Adam und Evelyn

Roman

Ingo Schulze

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Beschreibung


»Eine paradiesische Parabel.« Paul Jandl in der ›NZZ‹

Ingo Schulze erzählt vom Spätsommer 1989 – und entdeckt in der Wendezeit die menschliche Urgeschichte von Verbot und Verlockung, Liebe und Erkenntnis. Im Spiel mit dem biblischen Mythos von Adam und Eva gelingt ihm eine grandiose Tragikomödie.

Die Frauen lieben Adam, weil er ihnen schöne Kleider schneidert. Und Adam liebt schöne Frauen. Abgesehen davon liebt er Evelyn. Die aber ertappt ihn eines heißen Augusttages 1989 in flagranti. Statt mit Adam fährt Evelyn gemeinsam mit einer Freundin und deren Westcousin an den Balaton. Und Adam fährt mit seinem alten Wartburg hinterher. Ungarn will die Grenze gen Westen öffnen. Plötzlich ist das Paradies zum Greifen nah – und alle müssen sich entscheiden.

Ingo Schulze wurde 1962 in Dresden geboren und lebt in Berlin. Er wurde u.a. mit dem Joseph-Breitbach-Preis und dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Seine Bücher erscheinen in 30 Sprachen.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Erscheinungsdatum 01.05.2010
Verlag dtv
Seitenzahl 320
Maße (L/B/H) 19,2/12/2,3 cm
Gewicht 272 g
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-423-13876-5

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Der "Westen" - das Paradies???
von J.G. aus Berlin am 29.06.2010

Der Roman „Adam und Evelyn“ spielt im Sommer 1989. Adam ist Damenmaßschneider, er besitzt ein kleines Haus mit Garten und hat einen „Oldtimer“-Wartburg, Jahrgang 1961. Seine Freundin Evelyn ist Kellnerin, mit großem Wunsch Kunstgeschichte zu studieren. An einem Sommertag erwischt Evelyn Adam „in flagranti“ und flüchtet mit ihrer... Der Roman „Adam und Evelyn“ spielt im Sommer 1989. Adam ist Damenmaßschneider, er besitzt ein kleines Haus mit Garten und hat einen „Oldtimer“-Wartburg, Jahrgang 1961. Seine Freundin Evelyn ist Kellnerin, mit großem Wunsch Kunstgeschichte zu studieren. An einem Sommertag erwischt Evelyn Adam „in flagranti“ und flüchtet mit ihrer Freundin und deren West-Cousin an den Plattensee. Es ist jener heiße Sommer, wo große Teile der DDR nach Ungarn reisen, in der stillen Hoffnung, dass sich die Grenze öffnet Adam reist ihnen voller Schuldgefühle mit dem Wartburg hinterher. Die Ungarn öffnen die Grenzen. Es kommt der Tag der Entscheidung, Die genervte Evelyn will raus aus der DDR, will in den Westen, will leben, sich nicht weiter einschränken müssen. Adam, dem es eigentlich ganz gut geht mit seinem Schneiderberuf, seinem Haus, seinem Garten, den gefälligen Kundinnen, der möchte eigentlich in der DDR bleiben. Da greift Ingo Schulze in die Metapherkiste, eine Verknüpfung zwischen Mythos und Zeitgeschichte muss her, Eva vertreibt Adam aus dem Paradies. Evelyn geht in den Westen und Adam folgt ihr. Die Sprache strahlt eine Leichtigkeit aus im Gegensatz zum schweren Thema des Buches. Die Geschichte liest sich schnell und besteht hauptsächlich aus Dialogen. Die besonderen Probleme und Sehnsüchte, die mit dem Aufeinanderprallen der beiden Lebenswelten in Ost und West verbunden sind, kommen sehr gut zur Geltung und sind auch als Zeitgeschichte interessant zu lesen. Die Verknüpfung mit der Bibel durchzieht den gesamten Roman. Sehr interessant und zu empfehlen…

