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Schatten aus Stein

Ein Fall für Paul Zedlnitzky

Wien 1986, ein Zahnarzt wird ermordet. Der Kriminalbeamte Zedlnitzky übernimmt den Fall, der mehr als verworren ist. Niemand aus dem privaten Umfeld des Ermordeten scheint ein Motiv zu haben.
Zedlnitzky konzentriert sich daher auf die Patientenkartei. Wobei seine Aufmerksamkeit immer wieder nachhaltig gestört wird. Da ist einerseits sein Vater, ein strammer Sozialist, der sich über den Präsidentschaftskandidaten Kurt Waldheim mokiert, und da ist andererseits diese Sache in Tschernobyl, von der man nicht so recht weiß, ob sie nun Gefahr bedeutet oder nicht. Endlich hat Zedlnitzky eine erste Spur: Sie führt in die Vergangenheit, zurück in die Zeit der NS-Verbrechen.
Portrait
Andreas Pittler, Jahrgang 1964, studierte Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft und arbeitete als Redakteur bei verschiedenen österreichischen Tages- und Wochenzeitungen. Seit 1994 ist er in der Pressestelle des österreichischen Parlaments in Wien tätig. Pittler hat zahlreiche Sachbücher und Kriminalromane veröffentlicht. Für sein schriftstellerisches Schaffen wurde er 2006 mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Paperback
Seitenzahl 240
Erscheinungsdatum 21.02.2020
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8000-8002-1
Verlag Ueberreuter Verlag
Maße (L/B/H) 21,1/13,4/3 cm
Gewicht 408 g
Auflage 1. Auflage
Verkaufsrang 8957
Buch (Paperback)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Ein fesselnder Krimi aus dem Wien von 1986
von Gertie G. aus Wien am 01.03.2020

Als Gruppeninspektor Paul Zedlnitzky am 29. April 1986 aufsteht, weiß er zwar noch nicht genau, was der Tag so bringen wird. Aber er hat ein mulmiges Gefühl. Zum einem, weil es Gerüchte darüber gibt, dass es in der UdSSR einen Unfall mit einem Kernkraftwerk gegeben hat und zum anderen, weil er gleich in der Früh - aslo quasi vor... Als Gruppeninspektor Paul Zedlnitzky am 29. April 1986 aufsteht, weiß er zwar noch nicht genau, was der Tag so bringen wird. Aber er hat ein mulmiges Gefühl. Zum einem, weil es Gerüchte darüber gibt, dass es in der UdSSR einen Unfall mit einem Kernkraftwerk gegeben hat und zum anderen, weil er gleich in der Früh - aslo quasi vor dem Frühstück - zu einer Leiche gerufen wird. Der Dentist Walter Dinotti ist in seiner Praxis getötet worden. Gemeinsam mit Kollegen Pospischil macht er sich auf den Weg, die üblichen Ermittlungen anzustellen. Die Ehefrau und eventuell vorhandene Kinder befragen, die Patientenkartei durchforsten und nach Brüchen im Lebenslauf des Ermordeten suchen. Freunde und/oder Feinde suchen - all diese kriminalistische Kleinarbeit in Zeiten ohne Computer, Mobiltelefon und sonstigen elektronischen Helferleins. Ja, der Gruppeninspektor muss sogar fremde Leute ersuchen, das Festnetztelefon benützen zu dürfen, weil kein öffentlicher Fernsprecher in der Nähe ist. Nebenbei muss er sich mit seinem Vater, einem gestandenen Sozi, der nach der Wahl von Kurt Waldheim zum Bundespräsidenten, die Welt nicht mehr versteht, herumschlagen. Doch genau das bringt ihn, gemeinsam mit der Aussage von Dinottis Freund, dem Anwalt Hirsch, auf einen aberwitzigen Ansatz, der weit hergeholt scheint: Das Motiv muss in der Vergangenheit des Opfers zu suchen sein, denn Dinotti ist zwischen 1939 und 1945 mehrmals im Gefängnis gesessen. Seine Recherchen führen ihn unter anderem in das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes und fördert Erstaunliches zu Tage. Meine Meinung: Historiker und Buchautor Andreas Pittler gehört zu meinen Lieblingsautoren. Seine Bücher, ob Krimi, historischer Roman oder Sachbuch, sind immer penibel recherchiert. Meist ist der Schauplatz, wie bei diesem, die Bundeshauptstadt Wien. In diesem Krimi ist die Hauptperson Gruppeninspektor Paul Zedlnitzky, der in einem Fall der Krimi-Reihe „Bronstein“ eine winzige Nebenrolle inne hat. Pittlers Krimis bestechen durch zeitgeschichtlich interessante Themen. Hier zum einem die Wahl von Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten, der lange Jahre seine Tätigkeit als Offizier der Wehrmacht zwischen 1941-1944, verschwiegen hat. Zum anderen die Katastrophe von Tschernobyl, die am 26. April 1986 die Welt erschüttert hat. Dies sind so die historischen Rahmenbedingungen in den Paul Zedlnitzky ermitteln muss. Obwohl der Zeitraum der Ermittlungen mit nur ein bisschen mehr als einer Woche (29.04.-08.05.) ziemlich kompakt ist, erhält der Leser eine Menge Information über die Tat, die Ermittlungen, die Familie Zedlnitzky und ein gewaltiges Stimmungsbild dieser Zeit. Nach und nach erfährt der Leser einiges über die Hintergründe zum Mord an dem Dentisten. Der Ursprung ist als „Massaker von Stein“ in die Geschichte eingegangen sind. Dazu muss man wissen, dass im Kremser Stadtteil Stein, die größte und älteste Strafanstalt Österreichs steht. So erschließt sich auch der Titel des Krimis. Das Cover zeigt auch eine Ansicht der Justizanstalt. Obwohl dieser Krimi fiktiv ist, ist es doch einigen Kriegsverbrechern wie dem erfundenen Willi Birgler gelungen, in den Wirren der Nachkriegszeit unterzutauchen und anschließend sich eine neue Existenz unter falschem Namen aufzubauen. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie vielen so etwas gelungen ist. Sehr anschaulich schildert Andreas Pittler die Situation des Jahres 1986. Da wird hemmungslos eine nach anderen geraucht, häufig auch getrunken - im Dienst und zu Hause. Da werden sexistische Sprüche geklopft und herrlich politisch unkorrekt parliert. Es ist aber auch das Jahr, in dem einiges in Umbruch gerät: Endlich beginnt ein Umdenken im Umgang mit den nationalsozialistischen Vergangenheit Österreichs. Wie wir es von Andreas Pittler gewöhnt sind, bedient er sich des Wiener Dialekts. Für diejenigen, die hier ein wenig Nachhilfe brauchen, sind die wichtigsten Phrasen am Ende übersetzt. Fazit: Ein fesselnder zeitgeschichtlicher Krimi, der hoffentlich seine Fortsetzung finden wird. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.