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Jugend ohne Gott

Roman. Mit drei autobiografischen Skizzen des Autors und einem Nachruf von Klaus Mann

detebe Band 23914

Ein junger Lehrer verzweifelt an der Skrupellosigkeit seiner Schüler und muss feststellen, dass auch er selbst nicht frei von Schuld ist. Als er schließlich in einen Mordfall verwickelt wird, kann er sein Gewissen nicht länger verleugnen …
Portrait
Ödön von Horváth, 1901 im ungarischen Fiume geboren, schrieb im Alter von 14 Jahren seinen ersten deutschen Satz. Von Berlin, wo er mit seinen ›Geschichten aus dem Wienerwald‹ große Erfolge feierte, floh er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zunächst nach Wien und emigrierte später über Budapest und Prag nach Paris. In seinem Spätwerk, den Romanen ›Jugend ohne Gott‹ und ›Ein Kind unserer Zeit‹, setzte er sich mit dem Faschismus auseinander. 1938 wurde Horváth auf den Champs-Élysees während eines Gewitters von einem Ast erschlagen.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 172
Erscheinungsdatum 24.03.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-257-23914-0
Verlag Diogenes Verlag AG
Maße (L/B/H) 17,9/11,3/1,5 cm
Gewicht 157 g
Auflage 4. Auflage
Verkaufsrang 23132
Buch (Taschenbuch)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
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Übersicht
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Was wird das für eine Generation? Eine harte oder nur eine rohe?
von einer Kundin/einem Kunden am 24.10.2017
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Es ist nicht nur eine ganze Generation, gegen die er sich stellt - Schüler, Eltern, Offziere. Es ist eine Weltanschauung, eine Ideologie, ein Glauben. Ein Glauben, den er nicht vertritt. Er kämpft, um sich nicht unterordnen zu müssen, seine eigene Meinung vertreten zu dürfen. Er kämpft, um selbst denken zu dürfen, hinterfragen z... Es ist nicht nur eine ganze Generation, gegen die er sich stellt - Schüler, Eltern, Offziere. Es ist eine Weltanschauung, eine Ideologie, ein Glauben. Ein Glauben, den er nicht vertritt. Er kämpft, um sich nicht unterordnen zu müssen, seine eigene Meinung vertreten zu dürfen. Er kämpft, um selbst denken zu dürfen, hinterfragen zu dürfen. Aber er hinterfragt nicht nur den Glauben oder die Ideologie. Er hinterfragt auch die Religion, die Rolle des Staates und der Gesellschaft. Er hinterfragt seine Existenz. Er hinterfragt das ganze Sein. Er kämpft, bis er aufgibt. Bis er sich geschlagen gibt. Er kämpft, bis er nicht mehr kämpft. Es ist das Bild einer verkorksten Jugend, die von Horvath hier beschreibt. Einer Jugend, gnadenlos und eiskalt. Einer Jugend, geblendet von falschen Ideologien und Rassenvorstellungen. Geblendet von dem Glauben an die Überlegenheit der eigenen Rasse. Und es ist das Bild eines Mannes, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, über andere zu urteilen (zurecht, bedenkt man seinen gesellschaftlichen Kontext), aber sich bald eingestehen muss, dass auch er nicht völlig ohne Schuld ist. Dass vielleicht niemand völlig ohne Schuld ist. Und dass irgendwann der Moment kommt, an dem man sich fragen muss, wie man denn handeln möchte. Wie man denn sein möchte. Ob man weiter schweigen kann oder sich eingestehen muss, dass jeder Sklave seiner Handlungen und Entscheidungen ist. Und dass der Moment kommt, kommen kann, an dem man sich beugt. An dem man aufgibt. Auch wenn man es nicht möchte, auch wenn es den eigenen moralischen Vorstellungen widerspricht. Es kommt der Moment, an dem man sich beugt. Es ist eine klare, direkte Sprache mit der von Horvath die Entwicklung des Faschismus' der NS-Zeit beschreibt. Dabei kommt es durchaus auch vor, dass man lachen muss, weil man es einfach nicht glauben kann, dass erwachsene Menschen sich so leicht "verführen" lassen, einer Lüge so leicht aufliegen. Doch genau das war der Fall. Genau das war die Realität. Und wenn man das begrifft, sich dessen bewusst wird, Seite um Seite, dann vergeht das Lachen ganz schnell, weicht dem Entsetzen darüber, wie so etwas passieren konnte. Doch von Horvarths Buch ist so viel mehr als ein Anprangern der Kollektivschuld während des Regimes. Es ist vor allem ein Buch über die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, über die Rolle von Moral, von Verantwortung und Schuld. Es ist ein Buch, welches immer wieder die eine Frage stellt: Soll ich schweigen, um mich selbst zu schützen oder sage ich die Wahrheit, obwohl ich mich dadurch selbst in Gefahr bringe? Genau diese Frage ist es, die dieses Buch auch heute noch, obwohl bereits 1937 erschienen, mit einer Aktualität belegt, die seinesgleichen sucht. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklung und der Frage nach Anstand und Moral ist dieses Buch alles andere als ein eingestaubter Klassiker, sondern Pflichtlektüre und Lehre, wie man es nicht machen sollte. Lehre, wie schnell sich einzelne Ansichten zu einem Kollektiv entwickeln können. Lehre, wie schnell wir uns ihr hingeben, der Lüge, der Mutter aller Sünden.

