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Die Arbeit des Gelehrten

Der Nationalökonom Karl Bücher (1847-1930)

Beate Wagner-Hasel

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Beschreibung

Karl Bücher gilt als Pionier der empirischen Sozialwissenschaft und als Initiator einer Debatte über die antike Wirtschaft, die vor allem von Max Weber aufgegriffen wurde. Beate Wagner-Hasel schildert in ihrer Biografie sowohl das wissenschaftliche Wirken als auch das bürgerliche Leben Büchers. Anhand der umfassenden Briefe seiner Ehefrau rekonstruiert sie den Leipziger Gelehrtenalltag um 1900: zwischen bürgerlicher Sparsamkeit und Konsum, zwischen akademischen Ehren und streitbaren Auseinandersetzungen mit den Kollegen. Gleichzeitig führt sie vor Augen, dass Büchers Arbeiten auch heute noch mit Gewinn gelesen werden können.

"Mit der Biographie liegt ein Werk vor, das eine unverzichtbare Grundlage für die weitere Bücherforschung bildet und diese zugleich inspirieren vermag.", Comparativ, 01.09.2012

Beate Wagner-Hasel ist Professorin für Alte Geschichte an der Universität Hannover.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 405
Erscheinungsdatum 07.03.2011
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-593-39433-6
Verlag Campus
Maße (L/B/H) 21,4/14,4/3,3 cm
Gewicht 511 g
Abbildungen 29 schwarzweisse - und mit 3 Farbabbildungen

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  • Städtische Haushaltsführung und Abendgesellschaften

