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Vater Morgana

Eine persische Familiengeschichte

Es kann zu Verwicklungen kommen, wenn man versucht, die deutsch-österreichisch-amerikanisch-schwedisch-britisch-persische Familie endlich einmal unter dem Christbaum zu versammeln oder »Nowrouz« – das persische Neujahrsfest zu Frühlingsbeginn – gemeinsam zu feiern. Es kommt aber definitiv zu einer globalen Katastrophe, wenn man den Tod des eigenen Vaters vor dessen Mutter geheimhalten muss, weil die liebe Verwandtschaft befürchtet, dass Måmånbosorg, die persische Omi, diesen Schock nicht überleben wird.
Portrait
Michael Niavarani, geboren 1968 in Wien, begann 1986 eine Schauspielausbildung bei Michael Mohapp und Dany Sigel. Nach vielen Auftritten im Graumann Theater wechselte er 1989 ins Kabarett Simpl, wo er 1993 die künstlerische Leitung übernahm. Michael Niavarani ist in zahlreichen österreichischen Fernsehserien, in Kinofilmen wie »Salami Aleikum« und »I love Vienna« und natürlich auch in seinen Kabarettprogrammen zu sehen. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, unter anderem den österreichischen TV-Publikumspreis Romy als beliebtester Serienstar sowie als beliebtester Kabarettist. Neben seinen Büchern und Kabarettprogrammen schreibt er auch Theaterstücke. Er ist Mitbegründer des Bühnenverlags Schultz & Schirm sowie des Shakespeare-Theaters GLOBE WIEN. Michael Niavarani hat eine Tochter und lebt in Wien.
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  • Artikelbild-0
  • Erster Teil
    Dariush Ansari
    Auferstehung in London I
    Manche Begegnungen mit Menschen in unserem
    Leben sind seltsam, unangenehm, befremdlich
    und sehr erstaunlich, so zum Beispiel, wenn
    man seinem eigenen Vater drei Monate, nachdem er
    begraben wurde in einem Lokal in London gegenübersitzt.
    Es war ein sonniger Tag Anfang März und ich war
    vor einer Stunde am Londoner Flughafen Heathrow
    angekommen, fuhr mit dem Heathrow Express bis zur
    Paddington Station, nahm dort ein Taxi nach Covent Garden
    und stieg vor dem persischen Restaurant Simurgh,
    in dem wir verabredet waren, aus, um auf meine Tante
    Agathe zu warten, die sich, wie sie mir per SMS mitgeteilt
    hatte, verspäten würde, da der Abendverkehr in
    London extrem stark war.
    Ich war nicht zum ersten Mal in London. Im Laufe
    meiner vielen Besuche habe ich eine kleine Routine entwickelt.
    Ich erreiche die Paddington Station, trinke in
    einem der Bahnhof-Cafés meinen ersten englischen Tee
    mit Milch, blättere die Times durch, die ich mir bereits
    am Flughafen gekauft habe, und "komme in London an"
    wie ich dieses Ritual nenne. Fahre dann entweder
    zu meiner Tante Agathe nach Pinner, fünf U-Bahnstationen
    nach Wembley Park, oder ins Hotel, je nachdem, wo
    ich dieses Mal übernachte. Ich übernachte meist nicht bei
    Tante Agathe, weil ich selten allein in London bin, und
    ein romantisches Wochenende macht sich in der Stadt
    besser als in dem Vorort Pinner. Auch ist man ohne Tante