Generationen ohne Gott
von einer Kundin/einem Kunden aus %3B505031984854217 am 08.01.2013
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Die Plebejer sind an der Macht, sie feiern den Geburtstag des Oberplebejers und auch sonst folgen sie ganz unkritisch seinen Worten und den Reden seiner Unterstützer, die flächendeckend, das Land durch das Radio beschallen. Darin ein Lehrer der verzweifelt eine Nische für sich und seine Ansichten sucht. Auffallen will er um k... Die Plebejer sind an der Macht, sie feiern den Geburtstag des Oberplebejers und auch sonst folgen sie ganz unkritisch seinen Worten und den Reden seiner Unterstützer, die flächendeckend, das Land durch das Radio beschallen. Darin ein Lehrer der verzweifelt eine Nische für sich und seine Ansichten sucht. Auffallen will er um keinen Preis, seinen Schülern aber verkommene Werte vermitteln auch nicht, so windet er sich zwischen den Stühlen und scheitert wohl gerade durch diese Unentschlossenheit am Allermeisten. Als es auf einem Zeltlager zu einem tragischen Zwischenfall kommt verändert sich nicht nur für den Lehrer das komplette Denken und Handeln. Aus der Ich-Perspektive des Lehrers werden die Ereignisse geschildert, dabei tritt auch der Charakter dieser Person deutlich zu Tage. Klar und mit umsichtig gesetzten Worten führt uns Horvàth in die Lebenswelt des Protagonisten und macht ihn für uns mit allen seinen Schwächen und den wenigen Stärken, die er sein Eigen nennen mag lebendig. Mit „Jugend ohne Gott“ legte Ödön von Horvàth einen sozialkritischen Roman vor, der Seinesgleichen sucht. Auf 182 Seiten bemüht der Autor Metapher um Metapher, zitiert die Bibel und andere bekannte Schriften und spart nicht an kritischen und sarkastischen Aussagen. Kein Wunder, dass der Roman 1938 auf der „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ geführt wurde und im gesamten Reichsgebiet eingezogen wurde, zu offensichtlich waren die Vergleiche zum Deutschen Reich und seiner Propagandamaschinerie. Mehr als nur einmal fragt man sich bei „Jugend ohne Gott“, welche Generation Horvàth wohl gemeint haben mag, die gottlos durch ihr Leben geht. Die damaligen Jugendlichen, oder vielleicht doch die Erwachsenen, denen es nicht gelingt Verständnis für die Jüngeren aufzubringen und damit eine Brücke zu deren Einstellungen zu schlagen? Am Ende mag ich für mich herauslesen, dass jede Generation gottlos ist und es immer an uns selbst liegt, dies zu ändern oder noch zu verstärken. Im Kleinen wie im Großen.

Das Zeitalter der Fische
von Tanja Ciprian aus Vogel Thalia Winterthur am 30.06.2011
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Nach wie vor Schullektüre, ist dieses Buch ein Krimi der besonderen Art. Hier gilt es, einen Lehrer kennen- und bemitleiden zu lernen, der zu Zeiten Hitlers den Mord an einem seiner Schüler aufzuklären gezwungen ist. Auf der anderen Seite lernen Sie die Schüler kennen (allesamt nur mit dem ersten Buchstaben ihres Nachnamens bena... Nach wie vor Schullektüre, ist dieses Buch ein Krimi der besonderen Art. Hier gilt es, einen Lehrer kennen- und bemitleiden zu lernen, der zu Zeiten Hitlers den Mord an einem seiner Schüler aufzuklären gezwungen ist. Auf der anderen Seite lernen Sie die Schüler kennen (allesamt nur mit dem ersten Buchstaben ihres Nachnamens benannt), die intrigant, exzentrisch, gewalttätig, eigenbrötlerisch sind, und sich der Gruppendynamik nur schwerlich zu entziehen vermögen. Eine ganz persönliche Suche nach Gott, ein überraschend guter Krimi, aber vorallem eine grossartige soziologische Studie über den Faschismus und dessen Auswirkungen. Horvath ist ein zeitloses Meisterwerk gelungen, das durch absurd-geniale Vergleiche besticht - wie zum Beispiel der Vergleich immer wieder desselben Schülers mit einem Fisch... Stilistisch und inhaltlisch ein grandioses Werk in der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Wie Hermann Hesse schon in einem Brief an einen Bekannten schrieb: "Ein kleines Buch empfehle ich Ihnen, eine Erzählung 'Jugend ohne Gott' von Horváth. Sie ist großartig und schneidet quer durch den moralischen Weltzustand von heute."