    Auch wenn Emilie Bücher am eigenen Komfort ungern spart, so erscheinen ihr die Kosten des gesellschaftlichen Lebens, die in Leipzig im Vergleich zu Karlsruhe steigen, als hoch. »Gerade die städtische Bürger-Gesellschaft der Zeit vor 1914 übte eine enorme soziale Kontrolle aus, der sich der Einzelne kaum entziehen konnte, ohne Gefahr zu laufen, gesellschaftlich, beruflich und geschäftlich ins Abseits zu geraten«, meint Schäfer im Hinblick auf die Leipziger Verhältnisse. Die Zugehörigkeit zur bürgerlichen Welt musste auch in der Bildungselite, der die Büchers angehörten, »regelmäßig einem mehr oder minder umfangreichen Kreis von Gleichgestellten demonstriert« werden. Dies geschah über Einladungen zu festlichen Abendessen in der eigenen Wohnung, die eine repräsentative Ausstattung verlangte, um diese Funktion der Inszenierung bürgerlicher Häuslichkeit erfüllen zu können. Die Gewährleistung einer solchen bürgerlichen Statusdemonstration fiel in den Aufgabenbereich der Ehefrauen, die über eine entsprechende geschmackliche und ästhetische Bildung verfügen mussten.
    Nicht ohne Sinn für Humor schildert Emilie Bücher in ihren Briefen gegenüber Eltern und Schwester ihre vielfältigen Aufgaben als Gastgeberin. In den Anfangsjahren beschreibt sie detailliert den Aufwand für Köchin, Servierfrau und Speisen für die Abendgesellschaften. Sie unterscheidet zwischen »Reformgesellschaften« mit jüngeren Kollegen und Gesellschaften für ältere Geheimräte. Für Abendgesellschaften mit Geheimräthen werden eine Köchin und eine Servierfrau eingestellt, die dem fest angestellten Dienstmädchen zur Seite stehen; bei den Reformgesellschaften kocht die Magd. Emilies Schilderungen zeigen, wie weit dieses Leben von der ländlichen Eigenwirtschaft der Jugendjahre Büchers entfernt ist: »Nächsten Donnerstag 31st. haben wir unsere 6te Einladung«, schreibt sie im Frühsommer 1894 an Mutter und Schwester, »4x ohne Köchin. Das nächste mal, weil es fast lauter Geh[eim]Räthe sind, wird wieder ein Küchendrache draußen regieren, den Kochlöffel schwingen!« Die Einstellung von zusätzlichem Küchenpersonal empfindet sie als Entlastung. »Wißt ihr – mühsam ist die Geschichte auf diese Weise nicht, Karl richtet das Geschirr etc., die Servierfrau deckt den Tisch, holt die dessert u. compotteller, Tassen etc. aus dem Schrank heraus, ich übersehe das Ganze, Karl zahlt’s. Wie gesagt, es geht ganz gut, ist aber theuer. Namentlich die Kochmadame.« Die Speisenfolge umfasst mehrere Fleisch- und Fischgerichte, die heute einem Gourmetessen im Drei-Sterne-Restaurant entsprechen. »Erst will sie«, so berichtet Emilie, »ein ragoût aus 6 Kalbszungen, 4 Barschen mit 24 Krebsen« kochen. Dann folgen »Rehrücken, Salat. Eis. Butter. Käse.« Wiederholt betont sie die Entlastung durch das Personal. »Den Thee erst u. den Kaffee zuletzt besorgt auch die Dienerschaft, ich brauche mich nicht darum zu bekümmern.« Nur wenn es um die Kosten geht, offenbart sich Emilies sparsamer Sinn. »Wie gesagt, das Geld reut mich, eine solche Gesellschaft von 19 Pers. kommt bald auf 100 M. mit Wein etc. Die jüngeren Damen haben ausgemacht, die Geschichte viel einfacher zu machen. Ich habe auch schon eine solche Reformgesellschaft gegeben. Ohne Köchin etc. Werde es auch immer thun, wenn es jüngere Leute sind. Bei den Alten will Karl keine Experimente. Einladen muß sein. Ich glaube, ich habe es Euch schon mündlich erklärt.«
    Da die Büchers nicht nur eine Abendgesellschaft pro Semester geben, müssen die Kosten für die Geselligkeit beachtlich gewesen sein. Ausgaben in Höhe von 400 Mark hat Erna Meyer-Pollack für den Haushalt eines Berliner Justizbeamten für das Jahr 1888, dem Jahr seines Umzuges nach Berlin, ermittelt, in dem viele Antrittsbesuche und Gegeneinladungen anfielen. Etwa drei bis fünf Prozent des verfügbaren Jahresbudgets wurde in der Regel für derartige Geselligkeiten ausgegeben. Das Budget für Geselligkeiten im Bücher’schen Haus wird kaum darunter gelegen haben. Im nächsten Sommer rapportiert Emilie Bücher wieder über die unangemessenen Kosten: »Also unsere Gesellschaft ist recht gut und hübsch abgelaufen, aber theuer kommt es mit der Kochfrau, diese bekommt 8 Mark u. spart natürlich gar nicht, der Abend mit 16 eingeladenen Personen – mit uns 18 – kommt ungefähr mit Wein und allem auf 100 Mark. Das ist vielleicht für viele Leute nicht zu hoch, für meine bisherigen Begriffe jedoch viel zu viel.« Die Köchin findet sie »sehr bequem, denn sie macht alles, richtet die Speisen her, kocht auch den Thee u. Kaffee. Ich kam mir selbst wie eine Eingeladene vor.« Die Speisenfolge ist wieder aufwendig: »Wir hatten erst Filet mit Trüffel u. Kartoffeln u. Spargelgemüse garniert, 2. Forellen (20 Stück 25 Mark) mit Butterküglein, […] dann Käse, zuletzt Dessert. Umständlich ist es, daß man vorher Thee geben muß, zuletzt im Salon Kaffee, dann Sodawasser u. Bier.« Die Forellen will sie nie mehr geben, »das ist sündhaft theuer, ein anderer Fisch thut’s auch.« Auf eine Köchin kann sie dagegen nicht verzichten, da »lauter Geheimräthe« geladen sind, »d. h. nur Roschers sind wirklich Geheimrath, die anderen alle Geh. Hofrath u. lassen sich doch der Abkürzung wegen Geheimrath schimpfen.« Wenn »einfachere kleinere Leute« kommen, müssen diese »Karolines Kocherei essen«. Als auf einer Gesellschaft, zu der die Büchers geladen sind, Champagner serviert wird, meint Emilie, dass eine arme Familie davon das ganze Jahr leben könne. Von den Bewirtungskosten in Höhe von 100 Mark hätte sie sich selbst zusammen mit Sohn und Ehemann eine Woche Urlaub in einer kleinen Pension leisten können.
