus dem Motiv- und Themenvorrat der gängigen Romangattungen bis hin zum trivialen Schauerroman bediente, ist nur der Ausgangspunkt für die Darstellung eines vielschichtigen, enzyklopädischen Romankosmos, in dem alles mit allem zusammenhängt und - im Sinn seiner Definition des Humors - das Große erniedrigt und das Kleine erhöht wird, um so beide zu vernichten, weil vor der Unendlichkeit alles gleich ist und nichts. J. P. unterscheidet zwischen drei Schulen des Romans, denen er auch seine Werke zuordnet: der erhabenen italienischen, die mit Versatzstücken des Bildungs- und Staatsromans und einer Perspektive von oben arbeitet (Die unsichtbare Loge, Hesperus, Titan), der komisch-realistischen niederländischen, zu der er seine Idyllen zählt, und der mittleren deutschen Schule (Siebenkäs, Flegeljahre). Die Periode zwischen der Unsichtbaren Loge und den Flegeljahren war die produktivste Zeit des Romanschriftstellers; danach erschienen bis zu seinem letzten Roman (Der Komet) nur noch drei größere erzählerische Werke mit vorwiegend satirischer Note. Allerdings entstanden in diesen Jahren bedeutende politische Texte, die zur ans Spießige grenzenden Idylle seines äußeren Lebens in Bayreuth kontrastieren und angesichts der politischen Unterdrückung weltbürgerlichhumanistische Ideale aufrechterhalten. In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 212
Erscheinungsdatum 01.01.1986
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-000018-2
Verlag Reclam, Philipp
Maße (L/B/H) 14,8/9,7/1,1 cm
Gewicht 107 g
Buch (Taschenbuch)
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Kundenbewertungen

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Diese CD ist der perfekte Einstieg in jede Jean Paul Lektüre!
von Odilie Pressberger aus Regensburg (Donau EKZ) am 23.04.2013
Bewertet: Medium: H?rbuch (CD)

Falls Sie zu den Menschen gehören sollten, die sich nicht so richtig an Jean Paul heran trauen, sollten Sie dieses Hörbuch ausprobieren! Ich behaupte, es ist der perfekte Einstieg! So wie Christian Brückner es vorliest (zurückhaltend und dadurch umso witziger und spannender), ist es der ideale Einstieg in das gesamte Werk dieses... Falls Sie zu den Menschen gehören sollten, die sich nicht so richtig an Jean Paul heran trauen, sollten Sie dieses Hörbuch ausprobieren! Ich behaupte, es ist der perfekte Einstieg! So wie Christian Brückner es vorliest (zurückhaltend und dadurch umso witziger und spannender), ist es der ideale Einstieg in das gesamte Werk dieses Schriftstellers! Für alle Anderen, die es sowieso gerne lesen, könnte diese CD nochmal ein funkelnder Leuchtpunkt in schlaflosen Nächten oder vertrödelten Tagen sein. Ich garantiere Ihnen aufregende, schöne Stunden mit Dr.Katzenberger, seiner Tochter und einem Begleiter auf ihrer Reise in einen Badeort. Dort will der Arzt nämlich einen Mann verprügeln, der eine wissenschaftliche Abhandlung von ihm "verrissen" hat. Seine Tochter hofft auf ein Treffen mit einem Theaterschriftsteller, mit dem sie in glühendem Briefwechsel steht. Und der Begleiter? Na, der kocht sein ganz eigenes Süppchen! Lassen Sie sich beim Anhören bezaubern und bestens unterhalten. Mein Herzenswunsch? Herr Brückner möge noch viele Romane von Jean Paul vorlesen!