    Agathe unabhängiger, was mit Lebensgefährtin immer
    besser ist. Noch dazu ist Tante Agathe gar keine wirkliche
    Tante, zumindest nicht meine, beziehungsweise: Sie
    war einmal meine Tante, als sie noch mit meinem Onkel
    Fereydoun verheiratet war und mit ihm in Wien lebte.
    Nach der Scheidung ging sie aus Schmerz und Verzweiflung
    nach England, um Urlaub zu machen und sich zu
    verlieben. Nicht in einen anderen Mann, sondern in London.
    In das London der 70er Jahre.
    Komischerweise ist der Kontakt zu ihr nie abgerissen,
    wahrscheinlich, weil ein Platz zum Schlafen in London
    immer gut ist, was meine Schwester und ich in unserer
    Jugend gerne schamlos ausnutzten, und vor allem, weil
    Tante Agathe einer der nettesten, liebsten und unkompliziertesten
    Menschen in unserer Familie ist. Wahrscheinlich
    mit ein Grund, weshalb sie nicht mehr dazugehört.
    Diesmal hatte ich keine Zeit, mein "Ich-komme-in-
    London-an"-Ritual zu zelebrieren. Wir waren um 7 p. m.
    mit meinem wiederauferstandenen Vater in Covent Garden
    verabredet und mir blieb nicht einmal die Zeit, am
    Flughafen eine Times zu kaufen, da ich keinen früheren
    Flug nach London bekommen hatte können. Ich hatte
    genau 45 Minuten, um von Heathrow nach Covent Garden
    in die Garrick Street Nummer 17 zu kommen, was
    schon bei normalem Londoner Verkehr an die vierzehn
    Stunden dauert.
    Es war zwei Minuten vor sieben. Wahrscheinlich war
    mein Vater schon da. Ich starrte auf das Schild über dem
    Eingang: "Simurgh" stand da zu lesen. Ich kannte dieses
    Restaurant nicht, es war neu und ich hatte London zum
    letzten Mal vor drei Jahren besucht. Der Name erinnerte
    mich an etwas Unangenehmes. Etwas Bedrohliches.
    Vielleicht bildete ich mir das auch nur ein. Schließlich
    war ich sehr angespannt. Andererseits kam mir der
    Name Simurgh sehr bekannt vor. Irgendetwas hatte es
    mit diesem Namen auf sich, aber im Augenblick kam ich
    nicht dahinter. Mein alarmiertes Stammhirn verlangte
    nach Beruhigung: "Wahrscheinlich ist es einfach ein persischer
    Vorname und ich habe von jemandem namens
    Simurgh gehört! Vermutlich heißt ein Freund meines
    Vaters so!?"
    Ich sah Tante Agathe aus ihrem Wagen steigen, winkte
    ihr kurz zu und hob dann meinen Kopf, schloss meine
    Augen, spürte kurz die Wärme der Londoner Wintersonne
    auf meinem Gesicht, dachte noch ein Mal an
    Simurgh und was es bedeuten könnte und atmete schließlich
    tief durch: Gleich werden ich und Tante Agathe
    meinem
    Vater gegenübersitzen, einem Toten, der vor drei
    Monaten gestorben ist ...
    Se
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 384
Erscheinungsdatum 01.10.2011
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-492-26438-9
Verlag Piper
Maße (L/B/H) 19,2/12/3 cm
Gewicht 319 g
Verkaufsrang 4028
Buch (Taschenbuch)
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11,40
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Buchhändler-Empfehlungen