    Gesellschaften für Studenten gestalten sich preisgünstiger und machen der Hausfrau mehr Vergnügen. Am 26. Februar 1904 hält sie im Brief an die Schwester Mathilde fest: »Morgen ist letztes Winterprofessorium. Dienstags Gesellschaft bei uns. Lauter alte Geheimräthe, so daß es mir ein bisserl unbehaglicher ist als sonst, ich mache nicht gerne gr. Umstände, weiß aber nicht, ob diese meine Einfachheit nicht krumm auffassen. Die Studentengesellschaft fiel gut aus. Es ist immer ein Vergnügen, den guten Appetit zu sehen!« Meist serviert sie Bohnen, Kalbsschlegel oder Hammelkeulen sowie Käse, Obst und Kuchen. »Wenn es nicht die Mühe wäre«, schreibt sie ihren Eltern im Dezember 1894, »sollte man diese armen jungen Leute wirklich öfter einladen; sie scheinen es sehr zu schätzen, die meisten, wenn nicht Leipziger, sind ja ohne Familie hier. Die Kosten sind, da man es einfach macht, nicht allzu groß. Das erste Mal hatten wir einen großen Kalbsschlegel 16 Pfund, 12 Pfund nach Entnahme aller Knochen, dazu 5 Pfund Büchsenbohnen u. Kartoffeln. Dann Apfelkuchen (Hefeteig vom Bäcker), dann Käse u. Butter – aus ist’s. Das zweite Mal dasselbe nur 2 Hammelkeulen […]. Jetzt kommen sie gelaufen, die Jünglinge u. machen Besuche, die Einen lange, die Anderen nur kurze; Einer wechselte auf der Treppe seinen kl. Filzhut mit dem chapeau longue, den er in der Schachtel mitgebracht hatte. Karl hatte es natürlich ganz und gar vom Hausfenster aus beobachtet. – So gibt’s immer was zu lachen mit u. über diese Studenten. – Karl, der eben immer viel zu thun hat, macht meist ein etwas unglückliches Gesicht bei diesen Verdauungsvisiten, weil sie ihm seine kostbare Zeit nehmen.«
    Aus den Schilderungen der Speisenfolge an den Abendgesellschaften, die mit den Jahren knapper werden, geht immer wieder die Vorliebe Emilies für industriell gefertigte Nahrungsmittel wie Büchsengemüse hervor, das sie am Anfang nur Studenten, nachdem es aber in den Haushalt der inzwischen allein stehenden Schwester Eingang findet, auch den Kollegen ihres Mannes serviert. Spargel in Büchsen findet sie sogar geschmacklich besser als frischen Spargel, den sie trotz Dienstmädchen selbst schälen muss. Dass Gemüsekonserven teurer waren als frisches Gemüse, spielt in den Überlegungen über die Kosten der Geselligkeiten keine Rolle. Ihr scheint die Arbeitsersparnis wichtiger zu sein. Überhaupt tritt aus den Bemerkungen der Hausfrau die Marktabhängigkeit des Bücher’schen Haushalts deutlich hervor. Die Vorratswirtschaft beschränkt sich in Leipzig nur noch auf das Einlagern von Äpfeln, Kartoffeln und Kohlen. Kartoffeln und Kohlen sind im Keller, der Winter kann kommen, vermeldet Emilie regelmäßig im Herbst. Auch erwähnt sie die Lieferungen aus der Kirberger Landwirtschaft: Kartoffeln, Stachelbeerwein, eine Gans, Obst. Zugleich geht aus dem Umfang, den diese Schilderungen ihrer Gastgeberrolle in den Briefen einnehmen, die Bedeutung der »Gesellschaften« für die Statusvergewisserung als kompetente Hausfrau hervor.
    Einen beträchtlichen Anteil an den Kosten für eine standesgemäße Lebensführung werden auch die Ausgaben für die Garderobe gehabt haben, zumal der beschleunigte Wandel der Mode seit den 1890er Jahren einen Anpassungsdruck erzeugte, dem sich auch Emilie Bücher nicht entzieht. Regelmäßig im Herbst und Frühjahr berichtet sie ihrer Schwester Mathilde von den Plänen für die Umarbeitung und Anfertigung der Sommer- und Wintergarderobe und bittet sie um Rat bei der Wahl des Stoffes und der Farben. Auf Konfektionskleidung lässt sie sich nur in geringem Maße ein, sondern nimmt lieber die Dienste einer Schneiderin, manchmal auch die ihrer Schwester in Anspruch. Auch hier spielen Kostenerwägungen eine Rolle. Als sie sich im Frühjahr 1893 von der Schwester ein Lodenkleid schneidern lässt, meint sie, dass sie für die veranschlagten 33 Mark auf keinen Fall etwas Vergleichbares in Leipzig bekäme. »Dein Anerbieten ist gar zu verlockend.« »Fertige Kleider« aber, die »billig zu kaufen« seien, passen ihr, wie sie meint, leider nicht.
  • Inhalt

    Einleitung: Lebenswelt und Wissenschaft im Kaiserreich 11
    I. Karrierewege: Von der Altertumswissenschaft zur Nationalökonomie 26
    II. Gelehrtenleben in Leipzig 82
    III. Wissenschaftliche und politische Wirksamkeit 241
    IV. Epilog: Antike Wirtschaftsgeschichte im 21. Jahrhundert 315

    Abbildungsverzeichnis 341
    Abkürzungen 343
    Bibliographie 344
    Dank 388
    Personenregister 391