Liebe zu Zeiten der Wende
von Michael Lehmann-Pape am 11.05.2010

Nicht nur die Temperaturen sorgen für Hitze im August 1989, auch die erhitzten Gemüter lassen die Atmosphäre brodeln. Zu tausenden suchen die Bürger der DDR Möglichkeiten, ihr Land zu verlassen. Ungarn ist im August 1989 hier die erste Wahl. Geschichten machen die Runde, dass die Ungarn an den Grenzen öfter in die andere Richtun... Nicht nur die Temperaturen sorgen für Hitze im August 1989, auch die erhitzten Gemüter lassen die Atmosphäre brodeln. Zu tausenden suchen die Bürger der DDR Möglichkeiten, ihr Land zu verlassen. Ungarn ist im August 1989 hier die erste Wahl. Geschichten machen die Runde, dass die Ungarn an den Grenzen öfter in die andere Richtung schauen, wenn einzelne oder eine kleine Gruppe von Ostdeutschen den Weg Richtung Österreich suchen. Für Adam ist dies alles noch nicht von großer Bedeutung. Er wäre bereits zufrieden mit seinem Leben in seinem Land, wenn der neu bestellte Lada geliefert werden würde und ihm eine zweite Garage möglich wäre. Es kann ansonsten gerne so bleiben wie es ist. Ansonsten liebt der Schneider Adam seinen Beruf und seine Kundinnen lieben ihn. Und er liebt Evelyn. Leider aber kann Adam den weiblichen Formen seinen Kundinnen, wenn Sie zur Anprobe seine geschneiderten Kleider tragen, nicht widerstehen. Evelyn ahnt durchaus, dass es für Adam nicht immer nur beim Hantieren mit seinem Maßband bleibt. Als sie ihn aber in flagranti erwischt, sagt sie umgehend den gemeinsam geplanten Urlaub in Ungarn mit Adam ab und fährt mit Ihrer Freundin und deren Cousin aus dem Westen auf eigene Faust. Adam aber liebt Evelyn, für sie würde er bis ans Ende der Welt fahren. So steigt er in seinen 1961er Wartburg, liebevoll "Heinrich" genannt, und folgt den dreien nach Ungarn. Mitten hinein in die Masse der Fluchtwilligen. Mehr und mehr verstrickt sich Adam ungewollt in die politischen Dimensionen jener Wochen, bringt eine Frau in seinem Kofferraum nach Ungarn, muss erleben, wie Evelyn sich dem Cousin aus dem Westen zuwendet und betrachtet betrübt sein auseinanderbrechendes, kleines Lebens-Paradies. Als ob das nicht ausreichen würde, diese Idylle und seine Liebe. Ob es doch ausreicht? Das wird erst am Ende des Buches deutlich. Ingo Schulz, vielfach ausgezeichneter Autor, 1961 in Dresden geboren, erzählt eine, durch die vielen kurzen Kapitel und vielen kurzen Sätze temporeiche und doch tiefgehende Geschichte. Unaufgeregt, ohne Pathos, beschreibt er (nicht nur) die Zeit kurz vor dem Zusammenbruch der DDR aus der Innensicht. Seine Figuren sind lebendig und künden von der Spannung zwischen dem gemeinsamen, schönen Leben in einem überschaubaren, allerdings von außen eigeengtem Rahmen und den Versuchungen nach Freiheit und Abenteuer "da draußen". Adam und Evelyn hätten, wie Adam und Eva, durchaus ihr kleines Paradies. Wenn nicht Adam die Weiblichkeit und Evelyn die Freiheit beständig locken würde. Und beide erliegen durchaus den Versuchungen hier und da. Auch dies ist ein "da draußen" im Buch, nicht nur die Gedanken an Flucht in ein anderes Land. Deutlich wird von Seite zu Seite mehr, dass, einmal von der Frucht der Freiheit gekostet, ein einfaches zurück nicht mehr möglich sein wird. Von besonderer Güte ist die Gestaltung der Dialoge. Ingo Schulz braucht seine Figuren gar nicht über Seiten hinweg erzählend zu beschreiben, in den wunderbar alltäglichen Dialogen treten die Figuren Satz für Satz mehr ins Leben:

Adam und Evelyn
von einer Kundin/einem Kunden am 17.09.2009
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Schönes Buch - vor allem, wenn man sich gern mal wieder an den Spätsommer 1989 und die Zeit der Wende zurückerinnern möchte. Es gelingt Ingo Schulze sehr gut die politische Situation, aber auch zwischenmenschliche Sommergefühle und die jeweils damit verbundenen Versuchungen darzustellen. Auf der einen Seite die Versuchung in den... Schönes Buch - vor allem, wenn man sich gern mal wieder an den Spätsommer 1989 und die Zeit der Wende zurückerinnern möchte. Es gelingt Ingo Schulze sehr gut die politische Situation, aber auch zwischenmenschliche Sommergefühle und die jeweils damit verbundenen Versuchungen darzustellen. Auf der einen Seite die Versuchung in den Westen zu gehen und dort das langersehnte "Paradies" zu erleben und auf der anderen Seite die Versuchung ein aufregendes Liebeserlebnis außerhalb der eigenen Beziehung zu haben. Die vom Autor gewählten Namen der beiden Protagonisten "Adam und Evenlyn" sollen natürlich an das biblische Paar erinnern. Mir hat es besonders gut gefallen, noch einmal in die Zeit der Wende abzutauchen und aber auch über amüsante und zum Teil auch nachdenkliche Verwicklungen im Bezug auf die Liebe zu lesen. Empfehlenswert vor allem für Menschen, die 1989 schon bewusst erlebt haben.


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