Persien trifft Wien

Andrea Kropik, Thalia-Buchhandlung Gerasdorf

...oder besser gesagt: eine persische Großfamilie, die über den halben Erdball verstreut ist, plant ein Familientreffen in Wien.Wer Niavarani kennt, weiß, dass das nur im Chaos enden kann. Die von allen geliebte Oma soll nicht erfahren, dass einer ihrer Söhne kurz vor Weihnachten gestorben ist, niemand möchte diese traurige Angelegenheit der alten Dame beichten. Da wird dann getrickst, geflunkert und nach Ausflüchten gesucht, dass sich die Balken biegen, sogar ein Doppelgänger aus England wird engagiert. Der spricht aber leider kein Persisch. Bevor alle einen Nervenzusammenbruch erleiden, fliegt der ganze Schwindel doch noch auf, aber bis dahin ist für reichlich lustiges Wirrwarr gesorgt.

Niavarani lesen bedeutet lächeln schmunzeln, lachen

Brigitte Schuster, Thalia-Buchhandlung Wr. Neustadt

Die Familie Ansari verlässt den Iran, die Familie verstreut sich in verschiedene Richtungen – Wien, Berlin, Stockholm, New York und Boston. Jedes Familienmitglied versucht in einem anderen Land Fuß zu fassen. Es fällt ihnen nicht leicht und sie bleiben ihren Wurzeln sehr treu. Das macht es ihnen in ihrer neuen Heimat natürlich nicht leicht. Ganz absurd ist es als Dariush Ansari überraschend stirbt. Wie sollen sie das der Mutter Mamambosorg erklären. Sie bauen ein Lügenkabinett um diese Geschichte auf. Die Familie engagiert sogar einen Doppelgänger. Eine Geschichte zum Ausspannen und fröhlich sein.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
8 Bewertungen
Übersicht
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Zum Lachen komisch und gleichzeitig tief berührend
von einer Kundin/einem Kunden am 10.05.2014
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Ich war sehr neugierig auf ein Buch von Michael Niavarani und gleichzeitig skeptisch, ob mir ein Buch von ihm als Autor gefallen würde. Ich war von diesem Buch letztendlich aber sehr begeistert. Der Schreibstil ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Ich habe mich aber dann sehr schnell reingefunden. Die Geschichte ist wun... Ich war sehr neugierig auf ein Buch von Michael Niavarani und gleichzeitig skeptisch, ob mir ein Buch von ihm als Autor gefallen würde. Ich war von diesem Buch letztendlich aber sehr begeistert. Der Schreibstil ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Ich habe mich aber dann sehr schnell reingefunden. Die Geschichte ist wunderbar. Ich habe so oft laut losgelacht, weil einfach so viele witzige und absurde Situationen beschrieben wurden. Gleichzeitig wird aber auch ein ernstes Thema behandelt, der Tod eines Familienmitglied. Der Verlust wird in berührender Weise dargestellt und es wird allen schließlich klar, dass die Lücke, die sich aufgetan hat, nicht mehr gefüllt werden kann. Das Ende ist in dieser Hinsicht auch sehr traurig. Das Erstaunliche ist, dass diese beiden Aspekte, das Lustige und das Berührende, in diesem Buch gut nebeneinander bestehen können und sich gegenseitig nicht negativ beeinflussen oder die Wirkung des anderen schmälern. Einige Fehler sind in dem Buch vorhanden, die man bei so einem Verlag eher nicht erwarten würde. Diese haben mich aber nicht besonders gestört. Dieses Buch hat sich meiner Meinung nach 5 Sterne vollkommen verdient.

Niavarani at its best
von Barbara Loibnegger aus Wien am 04.09.2012

Ein urkomischer Familienroman, der für mich im Kopf so war, als ob er mir vom Herrn Niavarani persönlich vorgelesen würde. Ein echter österreichischer Lesegenuss!

Eine etwas andere Familiengeschichte
von Verena Reinalter aus Innsbruck/Sillpark am 31.05.2012

Michael Niavarani ist mit seinem Roman "Vater Morgana" eine ausgezeichnete Familiengeschichte der etwas anderen Art geglückt. Mit sehr viel Humor beschreibt Niavarani seine mulikulturelle Familie, die sich in großem Aufruhr befindet. Nach dem Tod seines Vaters hat die Familie beschlossen diesen Umstand vor der Großmutter "Maman... Michael Niavarani ist mit seinem Roman "Vater Morgana" eine ausgezeichnete Familiengeschichte der etwas anderen Art geglückt. Mit sehr viel Humor beschreibt Niavarani seine mulikulturelle Familie, die sich in großem Aufruhr befindet. Nach dem Tod seines Vaters hat die Familie beschlossen diesen Umstand vor der Großmutter "Mamanbosorg" geheim zu halten. Dieses "Projekt" gestaltet sich allerdings als etwas knifflig nachdem die Oma aus Amerika ihren Besuch in Wien angekündigt hat....